Schatten sind viele

23.02.2013 um 11:55 Uhr

Konzentration

von: Alcide

Noch eine Woche bleibt Zeit für die Magisterarbeit. Ich habe 66 Seiten zeigt das Word-Dokument mir an. Aber darin ist so viel Unverarbeitetes, Nicht-Zu-Ende-Gedachtes, dass ich wenn ich fünf Seiten schreibe doch auch wieder vier Seiten löschen muss. Das Thema ist so voller Fallen: wie ein Kippbild, in dem einmal ein Hase und einmal eine Ente auftaucht, so schwanke auch ich ständig in meiner Interpretation hin und her. Und wenn ich meine einen Ansatz gefunden zu haben, lese ich in der Sekundärliteratur doch wieder etwas, was mir bedeutet, dass offensichtlich genau das Gegenteil wahr sein muss. Es ist einfach ennervierend. Es soll endlich weg sein.

Und unmittelbar danach steht schon die Klausur an, für die ich noch fast gar nicht gelernt habe… Das Leben ist im Moment ein Bangen um Konzentrationsfähigkeit. An manchen Tagen verirre ich mich im Dickicht und kann die Dinge nicht mehr ordnen. Dann kann ich auch keinen Satz geradeaus formulieren. Es braucht dann gute Tage, die mich zumindest einer Version näher bringen. Ob es gut wird ist schon längst nebensächlich…

14.02.2013 um 23:01 Uhr

Hoffnung

von: Alcide

Heute muss ich viel über den Begriff ‚Hoffnung‘ nachdenken. Ich mag ihn nicht. Er ist mir suspekt. Zwar weiß ich wie es sich anfühlt gänzlich der ‚Hoffnung‘ zu entbehren. Es führt ungebremst in die Verzweiflung. Und dennoch ich will keine ‚Hoffnung‘ haben: Ist Hoffnung nicht auch nur ein Aus-Sich-Heraus-Blicken in ein Anderes, das wir nicht haben? Verschärft es dadurch nicht eher die Trennung, die wir doch so bitter spüren? Erleben wir uns darin nicht auch nur in unserer Bedürftigkeit? Als Bittsteller des Daseins? Ich will nicht Hoffnung haben, ich will einen Seinsbezug, in dem sich die Frage nach Hoffnung gar nicht erst stellt. So wie wir uns im Spiel erleben, im Sport, in voller Funktionsfähigkeit, beim Erbringen einer Leistung… Erfüllung heißt auch, dass ich voll bin des Seienden… das mir nichts mangelt, dass ich die Kategorie des außengeleiteten Wunsches zur Veränderung des Vorgefundenen nicht benötige… Aber das Grundproblem bleibt wahrscheinlich, wie es möglich ist aus dem Raum der negativen Beladenheit, der Niedergeschlagenheit und Verzweiflung, überzugehen in die Weite der Bejahung…

09.02.2013 um 02:33 Uhr

Angst

von: Alcide

Es gibt diese Tage, von denen nichts bleibt als beschädigte Erinnerung. Ich versuche sie zu überstehen. Dann mache ich mich stumpf und klein, gleichsam wie sich ein Tier zusammenrollt bei Gefahr. Als könnte ich das Schicksal um das betrügen, was ihm zusteht an mir. Ein notdürftiger Schutz. Ich renne nicht an gegen die Gitterstäbe, weil ich weiß, sie lösen sich von alleine, irgendwann, meist schon bald… Doch bis dahin muss ich ausharren: In Watte gepackt, mental dezentriert, nah an wärmendem Feuer, verharre ich in der dumpfen Einöde kalt-bittrer Schwere…  während Schatten und Gespenster um das Haus schleichen… Ich will sie nicht wahrhaben… Es gibt diese Tage… und wenn es nur Tage sind, dann überstehe ich… Doch was wenn diesen Tagen neue Tage folgen, alle gleichbleibend in ihrer talgig-träg schmerzenden Behäbigkeit… Dann ist sie da... die Angst… vor dem Schmerz eines Lebens ohne Träume, ohne Begeisterung, ohne Begehren... und was noch übrig ist, beginnt zu rutschen... und mir fehlt die Kraft es aufzuhalten...