Schatten sind viele

22.09.2011 um 10:00 Uhr

Der Wehmut stiller Tau

von: Alcide

"... o komm, o bleib in dieser Dämmerung! Dies Schattenland ist ja das Element der Liebe und hier nur rinnt der Wehmut stiller Tau vom Himmel deiner Augen."

(Aus: Friedrich Hölderlin: Hyperion)

21.09.2011 um 06:32 Uhr

With God on our side

von: Alcide

Mit Menschen zu diskutieren, die sich selbst als von Gott mit der Verkündigung der ewigen Wahrheit auserwählt wissen, macht nicht wirklich viel Sinn. Was ihnen völlig abgeht ist ein Bewusstsein für die Möglichkeit des eigenen Irrtums. Denn sie halten ja alles was sich in den Schaltkreisen ihres Gehirns abspielt, als vom göttlichen Geist inspiriert, und der kann ja nun wirklich nicht irren...

20.09.2011 um 00:15 Uhr

Institutionen

von: Alcide

Das Gefühl der Machtlosigkeit, das sofort in Hilflosigkeit umschlagen kann, wenn man sich dem ausliefert: im Netzwerk der Institutionen, in das wir alle irgendwie verstrickt sind, begegnet man häufig Menschen, die nicht mehr Menschen sein können, weil sie ihre Vorgaben haben, weil sie nur ihre Arbeit machen, und dabei doch auch irgendwie loyal sein zu müssen glauben gegenüber der Hand, die sie füttert... Mich bringt das zur Verzweiflung: Konzerne mit einer Preispolitik, die kein vernünftiger Mensch wirklich begreifen kann, die bar jeder Logik ist bzw. deren Logik sich eigentlich erst in ihrer völligen Intransparenz erschließt. Sich dann erklären lassen müssen, was nicht zu erklären ist. Ich weiß, ich bin in diesem Spiel der trottelige Fisch im trüben Gewässer, der dabei ist geangelt und ausgenommen zu werden... Nur ein Beispiel dafür wie wir Institutionen in unser Leben lassen, Institutionen, die wir zurecht verachten müssten, für das was sie tun, uns nämlich nicht als Menschen zu behandeln, sondern als Ware, als Mittel zum Zweck der Vergrößerung der Macht der Institution, die uns in unserem Personencharakter missachtet.

17.09.2011 um 22:23 Uhr

Impressionen

von: Alcide

Sonnenuntergang vor der Memminger Hütte:

  

Auf dem Weg Richtung Madatschjoch: 

Blick von der Similaunhütte um 7Uhr morgens: 

  

Blick vom Hauslabjoch auf den Similaun:

  

17.09.2011 um 21:34 Uhr

The circle game

von: Alcide

Wie oft schon vermeinte ich ausgebrannt und leer zu sein. Verwelkt die ganze Seele. Abgeschnitten von jedem Lichtstrahl und jeder Heiterkeit. Unterspülte Fundamente, keine Rettung… Es ist dann nicht leicht der Dynamik des Lebendigen zu vertrauen. Und doch steht man irgendwann wieder auf, aufrecht mit klarem Blick nach vorne... noch scheu und zaghaft beschienen vom matten Glanz des Mondlichts…

15.09.2011 um 00:39 Uhr

Bessere Stunden

von: Alcide

Ich warte auf bessere Stunden: im Moment bin ich leer... und es ist als ob dieses Anfüllen mit Informationen meine Leere nur noch mehr offenbar werden lässt. Finde keine Ruhe. Meine Gedanken sind wie kleine flinke Eichhörnchen, die nur aus den Augenwinkeln zu erfassen sind und sobald man versucht sie zu fixieren, sich schon auf den nächsten Baum geflüchtet haben... Und ich muss aufhören fern zu sehen. Ich sehe fern wie ein Alkoholiker, der am Morgen die abgestandenen Reste des Vortags hinuntergießt. Mit Widerwillen, ja Ekel. Glattgeleckte Fratzen posaunen stereotype Phrasen. Selbst die 'Guten' machen sich schlecht, um nicht aus dem medialen Format zu fallen... Ich warte auf bessere Stunden...

08.09.2011 um 12:56 Uhr

Zurück

von: Alcide

Bin zurück. Es waren wirklich neun wunderschöne Tage: am Montag vor einer Woche ging es los mit der Etappe von Oberstorf auf die Kemptner Hütte. Alles noch sehr mühsam, das Gehen mit dem schweren Rucksack, die Ungewissheit wie der Körper auf die kommenden Strapazen reagieren würde. Die beiden ersten Nächte schlief ich jeweils kaum mehr als eine Stunde. Die Matratzenlager in den Alpinhütten sind für Menschen, die wirklich absolute Ruhe brauchen, um einzuschlafen, einfach die Hölle. Besonders die zweite Nacht auf der Memminger Hütte war für mich eine Qual: war körperlich völlig am Ende, hustete, hatte leichtes Fieber und der Puls raste bis in die frühen Morgenstunden. Dazu lag man da, eingequetscht auf 40cm Liegefläche mit sieben anderen Personen auf 4 Matratzen. Interessanterweise ging es aber ab dem dritten Tag merklich besser. Und ab dem vierten Tag, an dem es durch das Kaunertal hinein in die Hochalpen ging, machte es großen Spaß und das Gehen und Klettern waren mir eine Freude. Auch die täglichen Etappen wurden jetzt immer länger. Am Samstag machten wir das Madatschjoch, den gesamten Cottbuser Höhenweg und den Abstieg ins Pitztal in einer Gehzeit von über 11 Stunden. War natürlich erledigt, die Füße brannten, aber dennoch hatte ich den Eindruck noch immer weiter gehen zu können. Das ist ein herrliches Gefühl, wenn man sieht wie leistungsfähig und regenerierbar der Körper sein kann. Leider hatten wir dann am Sonntag schlechtes Wetter und waren gezwungen ins Öztal hinabzusteigen. Am Montag ging es dann über das Niederjoch ins Schnalstal nach Südtirol. Wir gingen noch zum Hauslabjoch an die Ötzi-Fundstelle (mit 3.210m der höchste Punkt der ganzen Tour) unten hatten morgens gegen 9Uhr bei herrlichem Wetter eine gigantische Fernsicht. (Bild: Auf dem Weg Richtung Memminger Hütte)