Soulsick & Skindeep

02.04.2009 um 00:36 Uhr

Frühlingsnacht

von: skindeep   Kategorie: floating.

In mir ist Frühling.

Es ist toll, abends durch die Stadt zu laufen, wenn die Luft so mild ist und es langsam immer später dunkler wird. Ich liebe diese lauen Abende, die auf warme und laute Tage folgen. Wir sind bis zum Spielplatz gelaufen, mitten zwischen hohen Häuserwänden und breiten Straßen. In den Wohnungen um uns herum brannten vereinzelt Lichter, ein paar junge Männer spielten Boccia im Halbdunkel. Ein anderer saß auf einer Bank neben dem Sandkasten, mit einem Laptop auf dem Schoß. Ich habe mich auf eine Schaukel gesetzt und in den Himmel geschaut. Und bin mit dir auf dem Klettergerüst auf und ab gesprungen bis mir übel war.

Es gibt Nächte, in denen möchte ich nicht schlafen. In denen möchte ich tanzen oder durch die Straßen streunen. Die Welt in mich aufsaugen. Oder einfach nur irgendwo in eine Decke gehüllt sitzen und Kakao trinken. Mir eine Geschichte erzählen lassen. Was ist schon Schlaf, wenn es so viele wunderbare Dinge gibt, die man stattdessen tun kann. Tagsüber ist das Holz der Terasse, über die ich laufe, ganz warm. Die Wiese ebenso. Eine Ahnung von Aufbruch durchfährt mich.

Es tut gut, wieder ein wenig zu fiebern, zu ahnen und hoffen. Zu sein. Deine klaren blauen Augen sind groß und undurchdringlich, sie machen neugierig. Und wenn ich etwas gut kann, dann neugierig sein. Ich habe dich gewarnt und du hast verstanden und dich entschieden. Für das "alles". Einer der großartigsten Sätze, die seit langem jemand zu mir sagte. Vielleicht bist du auch du Frühling, hinter deiner milchigen Undurchdringlichkeit.

Für mehr Frühlingstage und Sommernächte. Für mehr Veilchen auf den Wiesen und Kindgebliebene abends auf Spielplätzen. Mehr Leben. Tieferes Einatmen. Einfach mehr.

07.12.2008 um 23:05 Uhr

Aix-la-Chapelle

von: skindeep   Kategorie: floating.

Peut-être faut-il avoir senti l'amour pour bien connaître l'amitiè
(Nicolas de Chamfort)  

Mir fielen die Augen zu als wir im Zug zurück nach Köln saßen, ich lauschte ihrer ruhigen Stimme, die von früher erzählte und lächelte still. Die letzten Tage und Nächte waren anstrengend und lang, hatten mich müde gemacht, ihr habt das Ganze in eine wohlige Erschöpfung gewandelt.
Ich dachte an unsere Treffen in den vergangenen Jahren während der Zug an kargen Bäumen vorbeirauschte, an das erste Treffen in Köln voller Chaos, ich war jung und wusste nicht wohin mit mir. Das Happy End im Jahr danach, das vielmehr ein Neuanfang als ein Ende war. An letztes Jahr, an vertraute Gesichter. Aachen ist nun eure, unsere Stadt. Der Glühwein, alte Fotos und Zugfahrten gen Nostalgia. Und wie aus Freundschaft Heimat wurde.

Die alten Pflasterstraßen sind regennass, zwischen Dom und Rathaus blitzen Lichterketten über Regenschirmen. Mir ist kalt. Aber eigentlich ist das alles nicht so wichtig. Wir rücken ein wenig zusammen. Eine lang vermisste Umarmung, ein Lächeln aus warmen Augen. Verstehen auch ohne Worte. Ich habe mich lange nicht mehr so zufrieden und auf-gehoben gefühlt. Ihr habt mich zusammengehalten, als alles andere aus den Fugen geriet. Und ihr tut es noch immer.
Es ist anders als damals, die Geschichten sind nicht weniger traurig, doch die Welt ist ruhiger und wir zuversichtlicher. Wir haben uns gemeinsam verändert, sind zusammen älter geworden und ich würde für jeden von euch durchs Feuer gehen, wenn es sein müsste.
Selbst wenn wir uns nur einmal im Jahr an einem kalten, verregneten Vorweihnachtstag sehen. Es ist, als wärt ihr nicht einen Tag fort gewesen.

...and you're waiting outside Jimmy's front door
But nobody's in and nobody's home 'til four
So you're sitting there with nothing to do
And talking about Robert Riger and his Motley Crue
And where you gonna go and where you gonna sleep tonight...
(Amy MacDonald - This is the life

23.11.2008 um 18:23 Uhr

...schrieb ich ein Gedicht auf ihre weiße Haut

von: skindeep   Kategorie: floating.


Quelle: Musicals-4-you.de/typo3temp/pics/20756c5cae.jpg
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Das Korn war golden und der Himmel klar
1617 als es Sommer war
wir lagen im flüsternden Gras
ihre Hand auf meiner Haut
war zärtlich und warm
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Sie ahnte nicht, dass ich verloren bin
Ich glaubte ja daran,
dass ich gewinn
Doch an diesem Tag geschah's zum ersten Mal
sie starb in meinem Arm
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Wie immer wenn ich nach dem Leben griff
blieb nichts in meiner Hand
ich möchte Flamme sein
und Asche werden
und hab' noch nie gebrannt
(Jim Steinman - Unstillbare Gier)


Wer nicht altert, kann kaum vergessen. Und wie zeigt man jemandem die Welt, der schon alles gesehen hat? Es bleibt doch nichts mehr über. Wie kann man die Leidenschaft mit jemandem teilen, den es vor Sehnen fast zerreisst? Wie jemanden lieben, der die Menschen verachtet?

Ich will. Diese reine weisse Haut. Wie frischer Schnee in kalter Nacht. Unbeschreibliche Eleganz und eine Würde, die von hohem Alter zeugt. Will alles, und bekomme doch nie genug. Immer zu wenig, ewig zu klein, das Leben. Die Welt ist nicht genug.

Und doch, es funktioniert. Mit Hingabe. Menschlichkeit. Einigkeit. Faszination. Ein wenig Liebe zum Tod.

09.10.2008 um 05:08 Uhr

Und ich tanz'...

von: skindeep   Kategorie: floating.

Musik: ASP - Der schwarze Schmetterling

And if I could stop the clocks
If I could make this moment mine...

Regen, vom Wind achtlos umher gepeitscht. Die Pfützen am Boden werden größer. Kalter, dunkler Herbstabend. Die Köpfe eingezogen, unter Schirmen versteckt. Feuchtigkeit kriecht unter die langen Mäntel und frisst sich fest. Im Innern wird es warm, ich halte ihre Hand. Bloß ein Wort und das Kartenhaus fällt in sich zusammen.

Und ich bin da, wenn du ganz entblößt, in der Sonne die Seele brennt, dennoch erfrierst...
Du bewirkst Herzstillstände, sekundenweise. Bescherst plötzliche Schmerzen in der Gegend zwischen Herz und Bauch, es zieht sich in mir zusammen, dass ich mich übergeben möchte. Ich will dich nicht anstarren, sehe stattdessen zu Boden. Dabei will ich doch wissen, wie du nun aussiehst, ob du dich verändert hast. Deine Augen sind traurig wie eh und je, allein dein Lächeln verleiht ihnen ein Glitzern. Du siehst nicht unglücklich aus, vielmehr erschöpft. Müde. Durcheinander. Ich weiß es nicht.

Gänsehautmusik. Sanftes Licht, so stimmig. Und die Lieder, die immer und immer und immer wieder gehörten Lieder. Durchfließen mich wie warmer Regen. Machen die Kälte vergessen und den Sturm zum Teil der Melodie.
Du fügst dich nahtlos in das Bild, in die Erinnerung an vergangene Konzerte, an kühle Herbst- und eisige Winterabende. Die Texte der Lieder wandeln sich in eine einzige, lange Geschichte. Bilderflut in meinem Kopf. Tanzt mit dem Licht an der roten Decke. Wird zu einem Fluss, der sich vor mir auf den Boden ergießt. Eintauchen, voll und ganz. Mit Haut und Haar, mit Augen und Ohren, mit Herz und Verstand.

Weißt du, wer ich bin?

Down
The only way is down...
(Donots - Stop the clocks)

22.07.2008 um 03:31 Uhr

Verschwende deine Jugend...

von: skindeep   Kategorie: floating.

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...und schenk mir deine Zeit!
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Wir leben schnell und radikal
was um uns ist ist uns egal
Wir brauchen Feuer
Wir atmen Benzin!
(Eisbrecher - Willkommen im Nichts)
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Laut, grell, bunt. Feuer, Nebel, Scheinwerferlicht. Rubin, Zyan, gleißend weiß. Raue Stimmen, tiefe Bässe. Heilt Wunden und schürft neue auf. Laute Euphorie und hinausgeschrieene Einigkeit. Frei, frei, überfrei. Dekadent, eitel, lustvoll einsam. Wild und elegant kaputt. Willenlos intelligent, elektronisch radikal. So sehr ein Bild. so sehr eine Welt in stahlkappenbeschwerten Kreisen. 'Drei Schritte vor und drei zurück, sie bewegen sich im Einheitsschritt'.
Doch nur Mensch. Ich bin voll und. ganz ich selbst und niemand sonst. Ich kann sein wer ich sein will, die Stimme hält mich weit über mir. Laut, lauter. Ganz leise, Gänsehaut am ganzen Körper. Alles vergessend. For I am music. I am time. And time needs to be killed, no room anymore. 'I am ok, but you're in danger!'
Halt mich, halt mich. Bewahr mich vor endlosen Tiefen und heb mich in die Wolken. Ich bin dein. Weil niemand mich besser und schöner fühlen lässt. Ergeben und niedergestreckt. Nur ein Moment für die Ewigkeit.


01.06.2008 um 19:44 Uhr

Schönheit

von: skindeep   Kategorie: floating.

Das war einer von jenen Tagen, an denen es jeden Moment schneien kann und Elektrizität in der Luft liegt. Man kann sie fast knistern hören, stimmt's? Und diese Tüte hat einfach mit mir getanzt. Wie ein kleines Kind, das darum bettelt mit mir zu spielen. Fünfzehn Minuten lang. An dem Tag ist mir klar geworden, dass hinter allen Dingen Leben steckt. Und diese unglaublich gütige Kraft, die mich wissen lassen wollte, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Nie wieder! Ein Video ist ein armseliger Ersatz, ich weiß. Aber es hilft mir, mich zu erinnern. Und ich muss mich erinnern. Es gibt manchmal so viel Schönheit auf der Welt, dass ich sie fast nicht ertragen kann. Und mein Herz droht dann daran zu zerbrechen.

 

Manchmal ist es so, genau so. Wenn die Sonne scheint und das richtige Lied im Hintergrund läuft. Alles ist ganz normal, ganz gewöhnlich. Trotzdem glitzert es ein wenig über allem und die Welt steht für ein paar Sekunden still. Hält den Atem an. Vielleicht um sich selbst gewahr zu werden. Es treibt mir die Tränen in die Augen. Einfach so. Vor lauter Schönheit und Überfluss. Und ich weiß wieder, wer ich bin.

 

...dann geht mir durch den Kopf, ich sollte mich entspannen und aufhören, zu versuchen, die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen...
(aus American Beauty)

24.05.2008 um 19:42 Uhr

Hello love

von: skindeep   Kategorie: floating.

Wunderbar. In mir. Rastlosleben, tausend Momente komprimiert. Es geht nicht schneller, nur auf kürzere Zeit zusammengepresst. Ein Lächeln im Sonnenschein, ein Tränenausbruch in der Morgendämmerung, Nachtmahre und Innenlebendigkeiten. Alive, so alive. Plötzlich, irgendwie, und doch ganz schleichend langsam kam es. Wandel, zwar mit vielen Rückschlägen, aber ich habe mich verändert. Ich möchte schnell leben, möchte Alles und am liebsten alles zur gleichen Zeit. Möchte hier sein und fort sein. Möchte lachen und weinen und jubeln zugleich. Möchte festhalten und hinter mir lassen. Möchte alles genießen können und nicht stillstehen.

Und dann sehe ich dein Gesicht, dein Lächeln, hinter einer dunkeln Mauer und weiß was Liebe ist. Weiß was ich möchte und nicht bekommen kann. Du bist wieder das Phantombild von einst. Gut so, besser als das ewige Alptraumbild. Sie hat auch von dir geträumt, in der gleichen kalten Nacht. Seltsam. Ich bin nicht die einzige die dich vermisst und zugleich weiß, dass du es keinen Wert mehr hat

Ich bin frei. Und genieße es. Ich schmiede Pläne, die ich wahrscheinlich nie in die Tat umsetzen kann. Aber das macht nichts, denn sie schüren Euphorie. Entfachen Feuer und verhaltene Wildheit. Ich will nicht mehr nachdenken, sondern es einfach machen. Drauflosrennen, springen, berühren. Alles was es zu berühren lohnt. Einatmen. Tief.

11.05.2008 um 17:07 Uhr

Explosion

von: skindeep   Kategorie: floating.

 

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Matinée. Explosion. Bleu partout. Toujours du bleu; splendide. Le jour qui recommence; qui insiste.
(Michel Houellebecq - Une journée avec elle)
 

06.04.2008 um 23:16 Uhr

Feuerschritte

von: skindeep   Kategorie: floating.

Stimmung: Ich könnte. Bäume ausreißen
Musik: Subway - Veitstanz

Tausend Schritte im Kreise gehalten. Augen.blicke mit geschlossenen Lidern. Feuertanz. Ich bin der Takt, bin der Bass, bin die Stimme in Ekstase. Der Boden bebt unter jedem Schritt. Stampfend, wütend. Laut, lauter. Heiße Worte verdampfend, Körper an Körper.

Leise Klänge, Haare schwingend, schwebend, langsam. Tausend Welten in einer Nacht. Dunkelbunte Lichtblitze geben den Klängen so viel Kraft. Grell auf meiner Haut. Wir drehen uns umeinander in wilden Kreisen. Taumelnd, trunken. Bringen uns umeinander. Und den Verstand. Feuerschritte.

'Die Welt versinkt im Farbenmeer...'

Niemals wieder Stillstand. Eins sein mit der Musik im Hier und Jetzt. Leuchtend. Kraftvoll, endlos. Schöne Erschöpfung spüren. Lachen, atmen, tanzen. Leben.