Momentaufnahme in der Sauna
Gestern waren O. und ich, wie ja schon erzählt in der Sauna. Ziel eines solchen Besuches ist für mich ABZUSCHALTEN. Wann dieser Punkt kommt ist relativ unterschiedlich, aber irgendwann komme ich runter von meinem Kopfwirrwarr. Nicht mehr 5 Sachen gleichzeitig schießen mir im Kopf herum sondern ich kann den Moment, das hier und jetzt genießen. Schade eigentlich, dass ich dafür zur Zeit Geld ausgeben muß, um dieses Gefühl zu bekommen.
In der Orangensauna war ich viel zu aufgedreht, kicherte, machte mir dämliche Gedanken über was-wäre-wenn-jetzt-einer-Pupsen-würde-? Und ich spürte Langweile. Langweile in der Sauna? Herrje was ging denn mit mir ab. „Erbsensuppe flog in meinen Gedanken herum. O. spürte meine Aufgedrehtheit, was ja auch nicht schwer war, sosehr ich oder mich hin grinste und blödelte.
In der Dampfsauna hatten wir gerade ein sehr persönliches Gespräch, als die Tür aufging und jmd hereinkam. O. stockte einen Moment und beendete seinen Satz mit einem letzten Wort um das Thema abzublocken. Es ist unfair und so was gehört sich nicht, wenn jmd fremdes in die Sauna dazukommt, doch ich begann zu kichern. O. machte den Anfang und stürmte nach draußen, ich wartete 10 Anstandssekunden und floh ebenfalls. Der arme Saunabesucher konnte nun gar nichts für unsere Albernheit.
Nach einem soften Einstieg war uns nach einem Aufguß, doch selbst die Sauna in der Parkstraße war dermaßen voll, das wir die Alternative vorzogen direkt NACH dem Aufguß in die 85 Grad Sauna zu gehen. Es roch prima und die die Hitze des Aufgusses war noch sehr gut zu spüren. Die Hitze hilft mir mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich komme bei mir selbst an und werde ruhiger.
Nach dem Abkühlen versank mein Kreislauf in Tiefgeschoßniveau und ich plumste auf die Holzliege und war fast Augenblicklich weg. O. legte sich kurze Zeit neben mich, nahm dann aber den nächsten Aufguß mit. Ich konzentrierte mich auf die ruhige Hintergrundmusik und das Plätschern des Wassers im Whirlpool. „In Schichten“ – wie ich es nenne – sank ich immer tiefer, genoß den Drehschwindel und schaltete ab. Weder Wasser noch Musik sind dann für mich zu hören. Ich bin völligst klar, aber wie in einer Meditation versunken. Ich achtete auf meinen Atem und schrieb in Gedanken eine Momentaufnahme.
Schöne Wörter bildeten sich in meinem Kopf und ich wollte sie aufheben, um sie später hier aufzuschreiben. Doch so völligst klar war ich dann wohl doch nicht, denn die Worte blieben nur im Kurzzeitgedächnis haften. Schade eigentlich. Und dennoch hatte ich mein Ziel erreicht. Ich hatte abgeschaltet.

