Schatten sind viele

21.12.2006 um 16:42 Uhr

Ein gutes Buch

von: Alcide

Habe neulich Nachts begonnen Lermontows "Ein Held unserer Zeit" zu lesen: gefällt mir bis jetzt ausgesprochen gut und komme gut voran. Habe in dem Jahr ja kaum mehr als 10 Romane gelesen, und ein gutes Buch ist doch so fundamental wichtig, um meine Weltflucht adäquat ertragen zu können... Th. sagte neulich, die Funktion von Literatur bestünde darin, Strategien für das Leben daraus ableiten zu können. Sie würde dazu beitragen "besser zu leben". Ich war nicht ganz seiner Meinung: für mich hat Literatur natürlich eine eskapistische Funktion, und das finde ich auch völlig legitim. Alles was Nutzen hat ist mir sowieso von vornherein suspekt...

21.12.2006 um 16:39 Uhr

Ausklang

von: Alcide

Habe das Manuskript heute abgegeben. Sollte jetzt eigentlich langsam runterkommen, aber wenn ich tauschen könnte, würde ich lieber noch vier Tage arbeiten und stattdessen auf den Vorweihnachtsstress verzichten. Bei meiner Aversion gegen Kaufhäuser und ökonomische Transaktionen generell, ist Weihnachten wirklich die Hölle für mich; und meine Geschenkideen werden mit den Jahren auch nicht besser... Werde also am Samstag nach M. fahren. Morgen möchte ich noch Wandfarbe kaufen, weil ich meine Wohnung unbedingt mal streichen möchte... 

14.12.2006 um 15:56 Uhr

Resignation

von: Alcide

Auch sonst fühle ich mich in den letzten Wochen allen Menschen unheimlich entfremdet. Es ist als hätte ich fundamentale Gesetze des zwischenmenschlichen Zusammenlebens verlernt. Vorgestern hatte ich L. und Th. zu mir eingeladen. Wir besprachen Texte von drei jungen Autorinnen und kamen wie so meist, wenn wir über Literatur reden, recht schnell ins Diskutieren und Philosophieren, d.h. die beiden redeten, ich saß nur da, bemüht meine Apathie nicht zu offenkundig zu zeigen; ich konnte mich nicht erhitzen, alles zu belanglos, nichts, was mich für Momente abheben ließ, nichts, um der Schwere zu trotzen... Triumph der Resignation... verdammt in einem Zustand absoluter Lieblosigkeit zu verharren...

14.12.2006 um 15:45 Uhr

Unaufgearbeitetes

von: Alcide

Habe wieder etwas Luft. Mit der Übersetzung meiner Arbeit wird es sobald nichts, so dass ich bis ins neue Jahr noch ganz ohne Druck an meinem Text feilen kann… Nun habe ich auch wieder Zeit nachzudenken. Und wie ich vermutete, tut mir das nicht sehr gut. Es gibt so viel Unaufgearbeitetes mit dem ich mich nicht auseinandersetzen möchte. Anfang Dezember hat mich meine Mutter vom Krankenhaus aus angerufen und mir zum Geburtstag gratuliert. So ganz nebenbei habe ich also erfahren, dass sie Brustkrebs hat und in diesem Herbst mehrmals operiert worden ist. Nun, so versicherte sie mir, sei es überstanden… Kann ihr noch nicht einmal böse sein, denn ich würde es wohl genauso machen und versuchen möglichst niemanden in meiner Umgebung mit dieser Krankheit zu „erschrecken“. In unserer ‚Familie’ macht man das so… Denke jetzt viel über meine Mutter und ihre Rolle für mich und mein Leben nach. Aber will es eigentlich nicht, weil mir nicht gefällt, was ich da sehe. Es tut mir so weh zu sehen, wie sie sich nach Liebe und Zuwendung sehnt, aber niemand von uns Kinder kann ihr das geben. Ich kann es auch nicht. Seit gut vier Jahren besuche ich sie ein oder zweimal im Jahr (meistens nur zu Weihnachten). Anrufen tue ich sie nie. Sie ruft mich alle paar Monate mal an: Versuche ihrerseits eine Bindung herzustellen, wo sie leider nicht mehr vorhanden ist. Trauer ist da, wie Peter Weiss so schön schreibt Trauer über die Erkenntnis eines „gänzlich missglückten Versuchs von Zusammenleben, in dem die Mitglieder einer Familie ein paar Jahrzehnte lang beieinander ausgeharrt hatten ...“.

01.12.2006 um 12:57 Uhr

Stress

von: Alcide

Arbeite seit zwei Wochen beinahe ununterbrochen. Für die Buchveröffentlichung musste ich noch eine andere Arbeit dazwischenschieben, damit ich auch darüber noch ein Kapitel anfügen kann... Fürchte, dass es mit einer Veröffentlichung vor Weihnachten nichts mehr wird... Aber eigentlich auch ganz gut, weil ich dann noch etwas Zeit habe, um Dinge so auszuformulieren, dass ich damit zufrieden bin. Noch liest es sich stellenweise leicht holprig und die vielen schönen Bildchen und Statistiken können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es stilistisch doch recht dürftig ist...

Schon ein unglaublich intensives Arbeitsjahr war das. Hatte auch keinen Urlaub, wenn man mal von Kurzaufenthalten und verlängerten Wochenenden absieht... Vielleicht noch so bis zum 15. Dezember, dann sollte ich endlich die Arbeit sein lassen, für dieses Jahr... (wahrscheinlich werde ich dann erstmal in ein ziemliches Loch fallen, so ohne Disziplinierungszwang).