Schatten sind viele

07.04.2017 um 20:46 Uhr

Hiersein

von: Alcide

Keimendes Sein,
sehnsuchtsschwer
gehüllt in Erde,
voll von
Blut und
Atem

nachtwandernd
kreist dein Dunkel
um sanfte Sonnen

und still tropfen
die Träume
unsichtbar
fernen Wäldern
entgegen

31.03.2017 um 00:55 Uhr

Seele, Unerkannte Du

von: Alcide

Seele, Unerkannte Du,
bette mein Sehnen
zur Ruh‘

schwebend
zwischen Trauer
und Glückseligkeit,
will ich nicht lassen
der müden Erde
Schweigen

will schreiten
durch die Nacht,
entgegenwachsen
neuen Morgenröten,
zu löschen den
Durst meiner
Träume

singende Seele, Du,
bette mein Sehnen
zur Ruh‘

ruhend im
Sternenschatten,
empfange ich die
Küsse

und purpurn
zittert mein Lächeln
im Herzen der
Wirklichkeit

22.02.2017 um 22:56 Uhr

Wir atmen die Stille

von: Alcide

Fallend in
Berührung
atmen wir
die Stille

leuchtend
dein Antlitz
gerötet
die Wangen,
aufgewühlt
dein Haar,
verzaubert
der Blick …

kein Gedanke
mehr –
an den Durst
der Ferne

wir atmen
die Stille,
lauschen
der Harmonie
der Zärtlichkeit

nur die sanfte
Hündin fordert
von Zeit zu Zeit
Berührung ein,
und wir geben
sie ihr gerne,
streicheln ihre
kleine Schnauze
und das Fell

der missmutige
Kater hingegen,
beobachtet
mit Herablassung
das Geschehen,
im Frühling
will er Vögel
jagen,
bis dahin muss
er uns Menschen
ertragen

der Tag voll Regen,
keine Sonne ward
uns beschieden,
doch nachts
lachten silbern
die Sterne
und die Stille
atmete in
unseren
Herzen

16.12.2016 um 23:45 Uhr

Kalte Nacht

von: Alcide

Kalte Nacht
verschluckt
die grauen
Wolken

zerrissene Fäden
des Schicksals,
Erinnerungen
im Schutt der
Träume
 
in Klarheit
atmete
heilender
Sinn
und voll
von Werden
und Sein
und sanften
Sonnen

grüßte das
Schicksal
und streifte
die Wangen
bewahrend
die Sterne
und stillen
Seen

klanglos
tropfen
die Worte
ins müde
Licht des
Monds

23.11.2016 um 22:56 Uhr

Dunkles Tuch der Nacht

von: Alcide

Dunkles Tuch der Nacht,
hüll‘ mich ein mit Raum
und Stern

Benetz‘ mit Glanz
die kalten Seen,
mach‘ schweigen Wald
und Felder

Streu‘ Mohn mir
auf die Stirn,
küss‘ weg den Herbst
vergangener Blüte

Und wiege mich in
Schlaf und Traum,
bis Sehnen
in die Stille
fließt

14.10.2016 um 17:04 Uhr

Leuchten der Stille

von: Alcide

Leuchten der Stille
Glück der Einsamen
kehre wieder
und lege stolz
dich an mein
Herz

in Nächten hell
von tränenblauen
Schlafs voll
quellender
Sehnsucht

24.09.2016 um 22:49 Uhr

Heillos rauscht das ferne Leben

von: Alcide

Gewicht des Seins
im engen Herzen
heillos rauscht
das ferne Leben
in Nacht und
ziellos ohne
Sinn …

Lächeln der Erinnerung
Lippen küssten
sanft des Himmels
Saum
und Frucht
der Erde löste
Schicksal mir
in schweigender
Klarheit …

Süßes Geheimnis
verwehenden Sommers
zählst du noch
die Schatten?
siehst du
noch den
Engel
unsichtbar?

Zu müde
Quellen
zu suchen,
zu brüchig
das Blau,
widerhallend
in stumpfer
Schwermut

07.09.2016 um 20:45 Uhr

Stummes Gebet

von: Alcide

Hinsinkend
an kalten
Lippen
will ich Träume
nähren

lösend
die Trauer
um das Fort
und Fern

und stummes
Gebet
in Nächten
seelenleerer
Qual

So fremd
mein Ich
im Hier

schon lange
tot und
schattenschwer

und Finsternis
verschluckt
die Sterne

23.08.2016 um 21:17 Uhr

Anderes Fühlen

von: Alcide

So sind wir
Gefangene des Tages
Ausgelieferte der Stunden
zerrinnend in Ausweglosigkeit
immer nur dies

Wär‘ Welt nur wie ein Traum,
wie dimmend Licht und blütensanft,
verglühend in Demut
hinter schweigenden Wolken

Wie kann ich je mein Fühlen ändern?
wo alles mich fortzieht
hinein in einen Austausch
der nicht der meine ist,
wo fremde Welt nur fremder scheint

Ich will ein anderes Fühlen
ein Anderes fühlen …

Will schläfrig unter stillen Blumen gehen
in feierlicher Dauer
und weicht der Tag,
so will ich still das Fallen üben
in Nacht mit Sternen, so viel Sternen

25.07.2016 um 21:14 Uhr

Treibend im Sternenmeer

von: Alcide

Treibend
im Sternenmeer
des Schicksals
suche ich Zeichen

fühllos
jagen die Sinne
und ernten in Wüsten
die Früchte verdorrten
Lebens

Klangvolle Welt –
wo schimmert noch
dein Herz im Licht
der Nacht?

04.06.2016 um 22:24 Uhr

Einsame Nacht

von: Alcide

Der Himmel tropft
in die seelenlose Nacht

Müde unter den Tränen
dunkler Wolken
liegt der Glanz
der stillen Welt

Schwer träumen
meine Schatten
an stummem Abgrund

Wie schmeckt nur
jeder Tag nach Leere
ohne dich …

Licht in der Nacht
einer traumlosen
Dunkelheit
warst du mir

Heller leuchtete
mir das Leben
und stiller rann die
Sehnsucht im Einklang
der Stunden

Seelenlos tropft
der Himmel in die
einsame Nacht

04.05.2016 um 02:21 Uhr

An anderen Orten

von: Alcide

Ferne deines Atems
in Nächten kalt und
schwer

Als hätt‘ ein Stern
sich fortgerissen
zu leuchten anderen
Träumern

Still berührt von Glück
und seelenvoll
funkeln die Blüten
des Schicksals

an anderen Orten …

17.04.2016 um 00:08 Uhr

Sternnebelhain

von: Alcide

tränenlos
an kalten Mauern
der rohe Tag

verwelkt
der Sinn
blutlos die Stunden

in Nacht gebettet
erwacht silbern
die Anderswelt

und einsam
im Sternnebelhain
singt mein Schweigen

09.04.2016 um 23:19 Uhr

Fern von dir

von: Alcide

Träume baden
in der Stille –
fern von dir

Versiegte Quellen
flüstern ihr Geheimnis –
dem Mond und der Nacht

Zerrissen
liegen die Schatten
am Wegrand der Erinnerung

Stumm und blass
sinkt mein Lächeln
ins schweigende All

05.03.2016 um 22:15 Uhr

Nacht

von: Alcide

Aus modrigen Schatten
tropft Nacht in meine Seele.
Stille benetzt
die Lippen des Einsamen.
Mein Atem
gerinnt zu Staub.
Kalt flackert mein Schweigen
unter Mond und Sternen.

Im Rausch des Schlafs
erstickt die Sehnsucht.
Im Labyrinth der Träume
falle ich in einen neuen Tag.

01.03.2016 um 20:40 Uhr

Traurigkeit

von: Alcide

Das Leben ist ein Tanz zwischen Elend und dem Wunderbaren. Zwischen Schwere und Leichtigkeit. Zwischen Missklang und Harmonie. Wie immer bin ich irritiert wenn mir das Leben nur mehr grau und glanzlos erscheint. Wie eine dunkle Wolke fühle ich den Vorwurf  über mir, dass ich meine Lebenszeit vergeude, wenn ich dem Negativen der Gefühlswelt zu viel Beachtung schenke. Doch die Affekte sind da. Machen sich körperlich bemerkbar in Verkrampfung, Verspannung und Kopfschmerzen. Und ich kann sie nicht loslassen. Würde sie gerne abschütteln. Will sie loswerden, diesen ständigen inneren Monolog, dieses schweigende Jammern in mir, diesen Vorwurf an Welt und an mich selbst.

Das Grundmotiv der letzten Wochen ist Traurigkeit. Traurigkeit über den Verlust von Nähe, Vertrauen und Freundschaft. Es schmerzt, wenn ich darüber nachdenke. Also versuche ich darüber nicht nachzudenken. Aber es fühlt sich nicht gut an. Wie ein Farbfilm, der plötzlich nur mehr in Schwarz-Weiß läuft. Ein Zurücksinken in eine Zeit ohne Fülle. In eine Zeit, in der die Hoffnung in der Zukunft lag. In der ich mir genau das imaginierte und wünschte, was jetzt in der Vergangenheit liegt. Es ist vor allem auch der Wegfall dieses Hoffnungsmotors in mir, der schmerzt. Wie eine Kurve, die irgendwann einen Scheitelpunkt erreicht hat und dann rapide abfällt ohne die Hoffnung auf einen neuen Aufschwung.

28.02.2016 um 23:23 Uhr

Ohne DU

von: Alcide

die Blüten
so schön
sind verblüht

hier
ohne Du …
unendlos

wir träumten
und nie
niemals nie …

in Mondasche
verlischt
der Morgen

14.02.2016 um 20:36 Uhr

Haltlos

von: Alcide

Ich brauche sie im Moment mehr als sie mich. Das fühlt sich schlecht an. Unangenehm. Andersherum wäre mir lieber. Wieder haben wir gestritten. Beide unfähig, den Grund für den Schmerz des anderen nachzuempfinden. Und so winkt ein Abschied. Ich fühle als fiele ich in ein seelenloses All. Und die segensvolle Sehnsucht verwandelt sich in Verlust, der mein ganzes Wesen durchdringt und mich in bittere Trauer tränkt.

Versuche mich zu halten. Mein Leben strukturiert zu leben, und hoffe nicht abzugleiten. Auszuharren bis reichere Tage den Schmerz des Trennenden vergessen machen. Einsamkeit ist eine Medizin, die nur in Hoffnung auf Zukunft genießbar ist. Und selbst in den kargen Zeiten der Seele, weiß ich doch, dass Melodien wieder klingen werden. Und sich die Last des Himmels in friedliche Bergung verwandeln wird.

09.02.2016 um 20:45 Uhr

Niedergeschlagenheit

von: Alcide

Seit einigen Tagen wieder tiefe Niedergeschlagenheit. Ich fühle dich so fern. Fühle deine Abwesenheit wie einen kalten Schmerz. Wie leerer Raum in einem dunklen Zimmer. Es raubt mir meine Kraft und meine Begeisterung. Ich selbst werde leer. Meine Worte an dich von grausamer Kargheit. Da ist es wieder: ich kippe in das Nicht-Identische. Falle aus mir heraus, falle heraus aus der angenehmen Behaglichkeit, die mir deine Zuneigung verleiht. Und selbst zu wissen, dass es wieder reichere Stunden geben wird, befreit mich nicht… Lebe wie in einer Verhexung. Bin wie gebannt. Und verlange nach deinen magischen Worten. Immer noch das Kind, das leidet, wenn Liebe nicht beständig aktualisiert und kommuniziert wird. Es ist traurig.

Lese vorhin zufällig diese Zeilen Hölderlins. Sehe mein Grundgefühl der Schwere darin gespiegelt, die sich abhebt von deiner Leichtigkeit:
„[…] gleich dem Gewölke dort
Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
Ruhst und glänzest in deiner
Schöne wieder, du süßes Licht!“ (Friedrich Hölderlin: Abbitte, 2. Strophe)

Am Nachmittag vom Tod Roger Willemsen erfahren. Hat mich mitgenommen, obwohl ich versuche es nicht zu nahe an mich rankommen zu lassen. Er wird mir fehlen, so wie er mir schon das letzte halbe Jahr gefehlt hat und ich immer gehofft hatte ihn bald wieder in einer der Talkshows zu sehen. Ihn hätte ich mir so wunderbar als 90jährigen, weisen, alten Mann vorstellen mögen.

Ich mochte ihn. Seine Rhetorik war ein Genuss. Mir fällt ihm Augenblick niemand ein, der diese Lücke schließen könnte. (Allenfalls Eugen Drewermann redet ähnlich brilliant, aber er hat zugegeben ein paar Defizite in punkto Humor). Ich mochte seine aphoristischen Bücher sehr gerne. Mochte seine Sprache. Seinen Witz. Seine Schärfe der Beobachtung, dabei strahlte er immer auch Warmherzigkeit aus, was nur sehr wenigen Intellektuellen gegeben ist. Und natürlich fühlte ich mich ihm nahe, weil ihn die gebrochenen Persönlichkeiten interessierten. Sein Blick richtete sich gerne auf das Abgründige und auf Menschen, denen die Normalität verlustig gegangen ist, die das Funktionieren verlernt haben.

In jedem Leben kommt der Augenblick, in dem die Zeit einen anderen Weg geht als man selbst. Es ist der Moment, in dem man aufhört, Zeitgenosse zu sein. Man lässt die Mitwelt ziehen.“ (Aus: Roger Willemsen: Der Knacks) 

31.01.2016 um 22:03 Uhr

Strategie

von: Alcide

Gelingt mir ein Tag, so würde ich ihn am liebsten gleich wiederholen. Ich würde liebend gerne ein nach außen hin langweiliges Leben führen, wenn ich mich selbst dabei nur bereichert und beglückt fühlen würde. Stagnierend in Glück. Liebend gern.

Doch bald wieder lastet die Gegenwart auf mir. Andere Zusammenhänge. Andere mentale Ansprüche. Andere körperliche Voraussetzungen… Momente, in denen der Augenblick zu einer Verkrampfung des ganzen Seins führt. Man möchte ihn am liebsten wegdrücken oder wegklicken, doch schon folgt der nächste unrichtige Moment. Nicht-Stimmigkeit. Wie Schuhe, die drücken, in die man nicht hineinfindet. Nie hineinfinden kann, und der Gang schief und schmerzhaft wird. Doch wie schafft man es heraus aus dieser lastenden Realität und wieder hinein in ein Sich-Identisch-Fühlen, hinein in ein mildes Annehmen und Aufnehmen…

Die Depression ist wie eine Kreissäge im Kopf. Und die Folge ist ein permanentes Gefühl falsch zu sein. Falsch mit dem, was du bist, mit dem was du hast. Was du wünschst und hoffst. Und wo sonst Klarheit und Zuversicht herrschen, sind plötzlich nur mehr Morast und Schlamm, und die Dunkelheit einer Nacht ohne Hoffnung auf die Morgenröte.