Single mittendrin, nicht nur dabei
Inspiriert
durch den Film „Was sie schon immer über Singles wissen
wollten“:
Gedanken zum Singlesein
Hallo,
mein Nickname ist Ynnette, 27 Jahre und einer von zigtausend Singles
ind Deutschland. Klingt zwar komisch ist aber so. Nein so komisch ist
das gar nicht mehr, ich komme schon sehr ins Nachdenken. Als ich an
Nikolaus vor etwas über einem Jahr mich dazu entschied Single zu
sein, dachte ich nicht, dass ich es so lange bleiben würde. Zu
Beginn habe ich mich ausgetobt. Vielleicht nach einer langen
Beziehung den Marktwert wieder testen. Angeflirtet werden, mit meinen
Blicken und Worten ein Lächeln ins das Gesicht eines Mannes
zaubern.
Da waren Momente von fremder Haut, Momente des
Experimentierens, des Austestens wie weit man gehen kann. Momente, in
denen man spürt, wie sehr man doch durch eine Beziehung geprägt
wird.
Man definiert was man nicht mehr möchte, was man
will, wonach man sich sehnt und was einem nicht gut getan hat.
Da
waren Dates mit Bauchkribbeln, aufgeregt sein- Interesse am anderen.
Momente, in denen man sich neu entdeckt. Neue Seiten an sich, die man
mit einem überraschenden Blick "Willkommen" heißt.
Sage niemals "nie". Und schon tust du etwas, was du vor
einigen Monaten noch nicht getan hättest.
Doch da waren
auch Momente von unendlicher Einsamkeit, inmitten von vielen
Menschen. Wenn sie alle beim Abschluß-Feuerwerk knutschen und
eng umschlungen in inniger Zweisamkeit in den Himmel schauen, oder
gar an Silvester auf ein gemeinsames neues Jahr anstoßen.
Und
du bist nicht die erste die umarmt wird, sondern eben nur die zweite
Person, der ein "frohes neues Jahr" gewünscht wird.
Und die Körbe. Manchmal weiß ich nicht recht, was
schlimmer ist. Das Gefühl einen zu bekommen, oder einen zu
geben. Eine Freundschaft zu kapitulieren, weil die Gefühle zu
stark sind. Auf Abstand gehen.
"Wir können ja Freunde
bleiben". Ha! Eben das geht ja dann nicht mehr. Genauso blöd
wie der Satz nach einem Date: "Wir können ja mal
telefonieren."
Albern, aber bring erst mal den Mut auf dem
anderen ins Gesicht zu sagen, "Sorry aber ich glaube nicht das
ich dich noch mal sehen will. Bist nicht mein Typ...." Aber
manche kapieren ein Schweigen eben nicht.
Da war auch eine Zeit,
wo es ein paar Körbe zu viel waren. Hintereinander weg.
Interesse am anderen gehabt und Rums! Schleuderte wieder einer einem
so ein Prachtding ins Gesicht.
Ok, dann die offensive Art. In
einer Single-Plattform angemeldet und wild drauf los flirten. Bitte
mit Bild!
Weiß ja auch nicht woran es liegt, das ich mit
dem einen nur 3 Sätze schreibe und dann schon ein Date ausmache.
Jetzt! Hier! Und vor allem Sofort! "Kratz mich, beiß mich,
gib mir Tiernamen"!
Und bei einem anderen bin ich wochenlang
am hin und her schreiben. Jeden Tag eine Mail über Wochen
hinweg. Der Kontakt wird vertrauter, die Mails persönlicher. Und
der Wunsch nach einem Treffen und persönlichen kennen lernen
entsteht vielleicht gar nicht.
Und jeden Abend aufs neue
klappert man seine Singleseiten ab. Eine Sucht? Ja! Eine Sucht! Und
der unrealistische "Email-für-Dich"-Wunsch schwirrt im
Kopf rum. Wo ist die Mail, das Profil des Mannes der einem sämtliche
Gehirnzellen lahm legt und einen rosa Schleier auf alles negative
legt.
Das
erste Treffen dann die Ernüchterung. Ich fühle genau, er
findet mich nett, vielleicht auch sympathisch, aber es sind ihm ein
paar Kilo an mir zuviel. Klar er spricht das nicht aus, aber Frau
fühlt so was ja. Passe da wohl nicht so ganz in sein
Fitnessprogramm. Soll ich mich verdrehen? Soll ich sagen können:
"Ich kann mich verbiegen, wie eine Brezel?" Die Ansprüche
an mich zu hoch? Wie frustrierend, wie ernüchternd, wozu bin ich
Mensch? Für jemanden anders Pfunde verlieren? Nee! Wenn, dann
für mich. Ach wenn das doch auch mal in meinem emotionsgeladenem
Bauch ankommen würde. Die Theorie ist super einfach. Die
schniefende Freundin ratz fatz und mit gutem Gewissen getröstet.
Und man selber? Betriebsblind?
Manchmal behindert einen die
Suche beim Finden. Ok, ein paar Gänge herunterschalten. Nein das
reicht nicht. In sich gehen, zu einem selbst kommen. Mir schrieb
jemand:
"liebe kommt meist von hinten, unerwartet, so
meine erfahrung, und trotzdem zu einem richtigen zeitpunkt, fast wie
verabredet. gezieltes suchen war für mich noch nie fruchtbar.
umso grösser das erstaunen über die geschenkte fülle
und wonne, ganz unverhofft und unverdient...
liebe, gluck,
erfüllung müssen wir ja nicht beabsichtigen, nur zulassen,
akzeptieren....."
Eine Reise zu einem Workshop übers
Wochenende brachte mich wieder zu mir selbst. Nicht mit dem Blick
nach außen, gehetzt, sondern in mich.
Mich darauf berufend,
wer ich bin, was ich kann, was ich will und was ich nicht will. Wie
kann ich von einem anderen Menschen erwarten, dass e r mich liebt,
wenn ich es nicht selber tue. Zuerst einmal muss ich es mit mir
aushalten können, dann kann dies vielleicht auch ein anderer.
Und
vor allem:, Ich darf nicht einen anderen Menschen dafür
verantwortlich machen, wie es mir geht. Und wenn kein anderer da ist,
dann muss ich es mir eben selbst schon machen. Wieso muss ich erst 27
werden, um alleine Tanzen oder ins Theater zu gehen? Nein zu spät
ist es nicht, es ist der Anfang!
ONS sind fremde Haut ganz nah
auf Zeit. Man pickt sich die Rosinen raus, kann neues ausprobieren
und testen, Man muss sich nicht schämen, der andere weiß
ja nicht, wie man sonst drauf ist Und vielleicht kommt man auf den
Geschmack von dem neuen. Und doch ist hinterher diese leere da. Der
andere ist weg und man ist allein. Manchmal ist es schön das
Gefühl des Alleinseins, doch manchmal ist es auch ein Gefühl
der Einsamkeit.
Die Auszeit war gut, doch nun will ich wieder mit
dabei sein. Ich will nicht nur die Rosinen, ich will den ganzen
Kuchen.


Sobald es über mehr als das chatten hinausgehen soll blocken die meisten schon ab oder packen Dich gleich auf die Ignoreliste. Mal ganz davon abgesehen, daß es anscheinend alle Frauen erwarten angesprochen zu werden und den ersten Schritt nur wagen, wenn es um irgendwelche Bettgeschichten für eine Nacht geht. Na herzlichen Dank.
Als Mann, der nicht unbedingt wie ein billiges Abziehbildchen von irgendwelchen Frauenzeitschriften aussieht hat man(n)\'s heutzutage eh verdammt schwer.
Soviel zu meinen 2 Cent...