Soulsick & Skindeep

15.06.2009 um 00:27 Uhr

Und wenn ich gehe...

von: skindeep   Kategorie: the desperate

You are a cheap and nasty fake
And I am the bones you couldn't break

Wie schaffst du es nur so echt zu sein, so überreal, so du selbst und scheißegal. Du warst die Farbe dort um mich herum. Das letzte Mal, als ich dich sah, warst du betrunken und grob. Dich kümmerte so ungefähr nichts, ausser diesem Moment und vielleicht dem Glas in deiner Hand. Du kanntest mich nicht, und auch das war eigentlich egal. Du hast mich angesprochen und aus irgendeinem unerfindlichen Grund mochte ich dich oder zumindest irgendetwas an dir. Du warst nicht freundlich aus Höflichkeit und hast nichts gesagt, was überflüssig gewesen wäre. Du warst einfach nur. Mit ausgeblichenem rotgefärbtem Haar und den Piercings, die im Dunkel bunt leuchteten.
Als ich dich gestern wiedersah, wusste ich, dass es die Echtheit war, die ich mochte. Konventionslos und wen interessiert schon Smalltalk. Aber dieses Mal waren deine Konturen weicher, der Ausdruck in deinen Augen war weniger roh, dafür liebevoller, was auf den ersten Blick so gar nicht zu deiner Erscheinung passt. Ich glaube, du hattest noch viel weniger geschlafen als ich und wirktest trotzdem wacher. Du bist nicht so dumm, wie es auf den ersten Blick vermuten lässt und dein Blut schreit Anarchie. Du tust trotzdem pflichtbewusst deine Arbeit und abends stampfst du Freiheit in die Böden einer Nation. Dann gibt es eben keinen Schlaf. Ich glaube, der Welt würde es besser gehen, wenn ein paar Menschen mehr von sich selbst zulassen und mehr Luft zwischen ihren Gedankengängen erlauben würden.
Du hast mir einen Kuss auf die Nase gegeben und schautest mich traurig an, als ich ging, aber gesagt hast du nichts.
Es gibt keinen Kampf, nicht gegen mich, das wusstest du.

I will brush off all the dirt
And I will pretend it didn't hurt
(Placebo - Battle for the sun)


14.04.2009 um 23:42 Uhr

people...

von: skindeep   Kategorie: the desperate

.I see my red door and must have it painted black.

Erzähl' mir nichts von Freiheit, wenn du nicht mal die Bedeutung dieses Wortes kennst, geschweige denn das, was dahinter steht. Nein, ich behaupte nicht, objektiv betrachtet, frei zu sein. Nur in mir springt ein Herz gegen alle vier Wände, taktlos. Nenn mich nicht mutig, wenn ich doch bloß nichts zu verlieren habe.
Aber du, was weißt du schon? Du hattest immer nur Angst. Angst vor dem, was kommen mag, Angst vor dem, was niemals wird und vor allem aber Angst vor dir selbst. Warum die Angst, was soll schon passieren? Vielleicht stürzt du ins Eis oder vergisst zu atmen, für ein bis zwei Sekunden. Vielleicht fragst du dich, wo die Zeit geblieben ist und woher nun plötzlich die kleinen Falten um deine Augenwinkel stammen. Vielleicht hast du hinterher Bauchschmerzen und bist erschöpft wie nie zuvor. Der Tod ist immer das Ende und warum soll es nicht ein besonders Schönes werden?
So what. It was worth it. 

I wanna see it painted, painted black
Black as night, black as coal
I wanna see the sun blotted out from the sky
I wanna see it painted, painted, painted, painted black.
(Rolling Stones - Paint it black) 

10.04.2009 um 23:32 Uhr

Regen...

von: skindeep   Kategorie: the desperate

Wenn das Leben nur ein Lufthauch ist, was bin dann ich? Regen und Wind, Naturgewalt? Eine sanfte Schneedecke über knackendem Eis. Ein fegender Sturm, der durch die Gassen heult. Dann bricht das Eis und alles, was darüber liegt, wird niedergerissen.

Als ich dort bei ihm lag, musste ich daran denken, wie ich manchmal mit dem Kopf auf deinem Arm lag, mit der Nase an deiner Achsel oder deinem Hals und mir fiel wieder ein, was Heimat bedeutet. Oder mich beschlich zumindest die ferne Ahnung davon.
Ich glaube, ich muss dir danken. Selbst wenn du vielleicht nicht verstehst oder meine Worte überflüssig sind, weil sie mit den nächsten Wogen ins Dunkel geschwemmt werden. Wofür...? Dafür, dass du mich in einer der schwersten Zeiten angenommen hast, als das, was ich war, und mich weiter geführt hast. Für eine Menge Zeit, trotz allem, ein paar lange Jahre, in denen du mal weniger und mal viel mehr bei mir warst. Heimat und Nähe, die mich um einiges weicher aber auch freier machten, trotz schwerer Tränen hast du mich nicht aufgehalten. Für all die Kleinigkeiten, die sich eingebrannt haben und manchmal zurück an die Oberfläche kommen, daran kratzen. Für be-dingungs.losen Rückhalt, auch wenn ich es dir nicht nur leicht gemacht habe. Ich glaube, du hast damit zu großen Teilen zu dem beigetragen, was aus mir geworden ist. Zu der Freiheit, die ich nun überall in mir spüre, die mich denken lässt, ich kann tun und lassen, was ich will, selbst wenn sie haltlos macht. Zu dem Lächeln zwischen Mund und Augenwinkeln.
Mehr kann ich nicht sagen, die Worte reichen nicht. Es war bloß das Gefühl, dass es Zeit dafür wäre... ich wusste einiges nicht zu schätzen, als ich es hatte und das tut mir leid.

Nun bin ich Feuer und Eis. Regentropfen auf der Fensterscheibe; ein schleichendes Gefühl oder ein alles einnehmender Sturz ins Leere. Ich bin wer ich sein will und doch niemand anderes. Manche Dinge ändern sich nicht. "...Und dann durchfließt sie mich wie Regen."

 

Alles was wir tun können
ist verlieren...
(Subway to Sally - So fern, so nah)

16.11.2008 um 02:12 Uhr

Inexistent

von: skindeep   Kategorie: the desperate

Der Geruch ist so vertraut. Duftet, erinnert. Kalter Zigarettenrauch, noch kälterer Wind und irgendein wohlriechendes Männerparfüm.
Wer sagte, dass es einfach sei, kennt es nicht zu genüge, das alte Leben.

Es ist spät. Und ich müde. Es regnet still die Straße hinunter, leiser feuchter Novemberregen. Grauschleier überschwemmen alles, wie der Nebel vor deinem Haus, und Anstrengung zaubert wunderlose Kopfschmerzen. Ein Pochen hinter den Schläfen, mein Kopf ist heiß, der Rest zittert vor Kälte. Winter macht einsam. Sinne spielen Streiche, ich vermisse die Sonne. Der Nebel formt sich zu Wolken, die haben sie verschluckt.
Ich bin schwächer und stärker als du denkst. Ich sollte weniger suchen, mehr finden. Woher kommt der Vorwurf in deinen Augen? Ich habe doch nicht darum gebeten. Gelbliches Licht bündelt sich unter Straßenlaternen, kann kaum entweichen. Nebel hält fest. Ganz fest. Warum nur kannst du mich nicht genauso fest halten, das Zittern enden lassen, mich mit deinem Geruch umspülen?

In deiner Gegenwart werde ich inexistent. Die Haare sind vom Nordwind ganz zerzaust, doch es kümmert nicht. Du bist der schönste Mensch auf Erden, wenn du nur willst. Zeitlos schön. Wie ein altes Buch in einem Regal oder ein paar klare Tropfen am Fenster. Tropfen, die nicht fallen wollen.

06.10.2008 um 13:14 Uhr

Auf.gewühlt

von: skindeep   Kategorie: the desperate

Ich bin zu sehr. Spielkind.
Ich will und will zuviel. Ich bin ewig unnahbar. Ein verletzliches Engelslächeln; komm beschütz' mich. Dahinter die selbstzerstörerische Raubkatze mit ausgefahrenen Krallen. Ich will Nähe, deine verdammte Nähe. Du bist. reizvoller Beutezug.

Dein Kuss begleitet mich seit tausend Jahren
Gejagt von tausend Teufelsscharen
Dein Duft zerreißt die Nacht seit tausend Jahren
Dein Fluch in mir kennt kein Erbarmen
(Nik Page - Dein Kuss)

Ich brauche neue Grenzen, die alten sind ausgetestet und überschritten. Komm näher, tu es langsam. Sei meine Grenze, rötlich bunt. Wogender Rythmus, tiefer Bass durchfährt mich. Es ist ein schönes Spiel und dein Lächeln zögerlich bestimmt. Haut an Haut, dann unvermittelt gewollt ganz nah. Ein zartes Schaudern, ein kurzes Lodern. Die Welt ist zeitlos. Verhaltene Begierde hinter deiner warmen Hand. Gibt Sicherheit, die ich nur vortäusche. Es gibt kein vorsichtiges Tasten, es gibt nur willentlichen Kampf oder die Einsamkeit. Du riechst so gut.
Ich
will. Deine Zähne in meiner Haut, reißend. Noch näher. Noch mehr.
Ich will. Fortlaufen und mich verstecken. Dich mitziehen und nicht gehen lassen.
Ich weiß nicht, was ich will.
Mit dem letzten Lied bist du fort, lässt mich aufgewühlt im flackernden Licht zurück.

Don't you confuse me too much.