Soulsick & Skindeep

05.01.2009 um 00:34 Uhr

But I will run...

von: skindeep   Kategorie: Home

 Will you tell me when the lines are fading?
'Cos I can't see
I can't see no more

Will you tell me when the song stops playing?
'Cos I can't hear
I can't hear no more


Zwischen den Jahren war ich ruhelos, war einen Tag hier und einen dort und saß lange im Zug, starrte aus dem Fenster, saß im Auto, starrte auf die Straße. Es war toll. Schnee fiel, ich saß vor der Heizung, lauschte dem Meeresrauschen und schaute auf den eingefrorenen Flusslauf. Alles leuchtete irgendwie weißlich in der Wintersonne. Ich hatte Zeit... Zeit zu reflektieren, für mich zu sein ohne allein zu sein. Erst jetzt bin ich hier, zuhause. Ohne zu wissen, wie es eigentlich weitergeht.
Es war ein gutes Jahr, ein Jahr erfüllt von Freundschaft, enger werdender und neu erblühender Freundschaft. Ein Jahr voll Musik, voll neuer Länder. Es war einsam, an kalten Abenden. Im Frühling, vor allem im Frühling. Es spielte keine Rolle mehr, dann, ich habe mich trotzdem ins Leben gestürzt, ohne allzu oft zu stolpern. Im Sommer war die Welt schlaflos, und ich mit ihr. Ich bin durch die Nächte gestreunt und hatte Energie und Leidenschaft für zwei. Der Herbst war wieder Sturm, ich saß fest, tue es immer noch. Im Winter kamen stille Bekenntnisse. Lächeln, das von Freundschaft zeugt, der Anker ist geworfen und das Fernrohr liegt kalt in der Hand; die Pläne sind da, die Wünsche und Vorsätze. Ich habe angst, sie in die Tat umzusetzen, angst ich könnte scheitern. 
Ich drehe mich um meinen eigenen Wendepunkt, laufe fort, kehre zurück.
Ich habe gewonnen und zugleich verloren, das Herz ist ein wenig leerer und viel voller jetzt. Ich muss aufstehen, manchmal blind. Rot, violett. Ein kleines Haus im Mohnfeld bauen und dann weiterziehen, die Welt erobern und Augen.blicke im Stundenglas einfangen. Und blau.
 
Ich danke euch... für Halt, dafür, dass ihr Anker seid. Ihr wisst schon.
Für Nächte im warmen Sand und unter klarem Sternenhimmel. Für Nostalgie bei Zeraphine, für Aachen. Für tolles Essen bei Houdini und ein ganz bestimmtes Autogramm. Für Wein, am Abend und zum Frühstück. Für Nächte voll schöner Musik und tanzen mit Feuerschritten. Für einen betörenden Vampir, Schokolade mit Trauben, lange Autofahrten. Für anstrengende Fastentage und eine glorreiche Tomatensuppe. Für einen Spaziergang durch die Eiswelt. Für das kleinste Zimmer der Welt, mit der schiefen Lampe, für ein Stück Kuchen in einer schweren Zeit. Für eine Schneeballschlacht, eine Begegnung mit Bauchschmerzen, warmen Tee und noch wärmere Worte. Für Erinnerungen.
 
" But then they danced down the streets like dingledodies, and I shambled after as I've been doing all my life after people who interest me, because the only people for me are the mad ones, the ones who are mad to live, mad to talk, mad to be saved, desirous of everything at the same time, the ones who never yawn or say a commonplace thing, but burn, burn, burn like fabulous roman candles exploding like spiders across the stars and in the middle you see the blue centrelight pop and everybody goes "Awww!". "
(Aus: On the road von Jack Kerouac)
 
But I will run until my feet no longer run no more
And I will kiss until my lips no longer feel no more
...
(Amy MacDonald - Run)
 
.

24.07.2008 um 23:43 Uhr

Back to reality

von: skindeep   Kategorie: Home

 

You're so easy to read
but the book is boring
boring boring boring
boring boring me!

Wochenende im Rausch. Zu schnell verflogen. Wenig Schlaf, wenig Nahrung, viel Gefühl und noch mehr Musik. Jenseits von allem. Das Erwachen glücklicherweise langsam, no need to hurry.
Ich sah die Narben an seinem Rücken, gut verborgen zwischen den großflächigen Linien des Tattoos und ich musste an letztes Jahr denken. Als ich nur wenige Meter weiter neben jemand anderem auf dem Boden saß, er in Jeans, ich ohne Schuhe. Du hast Emilie Autumn angeschmachtet und wir standen pogend vor Subway. Es war warm, es war anders. Wir waren allein mit uns und ich war überschwappender, neben dir auf und ab hüpfend. Aufgeregt und amüsiert über all die aufgetakelten Grazien.

Dieses Jahr hatte ich mehr Halt, mehr lächelnde Gesichter um mich, die mich schon mehr als einmal aufgefangen haben. Doch ich kann nichts dagegen tun, die Erinnerungen kommen wieder und wieder und wieder, wenn ich nur an Orten bin, an denen wir gemeinsam waren. Und es bleiben nicht viele übrig, bei denen das nicht der Fall ist, in dieser, wie auch in deiner Stadt.

Es war anhaltender und freier dieses Jahr. Tiefer. Anders. Es fühlte sich nicht an wie ein Besuch, sondern wie Familie, genau am richtigen Ort.
Da war eine Menge Gänsehaut, an der vor allem ein Mann mit seiner tiefen, durchdringenden Stimme Schuld hatte. Sekundenlange Herzstillstände. Da war Erinnerung an alte Tage. Nostalgie mit genau den richtigen Menschen an meiner Seite
. Da war auch viel Neues. Lautes. Versteckt hinter hochtoupierten, mit bunten Schläuchen durchzogenen Haaren und nackten, endlos langen Beinen in  schweren Stiefeln. Altbekannte Gesichter und neue Freunde. Sonnenschein und Regenbögen. Schwarz in schwarz in schwarz übertüncht mit grellen Neontönen. Ich fühlte mich nicht nur als Teil des großen Ganzen, sondern als das große Ganze selbst. Der Rausch vergeht, langsam aber sicher. Alles andere bleibt. Ich bin jung und schön und haltlos. Und manchmal auch eitel und ein wenig arrogant. Wenn ich denn will. I don't care for less.

Misery loves company
and company loves more
more loves everybody else
but hell is others

(Emilie Autumn - Misery loves company)

22.06.2008 um 02:20 Uhr

High-street whore

von: skindeep   Kategorie: Home

Wie gut kann ich mich daran erinnern auf dem kargen Beton gesessen zu haben, nicht nur einmal. Ich habe aufs Wasser geschaut und Musik gehört, Ruhe suchend und nicht findend. Ruhe vor all den Farben, den Seifenblasen in die Luft pustenden Punks, den benutzt wirkenden und gedrungenen Häuserreihen, dem Gefühlsüberfluss. Urban Overload. Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Kanals, die Weide, eine der wenigen grünen Flecke im abgewrackten Camden. Nicht weit davon der Hinterausgang eines Restaurants, es roch nach Fisch und Müll, ein Mann ging umher und stapelte Kartons. Neben mir saß ein Pärchen, wie ich die Beine über dem Wasser baumelnd. Alltägliches Einerlei im verbrauchten Paradies.
Es ist als läge ein nur wenig verblichenes Foto vor mir, ich sehe die Szenen ungewöhnlich scharf vor mir. Genau wie ich mich an den Geruch in den U-Bahn Stationen erinnere, wenn ich die Augen schließe, und an die gefühlten Rasereien in mir.

Eigent
lich ist London nicht schön. Ganz im Gegenteil, es ist so unperfekt graustufig. Aber es gibt Orte, die müssen nicht schön sein um anziehend zu sein. Köln ist auch nicht schön, und doch möchte ich nicht woanders leben. Unbeschreiblicher Charme. Und London ist die einzige Stadt, nach der ich eine seltsame Art von Heimweh habe. Heimweh von der Sorte, die nicht gestillt werden kann, wenn ich wirklich wieder dort sein sollte. Eher von der Sorte, die sich noch verschlimmert, weil dann nicht mehr nur die Bilder, sondern auch die Gefühle sich wiederholen werden. Schmerz verbindet über die üblichen Grenzen hinaus.

London, my strangelove.
Ich werde zurückkehren eines Tages, mit nichts bei mir, als einer Kamera. Lastbefreit. Am Tag werde ich Fotos machen, davon haben viel zu wenige die Zeit überdauert, werde die Menschen und auch die Seifenblasen festhalten. Später werde ich wieder am Wasser sitzen, vielleicht am gleichen Platz, Füße baumelnd, Kopf entleert. Die Weide wird im Sonnenuntergangslicht leuchten und die Gassen leeren sich langsam, sobald die Geschäfte schließen. Ich werde innerlich toben, und mit und vor allem gegen die Erinnerungen kämpfen, den Drang wegrennen zu wollen, unterdrücken und stattdessen genießen, lächeln. Irgendwann allein. Mit der Kamera und einer langen Geschichte in der Hand.

 
Quelle: banjou.deviantart.com