ewige Baustelle im Kopf

03.07.2004 um 17:49 Uhr

Taufe in Barcelona Samstag

von: Ynnette

Samstag:
Sehr spät aufgestanden, Abflussrohre bewundert angeschaut und Kopfgeschüttelt. Nein! diese Appartments sind nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Wieder ins Bett gelegt und gelesen, Oma schaute zwischenzeitlich ins Zimmer und meldete sich für die dusche an. Ich taperte nach einer halben Stunde nach oben, ebenfalls zum duschen und weiterer Tagesplanung. Anschließend kurz gefrühstückt. Der Kühlschrank gab nicht wirklich das her, wa sich so für meine Bedürfnisse brauchte, also überredete ich Oma zum in der Nachbarschaft befindlichen Tante-Emma-Laden zu gehen. Hurra mein „Aquarius“ ist wieder da! Direkt mal 4 Dosen gekauft- ohne Pfand! Der Aufdruck das dieses Gesöff Sponsor von Olympia ist, macht es gleich viel gesünder, der Zuckeranteil sinkt prozentual zum steigen der Mineralwerte.......
Der unausgesprochene Deal, ich trage 5 Liter-Kanister Wasser, Obst, ergatterte Getränke und Käse in die Wohnung , Oma zahlt dafür, lässt mein Portmonait noch ein bisschen schlafen. Mane hat sich derweil auf die Socken gemacht noch einige _dinge zu erledigen. Eigentlich will er später seine Tochter + Familie vom Flughafen abholen, Oma und ich haben also frei. Spontan entschließen wir uns aber doch ebenfalls zum Flughafen zuz fahren um alle zu überraschen und in Europa willkommen zu heißen. In der Pharmazie frage ich auf Englisch nach dem Weg zum Zug, der uns zum Flughafen führt. Das Taxi sei doch mit 20 Euro schon ein bisschen teuer. Der nette Mensch erklärt mir auf Englisch hilfsbereit den Weg zum Zug, zur Metro-Station, (andere Richtung) oder zum Bus (wieder andere Richtung) . Ich verstehe ¾, nicke verständnisvoll und lächle den Ladenbesitzer freundlich zu , der immer wieder auf spanisch seine Anstellte nach dem Weg fragt und mir das ganze auf englisch übersetzt. Irgendwie will er gar nicht mehr aufhören mir alles zu erklären und den Weg in 3 verschiedene Richtungen zu beschreiben. Das Taxi ist schließlich gar nicht mehr soooo teuer und wir sind in 20 min am Flughafen.
Aber ganz so sicher ist sich Oma mit der Ankunftszeit dann doch nicht. Wir lesen die Ankunftstabellen und warten. Wir lesen erneut die Ankunftstabellen, schauen uns nach Mane um, der merkwürdigerweise gar nicht da ist, warten noch ein bisschen und beschließen „Nun müssten sie aber doch eigentlich langsam mal rauskommen“.

Wir warten noch ein paar Minuten und fahren dann ein bisschen enttäuscht zurück in die Casanova 136. Dort dösen wir ein bisschen vor uns hin, bis es schließlich an der Tür klingelt.
Die Familie war bereits gelandet, als wir noch in der Pharmazie standen, waren derweil bereits in der Kathedrale zum Vorstellungsgespräch für die morgige Taufe und hatten die Koffer bei Nachbarn im Haus gelassen. Mane hatte wohl auch die Landung verpasst und tauchte erst eine stunde erschöpft und ermattet in der Wohnung auf. Wohlgemerkt der Herr ist auch schon betagte 81!!!
Nun lernt eich also eine weiteren Teil meiner Verwandtschaft kennen, welche mir auf anhieb sehr sympathisch war!
Helenita die Tochter von Mane, paarwundfünfzig und ein Energiebündel, ganz unserer Familie, Alen, mittefünfzig, ihr Mann eher ruhiger, geduldiger, mit einem sehr sympathischen, sanftmütigen Lächeln, Alexandra (10) Asiatin und vor 9 ½ Jahren von den beiden adoptiert und schließlich der zukünftige Täufling Vicky (knapp 3) ebenfalls Asiatin vor gut einem Jahr adoptiert. Alexandra schloss ich mit ihrer aufgeschlossenen Art direkt in mein Herz. Vicky verarbeitet noch ein wenig ihren Kulturschock, fängt langsam an zu sprechen. Beliebt ist ein sehr ausdrucksstarkes „NO“ was vermuten lässt, das ihr passiver Wortschatz bedeutend größer ist, als man zuerst erahnt.
Absofort wurde in drei Sprachen gesprochen und dies in kurzen Wechsel: spanisch, englisch und deutsch.... erstaunlich wie viel doch aus der Schulzeit hängen geblieben war oder wieder später gelerntes aus dem Unterbewusstsein auftauchte oder aufgefrischt wurde.

Irgendwie wollten wir noch mal ein bisschen rausgehen und liefen in ein Bistro um die Ecke. Ich aß „Pan con tomato“. Eine Katalanische Spezialität, die ich mir hier zuhause auch ständig wieder mache. Es ist ganz einfach: Eine reife halbierte Tomate wird aus einem weißen Brot oder Baguette ausgedrückt und verrieben. Obendrauf wird noch Olivenöl geträufelt uns Salz gestreut. Fertig. Die ist die Grundlage für mehrere Variationen. Entweder ist man es natur, oder mit Käse oder Schinken.
Alen, ich und die Kinder gingen noch kurz auf einen kleinen Spielplatz im Mittelstreifen der Strasse, sodass sich Alexandra und Vicky ein bisschen austoben konnten. Den Rückweg verbrachte Alexandra auf meinen Schulter, was ihr sehr gut zu gefallen schien.
In der Casanova 136 angekommen machten Oma und Helenita ein leckeres Abendbrot inklusive einem Literpack Minestrone – so hieß doch die kalte Tomatensuppe, oder?
Sehr lecker bei heißem Wetter!
An diesem Abend wurde ich glaube nicht alt. Ich verzog mich mit meinem Buch „Zeuge des Todes“ (Eine Rettungssanitätergeschichte aus New York) früh ins Bett und lauschte dem Wasserverbrauch der Bewohner aus dem 1 bis zum ca. 6 Stock.



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