riesen Spinnen in den Minengängen von St. Goar
Viel möchte ich von der
Übernachtung gar nicht schreiben. Aber eins finde ich jedoch wirklich
erzählenswert.
Nach 1h Fahrt und 10 minütigem Fußweg zur Jugendherberge in
St. Goar liefen wir auch gleich die Treppen des neuangelegten Fußweges hoch zur
Burg. Die Kinder kamen auf die Idee, die Treppen zu zählen und dehnten dies
später aus, und zählten ALLE Treppenstufen, die sie an den 2 Tagen steigen sollten. 2016 Stufen!
Das muß ich wirklich betonen und meine Kollegin und ich sind sie mitgelaufen!
Gleich links im großen ehemaligen Speisesaal
der Burg Rheinfels übte ein Orchester klassische Musik. Ich verteilte ganz im Sinne der
Vorratskammer für jedes Kind ein Schokoladen-Amaranth-Riegel und wir lauschten
gebannt der Musik. Die Kinder waren ganz leise und setzten sich teilweise
sogar auf die Stühle.
Da es ein wenig nieselte, war ich froh direkt den Kindern
von diesem Raum aus die Wehrgänge zeigen zu können. Und schon gleich knippsten
wir die Taschenlampen an und durchstöberten wir die Gänge.
Recht schnell fanden wir den Eingang
der Minengänge. Weil es beim letzten Besuch mit Tom recht gut geklappt hatte,
den Ausgang zu finden, war ich guter Dinge (mit Lageplan und Wegbeschreibung bewaffnet),
dass es auch diesmal klappen sollte.

Zuvor jedoch beäugten wir angeekelt und
erstaunt eine Spinne mit einem riesigen Leib in einem der Luftschächte. R. - meine Kollegin
drängte uns doch weiter zu gehen, da sie den Anblick nicht so toll fand. Ich
sollte vorgehen, R. zum Schluß, in der Mitte die Kinder.
Gleich am Eingang der
Gänge blieb ich jedoch stecken und musste den Rücksack an ein Kind abgeben. Die
Gänge sind in etwa nur 1,20 Meter hoch, so breit das ein Erwachsener vorwärts
reingehen, aber sich nicht drehen kann.
Die Gänge sind einem Labyrinthgleich
angelegt. Die meisten der eigentlichen Gänge sind jedoch verschüttet. Nur noch 1/5 aller Gänge sind erhalten. 3 Parallewege
in die Tiefe werden durchzogen von mehreren, teilweise noch niedrigeren
kreuzenden Gängen. Das heißt sie schauen fast alle gleich aus. Doch vom Plan
her wusste ich, wir mussten uns links halten. An jeder Wegkreuzung hielt ich
kurz an, schaute auf den Plan, bog dann ab oder ging geradeaus.
Bei einem längeren
Halt tönte es von einem der Kinder „Igitt, hier sind ja auch so große Spinnen“
und von R. „Lauft doch bitte weiter“
Hab ich erwähnt , dass ich Spinnen nicht
mit größter Sympathie gegenüberstehe? Ich hoffte, das sich keine der Vielbeiner vor mir
blicken lies, konzentrierte mich auf den Schein der Taschenlampe und ging tief gebückt
weiter. Der Weg sah mit einmal anders aus, war niedriger als beim letzten Besuch. Kein
Hund war dabei, der voraus lief, und auch keine Kinder
riefen uns entgegen, sodas man den Ausgang ahnen konnte. Mir wurde mulmig und ich machte mir meine Verantwortung bewusst.
Ich dachte an die Kreide im Rucksack, um im Notfall die Wege markieren zu
können. Ich dachte an Gringel, wie sie die Situation wohl lösen würde, ich
dachte an Tom, was er tun würde und....
..... gab auf.
Es galt nun R. zu vermitteln, das
ich nicht weiterwusste, ohne das die Kinder es merken würden, ohne das Panik
ausbrach. Hinter mir war es relativ ruhig, die Kinder erwähnten nur mal hier
und da die riesen Spinnen und ich riet ihnen nicht an die Wände zu kommen, um
die Viecher nicht zu berühren.
Ich sagte R. realtiv cool „rumdrehen“ .
Da sie nun
bis zur nächsten Kreuzung rückwärts gehen musste, hatte sie keine Orientierung
und fragte „Wo lang“? Ich sagte nur „In Richtung, wo wir hergekommen sind“ Sie
fragte gottseidank nicht weiter, und ein älteres Kind meinte es wüsste wo es
lange ging und ich vertraute ihm erfolgreich. Nach ein paar Minuten waren wir
schon wieder draußen. Ich war heilfroh
und nassgeschwitzt, als wir wieder die Treppen zu den Wehrgängen hochkamen.
Die meisten Kinder wollten von der anderen Seite noch mal rein, was für mich ein Zeichen war , das meine Unsicherheit sich nicht übertragen hatte, was mir wahnsinnig wichtig war. Nur ein Kind äußerte, das er nicht mehr runterwollte. Wir betonten, dass wir uns die Burg nun oben anschauen würden, ich wollte ihnen noch die Kräuter und die Apotheke zeigen.
Die Kinder rannten voraus und ich hatte Gelegenheit mich mit R. zu unterhalten. Sie hatte auch meine Unsicherheit nicht bemerkt, wohl aber einige Riesenspinnen in den Gängen gesehen. Der Gedanke daran wäre eine wunderbare Vorlage für schweißgebadete Alpträume und ich versuchte michschon beim Einschlafen soweit damit auseinanderzusetzen, dass mir DIESE Träume erspart blieben. Mein Abenteuerbedarf war bis auf weiteres gedeckt. Und dazugelernt habe ich auch.
Abends schrieb ich Tom noch eine
SMS: „In den Mimengängen mit den Kinder verlaufen, mitsamt Riesenspinnen ist nicht
besonders toll.“ Er antwortete recht flott: „Igitt, ich hätte laut geschrieen
und du musstest professionell Ruhe bewahren und cool bleiben, du Arme“ Ach das
Verständnis tat schon gut.

/edit ein paar Minuten später , um die Fehler zu korrigieren *narf
/edit einen Tag später, habe passendes Bild gefunden. Den Mann kenne
ich nicht, aber er veranschaulicht recht gut die Größe der Gänge

