Soulsick & Skindeep

14.10.2009 um 03:38 Uhr

Dar es Salaam

von: skindeep   Kategorie: On the road

 

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Es war früher Morgen, als ich in Dar es Salaam ankam. Ich saß im Taxi, mit vier mir unbekannten Menschen, von denen zwei bald schon zu meiner Familie gehören sollten. Ich starrte aus dem Fenster, sprachlos. Diesen ersten Eindruck der Stadt werde ich wohl nie vergessen. Die Straßen waren gut, asphaltiert und breit, doch die kleinen Hütten und Läden dahinter raubten mir alle Worte. Und die Menschen, so viele Menschen, und alle schienen sich am Straßenrand versammelt zu haben, saßen dort, oder verkauften unerkenntliche Dinge vom Boden. Immer mehr Autos waren auf der Straße, bis wir schließlich im mir unverständlichsten Stau standen und Busse an uns vorbeikrochen, in denen die Menschen eng aneinandergepfercht saßen und standen. Und alle schauten sie mich an, durch die Autoscheibe, aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Es war dreckig, ich hatte das Gefühl die Leute dort am Straßenrand lebten im Müll. Und die ganze Zeit dachte ich, das wäre sicher nur außerhalb so und wir würden gleich in eine bessere Gegend fahren. Außerhalb waren wir tatsächlich, und nach zwei Tagen hatte ich auch begriffen, dass es hier beinahe überall so aussah und es noch nicht einmal besonders schlimm war, im Gegenteil recht geregelt und sauber. Ich glaube, ich habe die gesamte Fahrt keine drei Worte gesagt, sondern nur aus dem Fenster gestarrt und mich fortgewünscht. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit irgendwo rechts abbogen, blickte ich erschrocken hoch und sagte mir, dass es hier doch noch nicht sein könnte. Ich sah ein kleines Geschäft und halbzerfallene Mauern und die Straße vor mir, die eigentlich mehr aus Löchern als aus Straße bestand. Bis ich dem Finger von Hawa folgte, der auf die andere Straßenseite deutete, und mir fiel ein Stein vom Herzen. Das Haus war tatsächlich ein Haus. Aus schönem Stein mit einem surreal blauen Zaun davor. Der Eingang führte an der Garage vorbei zum Hof, wo auch schon die halbe Familie auf mich wartete und sich freudig vorstellte.

~

Es dauerte mindestens eine Woche, bis ich all ihre Namen wusste und mir auch ganz sicher war, wer im Haus lebte und wer nur zu Besuch gekommen war. Dann kannte ich auch den netten Jungen, der im Geschäft gegenüber arbeitete und mir so ziemlich alles verkaufte von Handykarten über Zahnpasta bis Kaugummi und mich jeden Morgen begrüßte, wenn ich aus dem Haus kam und zur Arbeit ging. Die Busfahrt zur Arbeit war jeden Tag ein neuer Kampf, denn der Stau, den ich schon am ersten Morgen erlebte hatte, war keine Ausnahme, sondern wiederholte sich jeden Morgen. Und jeden Abend. Und an Feiertagen ganz besonders. Ich stand also an der Bushaltstelle inmitten, wie es mir schien, Hunderter anderer, gegen die ich um einen Platz im Bus kämpfen musste. Und kämpfen heisst auch wirklich kämpfen. Ich habe es bis zum Schluss nicht verstanden. Menschen, deren Zeitverständnis ein völlig anderes ist, als das des gehetzten Europäers und denen es nichts ausmacht eine halbe Stunde später da zu sein oder noch einen Tee zu trinken, wenn man doch eigentlich verabredet war, werden plötzlich hektisch, wenn sie einen Bus verpassen könnten, oder die Fähre. Und dann haben sie kein Problem, mit Ellenbogen und geballter Körperkraft alle anderen, die auch einsteigen wollen, wegzudrängen. Mal ganz davon abgesehen, dass jeder Weg durch eine größere oder auch kleinere Menschenmenge zum Spießrutenlauf wurde, bei dem ich mich so gar nicht wohl fühlte, wenn ich allein unterwegs war. Nicht weil ich Angst hatte, die meisten Leute waren zwar aufdringlich, aber freundlich. Sondern weil genau diese Art von Freundlichkeit wahnsinnig anstrengend ist. Weil ich es nicht gewohnt war, ununterbrochen angestarrt und angesprochen zu werden und aufzufallen, nicht wegen meiner Kleidung oder meines Benehmens, sondern schlicht und einfach um meiner Hautfarbe willen. Von aufdringlichen Männern, von neugierigen Kindern, von geldwitternden Verkäufern aller Art, die jeden der vorbeiläuft sofort als Schwester ansprechen und von Frauen, die mich ansahen, als würde ich ihnen etwas wegnehmen. Aber eine freundliche Begrüßung musste trotzdem immer drin sein, denn die meisten machten einfach nur Scherze und es wäre grob unhöflich, nicht, oder gar wütend zu reagieren. Ein gemurmeltes, jaja, leck mich am Arsch, konnte ich mir manchmal trotzdem nicht verkneifen. 

~

Sie begegnete mir direkt an einem meiner ersten Tage in der Psychiatrie. Ich saß in unserem Büro und wartete noch auf meine offizielle Erlaubnis vom Klinikleiter, mein Praktikum beginnen zu können. Sie kam ins Büro, mit einem breiten und herrlich offenen Lächeln. Ich stammelte eine Begrüßung in einem seltsamen Gemisch aus Swahili und Englisch, bis ich zwei Minuten später herausfand, dass sie aus der Schweiz kam, auch Psychologiestudentin war und an ihrer Masterarbeit schreibt. Ich habe sie an diesem Tag in eine der Schule begleitet, wo sie eine Fragebogenstudie mit den Kindern machte und war danach mit ihr am Strand. Ihre natürlich-euphorische Art riss mich sofort mit und in den Wochen danach trafen wir uns oft. Wir schliefen in Zanzibar in einem Zimmer, dass nach Schimmel und Keller roch; auf einer Matratze, bei deren Anblick ich spontan entschloss, meine Kleidung doch lieber anzubehalten und unter einem Moskitonetz, dass wir nicht aufspannten, weil Yolanda einen Lachanfall bekam, nachdem sie daran gerochen und mit angeekeltem Gesicht zurückgewichen war. Wir fuhren zusammen Bus, eingekeilt zwischen zu vielen Menschen und feilschten mit den Händlern, bis wir beide keine Lust mehr hatten und doch den vollen Preis bezahlten. Wir überlebten die Fähre trotz aufsteigender Übelkeit unbeschadet und sie bekam meine Tabletten gegen Reisekrankheit. Wir saßen am Strand und nachts in Bars, eigentlich fast nie allein, fanden Seesterne und schöne Schuhe, die größte und röteste Spinne der Welt und das beste Essen, was ich je gegessen habe.

~

Es war am Abend bevor ich nach Arusha fuhr. Ich glaube, ich stand in der Küchentür, Aziza, meine kleine Gastschwester, kam zu mir, nahm meine Hand und fragte, warum ich sie verlassen würde, ich wäre doch ihre beste Freundin. Ich nahm sie in den Arm und hätte beinahe losgeweint und ich sagte ihr, ich würde doch wiederkommen, in ein paar Tagen schon. Aber ich wusste, was sie meinte und es fiel mir genauso schwer. Als ich wiederkam, ging ich mit ihr und einem Freund einkaufen. Also eigentlich kaufte ich ein und sie waren meine geduldige Begleitung. Wir aßen Pommes mit Ei danach, in einer kleinen Bude an der Straße, tranken Cola und sie war so glücklich an diesem Tag. Ich auch. Am Abend danach, es war mein vorletzter in Tanzania, war die Familie am feiern. Ich hatte Kuchen mitgebracht und alle freuten sich. Ich war eigentlich eher traurig und fand den Rummel ein wenig fehl am Platze. Aziza verschwand irgendwann im Haus und schaute sehr bedrückt, als sie wieder raus kam. Ich ging zu ihr und fragte sie, was los sei, alle wären doch so fröhlich. Da begann sie zu weinen, meinetwegen und wir saßen lange nebeneinander und ich hielt ihre Hand.

tbc.

 

13.10.2009 um 17:38 Uhr

Arusha

von: skindeep   Kategorie: On the road

"It could be wrong
Could be wrong
This is out of control"

Wo bin ich denn nun schon wieder gelandet?
Fucking großartig³
So this is actually one of those great places. Those places that seem to be bewitched and
strange and once you arrived you don't quite remember how you got there.

Manchmal habe ich Angst allein im Dunkeln, dann sehe ich Männer in schwarzen Masken hinter regennassen Fensterscheiben und im Spiegel hinter mir bewegen sich Schemen, die mir sekundenlange Herzstillstände bescheren. Dort ist nichts, nichts außer meiner allzu lebhaften Fantasie. Dann werde ich schreckhaft wie ein kleines Mädchen, möchte die Vorhänge schließen, ohne dem Fenster zu nahe zu kommen, das Licht nicht löschen und jemanden haben, der Nachts neben mir im Bett liegt, nur um des Daseins willen.

So war es dort, Abends in Arusha, in diesem kleinen Zimmer mit den nackten Steinwänden, ein fremdes Bett in einer fremden Stadt, mit einer hölzernen Tür halb versteckt hinter einer Wäscheleine. Ich fühlte mich so ungewohnt unbewohnt. Und doch war ich wahrscheinlich besser aufgehoben, als jemals zuvor. Ich ging mit Elly etwas essen, das Mädchen in der Küche freute sich und lachte fröhlich, als ich auf Swahili nach der Toilette fragte, und als ich zurückkam traf ich ihn, mit seinem umwerfenden Lächeln und dem unkonventionellsten Lebensstil, den ich je erlebt habe. Er setzte sich neben uns an den Tisch, sein Bier in der Hand, grinste. Und wie sich herausstellte war sein Zimmer direkt neben meinem in dem kleinen Gasthaus. Unsere Pläne kreuzten sich in diesen Tagen, auch wenn unsere Leben unterschiedlicher kaum sein konnten.

Als ich nach fünf aufregenden Tagen zurückkehrte in die mittlerweile doch heimelige Stadt, war er auch wieder da. Oder noch. Beides vielleicht. Ich war müde, wollte eigentlich nur mein Busticket kaufen und schlafen. Nunja, Pläne ändern sich. Aus seiner offenen Tür tönte Placebo auf den Hof während ich duschte und es war wunderbar. Elly holte mich ab, wir gingen wieder in die Bar, in der wir fünf Tage zuvor auch waren und unterhielt mich mit Leuten, die ich nicht wirklich kannte, die Musik war laut und er saß plötzlich wieder neben mir. Irgendjemand schlug vor, wir könnten noch grillen. Taten wir auch. Auf einmal saßen wir an einem großen Tisch mit vielen Leute, manche Gesichter waren mir sogar bekannt und alle lachten, waren zufrieden. Das Fleisch schmeckte eigentlich nicht nach Fleisch, aber das machte nichts, ich trank ein Bier zuviel und war dann angenehm müde. Wir gingen später gemeinsam zurück zu unserem Gasthaus. Er umarmte mich, bevor ich in meinem Zimmer verschwand, sagte mit verschmitztem Grinsen, ich solle nicht zu laut schnarchen und ich wusste, ich würde ihn nie wiedersehen. Als ich mich am nächsten Morgen auf den Weg zum Bus machte, stand sein Zimmer schon leer. Er wollte nach Kenia, um dort sein Glück zu versuchen. Sein Gesicht könnte ich schon kaum mehr beschreiben, aber ich würde ihn wiedererkennen, aus Tausenden heraus, da bin ich mir sicher.

Strange feeling to wake up in a room, that is not yours, alone in a strange city with no common face around you and a weird dream still on your mind.
And then you just do as usually, pack your bag, which contains all you need for living, leave the key, walk down an empty and half rotten street, sit down in a bus with or without destination together with a bunch of people you don't know and will never see again.

(Kursivtexte: Tagebucheinträge vom 20. & 26.09.09)

"It could be wrong
Could be wrong
But it should've been right"
(Muse - Resistance) 

07.10.2009 um 23:39 Uhr

At the edge of the world.

von: skindeep   Kategorie: On the road

 

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Hier sind die Ränder der Welt. Hier ist nur der Horizont und rote Erde, meilenweit. Hier kannst du manchmal spüren, dass Gott vor langer Zeit einmal dagewesen sein muss und mit bloßen Händen ein Wunderwerk errichten wollte. Dann hat er diesem Ort den Rücken zugewandt und ihn sich selbst und den Menschen überlassen, die keine Zeit hatten auf ihn acht zu geben. Sie waren damit beschäftigt zu kämpfen, zu leben, zu beten, zu über-leben. Und mit der Zeit vergaß auch der Rest der Menschheit sie, vergaß, dass dort im Süden noch jemand war.

Hier ist die Welt noch eine Scheibe, wenn man genau hinsieht und dann verschließt man nicht mehr die Augen, denn was vielleicht wie Elend aussieht, ist doch nur Leben und die Menschen sind genauso glücklich oder unglücklich wie überall auf der Erde. Die alten Frauen in den Hauseingängen und die jungen Männer, die in die Städte ziehen und auf kleinen Karren Obst verkaufen und ihre Rufe gehen unter im Lärm des Straßenverkehrs. Das Ende der Welt war nie so nah.

Und doch ist genau hier der Ort, an dem alles neu beginnt. Die Wiege der Menschheit, seit Jahrtausenden endet alles an diesem einen Punkt und beginnt von vorn, ist so lebendig. Reboot.

Du kommst an, aus einem anderen Land, einem anderen Leben, das du dir selbst nach ein paar Wochen nicht mehr vorstellen kannst und bringt Ideale mit, Vorstellungen und Prinzipien und möchtest am liebsten allein die ganze Welt retten und läufst damit gegen eine Mauer. Deine naiven Ideale bröckeln langsam nieder, denn auf die Art und Weise, wie du es gewohnt bist, funktioniert hier nichts, deine Möglichkeiten sinken gegen Null und du nimmst das, was zur Verfügung steht und möglich ist und versuchst nicht zu resignieren, wie so viele vor dir schon. Hier musst du kämpfen und dir Zeit nehmen und warten und weiterkämpfen. Mehr Akzeptieren als Veränderungen schaffen wollen, die Jahre, vielleicht Jahrhunderte brauchen werden. Du allein kannst keine Welt verändern, die seit Ewigkeiten und länger ohne dich bestand, aber du kannst vielleicht die Sichtweise Einzelner umkrempeln und, noch viel wichtiger, deine eigene.

All your tomorrows start here.

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04.10.2009 um 11:38 Uhr

Franchipani

von: skindeep   Kategorie: On the road

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So this is love. Where will you be when the phone rings? Will you be waiting, sitting in front of the phone for hours, for however long a time you can remember? Or will you be outside, roaming in the streets, catching eyes and hiding smiles, making dreams - attempting to forget. Either you miss that one call or you miss life. Ever try. Ever fail. So wrap me up in dreams and death.
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Das Scheitern riecht nach Wellenschlagen und Franchipaniblüten. Halte durch, oder halte ein. In meinem Haar weht ein gelbes Band, vielleicht ist es auch weiß und auf den Seiten meines Herzens schlagen die Kinder der großen Städte ihre Trommeln. Es ist kaum noch Scheitern, es ist mehr ein Tanzen, mit am Himmel explodierenden Sternen.

25.07.2009 um 01:56 Uhr

Splendid south.

von: skindeep   Kategorie: On the road

Yeah, it scares the hell out of me, if I just think a little bit longer. Upside down, overwhelmed, where is that compass when you need it? Can't compensate. Can't activate. But I want, want, want. Can't be more and can't be less euphoric, all of a sudden and for all you may say. Know nothing, long for everything. Can't calculate while searching for a home. Maybe too naive. Maybe gorgeous and splendid. Anxious and insatiable. 

 

.Remember to keep breathing while freaking out. Might help. At least someone told me.

08.04.2009 um 15:55 Uhr

Helhel, winterlich

von: skindeep   Kategorie: On the road

 
~ This seemed rather to belong to some story heard long before, an instant in the life of another, ill told, ill heard, and more than half forgotten ~

Nun, wo ich wieder zurück bin und draußen vor dem Fenster die Bäume grünen und auf meinem Schreibtisch ein Strauß Tulpen in lila und rot blüht, wirken die letzten Tage unwirklich, wie Bilder aus einem fast vergessenen, eisigen Traum.

Nur das Gefühl ist geblieben, das der Kälte in den Knochen, der regennassen Straßen unter den Füßen und knackenden Eisschollen auf dem Ostseewasser. Ich war damit beschäftigt, aufs Meer zu sehen und über schneebedeckte Felsen zu klettern und du hast mit großen Augen Fotos gemacht. Die Stadt ist nicht schön, sie ist weitläufig und die Straßen sind breit und grau und leer. Es hat mich an Moskau erinnert anfangs, doch ist noch stiller und atmosphärischer. Die eh schon wenigen Einwohner, gemessen an der Fläche der Stadt, schienen sich nur im Flüsterton zu unterhalten, sie erwiderten mein Lächeln schüchtern, verzogen die Mundwinkel kaum merklich. Sie sind freundlich, intelligent und schön, aber auf ihre nordische Art reserviert. Und passen damit perfekt ins Bild, das Land macht die Hülle hart und das Herz umso weicher. Die Frau am Bahnsteig sagte, es sei schön, dass es Menschen gäbe, die offen sind, mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich habe mich gefreut.

Noch viel schöner als zwischen den alten Gebäuden war es ein paar Schritte weiter, am Hafen, wo die Fischerboote noch still im Eis ihren Winterschlaf hielten. Dort wo die Möwen auf den kargen Felsen saßen, oder auf der beinahe gruselig vernebelten Insel, von deren einsamen Hügeln man die Nebelhörner der großen Kreuzfahrtsschiffe hörte und die See gegen moosbewachsene Klippen schlug.

Wenn ich eines Tages zurückkehren sollte, dann an einen Ort fernab der Stadt, irgendwo zwischen hohen Kiefern und einem Haus, das aussieht, wie den Geschichten von Astrid Lindgren entsprungen. Ein Platz für mich, wenn ich das Rastlosleben satt habe.

~ Some closed, but endless space, once so twain. It makes me wanna listen to sad music. It makes me wanna remember the nights we tried to die... ~

 

Kiitos, auch dir. Dafür, dass du mich mitgenommen hast, in diese mir bisher nur aus der Ferne bekannte Welt. Für ganz viele Tassen warmen Kakaos und das Lied, dass du leise vor dich hingesungen hast. Erst jetzt kenne ich seine volle Bedeutung.

08.04.2009 um 13:26 Uhr

Heimatlos und sehnsuchtsschwer

von: skindeep   Kategorie: On the road


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Ein Platz zum Sein. Tief im Norden. Dort möcht' ich leben.
Vielleicht eines Tages, zwischen Schären, Wind und kargen Felsen, einem kleinen Boot am Steg. Innen wäre es warm, ein prasselnder Kamin umgeben von endlosen Bücherregalen. Geborgenheit, jemand der auf mich wartet, vielleicht dort.
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 Wind und Wogen flüstern leise
von Le Maire und Magellan,
von den Strömen und Gezeiten...

Wer gießt Blut durch meine Adern,
wer schickt Vögel über's Meer?
Ach ich harre schon so lange,
heimatlos und sehnsuchtsschwer.
(Subway to Sally - Seemannslied)

10.09.2008 um 12:11 Uhr

Heimweh

von: skindeep   Kategorie: On the road

Zaubererbruder,
Wo bist du gewesen in all diesen finsteren Jahren?
Zaubererbruder,
Ich weiß nicht - wie lang haben wir uns schon nicht gesehn?
Zaubererbruder,
Hast du fremde Länder bereist, Ozeane befahren?
Zaubererbruder,
Die Welt in den Händen und haben mit Worten bezahlt

Wenn die Heimat so weit fort ist, soll eben die ganze Welt
mein Zuhause sein

Ich wollte mich auf die Suche nach ihr machen, wollte die Welt mir unterwerfen, bis ich sie finde. Wollte dem Wind hinterherjagen, ohne Rücksicht auf Verluste. Sehnsuchtsvoll heimatlos. Doch ich bin sie leid, die ewige und nicht enden wollende Suche nach etwas, das längst fort ist, oder schlimmer noch, das es nie gegeben hat. Es sind nur die alten Mythen, die noch davon erzählen. Und ich habe ihnen geglaubt.
Meine Heimat warst du, meine Zuflucht und mein Wort, nicht an einen Ort gebunden, weltenübergreifend. Es gibt sie nicht mehr, und so gibt es auch nichts, was mich noch hält. Heimweh habe ich manchmal noch, gleich wo ich bin, doch die Suche aufgegeben.

Ich bin wählerisch. Und, nüchtern betrachtet, nicht der einfachste Mensch. Aber ich verstehe schnell, und respektiere alles Fremde und auf den ersten Blick ungewöhnliche, vielleicht weil ich selbst ein wenig zwischen den Stühlen sitze.
Jetzt habe ich verstanden, dass es nicht nur ein Zuhause geben muss und kann, wenn jede Stadt und jedes Land, das ich besuche, noch ein wenig schöner ist als die vorherigen. Und wenn es dort überall Menschen gibt, die mir ebenbürtig sind und in mir Ihresgleichen sehen oder zumindest bereit sind, mich zu Ihresgleichen zu machen. Ich habe noch eine Menge vor, bin nie lang an einem Ort, ohne dass ich unruhig werde und es mich wieder fortzieht. Nun ist die haltlose Suche zum Ziel geworden. Denn nach Hause findet man immer.

Ich bin gern heimatlos, wenn ich dafür eine ganze Welt haben kann. Die Reise hat gerade erst begonnen.

Zaubererbruder,
Wo ich auch hinkam war's besser und schlechter als hier
(ASP - Zaubererbruder)

02.09.2008 um 13:59 Uhr

Azur

von: skindeep   Kategorie: On the road

Musik: Peter Fox - Alles Neu


Catch me, catch me I'm falling - falling in love with you
I've
only got my heart to loose
Should I
be scared of you

(Joss Stone - Proper Nice)

Ein Stein liegt zwischen meinen Fingern, weiß und glatt. Er passt ganz genau in meine Hand, als wäre er für nichts anderes geschaffen. Im glitzernden Wasser hat er geleuchtet, jetzt ist er eher matt und unscheinbar. Es hat lang gedauert wieder vollständig im Alltag anzukommen, das Herz hinkte hinterher, und die passenden Worte fehlen mir noch immer.
Ich kann nur erzählen wie grün die Kakteen vor dem blauen Himmel waren, wie wunderbar durchsichtig türkis das Meer mit seinen sanften Wellen. Ich saß auf dem Schiff im Fahrtwind und das Wasser peitschte in mein Gesicht, Salz auf meiner Haut. Stundenlang könnte ich die trockenen braun-grünen Hügel bestaunen und dem tosenden Meeresrauschen zuhören, ohne es leid zu werden. Lebendig, über-lebendig. Alles neu.
Die Blumen zwischen den Mauerritzen, grasende Ziegen, selbst die alten Männer mit skeptischem Blick und tiefen Falten. Kleine Eidechsen und der Granatapfelbaum vor dem Fenster. Ganz selbstverständlich. Alles ein wenig näher, purer und weniger durchdacht. Unbekümmert.


Die Sterne waren so nah und die Welt schien tausendfach vergrößert. Blau an blau, wo der Himmel ins Meer floß. Übergangslos. Uneingeschränkt greifbar. Einig, so unzerrüttet.
Sonnenaufgang, ganz scheu und sanft gelb.
Es war toll. Mit euch nach einem langen Tag am Strand, rot am ganzen Körper, mit zerzaustem Haar und in den furchtbarsten Kleidern, lachend durch das Einkaufszentrum zu gehen, einen quietschenden Einkaufswagen hinter uns her zerrend. Abends nebeneinander im Bett zu liegen und zu reden, bis wir einschlafen. Über enge, steile Schotterstraßen zu fahren, die hierzulande kaum als Wanderweg durchgehen würden. Mit kleinen bunten Fischen im seichten Wasser zu tauchen. Sich nachts betrunken im Sand zu wälzen, während Sternschnuppen eine nach der anderen vom Himmel fallen und die Wünsche uns zu rasch ausgehen. Mit ihm an der Hand durch den Wald zu rennen, italienische Vokabeln stammelnd und prustend vor Lachen, weil wir einander nicht verstehen und es doch so egal ist. Vom Wellenrauschen schläfrig langsam die Augen zu schließen, mit der Gewissheit, dass es nicht besser sein könnte, dass ich nirgends anders sein möchte.
Sonnenuntergang, rot brennend, alles vereinnahmend.

Es war nicht wie im Wundersommer damals, vor nun fast zehn Jahren. Der Ort, die Menschen, so anders. Die vorpubertären Glücksgefühle sind seit langem ausgegangen, alles ist weniger schwankend nun.
Aber die winzigen Schmetterlinge im Bauch waren da, in manchen wunderbaren Augenblicken. Wohl behütet vom fernen Horizon. Take a deep breath. And feel. Mit den Fingern Herzen in den Sand gemalt. Wasserumspült. Euphorisiert. Azur und Goldgelb.

Please let me know, if there is a better place to be. Thank you.


19.08.2008 um 16:10 Uhr

Herzensnah

von: skindeep   Kategorie: On the road

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18.05.2008 um 23:42 Uhr

Berlin, Berlin

von: skindeep   Kategorie: On the road

Stimmung: fernweh

Immer wieder zieht es mich in die Städte. Zu den Menschen, den Farben, der Hektik. Paris, Moskau, Dublin, Wien, New York, London und nun Berlin. Dabei habe ich die Stille eigentlich sehr gern. Gelegentlich. Nunja, Großstadtkind eben.

Berlin ist anders, hat so viel Atmosphäre. Greifbare, lebendige. Ist groß, weit und dennoch eng. Eine Stadt voller Touristen und trotzdem ist es nicht schwer, dem Trubel zu entgehen. Man muss nur ein paar Ecken weiter gehen, entfernt von kamerablitzenden Sehenswürdigkeit. Dort auf Kopfsteinpflasterstraßen, zwischen schattigen Häusereingängen. Dort wartet mehr. Kleine gemütliche Restaurants, eine Menge Dreck und ausgefallene Geschäfte. Parks mit tobenden Kindern und fahrradgefüllte Hinterhöfe. Erinnerungen an gar nicht so lang vergangene Zeiten, Überreste der Mauer, mittlerweile voller Graffiti aber weiterhin bedrohlich.
In der U-Bahn Station riecht es nach Londons Untergrund, Heimat, irgendwo. Gegenüber von mir beißt sich eine junge Frau nervös auf die gepiercte Lippe, spielt mit den Fingern in ihren gefärbten Haaren und grinst in sich hinein, aus sich heraus. Die Kleider sind alternativ, lässig, betont unangestrengt. Schick, passend. Jung.
Die Menschen sind jung, genau wie die Stadt. Ihr Geist von Geschichte geprägt, ohne eingeengt zu sein. Eine Menge Armut, aber sie wirkt nicht unglücklich. Sie lachen von dreckigen Betontreppen dem blauen Himmel entgegen. Sind echt, viel echter als ich selbst mich fühle. Sind grell, überlebendig. Sie haben wenig Halt, außer sich selbst, ihre erkalteten Zigarrettenstummel und ein paar Hunde. Genügen sich selbst oder tun zumindest so. Sie haben nur heute, heute und wieder heute. Wenig vor und wenig zurück. Sie haben das Leben der ganzen Stadt in sich eingesogen und strahlen es aus, voll und ganz. Gegensätzlichkeiten verbinden sich hier stimmig und wirken einheitlich schön.

Berlin ist einladend laut. Ist Wandel, Aufbruch. Ist Geschichte mit viel Zukunft. Facettenreich. Und vor allem: menschlich.


...Es war so schön mit euch.

18.05.2008 um 23:04 Uhr

Großstadtleben

von: skindeep   Kategorie: On the road

 


 

 

11.03.2008 um 13:26 Uhr

Tired of London

von: skindeep   Kategorie: On the road

Musik: Placebo - Infra-Red

Ich fand dieses Bild. Tired of London. Und ich weiß, was es sagen will. Weiß, wie sehr man eine Stadt hassen kann, wenn man einsam ist. Wie sehr sie dich schwächen kann mit all ihrem Überfluss. Sie sehr sie dich betäubt, mit ihrem 'zu viel', 'zu groß', 'zu bunt' und 'zu frei'. Wie sehr sie dir die Kraft rauben kann im Alltag, mit regnerischem Wetter und grauen Häuserfronten.

Große weite Welt. Allein in einer Stadt, die viel zu groß ist für jemanden wie mich. Und ich habe sie doch erobert. Ich bin allein durch die Straßen gegangen, gesäumt von wuchtigen Hochhäusern. Ich habe mich allein in den Bus gesetzt und mich mehr als einmal in die gottverlassendsten Gegenden verfahren. Ich bin allein von Geschäft zu Geschäft gelaufen, von Menschen nur so überquellend und fühlte mich beizeiten fehl am Platze. Ich weiß noch wie mein Zimmer roch, nach einer Mischung aus suspektem Desinfektionsmittel für meine Piercings aus dem Laden um die Ecke und Patchouliöl. Ich habe verdammt lästige Männer kennengelernt und mein Hauptnahrungsmittel waren Cornflakes und Cheeseburger. Ich stand weinend am Flughafen und habe alles und jeden der mir in die Quere kam verflucht.

Und doch. Es gab so viele Orte an denen es ruhig war, sonnig, warm. Ich habe mir in meinem neuen Mantel eine riesige Schachtel Erdbeeren gekauft und sie am Ufer des Camden Canal gegessen. Ich habe mir die Schauspieler bei ihren Proben im New Globe Theater angesehen und wusste wie Shakespeare sich gefühlt haben muss. Ich habe viel nachgedacht und dabei eine Welt für mich entdeckt. Ich war zwar nie so allein, aber auch selten so frei wie dort. Never tired of London.

 

Quelle: www.doenerali.homelinux.org/~dennis3484/blog/wp