ewige Baustelle im Kopf

18.12.2005 um 13:07 Uhr

Ynnette das erste Mal auf Skiern

von: Ynnette

Mein Körper schmerzt, nach nur 4-5 h nicht-erholsamen –Schlaf wieder wach und megastolz auf mich.

Wir trafen uns um 14:30 am Studio. Alle bestellten noch einen Cafe und um 15 Uhr ging es los. Ich kam mir reichlich deplaziert im Reisebus vor. Wußte nicht, wo ich sitzen sollte, kam in kein Gespräch so richtig rein. spürte, das ich noch ganz neu bin, fühle mich klein und unbeholfen.

Das Gesprächthema war ziemlich oberflächlich und ich hatte eigentlich auch kein Interesse da mitzumischen. Ich suchte etwas später mir weiter vorne  einen anderen Sitzplatz und fand angenehme Gesprächsbegleitung. Direkt nach dem Losfahren knallten die Sektkorken und nach und nach Platzten neue Korken aus ihren Verankerungen. Zum Anstoßen trank ich einen Schluck mit, aber das wars dann auch. Vorne frotzelte jmd. „Wenn Alkohol getrunken wird, dann kehrt man zu seinen primitivsten Wurzeln zurück. Oja, das Lachen und der  Gesang hob an und wurde immer lauter. Wir vorne hatten Schwierigkeiten und uns zu unterhaltne und waren leicht entnervt. Zwischenzeitlich hatte ich gefragt, wer sich denn um uns Anfänger kümmern würde. Es würde sich schon wer finden, hieß es. Na dann, ich hatte da so meine Zweifel, dachte mir aber es wird schon gutgehn und ich möchte doch Hauptsache Spaß haben.

 

Lautes Gegröle als wir in Neuss angekommen waren. Es war so was um die 18:30. Einige wenige gingen direkt an die Bar, weil sie nicht mitfahren konnten / wollten, die anderen gingen zum Skiverleih und in die Umkleiden zum Umziehen. Das Vermessen meiner  Füße, der Körpergröße und des Gewichts ging flott, die Skier wurden dementsprechend ausgesucht und angepasst.

In der Umkleide erinnerte ich mich an meine Tauchgänge. Das Schlüpfen in den Neoprenanzug war ähnlich mühsam wie in die Skischuhe zu kommen. Doch irgendwann wart auch ich komplett eingepackt und verzichtete glücklicherweise auf  auf noch einen Pulli.

Unbeholfen stampfte ich zur Piste. E. und A. waren genauso blutige Anfänger, warteten aber wohl noch ein paar Minuten. Ich wollte nun endlich los, wollte Skifahren lernen. R. zeigte mir die Anfängerpiste, ein Hügel von vielleicht 50 Metern mit einem Laufband nach oben. Weg war er. J. zeigte einer anderen Kollegin die ersten versuche zum Snowborden. Gab mir aber erst mal den Tipp den Schneeflug zu üben. OK, ich hatte zwar erst mal keien Hilfe, aber irgendwie wollte ich darüber auch nicht Enttäuscht sein, wollte einfach nur loslegen und mein Glück probieren, dann eben alleine.

2-3 Bahnen Schneepflug, dann erbat ich von J. weitere Schritte und er erklärte mir knapp was von den Kurven, meinte aber, er könne mir nicht helfen, er sei doch Snowborder. Nun gut 1-2 mal so was ähnliches wie Kurven fahren, dann wurde es mir langweilig und ich suchte am Lift jemanden zum Weiterhelfen. (Ich weiß nur, das vor ein paar Jahren ich die Skistöcke und Skier enttäuscht in die ecke geworfen hätte, weil keiner für mich dagewesen wäre. Ich war dankbar für meine Selbstständige und Optimistische Einstellung.)

Am Lift traf ich S. und bat sie mir zu helfen. Sie zeigte mir, wie ich den Lift nach oben kommen würde, was auch gut klappte. Als ich oben stand kam mir der Hand abartig steil vor, wir waren fast ganz oben und es ging einfach nur steil bergab. Angst kroch in mir hoch. S. erklärte mir was der jeweilige Talski sei und wie und wann ich ihn belasten müsste.


Erster Versuch, rums ich landete im Schnee, kam relativ schnell wieder huch. 2ter Versuch, huch ist das schnell, die Knie wackeln immer mehr, Angst kriecht höher. Ich teile meine Angst S. mit, sie hat Verständnis und unermüdliche Geduld. Ich will hier oben nicht stehen bleiben, S. möchte doch auch fahren und mir nicht nur zuschauen. Also gebe ich mir einen Ruck und rums liege ich wieder. Wieder aufstehen und weiter geht es. Im riesengroßen Zickzack schlittere ich unbeholfen den Hang hinab, versuche mich von meiner Angst zu befreien und es klappt.

Nach einigen Zickzackschwüngen jeweils von einer in die andere Ecke der Piste , versuche ich direkt zu drehen ohne anzuhalten und auch das klappt. S. lobt mich ich bin stolz auf mich, habe ich doch in den Ohren, dass die ersten 2-3 tage schrecklich sein sollen. Ich will aber heute Spaß haben , will mit einem Erfolgserlebnis nach Hause fahren.

Und so komme ich den Berg runter und will weiter, weiter , weiter. Sandra fährt nochmal mit mir hoch, schaut dann aber nach E. der sich auch langsam an den Hang traut. Ich weiß das ich irgendwie runter komme, will üben, fahren und mein Angst über Bord werfen. Ein paar Abfahrten später gibt mir F. einen Tipp. Ich würde ständig in alle Richtungen gucken, hätte keinen Chance richtig Gleichgewicht zu haben du bögen zu fahren. Die Fahrer über mir würden mich schon sehen , ich solle Schwünge fahren und nicht immer anhalten. Das wäre schwerer einzuschätzen. Ich wettere zuerst dagegen, habe Angst das mir wer reinfährt. Er belehrt mich eines besseren und zeigt mir , wie er es macht. Dann fährt er hinter mir ruft mir zu und ich vertraue ihm. Es geht gut und ich wachse um Zentimeter.

Dann motivieren wir A. mit nach oben zu kommen. Sie sei 3 mal aus dem Lift geplumpst, habe Angst. Mit dem Sessellift fahren wir nach ganz oben.


Von oben ist es scheiße Steil. Ich bekomme Angst, weiß aber da sich da runter will. Langsam hangele ich mich hinunter, F. kämpft mit A, die- wie F. nachher sagt- Angst vor der Angst hat. Ich fahre nicht mehr mit dem Sessellift, aber mit dem großen Sessellift 3 oder 4 mal hoch , bis auch A: heil unten angekommen ist. Ich weiß vor ein paar Jahren hätte ich genau die gleiche Angst gehabt, kann sie so gut verstehen. Ich denke an den Satz meines ersten Freundes „Du hast Angst vor der Welt“ Der Satz motiviert mich, ich will mir etwas anderes zeigen, weiß das ich lerne mit meiner Angst umzugehen.

 

Es macht Spaß richtigen Spaß, während die andere alle zwischenzeitlich was Essen und Trinken gehe probiere ich mich aus, werde immer lockerer und fahre unermüdlich eine Abfahrt nach der anderen. Im Lift fällt vor mir jmd, und ich falle in in rein. Beim Versuch aufzustehen merke ich erst wie kaputt ich bin, kome nicht mehr hoch, muß die Skier abschnallen , um aufstehn zu können. Viele Abfahrten kann ich nicht mehr fahren, denke ich im stillen, doch jedes Mal, wenn ich gerade unten bin bringen mich die Skier automatisch zum Lift und wieder geht es hoch. Die Muskeln brennen, ich Wechsel im Lift von einem Bein aufs andere, fahre hoch ohne mich festzuhalten, um meine Hände zu lockern, die wahnsinnig verkrampft sind.

Krämpfe kündigen sich an , aber ich fahre immer weiter. Um kurz vor zehn genieße ich eine Abfahrt in der ich merke, wie ich mit den  Knien immer mehr arbeite und lockere engere Schwünge fahre. Ich höre auf, genieße meinen Erfolg und freue mich wahnsinnig.

In er Kabine plumpse ich auf die Bank, ein hochroter Kopf , ein fleckiges Gesicht und eine Unterzuckerung bahnt sich an. Es dauert ewig bis ich aus den Schuhe und meinen Klamotten draußen bin. Es ist kurz vor 22 Uhr, ich habe um 13.30 Uhr das letzte gegessen und so gut wie nichts getrunken. Qualvoll bemerke ich meinen ausgebrannten Körper, ahne den Muskelkater in den folgenden Tage. Oben gebe ich meinen Skipaß ab, und hole mir eine Cola die ich auf EX austrinke. Der Herr an der Bar schaut mich grinsend und an und gibt mir noch eine Cola.

Der Zucker der Cola lässt nicht lange auf sich warten und ich geselle mich wieder zu den anderen. Die 2 h bis zur Abreise tanzen wir ein wenig auf der Stelle. Ich bin aufgedreht und glücklich. Ich komme wieder ins Gespräch, erfahre wer mit wem zusammen ist, wer gerade anbändelt, wer mal was mit wem hatte.

Im Bus unterhalte ich mich nur kurz. Lege mich zu F. nach hinten, wo es ruhiger wird. Vorne werden für kurze Zeit die Lieder immer schmutziger, das Niveau schlägt im Untergeschoß auf. Mir soll es egal sein, ich bin zufrieden.

Um kurz vor 5 kommen wir in Wiesbaden an und ich mummelte mich Wärmesicher in Schlafanzug, Socken! Und 2 Decken ein und falle in einen Traumgefüllten oberflächigen Schlaf.

 Zum virtuellen Rundgang in der Halle


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenbRAIN schreibt am 19.12.2005 um 01:37 Uhr:Ich muss an meine ersten alpinen Gehversuche im letzten Jahr denken. Oh wie ungern ich daran denke. Ca. nach einer Stunde wurde das Tragen dieser Schuhe absolut unerträglich und ich wandte mich dem Après-Ski zu. Da war ich dann natürlich wieder ganz weit vorn ;)



    Glückwunsch zu deinem gelungenen Einstand!



    Skifahren in der Halle finde ich irgendwie surreal. Wie groß ist der Laden?

Diesen Eintrag kommentieren