Zettel An Meiner Wand

22.12.2010 um 03:30 Uhr

Meine Ängste

von: Sterntalermaedchen   Kategorie: Persönliches

So, es ist soweit.

Ich habe mir endlich eingestanden, dass ich unter Verlustängsten leide.

Ein Freund hatte das mal vermutet bei mir und mir das sehr unsensibel an den Kopf geworfen, so im Sinne von "Bevor du das und das machst, versuch erstmal deine Verlustängste in den Griff zu kriegen!" Und ich hab das einfach ignoriert.

Es ist nun aber so, dass ich bei mir Dinge beobachtet habe, die wirklich darauf hinweisen. In meiner Beziehung (ja, wir sind nun wirklich fest zusammen.... juhuuu :) ) bin ich hin und wieder grundlos eifersüchtig. Da kann eine unbedachte Formulierung schon ausreichen und ich kriege Panik. Das vergeht meist nach höchstens 30 Min. wieder. Eben dann, wenn ich wieder normal nachdenken kann. Dass das so ist, weiß ich schon länger, aber nun weiß ich auch, dass das im Kern kein Eifersuchtsproblem ist. Denn ich vertraue meinem Freund sehr. Die Eifersucht hält wie gesagt auch nie lange an und ist kein durchgängiges Problem. Oft hängt das auch von meiner allgemeinen Laune ab.

In meiner letzten Beziehung wurde ich langsam zum Kontrollfreak und habe viel geklammert. Das habe ich zum Glück nun im Griff, weil ich meinem Freund davon erzählt habe und ihn gebeten habe, dass er mich darauf aufmerksam macht, wenn ich wieder in diese Richtung tendiere. Bisher tue ich das nicht, weil ich wirklich sehr darauf achte. Ich will ihn ja nicht verlieren. Und das ist der Punkt. Ich habe Angst, wieder den gleichen Fehler zu machen wie in der letzten Beziehung.

Das Problem habe ich allerdings schon länger. Davor in der Beziehung hatte ich ja einen sehr sehr eifersüchtigen Freund, der auch viel an mir klammerte. Ich habe mich sehr abhängig von ihm gemacht und versucht ihm alles recht zu machen. Hab mich für ihn verbogen und alles getan, dass er bei mir bleibt. Im Endeffekt habe ich ihn verlassen, weil er meine Abhängigkeit so sehr ausgenutzt hat. Ähnliches ist mir in meiner Kindheit mal mit einer besten Freundin passiert.

Ich denke also, dass ich unter Verlustängsten leide, was auch dadurch verstärkt wird, dass ich kein so großes Selbstwertgefühl habe und mich emotional schnell von anderen Menschen abhängig mache. Daraus resultiert sowohl meine Eifersucht, als auch meine große Empfindlichkeit und Verletzlichkeit und die darauffolgende Überreaktion. Soviel zur Selbstdiagnose.

Ich bin mittlerweile so weit, dass ich es oft schaffe  Eifersuchtsgefühle hintenanzustellen bis ich mich damit rational auseinandersetzen kann. Dann erst rede ich mit meinem Freund darüber und sage dann auch sofort, dass ich weiß, dass das alles unbegründet ist. Mit den Überreaktionen in anderen Situationen funktioniert das leider nicht. Ich finde mich selbst so anstrengend manchmal. Denn auch wenn ich es schaffe, das dann mit mir selbst auszumachen, ist das doch sehr belastend für mich. Ich habe z.B. auch manchmal Angst, dass meinem Freund etwas passiert wenn er von mir aus nach Hause fährt. Er wohnt ja etwas weiter weg. In diese Angst kann ich mich auch reinsteigern. Ich schaffe es zwar immer, da irgendwie die Grenze zu ziehen (ich rufe meinen Freund dann nicht an oder so), aber trotzdem ist es für mich einfach zuviel.

Genau wie das Autofahren. Ich fahre kein Auto weil ich kein Vertrauen in mich habe was das angeht und weil ich tierisch Angst habe, jemanden zu verletzen. Das ist auch nicht ganz unbegründet, weil ich einfach durch die Angst sehr unsicher fahre und meine Reaktionsfähigkeit sehr schlecht ist dann. Wenn irgendetwas unvorhergesehenes passiert, gerate ich in Panik, fange an zu zittern, sehe nicht mehr richtig und so weiter. Deswegen bin ich seit knapp einem Jahr gar nicht mehr gefahren. Davor habe ich es oft versucht, mit verschiedenen Autos, mit verschiedenen Beifahrern, in der Stadt, auf dem Land, tagsüber und nachts... es geht einfach nicht. Im Moment spielt das keine Rolle, weil ich kein Auto habe und auch keins brauche.

Vorher war mir das nicht so sehr bewusst, aber ich habe nun gemerkt, dass ich unter relativ vielen Ängsten leide. Ich werde mir nun Literatur dazu beschaffen und mich mit dem Problem mal auseinandersetzen. Vielleicht hilft es mir schon, wenn ich mich selbst besser verstehen kann.