But I will run...
'Cos I can't see
I can't see no more
Will you tell me when the song stops playing?
'Cos I can't hear
I can't hear no more
But I will run until my feet no longer run no more
And I will kiss until my lips no longer feel no more
...
You're so easy to read
but the book is boring
boring boring boring
boring boring me!
Wochenende im Rausch. Zu schnell verflogen. Wenig Schlaf, wenig Nahrung, viel Gefühl und noch mehr Musik. Jenseits von allem. Das Erwachen glücklicherweise langsam, no need to hurry.
Ich sah die Narben an seinem Rücken, gut verborgen zwischen den großflächigen Linien des Tattoos und ich musste an letztes Jahr denken. Als ich nur wenige Meter weiter neben jemand anderem auf dem Boden saß, er in Jeans, ich ohne Schuhe. Du hast Emilie Autumn angeschmachtet und wir standen pogend vor Subway. Es war warm, es war anders. Wir waren allein mit uns und ich war überschwappender, neben dir auf und ab hüpfend. Aufgeregt und amüsiert über all die aufgetakelten Grazien.
Dieses Jahr hatte ich mehr Halt, mehr lächelnde Gesichter um mich, die mich schon mehr als einmal aufgefangen haben. Doch ich kann nichts dagegen tun, die Erinnerungen kommen wieder und wieder und wieder, wenn ich nur an Orten bin, an denen wir gemeinsam waren. Und es bleiben nicht viele übrig, bei denen das nicht der Fall ist, in dieser, wie auch in deiner Stadt.
Es war anhaltender und freier dieses Jahr. Tiefer. Anders. Es fühlte sich nicht an wie ein Besuch, sondern wie Familie, genau am richtigen Ort.
Da war eine Menge Gänsehaut, an der vor allem ein Mann mit seiner tiefen, durchdringenden Stimme Schuld hatte. Sekundenlange Herzstillstände. Da war Erinnerung an alte Tage. Nostalgie mit genau den richtigen Menschen an meiner Seite. Da war auch viel Neues. Lautes. Versteckt hinter hochtoupierten, mit bunten Schläuchen durchzogenen Haaren und nackten, endlos langen Beinen in schweren Stiefeln. Altbekannte Gesichter und neue Freunde. Sonnenschein und Regenbögen. Schwarz in schwarz in schwarz übertüncht mit grellen Neontönen. Ich fühlte mich nicht nur als Teil des großen Ganzen, sondern als das große Ganze selbst. Der Rausch vergeht, langsam aber sicher. Alles andere bleibt. Ich bin jung und schön und haltlos. Und manchmal auch eitel und ein wenig arrogant. Wenn ich denn will. I don't care for less.
Misery loves company
and company loves more
more loves everybody else
but hell is others
(Emilie Autumn - Misery loves company)
Wie gut kann ich mich daran erinnern auf dem kargen Beton gesessen zu haben, nicht nur einmal. Ich habe aufs Wasser geschaut und Musik gehört, Ruhe suchend und nicht findend. Ruhe vor all den Farben, den Seifenblasen in die Luft pustenden Punks, den benutzt wirkenden und gedrungenen Häuserreihen, dem Gefühlsüberfluss. Urban Overload. Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Kanals, die Weide, eine der wenigen grünen Flecke im abgewrackten Camden. Nicht weit davon der Hinterausgang eines Restaurants, es roch nach Fisch und Müll, ein Mann ging umher und stapelte Kartons. Neben mir saß ein Pärchen, wie ich die Beine über dem Wasser baumelnd. Alltägliches Einerlei im verbrauchten Paradies.
Es ist als läge ein nur wenig verblichenes Foto vor mir, ich sehe die Szenen ungewöhnlich scharf vor mir. Genau wie ich mich an den Geruch in den U-Bahn Stationen erinnere, wenn ich die Augen schließe, und an die gefühlten Rasereien in mir.
Eigentlich ist London nicht schön. Ganz im Gegenteil, es ist so unperfekt graustufig. Aber es gibt Orte, die müssen nicht schön sein um anziehend zu sein. Köln ist auch nicht schön, und doch möchte ich nicht woanders leben. Unbeschreiblicher Charme. Und London ist die einzige Stadt, nach der ich eine seltsame Art von Heimweh habe. Heimweh von der Sorte, die nicht gestillt werden kann, wenn ich wirklich wieder dort sein sollte. Eher von der Sorte, die sich noch verschlimmert, weil dann nicht mehr nur die Bilder, sondern auch die Gefühle sich wiederholen werden. Schmerz verbindet über die üblichen Grenzen hinaus.
London, my strangelove.
Ich werde zurückkehren eines Tages, mit nichts bei mir, als einer Kamera. Lastbefreit. Am Tag werde ich Fotos machen, davon haben viel zu wenige die Zeit überdauert, werde die Menschen und auch die Seifenblasen festhalten. Später werde ich wieder am Wasser sitzen, vielleicht am gleichen Platz, Füße baumelnd, Kopf entleert. Die Weide wird im Sonnenuntergangslicht leuchten und die Gassen leeren sich langsam, sobald die Geschäfte schließen. Ich werde innerlich toben, und mit und vor allem gegen die Erinnerungen kämpfen, den Drang wegrennen zu wollen, unterdrücken und stattdessen genießen, lächeln. Irgendwann allein. Mit der Kamera und einer langen Geschichte in der Hand.