Taufe in Barcelona Sonntag
Mittags hübschten wir uns alle auf, schminkten, föhnten uns, und zogen die „guten Sachen“ an. Gegen 15 Uhr fuhren wir mit 2 Taxis zur Gotischen Kathedrale. Derzeit befanden sich dort einige Hungert Pakistani , die in den Hungerstreik getreten waren. Sie belagerten einen Teil der Kirche, die streng bewacht wurde. Somit war nicht sicher, ob die taufe stattfinden würde, oder ob wir auf eine andere Kirche ausweichen mussten. Doch alles wurde gut. Das Lösungswort zum passieren des Sicherheitspersonal war der Name des Täuflings –kurz Vicky von uns genannt. Im Innenhof trafen wir auf ca. 20 andere Personen, die wohl zur Feier dazugehörten. Andere Familien trafen sich vor dem Eingang und begutachteten die auf deren Täuflinge. Wes war ziemlich voll und Alexandra hatte nicht wirklich Lust sich von mehr oder weniger fremden Personen abknutschen zu lassen. So ging ich ein wenig mit ihr zur Seite und wir betrachteten die Gänse, die im Innenhof der riesigen Kathedrale wohnen.
Ein Ordner rief die Namen , der Familien auf, die nun dran seien und wir zogen in einen Seitenteil der Kathedrale. Es war ziemlich voll, Oma verlor ich erst mal aus den Augen und alle Sitzplätze waren schnell belegt. So stellte ich mich hinten an die Wand und begutachtete was nun kommen würde. Es war – wie mir Mane anschließend erklärte eine Kat6halanische Taufe – so verstand ich kein Wort, da sich Katalanisch doch ein wenig von Spanisch unterscheidet .aus dem spanischen hätte ich mir wenigstens einbilden können ein wenig abzuleiten, was auch nicht wirklich viel gebracht hätte. Ca 6 Familien mit ihren weiblichen Täuflingen waren anwesend, inklusive der Verwandtschaft. Leider wurde nichts gesungen, der Pater vorne redete die meiste Zeit, kam 2-3 mal zu den Kindern , machte ihnen wohl ein Kreuz auf der Stirn Wichtige Momente wurden von 10 Fotografen gleichzeitig mit Blitzgewitter festgehalten – nicht wirklich nach meinem Geschmack.
Irgendwann wurde auch Vicky zum Taufbecken getragen, sie nahm alles recht ruhig wahr und ließ es über sich ergehen.
Nach der Zeremonie trafen wir uns wieder draußen und Helenita organisierte die Verteilung der Fahrgemeinschaften und Sitzplätze. Ich fuhr bei einer Familie aus Tarragona mit. Sie hatten in einem Parkhaus in der Nähe ihr Auto stehen, wo wir hinliefen. Die eine Tochter versuchte sich höflichkeitshalber in ein wenig Schulenglischer Konversation mit mir.
Das Parkhaus, bzw. die Ausfahrt faszinierte mich, so ein steile auffahrt hatte ich noch nie gesehen, das Auto passte nur Millimeter kleiner um die Kurve. Jeder deutsche Fahranfänger würde wohl hier scheitern oder zumindestens einen kleineren Schweißausbruch bekommen. Nach 15 minütiger Fahrt hatte uns die Ehefrau heil durch den Innenstadtverkehr zum Restaurant gebracht.
Auf der Terrasse des Lokals war ein Tisch sehr nett dekoriert mit allemöglichen Getränken, die uns zur Verfügung standen. Bald nachdem alle angekommen waren kamen Tabletts mit Broten, Snacks und leckeren Kleinigkeiten auf die Tische. Gegen ende folgten Tablett mit sehr leckeren kleinen Süßen Häppchen aus Schokolade, Früchten und Tiramisu.
Ich lernte ein befreundetes Ehepaar mit ihrem Sohn Kevin aus New York kennen. Wir unterhielten uns sehr angeregt über alles Mögliche , was mein Englisches Vokabular so hergab. Fehlte mir mal ein dringendes Wort, so bat ich Mane um die Übersetzung. Wir tauschten Emailadressen und Yahooaddys aus und ich wurde eingeladen, sie doch mal in Queens zu besuchen. Sie würden mir dann New York zeigen. Der Ehemann kannte sich gut mit Video und Digitaltechnik aus und ich bewunderte seine eigene Digitalkamera, mit der der 14 jährige Kevin auch nette Bilder zu machen wusste. Ich bin sehr gespannt auf die Bilder, die sie mir zukommen lassen möchten!
Gegen Ende verteilten Alexandra und Vicky mit Hilfe ihrer Mutter kleine Geschenke für alle anwesenden. Wir hatten am Samastagabend noch beim Verpacken geholfen und so war mir de Inhalt schon wohlbekannt: eine rosa Plastikschachtel zu zusammenfalten mit 3 Glückskekse, einem klitzekleinen Saugnapf für ein Fensterbild, ein paar rosa Mandeln in Tüll umhüllt, ein Umschlag mit einem Erinnerungsfoto von Vicky im Taufkleid und einem kleinen Fensterbild. Leider konnte mir auch Helenita oder Mane nicht die eigentliche traditionelle Bedeutung der Päckchen erklären. Hier sei noch mal erwähnt, das Helenita alles von Orlando aus organisiert hatte und all die Sachen wohlverpackt im Flugzeug transportieren musste.
Es wurde ein später Abend und mir brummte von der Fremdsprache doch ein wenig der Kopf und ich war – wie die anderen auch ziemlich ermattet.
Eigentlich hatten wir geplant mit dem Taxi die ca. 1000 Meter zur Wohnung zurückzufahren. Doch als wir mit den Kindern an der Hand, jeder mehrere Tüten mit Essenresten, Geschenken und anderem in der Hand vor die Tür traten und die Abendluft schnupperten, liefen wir spontan zurück. Vicky war so erschöpft, das ich sie bald auf den Arm nahm, sie einschlief und ich sie den Rest des Weges nachhause trug. Alen und Helenita fragten beide bis oben bepackt, ob das Tragen auch wirklich ok sei, doch ich dachte an meine versäumten Trainingszeiten im Fitnessstudio.
Unsere Füße brannten als wir ankamen. Ich verteilte Pflaster für die geplagten, blasengeschwollenen Frauenfüße und rieb Alexandras und mein Füße mit einem erfrischenden Eisgel ein.
So plumpste ich gegen Mitternacht ins Bett und hörte Oma im Gegenüberliegenden Zimmer durch den Schacht nur sagen: „Ich bin zu müde zum einschlafen“ In den folgenden Stunden merkte ich das es mir genauso ging. Ich wälzte mich nur unruhig hin und her, fand wenig Schlaf in der Nacht und hatte viel Zeit der Konversation und Abwassergeräusche der Mitbewohner zu lauschen.

