Zettel An Meiner Wand

15.10.2014 um 15:17 Uhr

Die Nacht gibt es, der Morgen nimmt es

von: Sterntalermaedchen   Kategorie: Persönliches

DAS hat ja mal gut funktioniert. Nicht. :D

Also schon irgendwie. Schließlich habe ich mich nicht mehr so auf meine Beziehung konzentriert. Im Gegenteil: Ein neuer Mann ist in mein Leben getreten. Es war auch Alkohol im Spiel, aber ich fand ihn schon Samstag ziemlich klasse. Wirklich was gelaufen ist natürlich nicht. Ein bisschen Händchenhalten und Spazierengehen. Doch von vorn.

Wie es eben nun mal so ist. Ich war weg mit meinem Freunden, mein Freund konnte leider nicht, er war krank. Das fand ich schade, aber ich kann auch mit meinen Freunden viel Spaß haben. Und so tranken wir recht viel und tanzten noch viel mehr. Und ich habe mich mit verschiedenen Leuten unterhalten, die ich nicht kannte. Natürlich auch mit Männern und dann auch mit ihm. Er hat mir Komplimente gemacht, aber irgendwann habe ich ihm gesagt, dass mich Komplimente nicht beeindrucken, sondern Menschen. Wir haben etwas geflirtet und ich konnte mich nicht mehr von ihm losreißen. Außer mir war nur noch ein Freund von mir da und ein Freund von ihm, der dann aber bald gegangen ist. Wir sind dann um 5 Uhr morgens (ja, ich hätte einfach die Bahn nach Hause nehmen sollen...) noch zu dritt durch die halbe Stadt gelaufen und er hat meine Hand gehalten. Ich wollte ihm mehrmals sagen, dass ich vergeben bin. Aber das hätte den Moment kaputtgemacht und er wäre wahrscheinlich gegangen und das war für mich in der Situation eine blöde Vorstellung. Ich wollte den Moment einfach weiter genießen.

Wir sind wirklich noch zwei Stunden lang rumgelaufen und zweimal hat er versucht mich zu küssen, was ich natürlich nicht zugelassen habe. Aber es schien für ihn okay zu sein und er schien sich für mich zu interessieren, vielleicht gerade weil ich es gern bei dem belassen wollte, was wir hatten. Er liebt den Winter und die Berge und wäre am liebsten ein Adler. Er spricht nicht viel, aber was er gesagt hat, hatte Tiefgang. Er hat irgendwann gemerkt, dass er mich nicht beeindrucken braucht, nicht bei mir punkten muss mit irgendetwas. Er hat mir einfach gut gefallen. Manchmal sind wir stehengeblieben und er hat meine beide Hände genommen und ich habe mich etwas an ihn gelehnt. Und ja, ich habe natürlich an seinem Hals geschnuppert. Ich MUSSTE. :D Als er mich schließlich nach Hause gebracht hat, haben wir Nummern getauscht und uns lange umarmt. Mein Kopf lag an seiner Schulter und er hat mir übers Haar gestreichelt. Das war sehr schön, denn seine Berührung war ganz zart und sanft, richtig vorsichtig. Wir haben uns kurz auf die Wange geküsst zur Verabschiedung.

 

Nach einem kurzen SMS-Kontakt haben wir uns gestern auch einen Kaffee getroffen. Ich war so unglaublich nervös, ich hätte mich fühlen können wie 13, wenn ich damals so gewesen wäre. *lach Mit 13 war ich viel cooler bei sowas. Ich hatte Sorge, ob ich ihn überhaupt erkenne. Eigentlich ist er ja ein ganz normaler Typ. Groß, sehr schlank, Dreitagebart, kurze schwarze, leicht lockige Haare und hellblaue Augen. Nicht so strahlend blau. Mehr so eisblau. Der Kontrast ist der Wahnsinn. Aber als er da war, hab ich ihn natürlich erkannt und hab mich gar nicht getraut ihn anzusehen.^^ Zur Begrüßung haben wir uns umarmt und er hat einen Kuss auf die Wange angedeutet. Ich nicht, ich war aber auch nicht vorbereitet. Und dann hat er mir einen Tee gekauft, mir sämtliche Türen aufgehalten und wir sind spazieren gegangen. Dieses Mal nüchtern und etwas hell war es sogar auch noch. ;) Er hat mir immer noch gut gefallen. Aber jetzt kommt es: Es ist nicht eine Annäherung passiert, weder von ihm, noch von mir. Und auch keine flirtenden Blicke oder irgendwelche persönlicheren Gespräche. Wir haben uns einfach nur oberflächlich unterhalten. Er hat noch weniger geredet als Samstag Nacht. Kann jemand wirklich so schüchtern sein? Nun gut, von mir kam ja auch nicht so viel. Sollte und dürfte es ja auch nicht. Aber das kann er ja nicht wissen. Ich wollte ihm eigentlich sagen, dass ich vergeben bin. Aber das Gespräch war so Smalltalk-lastig, das ging gar nicht. Ich kann ja nicht sagen „Achja, klettern gehen würde ich auch mal gern. Ich hab übrigens einen Freund." oder gar „Das Kürbisrezept klingt ja lecker. Ich bin übrigens vergeben." Ich hab echt zwischendrin darüber nachgedacht, aber irgendwie... ich hatte Angst, ich würde mich zum Affen machen.

Die Verabschiedung nach knapp zwei Stunden war noch weniger spannend. Wir haben uns einfach umarmt, wie man das mit Freunden macht zur Verabschiedung. Jetzt frage ich mich: Will er gar nichts von mir? Findet er mich plötzlich doof/hässlich/fett/langweilig? Hab ich ihm Ablehnung signalisiert, sodass er sich nicht getraut hat oder hat er von mir Offensivität erwartet? Aber die hat er ja auch nicht an den Tag gelegt. Ich bin gestern aus dem Treffen rausgegangen mit dem Gefühl: Okay, das hat sich erledigt, er ist aber ein netter Kerl, also kann man sich ja nochmal wiedersehen. Ende im Gelände. Aber seitdem kann ich an kaum etwas anderes denken. Ich sehe sein Gesicht vor mir und dann hab ich soviel an ihn gedacht irgendwann, dass ich nicht mehr weiß, wie er aussieht. Das passiert mir IMMER. :D

Also die Wahrheit ist: Ich finde ihn echt heiß, durchschaue ihn aber nicht. Am Samstag hat er irgendwann zu mir gesagt, meine Augen würden ihn so intensiv ansehen, dass er das Gefühl habe, sie schauen durch ihn durch und würden alles erkennen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich raffe NICHTS. Er ist auch per SMS so einsilbig, aber sowohl vor als auch nach dem Treffen. Er ist auch einfach so, glaube ich. Aber komisch ist es trotzdem. Ich werde nicht aus ihm schlau. Ich kann besser mit offenen Leuten umgehen, ich brauche Ansagen. Vielleicht fasziniert mich gerade bei ihm, dass er mich herausfordert.

 

Gestern Abend hat er mir nochmal geantwortet, aber dann nichts mehr geschrieben, nachdem ich seine Frage, wie mein Sport war, beantwortet habe. Ich muss jetzt warten, bis er sich meldet, das hat er bisher noch nicht von selbst getan. Ich laufe den ganzen Tag wie ein Zombie durch die Uni und habe Angst, ihm irgendwo zu begegnen.

 

Was das Ganze für meine Beziehung bedeutet? Nichts. So einfach ist das.

06.10.2014 um 02:07 Uhr

Der Blätterteig der Vergangenheit

von: Sterntalermaedchen   Kategorie: Persönliches

... holt mich immer wieder ein. Es dauert lange Zeit, bis man etwas verarbeitet hat. Wochen und Monate denkt man nicht so sehr daran und zack! kommt es plötzlich wieder und man merkt, dass man noch eigentlich gar nichts überwunden hat. Immer und immer wieder hinterfragt man Entscheidungen und bewertet neu, weint, ist wütend und kommt am Ende immer auf das gleiche Ergebnis: So ist es scheiße. Wie es war, wird es nie wieder sein. Also muss ich die Scheiße aushalten. 

Ich bin nicht glücklich. Ich war in meiner letzten Beziehung insgesamt viel ausgeglichener und ja, auch glücklicher. Ich war fröhlicher. Ich mochte mein Leben. Jetzt bin ich nachdenklich, hadere viel, bin manchmal depressiv, trete auf der Stelle und bin ängstlich. Ich habe lange den Fehler gemacht (eigentlich immer bisher), das Problem ausschließlich in der Beziehung zu suchen und nicht bei mir selbst. Aber jetzt ist es offensichtlich. Ich war mit dem letzten Mann nicht glücklicher als mit dem aktuellen. Ich war damals einfach insgesamt glücklicher, weil ich anders war. Manches möchte ich an mir zurück, manches lieber nicht. 

Letztens hat ein Freund mir einen Artikel gezeigt, da ging es um Liebe als Ersatzreligion. Alles dreht sich nur darum, die große Liebe zu finden. Alles andere ist nebensächlich. Man identifiziert sich fast ausschließlich darüber, was für eine Beziehung man führt. Es gibt diesen lustigen Buchtitel "Liebe dich selbst, dann ist es egal, wen du heiratest". Keine Ahnung, was in dem Buch drin steht. Wahr ist der Titel sicherlich irgendwie. Zumindest insofern, dass es eigentlich erstmal egal sein sollte ob man Single ist oder in einer Beziehung, solange diese nicht von Grund auf schädlich ist. Aber mein Glück muss ich doch auch so oder so finden können. Beziehung darf nicht über allem stehen, das ist zuviel Verantwortung. Die Liebe ist vor allem in mir, nicht in der Partnerschaft. 

Ich bin als Single nicht so gut. Ich brauche immer einen an meiner Seite. Ich genüge mir selbst nicht. Ich muss anfangen, für mein Glück selbst zu sorgen. Die Erwartungen, die ich habe, kann doch keine Partnerschaft erfüllen. Dabei will ich eigentlich frei sein, unabhängig und selbstverantwortlich. Ich will mit mir glücklich sein und alles andere ist Bonus. 

Ich versuche das. Wir werden sehen.