Schatten sind viele

31.08.2006 um 14:17 Uhr

Vor aller Logik

von: Alcide

 „’Soll man das Leben mehr lieben, als es Sinn hat?’ - ‚Unbedingt: lieb gewinnen soll man es vor aller Logik, wie du sagst, unbedingt muss es früher sein als alle Logik, und dann erst wird man auch seinen Sinn erfassen.'"

(Aus: Fjedor M. Dostojewski: Die Brüder Karamasow)

28.08.2006 um 14:54 Uhr

Begegnung

von: Alcide

Habe den folgenden Tag in München dann auch sehr heiter und zufrieden verbracht. Besuchte N., meine Exfreundin, die sich seit einem halben Jahr sehr um mich bemüht. Wir gingen Spazieren, tranken einen Kaffee und alles war eigentlich sehr nett, bis sie gegen Ende einen fürchterlichen Satz von sich ließ. Es war eine abfällige Bemerkung über einen verstorbenen Freund. Sie entschuldigte sich auch gleich dafür, aber mir liegt das sehr schwer im Magen. Jetzt sehe ich vorhin die e-mails durch und sie will mich nächste Woche besuchen kommen. Ich will das eigentlich nicht zu eng haben. Es ist gut ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr zu haben, weil die fast 5 Jahre Schweigen bzw. Feindschaft lastete auch irgendwie schwer, aber sie ist jemand, der mich dann anhimmelt, wenn ich gut drauf bin, sicher auftrete. Sie wollte damals auch immer aus mir einen Tiger machen, konnte es nicht haben, wenn ich pessimistisch war oder melancholisch. Ich habe aber Frauen immer verachtet, die sich nur über den Rang und die illusionierte Größe ihrer Männer definieren. Da gabs dann keine Vermittlung... Aber wie oft habe ich das von Frauen gehört, diesen Satz in verschiedenen Varianten: "Wenn du doch nur wieder so wärst wie damals" - keine Schwankungstoleranz... Ich habe nie versucht Frauen zu ändern, sie gefallen mir oder sie gefallen mir nicht, mit ihren Fehlern und manchmal auch wegen ihrer Fehler... Sei's drum... Es scheint, dass das Schicksal gerade dabei ist die Karten neu zu mischen und ich wieder mal ein Blatt auf die Hand bekomme. Sehe das ganz deutlich diesen schmalen Bereich zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Notwendigkeit der Selbstbehauptung... Ich weiß, letztlich ja schon, wohin das Pendel schlagen wird, aber es kommt darauf an, wie ich handle und wie ich die Konsequenzen verkrafte.... 

26.08.2006 um 14:54 Uhr

Zwischenprüfung bestanden

von: Alcide

O welch' großartiges Gefühl, wenn Steine, manchmal kommt es einem vor wie ein Gebirge, endlich von der Brust fallen und man sich wieder frei, leicht und befreit fühlt.

Die Metaphysik-Prüfung hat mir wirklich von allen Prüfungen am meisten Angst gemacht. Philosophie, so dachte ich, wäre einfach nichts für mich, ständig diese Begrifflichkeitsdebatten, Aneinandervorbeireden, hohle Diskussionen, weil man ja die erste Prämisse schon für hinfällig hält. Ich war die Nacht davor so nervös, dass ich überhaupt nicht einschlief. Mein Vater machte mir dann einen starken Kaffee, der es verhinderte, dass ich wenigstens noch im Zug Schlaf hätte finden können, dann die letzten Minuten vor der Prüfung, nebelverhangen, zu schlapp für Fluchtversuche, nur noch hoffend, dass man einen endlich unter die Guillotine lege und runter mit dem Fallbeil. Nein, hatte wirklich ein schlechtes Gefühl, auch totale Mattscheibe, weil ich plötzlich Panik bekam, dass mir kein erster Satz einfallen würde. Wusste einfach nicht mehr wie ich anfangen sollte... Endlich wurde ich hereingebeten und es ging los: es ging dann doch recht gut, auch wenn ich bisweilen einen Argumentationsschritt übersprang, auch mal stockte und von der anderen Seite das ganze nochmals aufbauen musste. Hätte mir selbst wohl so eine 2 gegeben. Als es dann nach einer halben Stunde vorbei war, fragte die Prüferin, warum ich eigentlich nicht im Hauptfach studieren würde, das Zeug dazu hätte ich allemal. Sie gaben mir eine 1,0 und es hatte schon was Absurdes, dass ich dann versuchte ihnen die gute Bewertung auszureden und ich auf die vielen Unkorrektheiten hinwies. Dann sagten sie, dass sie wirklich angetan waren, wie ich Dinge verbinden könne, dass ich auf jeden Fall weitermachen sollte, ich würde mich weit unter Wert verkaufen, wenn ich jetzt aufhörte... Es war ein sehr schönes Gespräch, ich war so eine Lobeshymne von Professoren-Seite nicht gewohnt und sagte ihnen auch wie gut mir das täte, weil ich von meinen Vorzügen nicht so wirklich überzeugt sei, und dann folgte die nächste Lobeshymne...

Lag dann auch in der folgenden Nacht lange wach und überdachte mal alle positiven Erlebnisse in meinem Leben. Sonst liege ich eher wach und reihe Fehlschläge und Demütigugen aneinander, nun lag ich wach und sah auf einmal auch das Erreichte, sah die Menschen, die zu mir aufsahen, die ich immer wieder von mir stieß, weil ich sie nicht enttäuschen wollte... Das Ideal, dass ich für mich selbst errichtet habe, dass werde ich wohl nicht erreichen können, aber eine Stufe darunter ist eigentlich schon ausreichend, um Zufriedenheit für sich beanspruchen zu dürfen. 

14.08.2006 um 18:44 Uhr

Gute Tage

von: Alcide

M. ist heute Morgen wieder zurück gefahren. Waren eigentlich ein paar ganz nette Tage mit ihm. Hatte keinen Leerlauf, immer gab es etwas zu tun, vorzubereiten, und meine natürliche Schluffichkeit packte ich vorübergehend in die Rumpelkammer... Ja, es war wohltuend mal wieder das Gefühl zu haben, dass es auch ein Sein geben könnte, in dem ich in mir ruhend im Außen aktiv sein kann...

Am Freitag ergriff mich dann doch eine heftige Verliebtheit zu meiner Kollegin K. Was übrigens in regelmäßigen Abständen dann passiert, wenn ich ein paar Tage mit ihr zusammenarbeite. Und da es mir ausnahmsweise psychisch auch sehr gut ging, musste ich wirklich vorsichtig sein, nicht eine grobe Dummheit zu begehen und ihr in einem stürmischen Begeisterungsanfall meine ganze hilflose Zuneigung vor die Füße zu knallen. War schon sehr schwer diesen Impuls zu unterdrücken, gerade auch weil ich sie jetzt wieder zwei bis drei Wochen nicht mehr sehen werde...

09.08.2006 um 16:54 Uhr

Besuch

von: Alcide

M. kommt für ein paar Tage zu Besuch. Hatte jetzt schon recht lange keinen Besuch mehr bei mir. Das war früher anders... Er ist eigentlich kein sehr enger Freund, mehr so ein sporadischer, unkomplizierter Bekannter, bei dem man sich auch gerne mal ein halbes Jahr nicht melden muss... Bin selbst gespannt, ob mir die Nähe eines anderen Menschen gut tun wird... Vor ein paar Tagen hieß es er bleibt für drei Tage, gestern am Telefon sprach er von fünf Tagen, mal sehen was noch kommt... Ich erinnere mich an einen anderen Kumpel, der auch mal nur ein paar Tage bleiben wollte, und dann nach einer Woche tatsächlich angesäuert war, als ich ihm zu erkennen gab, dass mich seine Abreise nicht wirklich ins Unglück stürzen würde...

Aber hab' jetzt erstmal sowieso nur am Abend und dann am Wochenende Zeit für ihn... Seit heute muss ich wieder Einschulungen machen; das macht mir immer großen Spaß. Wahrscheinlich ist an mir doch ein Lehrer verloren gegangen, weil ich einfach unheimlich gerne erkläre, denn dann die Zufriedenheit in den Augen zu sehen, wenn sie etwas begriffen haben, das ist schon eine riesige Genugtuung...

04.08.2006 um 16:51 Uhr

Ja, ich weine...

von: Alcide

„Ja, ich weine, ich weine vor Einsamkeit und Leben, und mein nichtiger Kummer liegt wie ein Wagen ohne Räder am Rande der Realität zwischen dem Unrast der Verlassenheit.“

(Aus: Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe)

04.08.2006 um 16:50 Uhr

Melancholie

von: Alcide

„Die Melancholie erfasst dich, weil keine Welt da ist, in der du handeln kannst.“ (Bettina von Arnim)

„Die Melancholie ist das Glück, traurig zu sein.“ (Victor Hugo)

04.08.2006 um 16:00 Uhr

Fröstelnd an den Ecken der Wirklichkeit

von: Alcide

„Wer eigentlich bin ich, wenn ich nicht spiele? Ein warmes Waisenkind, ausgesetzt in den Straßen der Empfindung, fröstelnd an den Ecken der Wirklichkeit, gezwungen auf den Stufen der Traurigkeit zu schlafen und sich vom Brot der Phantasie zu nähren.“

(Aus: Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe)

04.08.2006 um 14:48 Uhr

Ich schlage meine Krallen in das Sein

von: Alcide

Ich schlage meine Krallen in das Sein, das ich doch so verachte. Will, kann nicht loslassen…

02.08.2006 um 15:26 Uhr

Fußball

von: Alcide

Neulich habe ich wieder Fußball gespielt. Hat großen Spaß gemacht, wenn auch meine Schienbeine ziemlich gelitten haben. Es war aber trotzdem eine sehr gute Idee... Wir wollen jetzt regelmäßig 1x die Woche spielen... Im Spiel gelingt es mir immer, mich vollkommen zu vergessen, ich bin dann ganz konzentrierte Heiterkeit und von der Last, ein denkendes Wesen zu sein, vorübergehend befreit...