ewige Baustelle im Kopf

14.01.2006 um 00:47 Uhr

Reflektion

von: Ynnette

Der Alte schaut den Jungen an und sagt:
"Wenn ich schlafe, schlafe ich.
Wenn ich aufstehe, steh ich auf.
Wenn ich gehe, gehe ich.
Wenn ich esse, esse ich.
Wenn ich schaffe, schaffe ich.
Wenn ich plane, plane ich.
Wenn ich spreche, spreche ich.
Wenn ich höre, höre ich."
"Mann, was soll der Quatsch!" antwortet der Junge.
"Das alles mache ich doch auch.
Trotzdem finde ich keinen Augenblick Ruhe."
 
Der Alte kratzt sich am linken Ohr und sagt:
"Hör gut zu:
Wenn du schläfst, stehst du schon auf.
Wenn du aufstehst, gehst du schon.
Wenn du gehst, dann isst du schon.
Wenn du isst, dann schaffst du schon.
Wenn du schaffst, dann planst du schon.
Wenn du planst, dann sprichst du schon.
Wenn du sprichst, dann hörst du schon,
wenn du hörst, dann schläfst du.
 
Aber wenn ich schlafe, dann schlafe ich.

Den Text kenne ich schon seit einiger Zeit. Doch die Bedeutung des Textes ist mir erst vor ein paar tagen in den Sinn gekommen. Oberflächlich kratzte es mir, doch nun scheint es ein Mantra von mir zu werden.

Denn ich bin wie der junge Mensch in der Geschichte und 2 Worte kommen mir sehnsüchtig in den Sinn: Ankommen“ und „Ruhe“. Nach beidem Sehne ich mich und beides kann nur ich mir geben. Daran möchte ich arbeiten. Ich bin ruhelos und auf der Suche. Andererseits, wenn ich zurückblicke, ging es mir vor einem halben Jahr sooo gut. Ich war bei mir, war ausgeglichener.

Bin ich abends zuhause ist mein Kopf voll, lieg ich in meinem Bett dauert das Abschalten wesentlich länger und Nachts habe ich –ähnlich wie in Fiberträumen- Gedanken, die sich um sich selbst drehen.

Ich bin unzufrieden mit mir, habe auch wieder zugenommen. Und ich weiß genau woran es liegt. Doch die Kurve zu bekommen ist gar nicht so einfach. Denn wenn ich zum Beispiel Esse, dann esse ich nicht nur, sondern ich bin mit meinen Gedanken woanders. Was darin gipfelt, das ich auf meinen leeren Teller schaue und überlege, wer ihn gegessen hat.

Was habe ich mich vor ein paar Monaten auf meine 2 Frühstücksbrote schon am Abend gefreut, habe sie morgens dann genossen und den Geschmack wirklich wahrgenommen. Nun ist das Brot gegessen und ich habe es eigentlich gar nicht geschmeckt.

Auf der Arbeit feierten wir heute Geburtstag von einem Kind, welches Donauwelle mitgebracht hatte. So saßen wir alle am Tisch unterhielten und mampften den leckeren Kuchen. Ein Kind hatte beim Essen den Kopf auf den Arm gestützt und ich fragte ihn, ob er müde sei. Ihm sei langweilig.

Ich war verdutzt. Er aß und dabei war ihm langweilig? Genauso wie mir schien ihm der Genuß dessen, was er aß gänzlich zu fehlen.

Vorgestern schaute ich mit O. einen Film. Ich war müde und hatte uns beiden noch eine warme Milch mit Baylis (weiß gerade nicht, wie das Zeug geschrieben wird) drin gemacht. Fine rannte über das Sofa mit ausgestreckten Krallen und ich motzte sie an. Wir schauten weiter, doch dann hielt ich 2 Minuten später inne und fragte O. was ich eben zu Fine gesagt habe. „Das ist mein Sofa“, wiederholte er mich und schaute mich merkwürdig an. Nein, es war nicht der Baylis der da wirkte, ich hatte gänzlich im Unterbewusstsein reagiert. Einerseits komisch, andererseits traurig.

Mal schaun, wie ich das umsetze und wieder in den Griff bekomme. (Tschaka)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenbRAIN schreibt am 15.01.2006 um 03:36 Uhr:Viel Erfolg dabei. Einfach ist es nicht, mit sich selbst im Reinen zu sein, zufrieden und glücklich.



    Wenn du herausgefunden hast wie es geht, lass es mich wissen ;)
  2. zitierenYnnette schreibt am 15.01.2006 um 09:02 Uhr:Das Problem ist, ich weiß es, aber der erste Schritt ist so lähmend von mir selbst blockiert.

    Ich müßte wieder regelmäßig zum Training und würde dann auch wieder abnhemen - Eben so wie letztes Jahr

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