ewige Baustelle im Kopf

08.05.2005 um 23:12 Uhr

Film. Das Meer in mir

von: Ynnette

Einerseits war es gut, das ich mir noch in den Hintern getreten habe. Andererseits mag ich es überhaupt nicht weinend im Kino sitzen zu können. Aber der Reihe nach.

Auf dem Weg zu meiner Mutter traf ich sie schon Richtung Bushaltestelle laufend. Ich hielt an und sie lobte meine Brille *g. Sie fragte mich ob ich spontan Lust hätte mit ihr ins Kino zu gehen. Ich antwortete dass ich ungerne in Filme gehe, wenn ich nicht wüsste, um was es geht. Sie meinte es ginge um einen Rollstuhlfahrer. Da ich für solche Filme (in welche Sparte man sie nun auch immer stecken mag) sensibilisiert bin sagte ich zu. So fuhr ich also erst noch schnell bei Oma vorbei und dann in die Stadt.

Nach einem kleinen Ausflug in ein Eiscafe gingen wir dann ins „Wohnzimmerkino“ in der Moritzstraße. Mehr als 20 Personen dürften da nicht reinpassen. Hier laufen also Filme die schon älter sind. „Das Meer in mir“ sagte mir auch irgendwas.

Es geht um einen Mann der durch einen Schwimmunfall vom Kopf an gelähmt ist und nur im Bett liegt. Er entscheidet sich nach über 20 Jahren gegen das Leben und versucht durch eine Anwältin das Recht auf seinen selbstbestimmten Tod zu bekommen.

Die Schauspieler sind wohl alle No-Name`s , was aber gerade die Charaktere absolut hervorhebt. Jeder einzelne ist eine absolute Persönlichkeit.

In mir schwirrten die ganze Zeit 2 Personen im Kopf rum. Zum einen G. die ihren Freitod auch selbst gewählt hat und wir sie lange vorher begleitet haben.

Zum anderen Keeper, ein ganz lieber Internetfreund von mir, der auch durch einen Schwimmbadunfall seit einigen Jahren im Rollstuhl sitzt. Ähnlich wie Christopher Lee kann er nicht mehr selbstständig atmen und hat einen Zwerchfellschrittmacher.

Doch im Gegensatz zu der Filmrolle des Ramon hat er sich für das Leben entschieden und strahlt eine unvergleichliche Lebensfreude aus. Und ich bin dankbar ihn kennen gelernt zu haben.

 

Das Leben behinderter oder verunfallter Menschen scheint für manche Menschen nicht mehr lebenswert. Doch dieser Film und meine persönliche Erfahrung zeigen, dass diese Menschen einen riesigen Kreis in ihrem Leben ziehen. Wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird, strahlen auch sie Wellen aus und berühren und verändern andere Menschen. Egal in welcher Form.

 

Gerade G. Hat mich sehr geprägt und dies wurde mir in dem Film sosehr bewußt und machte mich sosehr traurig. Ich wollte nicht, aber die Tränen kamen. Zuerst dachte ich 1 – 2Tränen , las sie laufen schon ok. Doch irgendwann schwirrten mir so viele Gedanken im kopf rum. Der Film spricht so viele Meinungen und Fassetten an, das ich nur noch am weinen war.

Ich hasse das. Am liebsten hätte ich mich an jemanden gelehnt, eine Hand halten können, oder irgendwo halt gespürt, für das was da in mir hochkam. Der Film ist in keinster Weise gefühlsduselig. Aber es ist vielleicht einfach alles noch zu frisch, was da hochkam.

Nach dem Film fuhr ich meine Mutter noch heim. Ihr tat leid, das der Film so viele Emotionen in mir auslöste, das war natürlich nicht ihre Absicht gewesen.

Ich wollte mich einfach nur in einem Arm wissen, der mich hält und mit meiner diesen momentanen Schwäche annimmt.

Gottseidank war C. Für mich da. Nach einer kurzen SMS fuhr ich zu ihm und verbrachte den restlichen Abend bei ihm.

Es tut verdammt gut auch Freunde zu haben, die in solchen Momenten für einen da sind. Dankeschön!

 

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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenEinfachIch schreibt am 09.05.2005 um 09:46 Uhr:Als ich diesen Eintrag gelesen hab, hätt ich dich am liebsten ganz doll gekuddelt und gedrückt!

    Es wäre gelogen, wenn ich sagen würd, dass ich genau weiß, was du empfunden haben musst, als all die Gefühle in dir im Kino, und auch noch danach, in dir gearbeitet haben.

    Aber ich weiß, wie es ist, wenn einzigartige und besondere Menschen das eigene Leben streifen und prägen. Vor allem Menschen, die nicht sind wie die Norm, denn genau diese Menschen haben einen Lebenswillen und - mut, von dem wir \"Norm\"-Menschen uns echt ne Scheibe abschneiden können!



    Du hast das erkannt und das macht dich auf jeden Fall zu einem besseren Menschen!

    Du bist was ganz besonderes und einzigartiges :o)!

    Knuddel dich!



    Liebe Grüße!
  2. zitierenYnnette schreibt am 09.05.2005 um 21:45 Uhr:Ich danke dir für deine Worte!

    Ich glaube das war ein ziemlich emotionsgeladener blog und er mußte einfach aus mir raus. Das gehört eben auch zu mir und ich kann gut damit umgehen. Nur mein Umfeld kann das manchmal etwas erschrecken.

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