Frühlingsnacht
In mir ist Frühling.
Es ist toll, abends durch die Stadt zu laufen, wenn die Luft so mild ist und es langsam immer später dunkler wird. Ich liebe diese lauen Abende, die auf warme und laute Tage folgen. Wir sind bis zum Spielplatz gelaufen, mitten zwischen hohen Häuserwänden und breiten Straßen. In den Wohnungen um uns herum brannten vereinzelt Lichter, ein paar junge Männer spielten Boccia im Halbdunkel. Ein anderer saß auf einer Bank neben dem Sandkasten, mit einem Laptop auf dem Schoß. Ich habe mich auf eine Schaukel gesetzt und in den Himmel geschaut. Und bin mit dir auf dem Klettergerüst auf und ab gesprungen bis mir übel war.
Es gibt Nächte, in denen möchte ich nicht schlafen. In denen möchte ich tanzen oder durch die Straßen streunen. Die Welt in mich aufsaugen. Oder einfach nur irgendwo in eine Decke gehüllt sitzen und Kakao trinken. Mir eine Geschichte erzählen lassen. Was ist schon Schlaf, wenn es so viele wunderbare Dinge gibt, die man stattdessen tun kann. Tagsüber ist das Holz der Terasse, über die ich laufe, ganz warm. Die Wiese ebenso. Eine Ahnung von Aufbruch durchfährt mich.
Es tut gut, wieder ein wenig zu fiebern, zu ahnen und hoffen. Zu sein. Deine klaren blauen Augen sind groß und undurchdringlich, sie machen neugierig. Und wenn ich etwas gut kann, dann neugierig sein. Ich habe dich gewarnt und du hast verstanden und dich entschieden. Für das "alles". Einer der großartigsten Sätze, die seit langem jemand zu mir sagte. Vielleicht bist du auch du Frühling, hinter deiner milchigen Undurchdringlichkeit.
Für mehr Frühlingstage und Sommernächte. Für mehr Veilchen auf den Wiesen und Kindgebliebene abends auf Spielplätzen. Mehr Leben. Tieferes Einatmen. Einfach mehr.
