Schatten sind viele

28.02.2014 um 23:13 Uhr

Du bist der Stern

von: Alcide

Du bist der Stern,
der meine Träume küsst.
bist Licht,
das mich erhellt und wärmt,
du bist das Wasser,
das meinen Durst stillt,
der Frühlingsregen,
der mich jubeln macht.
 
Lass‘ uns tanzen,
in durchnässten Kleidern.
Uns halten, wärmen, wiegen,
glücklich sein,
und lass' uns still und heiter
weiterschreiten in Verzauberung
bis an den Rand der Ewigkeit.

23.02.2014 um 13:28 Uhr

Für dich

von: Alcide

Noch vor zehn Tagen dachte ich, dass ich jetzt wohl ein paar Monate nicht mehr schreiben können werde. Einschnitt. Schwere. Entsetzen. Angst.

Doch ganz unverhofft reichtest du mir deine Hand und jetzt fühle ich mich glücklich. Du hast die Angst, das Entsetzen, die Schwere mit deinem Licht verscheucht… Jetzt sind dort Zuneigung, Zärtlichkeit und tiefe Dankbarkeit… für dich…

09.02.2014 um 18:56 Uhr

Sie sagten...

von: Alcide

„Sie sagten: ‚Wir feiern!‘ Aber sie ließen nur ihre trüben Sinne laufen. Sie tranken Champagner, und sie ließen die Trostlosigkeit leben, sie füllten die Lebensleere mit Geräuschen, sie jagten die Angst mit Mitternachtsmusik und schrillem Lachen.“

(Aus: Wolfgang Koeppen: Tauben im Gras)

08.02.2014 um 22:47 Uhr

Parallelen

von: Alcide

Musik: Judy Collins: Song for Judith

Ich mag es mehrere Bücher parallel zu lesen. Oftmals ergeben sich überraschende inhaltliche Nahstellen. Beim Nabokov (‚Einladung zur Enthauptung‘) sowie auch beim Victor Hugo (‚Der letzte Tag eines Verurteilten‘) ist der Sachverhalt bereits aus dem Titel ersichtlich.

Das Thema ‚Fremdgehen‘ wurde mir in der vergangenen Woche auch gleich in zwei literarischen Varianten dargeboten. Interessanterweise einmal aus einer weiblichen Perspektive, ein andermal aus einer männlichen. Alice Munro beschreibt in der Erzählung ‚Was in Erinnerung bleibt‘ aus der Innensicht ihrer Heldin Meriel einen Seitensprung, der auf die männliche Psyche geradezu verstörend wirken muss. Meriel begibt sich streng-rational kalkulierend in die Affäre. Ohne schlechtes Gewissen, im Gegenteil. Ihr bietet sich unvermittelt eine Möglichkeit, und die nimmt sie wahr. Eine einmalige Sache, das steht von vornherein fest. Oberste Prämisse bleibt immer, dass ihr „Gleichgewicht“ nicht bedroht wird. Und um das „Gleichgewicht in der Beziehung zu ihrem Mann zu erhalten nimmt sie diese Möglichkeit wahr: „Eine romanische Tat, die – aus einem verbotenen Blickwinkel – für überaus vernünftig angesehen werden konnte.“ Kein Bedauern. Kein Moralisieren.

Demgegenüber ist der Seitensprung des Fürsten Don Fabrizio im „Gattopardo“ geradezu plump und von erfrischender Heiterkeit. Sein schlechtes Gewissen argumentiert er sich aber sehr geschickt weg und kommt sogar zu dem überraschenden Schluss, dass die wahre Sünderin sie, also seine eigene Frau sei: „Ich strotze noch vor Kraft; wie soll ich mich mit einer Frau begnügen, die sich, im Bett, vor jeder Umarmung bekreuzigt und die, anschließend, in den Momenten höchster Lust bloß ‚Jessusmaria!‘ zu sagen weiß. […] Sieben Kinder hat sie mir geboren, und ich habe ihren Bauchnabel nie gesehen. Ist das gerecht? […] Die wahre Sünderin ist sie.“

08.02.2014 um 00:23 Uhr

Wochenabschluss

von: Alcide

Eine mühsame, aber durchaus produktive Arbeitswoche liegt hinter mir… viel geschafft, viel „Tunnelarbeiten“, so muss es sein… Ich habe mir die Arbeit jetzt so portioniert, dass ich immer kleinere Einheiten mache, die so ca. 45min dauern. In dieser Zeit lasse ich mich nicht ablenken, kein rascher Blick in die Mailbox, kein nachdenkliches Aus-dem-Fenster-Blicken, nur Konzentration auf das Nächstliegende… Pomodoro-Prinzip, für die Freunde der Methodik des geistigen Arbeitens… Wird auch nicht für immer funktionieren, aber im Moment tut es mir gut…

Heute Nachmittag kam mein Chef vorbei. Ich mag ihn. Aber er hat so eine unschöne Angewohnheit sich ständig über andere auszubreiten, was ihre Vorzüge betrifft, aber auch ihre Schwächen, wo sie sich täuschen. Und er entwirft dann psychologische Profile. Also auch von Kollegen. Das Gefährliche daran ist, dass es ja interessant ist. Und man ist schon versucht das Bild zu vervollständigen, was er insgeheim ja immer hofft, dass ich es tue. Ich beschränke mich aber nur mehr darauf etwaige negative-falsche Bilder, die er entwirft ins Positive zu korrigieren. Auf keinen Fall anders herum…

Mein amerikanischer Cousin, ich hatte jetzt seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm, hat mich auf Fb angeschrieben, und seine obligatorische Frage gestellt, wann ich denn endlich nach Amerika komme, um ihn zu besuchen. „It really isn’t as bad as you might imagine“, schreibt er. Aber ich glaube ihm nicht…

Der „Gattopardo“ von Tomasi di Lampedusa macht mir Freude zu lesen. Ein Satz, der mir gefallen hat: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.“

04.02.2014 um 23:40 Uhr

So stürzt der Strom hinab...

von: Alcide

„[…] so stürzt
Der Strom hinab, er suchet die Ruh, es reißt,
Es ziehet wider Willen ihn von
Klippe zu Klippe den Steuerlosen
 
Das wunderbare Sehnen dem Abgrund zu […]“

(Aus: Friedrich Hölderlin: Stimme des Volks)

02.02.2014 um 21:04 Uhr

Im Dickicht der Floskeln

von: Alcide

Schon seit Wochen schaffe ich es nicht mehr mir politische Artikel durchzulesen. Vielleicht noch die Überschriften, dann noch zwei oder drei Kommentare, mehr geht nicht... Es ist vor allem dieses Dickicht aus Floskeln, das ich nicht mehr ertrage. Floskeln wie „Verantwortung übernehmen“ (ja für wen und warum vor allem?), „seinen Beitrag leisten“, die vielbeschworene „Wertegemeinschaft“… alles Begrifflichkeiten, die das Eigentliche eher verdecken als es zu offenbaren…

Ich denke manchmal gerne an die Zeit zurück, so Mitte der 90er Jahre, in denen ich eigentlich sehr unpolitisch war, also in dem Sinne, dass mich die Vorgänge der Tagespolitik irgendwie tangiert hätten. Warum Zeitung lesen, wenn doch morgen alles wieder durch andere Dinge ersetzt werden wird? Es war eine Zeit, da interessierten mich nur die „bleibenden“ Dinge: Aufbau und Bildung einer Persönlichkeit… Doch je mehr sich das vermeintlich Bleibende als brüchige, poröse Substanz erwies und an den Erfordernissen des Alltagslebens dahin erodierte, desto mehr befasse ich mich mit den „Un-Wirklichkeiten“ des politischen Tagesgeschehens. Und es ärgert mich, wenn ich mich darüber ärgere...