Schatten sind viele

28.07.2012 um 00:28 Uhr

Ungnade

von: Alcide

Schummerungen der Lieblosigkeit zerfurchen meinen inneren Raum… an Abenden so matt und leer… fühle ich mich ausgesetzt… verbannt auf einen Ozean ohne Hafen… in das Meer der Empfindungen… und meine Träume zersplittern an den Felsen der Wirklichkeit…

24.07.2012 um 01:12 Uhr

Allen, außer den Verliebten

von: Alcide

Musik: Dota Kehr: Bis auf den Grund

http://www.youtube.com/watch?v=5vbVObDTpmM&feature=related

"Die Liebe ist ein Bonbon 
und löst sich ganz langsam auf. 
Ein kleiner Nährwert bleibt davon 
und den Schmerz nimmt man in Kauf. 

Die Liebe ist aus Beton 
und man baut Häuser darauf.
Ein Palast, ein Salon 
und dann schaut man zu ihr hinauf.

Auf einer Sandbank im Ozean steh ich nun und 
ich kann von hier alles sehen, weißt du, bis auf den Grund. 

Die Liebe ist ein kleines Tier, 
vielleicht läuft es eines Tags fort. 
Man fragt im Tierheim:"Haben Sie noch so eins?"
und dann ist keins dort. 

Die Liebe ist ein Vampir und ein zärtlicher Mord. 
Ein Kreuzfahrtschiff aus Papier 
mit einem Mann über Bord. 

Auf einer Sandbank im Ozean steh ich nun und 
ich kann von hier alles sehen, weißt du, bis auf den Grund."

(Dota Kehr: Bis auf den Grund)

24.07.2012 um 01:05 Uhr

Dürstende, du...

von: Alcide

Dürstende, du, in der Mittagsglut verheißenden Wollens,
benetze die Pfade der Einsamkeit,
mit den Tränen entsagenden Blutes.

20.07.2012 um 21:19 Uhr

Zeitraffer

von: Alcide

Der erste Laut unserer Existenz ist ein Schrei – welch’ grandiose Äußerung einer später nie wieder erreichten Höhe an Wahrhaftigkeit. Denn schon bald beginnt das Kind den ihm zugewiesen Platz in einem perfiden Spiel von Macht und Unterwerfung einzunehmen, schon bald lernt es zu lügen, um überleben zu können, und diese Lüge Liebe zu nennen. Schwerlich erholen wir uns davon bis schließlich das Erwachsenenalter neue Anreize für unsere gemarterte Seele bietet: ein neuer Aufschwung beginnt, endlich können wir jetzt die implantierten Muster unserer Aufzucht vor uns ausbreiten, und uns daran machen die goldenen Teppiche unserer aufkeimenden Hoffnungen zu sticken, bis wir merken, dass das Muster seltsam unansehnlich anmutet und überhaupt die Fäden irgendwie verheddert sind. So schmeißen wir die Teppiche von uns, bis es schließlich nur mehr kleine Tücher und am Ende ein kleiner Fetzen Stoff ist, auf den wir noch gedenken ein Imperium zu errichten…

20.07.2012 um 19:47 Uhr

Ein höheres Feuer

von: Alcide

"Solange die Metallkugel noch kalt ist, so lässt sie sich wohl hineinschieben in das kalte Gefäß, aber sie passt nicht mehr dafür, wenn sie glühet - fast so wie der Mensch nicht für das Gefäß eines Amtes, wenn ein höheres Feuer ihn erwärmt."

(Heinrich von Kleist: Briefe)

18.07.2012 um 20:30 Uhr

Lasten der Vergangenheit

von: Alcide

Eine meiner schlechteren Eigenschaften ist sicherlich, dass ich äußerst nachtragend bin. Ich vergesse nicht, was ich gerne täte. Und wenn mir nicht das Wunder der Versöhnung widerfährt, dann zerstöre ich Nähe, denn jedwede künftige Interaktion wäre für mich dann so wie der Blick in einen verschmutzten Spiegel. Er schenkt mir keine Klarheit mehr. Jedes Bild ist gebrochen durch die Schlieren früherer Verletzung. Mit diesen Wunden im Sichtfeld will ich nicht leben. Erst wenn der Blick sich wendet, wieder weitet, rauscht mir neue Lebensfreude zu.

17.07.2012 um 19:41 Uhr

Gesegnete Stunde

von: Alcide

… und silbern-spöttisch blinken die Seen hinauf,
dass freudiger nun neiget der Himmel sein Haupt,
über die Wiesen und Felder, und die Haine des Tals.

16.07.2012 um 13:37 Uhr

Bergtour

von: Alcide

War drei Tage in den Bergen: drei Tage schlechtes Wetter mit Kälte, Hagelschauer, Schnee, Regen. Über 2900m waren zumeist dichte Wolken. Eine schöne Fernsicht nur ein ferner Traum. Stattdessen Nebelwände links und rechts. Wir waren schon froh, wenn es mal nicht regnete. Dann war es nur kalt und die klamme Feuchtigkeit von außen vermischte sich mit der Feuchtigkeit des Körpers, die entsteht wenn man genötigt ist sich zu warm anzuziehen... Aber dennoch war es ein sehr schönes Wochenende. Wenig Menschen, sehr meditativ und konzentriert, fern von Alltag und Hektik. Stattdessen konzentriert man sich auf die Belange des eigenen Körpers (Thermoregulierung, Essen, Entkräftung). Und auch schöne Momente: besonders das Schlittern über Schneefelder hat es mir angetan… Jetzt sitze ich wieder daheim mit einem üblen Muskelkater, und muss meinen Beinen gut zureden, dass sie die 500m bis zum Supermarkt auf sich nehmen...

 

 

  

12.07.2012 um 21:32 Uhr

Die kleinen Entscheidungen

von: Alcide

Manchmal ist es auch anstrengend Freunde zu haben, die so rücksichtsvoll gegeneinander sind. Vor  allem wenn es um die Festlegung von Reisezielen und Planung geht. Da will keiner dem anderen etwas aufdrängen, auf jede Befindlichkeit wird Rücksicht genommen: den ganzen Abend mache ich da jetzt schon rum und telefoniere, suche im Internet, wäge ab, verwerfe, telefoniere wieder und tausche mich aus, ja kann man machen, aber auch anders, was meinst du, ach ruf doch noch mal da an... dann wieder neue Ideen und wieder von vorne… Manchmal wünschte ich mir so einen kleinen Diktatoren, der genau sagt, was zu tun ist, der aus der Vielfalt ebenbürtiger Optionen entscheidet… In meinem eigenen kleinen Erfahrungsraum für mich geht da ja auch gut. Ich bin mir selbst ja auch Einpeitscher und Motivator, aber sobald andere ins Spiel kommen ist es vorbei... Bin fast schon geneigt für die anderen die Festlegung zu treffen, aber wenn das mal einreißt, erwarten sie das vielleicht öfter… heut‘ erstmal noch Kultur: auf Arte läuft meine Lieblingsoper die ‚Hochzeit des Figaro‘ in einer meiner französischen Lieblingsstädte Aix-en-Provence... Morgen dann das was heute nicht festgelegt werden konnte, vertagt wegen zuviel Pluralismus...

11.07.2012 um 21:00 Uhr

Gesänge

von: Alcide

I 

„O dass wir unsere Ururahnen wären.
Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor.
Leben und Tod, Befruchten und Gebären
glitte aus unseren stummen Säften vor.

Ein Algenblatt oder ein Dünenhügel,
vom Wind Geformtes und nach unten schwer.
Schon ein Libellenkopf, ein Möwenflügel
wäre zu weit und litte schon zu sehr.

II

Verächtlich sind die Liebenden, die Spötter,
alles Verzweifeln, Sehnsucht, und wer hofft.
Wir sind so schmerzliche durchseuchte Götter
und dennoch denken wir des Gottes oft.

Die weiche Bucht. Die dunklen Wälderträume.
Die Sterne, schneeballblütengroß und schwer.
Die Panther springen lautlos durch die Bäume.
Alles ist Ufer. Ewig ruft das Meer – „

(Gottfried Benn: Gesänge)

10.07.2012 um 14:28 Uhr

Verklärung

von: Alcide

Warum verzauberst du nicht meine Welt, o Geist, der du umgeben sein willst von Sternen und Klang… Erleiden will verwandelt sein, will aufgefangen sein im Spiegel der Entgrenzung… Warum verklärt sich mir nicht der Blick und nehme dies alles an, als Spiel der Magie in Zeiten des Scheins… kein Kampf mehr, nein, nur Illusion, die dich umschmiegt, so feengleich und rein... alle Juwelen der Gewissheit gäb' ich her, für einen Schluck aus dem Becher des Vergessens…

07.07.2012 um 15:11 Uhr

Bewertung

von: Alcide

Bewertung ist eine inszenierte Beurteilung einer Eigenleistung von Außenstehenden. Sehr unangenehm, immer! Ich will nicht beurteilt werden. Ich versuche mir immer einzureden, dass mir nur mein eigenes Urteil wichtig sei, doch diese leichte, schwelende Niedergeschlagenheit beweist mir ein anderes.

Die Mündliche Prüfung lief nicht ganz so erfolgreich wie ich mir das erwartet hatte. Bekam nur eine 3. Hätte mir selbst aber eine 2 gegeben, und empfand mich nicht ganz so schlecht wie es die Note ausdrückt. Ich habe schon viele Dinge gewusst, nur leider nicht immer die Sachen, die gefragt waren. Stand dann schon bei 2 oder 3 Fragen auf dem Schlauch, weil ich nicht so recht wusste worauf sie denn hinaus wollten. Sah mich immer auf eine Ebene festgelegt, die mir nicht gefiel bzw. die ich nicht sonderlich interessant fand. Egal, vorbei, aber ich merke schon, dass so eine missglückte Prüfung immer auch auf die Motivation schlägt. Die Klausur steht schon im September an, und ich brauche jetzt wohl erst einmal zwei Wochen um wieder motivationale Ressourcen frei zu machen.