Innere Leere
Musik: Bon Iver & St. Vincent ~ Roslyn
Jetzt, nach den Winterferien, fange ich ganz von vorne an. Wieder diese schlaflosen Nächte, diese lähmende Angst. Ich habe dieses Gefühl, wie ich es in letzter Zeit fühle, noch nie wahr genommen. Als würde ich implodieren. Ständig auf der Suche, immer in Gedanken und am Ende eines Tages doch nie zufrieden mit mir. Als würde ich etwas verpassen, als würde da draußen die große Party ohne mich laufen.
Und so verbringe ich meine Wochenenden bei den neuen "Freunden", die eigentlich keine sind, aber gerne welche wären. Früher hätte ich sie aufgeklärt, heute weiß ich, dass sie es wahrscheinlich niemals verstehen werden. Also lasse ich es, sie sind glücklich und geben mir damit zumindest die Freiheit mich nicht ständig für mich selbst entschuldigen zu müssen. Doch mir tut es eigentlich weh. Ich kann nicht mit ihnen, denn sie verlangen von mir ein unglaubliches Maß an Oberflächlichkeit, welches ich einfach nicht aufbringen kann. Doch ohne sie bin ich noch leerer. Es ist einfacher die Leere im Inneren mit Belanglosigkeiten zu füllen, als sie leer zu lassen.
Aber Weißmehl macht einfach nicht so satt, wie Vollkornmehl.
Es tut mir weh, sie für meinen Zweck benutzen zu müssen, aber wenn dieses Vakuum in mir zu groß wird, habe ich Angst wirklich eines Tages zu implodieren. Dieser Zustand hat mich schon so lange aufgeregt, aber noch nie hat er mich so geängstigt wie jetzt. Es geht nicht mehr um das Alleinsein, sondern um die innere Leere. Irgendwann bin ich ermüdet, immer diesen wahnsinnigen Hunger in mir zu stillen. Ein Hunger nach etwas, das mich erfüllen kann. Dieses spezielle Lächeln, diese spezielle Stimme, dieser spezielle Mensch der mich erlöst.
Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es ein anderer Mensch sein kann, der mein Inneres füllt. Vielleicht bin ich es selbst, die nach einer Lösung suchen muss. Vielleicht ist hoffen allein nicht genug. Aber da ist die Schule, die immer so lähmend langsam ist. Die mir immer das Gefühl gibt, sie würde mir Zeit rauben. Ich arbeite gegen die Zeit und schaffe es doch nie, denn sie ist schneller.
Und so sitze ich manchmal träumend da und blicke aus dem Biologieraum raus in die ferne weite Welt. Das geht gut, denn die Schule ist auf einem Hügel gebaut und Biologie findet immer im 2.Stock statt. Die weite Fensterfront ist so einladend, dass meine Augen keinen anderen Weg finden, wie hinaus. Hinaus in diese Farbenprächtige, laute und doch so stille Welt. Es ist, als würde man mir einen Schleier abnehmen und vor mir breitet sich ein ganzes Universum an neuen Gedanken aus. Meine nahe Umgebung, dieser von Gemurmel vergiftete und viel zu enge Raum erbleicht zu einer unwirklichen Erscheinung. Aber diese Freiheit währt nicht lange, denn das bleiche Grau frisst an den Rändern meines Bewusstseins, wie das Tageslicht am Schlaf.


