Zaubermantel

28.09.2017 um 21:25 Uhr

Bärenstark

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Die Stehaufmännchen. Immer mal sieht es nach einem Ende aus, aber
dann geht`s doch wieder weiter. Die Menschen mit dem starken Herzen.
Sie möchten gerne, aber sie können nicht gehen von dieser Welt. Hundert
Jahre alt werden? Ich würd ja gerne hunderzwölf werden, aber nicht in
einem Heim. Immer schön in der eigenen Wohnung. Zwischendurch
gibt`s dann mal einen neuen PC. (geschrieben im April 2013)




14.05.2017 um 10:12 Uhr

Eine Geschichte zum Nachdenken

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Die Bitte einer alten Mutter ... an jenem Tag, an dem Du mich als alter Mensch siehst und ich nicht mehr ich bin, hab Geduld mit mir und versuche mich zu verstehen. Wenn ich mich beim Essen bekleckere, mich nicht richtig anziehe, hab Geduld. Denke zurück an die Stunden, die ich damit verbracht habe, es Dir damals beizubringen.

Wenn ich mich mit Dir unterhalte und ich mich zum hundertsten Mal wiederhole, unterbrich mich nicht, hör mir einfach zu. Als Du klein warst, habe ich mir Dein Geplapper ständig und überall angehört, ob Zuhause, im Geschäft oder bei Bekannten.

Falls ich mich nicht wasche, dusche oder bade, schimpf nicht mit mir und vor allem beschäme mich nicht. Erinnere Dich daran, wie oft Du Ausreden hattest und wie oft ich dich ans baden gehen erinnern musste. Wenn Du meine Ignoranz gegenüber neuen Technologien bemerkst, bitte ich Dich mir die nötige Zeit zum erlernen zu geben. Und bitte lache währenddessen nicht über mich.

Ich habe Dir so viele Dinge beigebracht … wie man richtig isst, wie man sich benimmt, wie man spricht, wie man sich anzieht und wie man sich in dieser Welt zurechtfindet. Sehr viele dieser Dinge; sind das Ergebnis der Kraft und Zusammenarbeit von uns beiden – Dir und mir.

Falls ich irgendwann vergesslich werde oder den Faden unserer Unterhaltung verliere, gib mir die nötige Zeit um mich zu erinnern. Und falls ich mich doch nicht erinnern kann, werde nicht nervös und böse; ich glaube nämlich; dass die Unterhaltung nicht das Wichtigste ist, sondern die Nähe zueinander und dass Du mir zuhörst.

Zwing mich nicht zum essen, wenn ich es nicht will. Ich weiß am besten was ich brauche und was nicht. Wenn mich irgendwann meine müden Beine nicht mehr schnell gehen lassen, reiche mir deine helfende und stützende Hand, genauso wie ich es für Dich getan habe, als Du laufen gelernt hast.

Und wenn ich Dir eines Tages sage, dass mein Leben nicht mehr lebenswert ist und dass ich sterben will, sei mir nicht böse. Eines Tages wirst Du verstehen, dass es gar nichts mit Dir zu tun hat, nicht mit deiner Liebe zu mir und auch nicht mit meiner Liebe zu Dir. Lerne einfach zu verstehen, dass ich in meinem Alter nicht lebe, sondern zu überleben versuche.

Eines Tages wirst Du erkennen, dass ich trotz der Fehler die ich gemacht habe, nur das Beste für Dich wollte und dass ich versucht habe Dir dein Weg durch diese Welt so gerade und eben wie möglich zu machen. Du darfst weder böse noch traurig sein und Dich auch nicht unfähig fühlen, wenn Du mich so siehst. Du musst nur an meiner Seite sein, versuchen mich zu verstehen und mir helfen, so wie ich es gemacht habe, als Du in diese Welt geboren wurdest.

Jetzt bist Du an der Reihe, mich auf meinem schwierigen, nicht immer geraden und ebenen Weg zu begleiten. Hilf mir diesen Weg mit Liebe und Geduld zu Ende zu gehen. Ich werde es Dir mit einem Lächeln und mit der unendlichen Liebe, die ich immer für Dich hatte, habe und haben werde, danken... (Verfasser unbekannt.)

FröhlichFröhlich


19.11.2016 um 13:07 Uhr

Kaminzimmer statt Musikzimmer

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

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Im November 2014 gab es plötzlich ein Kaminzimmer, das bis dahin als das Musikzimmer bekannt war. Nun flackerte das Kaminfeuer vor sich hin und sah total echt aus, hab gestaunt. Als wir wir den Pfleger Hermann trafen, fragten wir ihn, wie das Feuer so echt aussehen kann. Er ging hin und hielt erstmal seine Hand ins Feuer. Dann zog er die Schublade unterm Feuer raus und zeigte uns Lampen und ein Gefäß mit Wasser, aus dem Wasserdampf hochsteigt. Wir hatten die Heimgeschichte auch nach Berlin geschickt und Sim erinnerte an die römische Geschichte, wo jemand seine Hand ins Feuer hielt, bis sie verkohlte.

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08.11.2016 um 20:34 Uhr

Nächstenliebe

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Wie du mir, so ich dir. Immer nur das Beste. Nachbarschaftshilfe.
Fahrgemeinschaften. Ehrenamtliche Helfer gesucht, um die Heimbewohner
spazieren zu fahren oder um ihnen was vorzulesen. Singen geht auch. Gute Laune
verströmen. Oder einfach nur zuhören. Die Schwerhörigen brauchen Menschen,
die ihnen zuhören können. Bloß keine schwierigen Fragen stellen.
Lieber mal die Klappe halten. Hihi ...

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08.11.2016 um 12:00 Uhr

Ein Handy

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

20. 1. 2008

Eine kleine Heimgeschichte

Das Mütterlein hörte ein seltsames Piepsen,
als sie bei ihrem Ehemann im Pflegeheim zu Besuch war.
Als sie den Tönen nachging, fand sie ein Handy unter seinem Po.
Das war einer Schwester beim Lagern aus dem Kittel gerutscht.
Die hatte das Handy schon verzweifelt gesucht ...
(schade, dass er das Handy nicht vollgeschissen hat,
sprach das Mütterlein später am Telefon)

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08.11.2016 um 11:47 Uhr

Unruhe

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Ein Mobilé mit Schmetterlingen. Plötzlich hing es da und
niemand wusste, wer der Überbringer war. Manchmal ist es super
wichtig und wird den ganzen Tag nicht aus dem Auge gelassen. Aber
manchmal auch nicht. Das eine Auge sagt schon Bescheid, wenn wir die
Schmetterlinge zum Tanzen bringen sollen. Es wird dann so groß, als
wollte es das fehlende Auge ersetzen. Es findet sich niemand mehr,
der das Glasauge einsetzen könnte. Die drei Teddybären überm
Bett müssen übrigens mittanzen. (März 2014)

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07.11.2016 um 23:38 Uhr

Erinnerung

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Sich erinnern, statt zu vergessen. Die Vergesslichkeit kommt ungefragt daher.
Was willst du? Wer hat dich gerufen? Niemand. Überforderung durch Personalabbau.
Keine Zeit um Händchen zu halten. Wo bleibt die Menschlichkeit? Auf der Strecke.
Zum Leidwesen der Heimbewohner. Es lebe die Menschlichkeit. Jawohl. (2012)

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14.08.2016 um 18:45 Uhr

Grad gelesen ...

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

"Das Eine will ich Ihnen sagen!
Sie denken, Sie sind abgeschrieben.
Aber das sind Sie noch lange nicht.
Sie sind die Zukunft !!!"

Danke schon bilder

(Wiederholung der Begegnung im Februar 2014)



07.07.2016 um 22:43 Uhr

Erinnerung an ein Interview

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Altenheime - ein Interview
An die 300 Altenheime hat sich jemand angesehen
und es hört sich so an, als wäre er "begeistert" von dem, was er gesehen hat.
Er würde lieber früher, als später in ein Altenheim ziehen.
http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2011/das-wird-lustig-im-heim-11487

FröhlichFröhlich


25.10.2015 um 19:20 Uhr

Fünf Dinge

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Aus einem älteren SEIN Magazin:
Dies sind die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern:

1. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"
2. "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"
3. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken"
4. "Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"
5. "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein"

http://www.sein.de/geist/persoenliches-wachstum/2012/fuenf-dinge-die-sterbende-am-meist...

ich hätte gerne diesen bunten Kranz, wenn es soweit ist,
hab ihn mir jetzt schon mal zu Lebzeiten geschenkt.


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09.08.2015 um 22:27 Uhr

Ein Brief

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Ein Brief,
den man nach dem Tod
einer demenzkranken Dame
in ihrem Nachlass fand.


"Was sehen sie, Schwester, wenn sie mich anschauen, und was denken sie?
„Eine knöchrige Alte“ mit abwesendem Blick, nicht mehr ganz zurechnungsfähig,
die sich nicht zu benehmen weiß und kleckert und nicht antwortet, wenn sie mit
ihrer lauten Stimme sagen, sie solle sich doch wenigstens ein bisschen Mühe geben,
die nicht zu beachten scheint, was sie machen, die mal hier einen Strumpf verliert
und da einen Schuh und die trotz aller Ermahnungen nicht mithilft, wenn sie
gebadet oder gefüttert wird.

Wenn sie das, Schwester, sehen und denken, dann liegen sie falsch.
Das bin ich nicht, die da so still sitzt, und die auf ihr Geheiß aufsteht
und isst. Machen sie die Augen auf, ich sage ihnen, wer ich bin:

Ich bin ein Kind von 10 mit einem Vater und einer Mutter und Brüdern und Schwestern, die einander lieben. Ein junges Mädchen von 16 mit Flügeln an den Füssen, die davon träumt, bald ihre wahre Liebe zu treffen. Eine Braut von 20 mein Herz springt vor Freude, wenn ich an die Gelübde denke, die ich zu halten versprach. Mit 25 habe ich dann eigene Kinder, für die ich ein sicheres, glückliches Heim baue. Eine Frau von 30, meine Kinder wachsen schnell, miteinander durch treue Bande verbunden. Mit 40, meine Söhne sind weg, aber an meiner Seite steht mein Mann und unterstützt mich. Mit 50 habe ich wieder spielende Kinder um mich. Wir haben Enkel, mein Liebster und ich.

Dann kommen dunkle Tage, mein Mann stirbt, ich schaue mit Angst in die Zukunft, denn meine Kinder
sind dabei, ihr eigenes Heim zu bauen. Ich denke an die Jahre und die Liebe, die ich erfahren habe.

Ich bin jetzt eine alte Frau, die Natur ist sehr grausam.
Sie hat sich ausgedacht, Alte wie Narren erscheinen zu lassen.
Der Körper zerfällt, Anmut und Stärke schwinden, wo einst ein Herz war,
ist jetzt ein Stein. Aber in diesem alten Gerüst wohnt ein noch junges Mädchen,
und hin und wieder schwillt mein geschundenes Herz.

Ich denke an die Freude zurück und den Schmerz, und ich liebe und lebe
das Leben noch mal, und erinnere die Jahre, viel zu wenig und viel zu schnell
vergangen und nehme die bittere Tatsache an, dass nichts bleibt.

So machen sie die Augen auf, Schwester
und sehen sie nicht eine alte kratzbürstige Frau,
sehen sie mich! Febr. 2013

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05.08.2015 um 17:33 Uhr

Das Spezialkonto

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Barbara Trapp-Hüngerle hatte ein Dankesschreiben bekommen
mit dieser schönen Geschichte im Anhang und uns im Verteiler geschickt ...


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Im Alter wird man weise

Ein 92-jähriger Mann beschloss nach dem Tod seiner Frau, ins Altersheim zu gehen. Die Wohnung schien ihm zu groß, und er wollte für seine ...letzten Tage auch noch ein bisschen Gesellschaft haben, denn er war geistig noch in guter Verfassung. Im Heim musste er lange in der Halle warten, ehe ein junger Mann zu ihm kam und mitteilte, dass sein Zimmer nun fertig sei. Er bedankte sich und lächelte seinem Begleiter zu, während er, auf seinen Stock gestützt, langsam neben ihm herging.

Bevor sie den Aufzug betraten erhaschte der Alte einen Blick in eines der Zimmer und sagte. "Mir gefällt es sehr gut." Sein junger Begleiter war überrascht und meinte, er habe doch sein Zimmer noch gar nicht gesehen. Bedächtig antwortete der alte Mann. "Wissen Sie, junger Mann, ob ich den Raum mag oder nicht, hängt nicht von der Lage oder der Einrichtung, sondern von meiner Einstellung ab, von der Art, wie ich ihn sehen will.

Und ich habe mich entschieden, glücklich zu sein. Diese Entscheidung treffe ich jeden Morgen, wenn ich aufwache, denn ich kann wählen. Ich kann im Bett bleiben und damit hadern, dass mein Körper dies und jenes nicht mehr so reibungslos schafft - oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann.

Jeder Tag ist ein Geschenk, und solange ich meine Augen öffnen kann, will ich sie auf den neuen Tag richten, und solange ich meinen Mund öffnen kann, will ich Gott danken für all die glücklichen Stunden, die ich erleben durfte und noch erleben darf. Sie sind noch jung, doch nehmen Sie sich den Rat eines alten Mannes zu Herzen. Deponieren Sie alles Glück, alle Freude, alle schönen Erlebnisse als Erinnerungen auf einem Spezialkonto, um im Alter über einen Schatz zu verfügen, von dem Sie zehren können, wann immer Sie dessen bedürfen.

Es liegt an Ihnen, wie hoch die Einlagen auf dem Konto sind. Ich verrate Ihnen noch zwei einfache Tricks, mit denen Sie ihr Konto rasch wachsen lassen können: Hegen Sie in Ihrem Herzen nur Liebe, und in ihren Gedanken nur Freude. In dem Bewusstsein, so ein Konto zu besitzen, verliert die Zukunft ihre Ungewissheit und der Tod seine Angst.

"Der junge Mann hatte staunend zugehört und bedankte sich nun mit einem strahlenden Leuchten in seinen Augen. Freudig drückte er den Arm des Alten und meinte: "Vielen Dank, soeben habe ich ein Erinnerungs-Konto bei meiner Bank eröffnet, und dieses Gespräch ist die erste Einlage. "Mit diesen Worten öffnete er die Tür, um dem neuen Bewohner sein Zimmer zu zeigen. Mit einem Schmunzeln sagte dieser: "Mir gefällt es sehr gut."


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05.08.2015 um 17:02 Uhr

Alpakas

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

In einer ausgelesenen Fernsehzeitschrift (vom Mütterlein)
entdeckte ich einen wundersamen Bericht aus Berlin:

Alpakas sorgen für gute Laune in einer Seniorenresidenz
http://www.berliner-woche.de/nachrichten/bezirk-steglitz-zehlendorf/lankwitz/artikel/57...

Diese Altenpfleger sind Alpakas
http://www.bild.de/regional/berlin/altenheim/hier-sind-lamas-die-pfleger-38496504.bild....

sie sind stubenrein, gehen nach draußen in ihren Bereich, um ihre Geschäfte zu verrichten.
Und schlafen tun sie natürlich auch draußen, hihi ...

In einem anderen Forum wusste jemand, von welchem Hof die Alpakas stammen.
Es ist der Nieplitzhof, der seinen Blog jeden Tag aktualisiert.
http://nieplitzhof.blogspot.de/

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05.08.2015 um 16:44 Uhr

Sie sind die Zukunft !!!

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Februar 2014: eines Abends hatten wir ein kleines Erlebnis:
wir gingen an wartenden Autos vorbei, weit und breit kein Fußgänger,
da tauchte wie aus dem Nichts ein Mann neben uns auf,
als wäre er pardautz vom Himmel gefallen.

Hab mich so erschrocken und ganz abrupt zu ihm umgedreht,
was sonst gar nicht meine Art ist (ich warte eher ab
und beobachte das aus dem Augenwinkel).
Zunächst ging er weiter, kehrte aber wieder um
und zeigte mit dem Finger auf meine Mutter
und sagte ganz dramatisch zu ihr:

"Das Eine will ich Ihnen sagen!
Sie denken, Sie sind abgeschrieben.
Aber das sind Sie noch lange nicht.
Sie sind die Zukunft !!!"

Dann ging er forschen Schrittes voran,
zielgerade über eine vierspurige Straße -
die Fußgängerampel zeigte ROT.

Das hatte gesessen, war sehr eindringlich.
Als meine Magengrube sich wieder beruhigte,
hab ich unser Erlebnis in der Kategorie "Wunder" abgelegt.

.

Ein paar Tage später hüpfte uns an genau der Stelle ein Frosch
vor die Füße, es war schon dunkel und wir hätten ihn fast nicht bemerkt.

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05.08.2015 um 15:53 Uhr

Anno 2004

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

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Ins Heim abgeschoben

Frage: wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht ?
Mich interessieren beide Seiten. Über jede Anregung freue ich mich.
Siebenstein (aus dem ehemaligen Fourmusicforum)

*

Hallo liebe Siebenstein!
Zwar habe ich die Erfahrungen eines Familienstreites nicht gemacht. Aber die ganzen Begleiterscheinungen in einem Pflegeheim habe ich inzwischen erfahren. Neulich nahm ich an einem Treffen für Angehörige teil, in dem Pflegeheim meines Vaters. Dabei ist mir ist bewusst geworden, wie wichtig es ist, immer beide Seiten zu berücksichtigen. Manche Klage, die von Angehörigen vorgebracht wurde, löste sich auf, durch die Berichte der beiden anwesenden Pflegekräfte.

Es ist schwer, aber notwendig, sich umzustellen. Die Tendenz ist, dass die alten Leute bis zuletzt beim Wort genommen werden. Empörung macht sich breit, wenn jemand durch ihre Verwirrtheit enttäuscht wird. Es kristallisierte sich auch das Personalproblem heraus, weil aus Kostengründen Personal eingespart wird. Und es ist üblich, am Wochenende Personal von Zeitarbeitskräften anzufordern, das oft überfordert ist. Es kann zu kritischen Situationen kommen, wenn sie ihren Dienst antreten, ohne vorher eingewiesen worden zu sein. Dann fehlt manchmal das Verantwortungsbewusstsein des Stammpersonals.

Da meine Mutter zweimal täglich zu meinem Vater geht, erlebt sie die ganze Palette rauf und runter. Es tun sich Welten auf und ist sehr hilfreich für sie. Das eigene Problem wird in ein anderes Licht gerückt. Ihr Leben lang war sie total auf ihren Ehemann ausgerichtet. Er hatte alles für sie geregelt. Plötzlich muss sie alles selber regeln und sie öffnet sich und lernt ganz viel. Es hat alles (s)einen Sinn.

HerzLicht
Lhatara

* UNTERSTÜTZT EUCH *

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03.08.2015 um 08:37 Uhr

Das Ende des Lebens

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

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[image] "Das Ende des Lebens ist auch Leben"
In dem Bestseller "Der alte König in seinem Exil"
verarbeitet Arno Geiger die Alzheimererkrankung seines Vaters.
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,745909,00.html

Zitat: Die strahlenden Gesichter, die sind für ihn wichtig.
Über die Jahre haben wir gelernt, dass weiterhin etwas wie
Normalität möglich ist. Und auch Glücksmomente. [image]


30.07.2015 um 23:24 Uhr

Champagnertrüffel

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

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Es gab auch mal Abende für die Angehörigen - das ist aber schon länger her. An einem dieser Abende hörten wir einen Vortrag zum Thema Demenz. Ich hatte mir anschließend Notizen gemacht und bin wieder über diese Notizen gestolpert: klar haben sie mit ihrer Vergesslichkeit zu "kämpfen". Zumal wenn ihre Umwelt, bzw. ihre Angehörigen meinen, sie müssten Gedächtnistraining mit ihnen veranstalten. Dann merken die Demenzkranken, dass sie überfordert sind und leiden darunter. Daher ist es so wichtig, ihnen möglichst angenehme Situationen zu verschaffen und z.B. nicht zu fragen, was sie denn zu Mittag aßen, denn das können sie nicht erinnern.

Sehr gerne behaupten die Demenzkranken, man habe sie bestohlen, wenn sie ihre Sachen nicht wiederfinden. Dann ist es taktisch klug, den Spieß umzudrehen und quasi selber zuzugeben, man sei so zerstreut und habe vergessen, wo man die Sachen abgelegt hätte, um dann die Hilfe des Anklägers in Anspruch zu nehmen, der dann sogar gerne beim Suchen hilft. Der Vortrag wurde von einem Arzt gehalten, der zwar in den Ruhestand gegangen ist, aber immer noch Demenzkranke betreut. Und dann war da noch die Geschichte mit den Champagnertrüffeln ...

der Geschmackssinn funktioniert bei alten Leuten nicht mehr richtig. Alles hat eher einen bitteren Geschmack. Und sie würden unmerklich verhungern, da ihnen nichts mehr richtig schmeckt. Die Speichelbildung hat extrem nachgelassen und die Nahrung bildet im Mund eine einzige trockene Masse. Eine Ausnahme sind Torten und Süßigkeiten. Der besagte Arzt nimmt immer Champagnertrüffel zum Verteilen mit. Die werden von allen sehr gern gegessen!

Die Demenzkranken fühlen sich "sauwohl", weil sie denken, dass sie so ca. 25 Jahre alt sind. Sie leben nach dem Lustprinzip, völlig enthemmt. Sie vergessen alles, sind daher nicht nachtragend und machen sich keine Sorgen um irgendwelche Konsequenzen ihres Tuns und ihrer Handlungen.

Eigentlich müssten die Angehörigen therapiert werden, weil sie nicht damit fertig werden, dass es plötzlich so ist, wie es ist. Man sollte den Demenzkranken einfach ganz viel erzählen, ihnen quasi sein Herz ausschütten, dann fühlen sie sich kompetent, als würden sie noch gebraucht werden und sie versuchen, den "Gesunden" zu helfen. Und man würde gleichzeitig das Geld für den Therapeuten sparen, hihi ... die Leute fragen immer, ist es schon Alzheimer oder ist es nur Demenz? Dabei verhält es sich umgekehrt: Alzheimer ist nur eine von vielen körperlichen Ursachen für die Demenz. Die Demenz bildet quasi das Schlusslicht. (Ende meiner Vortragserinnerungen)

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23.07.2015 um 07:18 Uhr

Sterbebegleitung

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

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Hab bei meinen älteren Beiträgen etwas entdeckt
und werde das hier mal parken, weil ich das ganz wissenswert finde:

Anno 2008 gab es eine Veranstaltung für Bewohner und deren Angehörige des Alten- und Pflegeheims.
Es wurde ein Projekt begonnen, um sich besser um die Sterbebegleitung kümmern zu können.
Die Tendenz geht dahin, dass die Menschen immer später erst in Altenheime gehen.
Der Gesetzgeber fordert, dass die häusliche Pflege erstmal ausgeschöpft wird.
Viele (alle?) Krankenhäuser wurden privatisiert und die Bettenzahl reduziert.
Die Patienten der Krankenhäuser werden im Gegensatz zu früher sehr schnell wieder entlassen
und oft werden die Schwerkranken im Pflegeheim eingeliefert und versterben dort nach kurzer Zeit.

Das Personal der Alten- und Pflegeheime hat somit immer mehr Sterbefälle zu betreuen.
Es fehlte aber bisher die nötige Ausbildung. Das soll anders werden.
Und auch das Personal selber bräuchte Unterstützung, bzw. seelische Entlastung,
um mit diesen vermehrten Sterbefällen fertig zu werden.
Ich war ganz erfüllt von den Referaten und vielen Zwischenfragen.

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Auf der Veranstaltung lagen Broschüren aus:
"Wir wissen, dass Mitarbeiter in der Pflege
oft einen außerordentlich großen Selbstanspruch
und hohe Erwartungen an die eigene Belastbarkeit haben.
Das kann zu einer Überbeanspruchung führen.
Deshalb ist es wichtig, die Außenansprüche und die Ansprüche,
die man selbst an sich stellt, gut auszubalancieren.

Um ein Ausbrennen (Burn-out-Syndrom) zu verhindern, ist es wichtig,
das Verhältnis "Anspruch von außen - Selbstanspruch"
und "Belastung - Entlastung" immer wieder zu thematisieren."

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28.04.2015 um 08:32 Uhr

Das war am Freitag

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Irgendwas lag in der Luft.
Mittags wollte ich an der Rezeption nach Post fragen, aber sie hatten schon Feierabend.
Im Büro war noch jemand und wollte dann nachgucken. Das rief Bewohner P. auf den Plan.
Er rollte zu uns, um leise bis fast unhörbar seinen Wunsch nach einer Flasche Bier kundzutun.
Oha! Warum er das denn nicht früher schon gesagt hätte?
Er war doch die ganze Zeit in der Nähe, als der Verkaufstresen noch draußen stand.
Und jetzt war alles schon weggeschlossen!

Öhm, sehr ungemütlich. Nix wie weg hier. Ging nicht, der Ausgang war versperrt.
Eine Bewohnerin im Rollstuhl wollte rein, hatte aber keine Kraft mehr.
Sie reagierte auch anders als sonst, das sah nach einem kleinen Zusammenbruch aus.
Der Herr aus dem Büro kümmerte sich gleich um sie.

Und am Abend? Hatte wieder jemand schlapp gemacht, es waren schon Helfer eingetroffen.
Als ich zu meinem Vater ins Zimmer wollte, winkte Frau K. am Ende des Flurs mich zu sich ran:
"Bitte setzen Sie sich doch mal zu mir. Nur für einen Moment."
Sie war umgeben von Zeitungsseiten und ganz erschüttert, über das, was sie in der Zeitung gelesen hatte.
Hamburg muss ja total zerstört worden sein, meinte sie dann. Oh? Wieso das denn?
Aber ihr fehlten die Worte. Und ich konnte ihr nur empfehlen,
statt einer Zeitung lieber ein Heft mit Fotos der Königskinder zu erstehen.

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12.04.2015 um 13:26 Uhr

Die kleine Elfe

von: Zaubermantel   Kategorie: Heimgeschichten

Heimgeschichte vom Sommer 2013 ...

als ich das Zimmer meines Vaters betreten wollte,
leuchtete mir seine blanke Rückseite entgegen -
er wurde grad für die Nacht fertig gemacht.
Der Pfleger hantierte im Badezimmer noch mit Wasser
und meine Mutter passte auf, dass ihr Ehemann
auch ja so liegenblieb.

Ich sollte mich erstmal draußen auf die Terrasse setzen.
Da kam sofort eine Bewohnerin zu mir, barfuß und im Nachthemd.
Sie huscht immer wie eine kleine Elfe durch die Gänge
und geht in alle Zimmer, was nicht immer so gut ankommt.
Die Dementen untereinander können ganz schön grausam sein.

Aber ich freu mich, wenn ich sie sehe
und sage zu meinem ängstlichen Mütterlein, das wäre doch ein Schutzengel.
Meine Mutter hat Angst, es könnte jemand Fremdes an den Schläuchen ziehen.

Ich fragte die kleine Elfe, ob das nicht pikst, wenn sie draußen barfuß läuft.
Nein, das pikst nicht, sie möchte noch ein bißchen hin und her gehen.
Zum Schluss fragte sie, ob ich allein sei, weil meine Mutter nicht zu sehen war.

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