Schatten sind viele

29.10.2013 um 01:42 Uhr

Standpunkte

von: Alcide

Wir sind so damit beschäftigt uns Standpunkte zu suchen, sie anschließend zu verteidigen, zu befestigen… und wir vergessen darüber die Tröstungen… wir tun sie ab, als billige Ausflucht, als Opium fürs Volk, doch sie sind mehr als nur das… Standpunkte verhärten, Tröstungen machen uns weich… Standpunkte scheiden das Dasein in einen Bereich des Richtigen und des Falschen, wohingegen uns Tröstungen durchlässig machen für andere Geltungen… im Bereich der Tröstung fallen die Dinge weich… im Bereich der Standpunkte prallen die Dinge ab oder werden vereinnahmt...

Vorstellungen gehen zu lassen... es fällt uns so schwer… Was ließe sich denn noch errichten aus der Asche verloschener Ideale?

29.10.2013 um 01:21 Uhr

Ocean of noise

von: Alcide

26.10.2013 um 19:13 Uhr

Personenbeschreibung

von: Alcide

„Zilek war so dünn, dass man, wenn er nur einen Türspalt öffnete, ihn schon zur Gänze erblicken konnte. Sein Wesen entsprach auch sonst seinem Namen, der ja an den Angriff einer Stechmücke denken läßt.

[...] Zileks Frau war fett. Sie konnte, hinter einer Tür stehend, zur Gänze nur erblickt werden, wenn man weit öffnete. Frau Zilek war hübsch, Puppenkopf, blond, auch das Fett rosig und sauber, schweinchenmäßig, zart und drall. Der Gesichtsausdruck stupsig und beispiellos unverschämt. Die Frechheit sprang daraus entgegen wie ein Gummiball.“

(Aus: Heimito von Doderer: Die Merowinger oder die totale Familie)

11.10.2013 um 14:10 Uhr

Herbstgedanken

von: Alcide

Musik: Tori Amos - Winter's carol

Wenige Wochen nur scheint es mir her, dass ich in Hitze gebadet meiner Arbeit nachgegangen bin, nicht zufrieden, aber auch nicht unzufrieden… eben tätig, beschäftigt… gewiegt von Wärme und Sommer, trotz allem… Jetzt ist es draußen wechselhaft und kühl, ja auf die Bergspitzen hat sich der erste Schnee gesetzt… wie eine Drohung hängt er lauernd über dem Bestehenden… er weiß, seine Zeit wird kommen…

Der September war zum Vergessen: Den Aufsatz, den ich schreiben sollte, habe ich mehr schlecht als recht ‚heruntergenudelt‘. Im Detail habe ich noch kein Feedback, nur so ein metaphorisches Genuschel, das ich als ein ‚Von dem zu viel, von dem zu wenig‘ interpretiere… Ich bin unzufrieden mit meiner Leistung…

Und da nun auch meine mündliche Prüfung verschoben worden ist, habe ich jetzt auf einmal ein paar Tage Luft und bin vorübergehend ohne Druck… Was ich mir vor zwei oder drei Wochen so sehr gewünscht hätte, hinterlässt im Moment jedoch nur Leere und Ratlosigkeit… ich merke wieder wie sehr die Qualität meines Lebens davon abhängt, dass ich mich mental mit der Welt in Form von Ideen auseinandersetze… nun gelingt es nicht, weil die Ideen, die mir mein Bewusstsein vorsetzt, in mir nichts zum Klingen bringen… alles erzeugt Widerwillen und Ablehnung…

Um die letzten Wochen zu überstehen habe ich in starkem Ausmaß auf Koffein und Zucker zurückgegriffen… hatte jetzt ein paar Tage, in denen ich mich davon entwöhnen wollte, aber es ging nicht… Es trägt schon Züge einer Sucht… an Leistung, an Sammlung und Konzentration ist ‚ohne‘ gar nicht mehr zu denken…

Auch mit meiner Fitness bin ich unzufrieden. Ich hatte vor zwei Wochen 68,2kg auf der Waage… So viel habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gewogen… die schlechte Ernährung, und kaum Sport (es ist viel schwerer sich für 1x die Woche zu motivieren als für 4x)… Will schnell wieder auf 65 runter, das ist so mein Wohlfühlgewicht… Mein Ruhepuls ist wieder bei 52 (nachdem er im Sommer noch bei 45, mit Spitzenwerten von 41) war… Immerhin ist der Blutdruck wieder gestiegen (hängt offensichtlich auch mit der körperlichen Trainiertheit zusammen). Jetzt ist er wieder bei im Schnitt 101/55... Aber Sport zu treiben kommt mir im Moment so abwegig und seltsam vor: als würde ich meinen Körper um die Häuser tragen, wie einen sperrigen Gegenstand, keine selbstverständliche Harmonie mehr da… und ohne diese Außenlenkungen: ohne Ideen im Geist, ohne die Idee körperlicher Optimierung, wird mir die erschreckende Ziellosigkeit meines Lebens nur umso deutlicher… es gibt eigentlich nichts, das ich erreichen will da draußen… allenfalls das Studium noch beenden, nur für mich... ein Zugeständnis an den Träumer von damals... mein einziges Ziel ist eigentlich immer nur zu funktionieren… dass ich mit den Ideen spielen kann, dass ich mich erfreuen kann an Bewegung und ich das Leben als eine Einheit von Denken, Fühlen und Bewegung erlebe… dass ich wach bin, wenn ich wach bin...

01.10.2013 um 19:07 Uhr

Wiedersehen mit Freu(n)d' und Leid

von: Alcide

Besuch hatte sich angekündigt… Immer etwas heikel diese Begegnungen mit Frauen aus der Vergangenheit… jetzt verheiratet teilweise mit Kindern… Frauen, die mich mit ihren (Ehe)Männern besuchen… eigentlich seltsam… man sitzt nett beisammen… unterhält sich… ich wende mich zumeist intensiv den Männern zu, weil ich mir gut vorstellen kann, dass so ein Treffen für sie einigermaßen unangenehm sein muss… klappt fast immer sehr gut… sie kommen wieder… sehen mich nicht als Bedrohung… das ist gut so…

Gestern war es wieder ganz ähnlich… Diesmal hatte ich mir allerdings vorgenommen meine Aufmerksamkeit wieder mehr meiner früheren Arbeitskollegin zuzuwenden, weil ich sie beim letzten Mal doch zu sehr vernachlässigt hatte… Jetzt erst merke ich, dass mir das gar nicht gut getan hat… in der Hinwendung an das vertraute Lachen mischte sich bei mir das Bewusstsein etwas versäumt zu haben… Blicke, denen ich kaum standhalten konnte, weil ich sie mit Sehnsucht beladen hätte, was mir reichlich unpassend erschien… zu liebevoll und harmonisch das Gesamtbild familiären Zusammensein... so sollte es sein...