Wenn New York der melting-pot ist, dann ist die Subway die Suppe, das Surrogat. Leben pur.
Ich frage mich schon seit längerem, was diese Stadt, die Menschen, die hier leben, eigentlich ausmacht. Oder, anders ausgedrückt, warum ich glaube, dass hier etwas ganz besonderes stattfindet. Klar gibt es hunderte von Millionenstädten, Metropolen, Menschenmassen; und kein einzelner Mensch hat sie je alle gesehen. Aber in der Subway von New York findest du alles, was du über die Menschen dieser sogenannten westlichen Welt wissen kannst.
Da war dieser Typ im grauen Anzug. Schlank, fast dünn, sehr groß. Seine lederne Aktenmappe hielt er fest an sich gepresst. Ein weisses Anstecktuch strahlte Seriosität aus. Er stand im Gang, obwohl Sitzplätze frei waren und hielt sich nicht an irgendwelchen Stangen fest, sondern glich die Zuckungen des Waggons durch geschmeidige Gegenbewegungen aus. Er wankte nicht, er korrigierte.
Seine Blicke erkundeten das Personal, die Kundschaft, die Gemeinde. Mehrmals schien es, als wollte er um Gehör bitten. Als wartete er nur auf den richtigen Moment, die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu ziehen. Ihnen die Botschaft zu vermitteln. Die Kunde.
Doch irgendetwas fehlte, irgendetwas, dessen Nichtvorhandensein ihn davon abhielt, seiner Bestimmung zu folgen. Er zögerte. Er zauderte. Er haderte mit seinem Schicksal. Und das machte ihn fertig. Nagte an ihm, wie ein Kaninchen an einer Karotte.
Dieser hagere Typ wollte uns alle teilhaben lassen an seiner Erleuchtung - aber es mangelte ihm an Zuversicht.
cuZooN.