Schatten sind viele

23.06.2014 um 21:15 Uhr

Heimatlosigkeit

von: Alcide

Sich heimisch zu fühlen in dieser Welt… sich angenommen – wahrgenommen fühlen… Kongruenz herstellen zwischen dem, was da Ich ist und dem da Draußen…. furchtbare Kontingenz allen Daseins, nur ein anderer Begriff dafür, dass alles passieren kann, jederzeit… und es auf dich nicht ankommt… deine Macht endet an den Grenzen deines Denkens…. Sterne, die Unermesslichkeit des Raums, das alles geht weiter... ohne dich… wie sich da verwandt fühlen mit irgendwas, wenn du ausgeschlossen bist…. immer schon, ein a priori… frische Winterluft… das Zirpen der Grillen an einem langen Sommerabend… Momente des Einklangs, die nicht herstellbar sind, die einfach da sind, wenn sie da sind… das Stranden meiner Hoffnungen? wie nur es bewerkstelligen, wenn um mich her nur Meer und Mühsal… immer noch halte ich fest daran, dass es das geben muss, diese Insel, dieses Dort... und dass dann alles gerade und vollkommen ist, was jetzt noch Zerrbild ist... lächelnde Träume auf blassen Wangen...

22.06.2014 um 20:20 Uhr

Am Abend

von: Alcide

Am Abend ist draußen oft eine schöne Stimmung: die Hitze des Tages ist verflogen und in den Häusern sind überall die Fenster und Balkontüren weit geöffnet, um die kühlende Abendluft in die Räume zu lassen. Es scheint mir wie ein langersehntes Einatmen, wie eine Neubelebung…

22.06.2014 um 17:59 Uhr

Wenn schweigend Angesicht in Angesicht ...

von: Alcide

"Wenn schweigend Angesicht in Angesicht, 
sich unsre Seelen ragende Gestalten 
so nahe stehn, daß, nicht mehr zu verhalten, 
ihr Feuerschein aus ihren Flügeln bricht: 

was tut uns diese Erde dann noch banges? Kaum;- 
sie schütteten uns Sterne des Gesanges 
in unsres Schweigens lieben tiefen Raum.

Nein, laß uns besser auf der Erde bleiben, 
wo alles Trübe, was die andern treiben, 
die Reinen einzeln zueinander hebt. 

Da ist gerade Platz zum Stehn und Lieben 
für einen Tag, von Dunkelheit umschwebt 
und von der Todesstunde rund umschrieben."

(Aus: Elizabeth Barrett-Browning: Sonette aus dem Portugisieschen. Übers.: Rainer Maria Rilke)

16.06.2014 um 21:10 Uhr

Fußball-WM: Randbemerkungen

von: Alcide

Es ist wieder Fußball-WM! Und ich lasse mich gerne anstecken von der Begeisterung. Denn ich mag dieses Spiel…

Das war nicht immer so. Zwar bin ich mit Fußball großgeworden. Habe selbst im Verein gespielt und mich auch in der Freizeit sooft als möglich auf dem Bolzplatz herumgetrieben. Ich finde das Spiel hat einen ganz besonderen ästhetischen Reiz. Das fängt bereits bei der Ballbehandlung an, sauberes Stoppen zum Beispiel. Welche Wohltat den besten Spielern der Welt dabei zuzusehen (mag vergleiche das nur mal mit einem gewöhnlichen Spiel in der zweiten österreichischen Liga). Dann das Passspiel: da werden saubere geometrische Formen in den Rasen gezaubert. Und bei alledem arbeitet das Gehirn auf Hochtouren. Der Reiz des Spiels oder genauer beim Zuschauen hängt glaube ich damit zusammen, dass beständig der optimale Pass, die optimale Lösung imaginiert werden und mit der tatsächlichen Entwicklung auf dem Spielfeld verglichen wird. Und welch‘ eine Freude, welch ein Kick, wenn es Spieler gibt, die es vermögen die eigenen imaginierten Möglichkeiten noch zu übertreffen. Wenn also ein Zuspiel, ein Pass, eine Aktion erfolgt mit der keiner gerechnet hat, die sich aber als erfolgreich und zielführend hinsichtlich eines Torabschlusses herausstellt…

Ach ja, Deutschland hat auch gewonnen. Clever und souverän. Welch‘ ein Glück für mein Nervenkostüm…

Bislang gefällt mir die WM gut. Es fing zwar nicht sehr schön an mit dem Eigentor im Eröffnungsspiel und diesem ‚geschenkten‘ Elfmeter, aber dann waren wirklich tolle Spiele und Tore dabei. Bisheriges Highlight für mich der Flugkopfball von van Persie gegen Spanien. Sehr begeistert hat mich auch die kämpferische Einstellung von Costa Rica gegen Uruguay. Auch immer schön sind die neuen Namen und Gesichter, die noch ganz am Beginn ihrer Karriere stehen und vielversprechend sind. Raheem Sterling bei den Engländern, oder auch Campbell von Costa Rica. Noch nie gesehen, aber ihrer Ballbehandlung und Schusstechnik zuzusehen ist eine Freude.

Und sonst: Im Gegensatz zu den meisten anderen mag ich den Rasierschaum, mit denen die Schiedsrichter bewaffnet sind ganz gerne. Einfach mal schnell weiße Linien in den Rasen gezaubert (über die Schuhe der Spieler hinweg) und das ständige Aus-der-Mauer-laufen hat ein Ende…

14.06.2014 um 19:09 Uhr

Hier und dort

von: Alcide

Immer nur hier… gebunden an den Körper, der sein Ich gefangen hält, wie jedes andere seiner Organe… das Hier ist die einzige Realität, die wir haben… das Hier ist der Film unseres Lebens, den wir deuten, mit Inhalt füllen und aus dem wir Sinn ziehen…

Doch diesem Realitätsprinzip steht ein anders Prinzip entgegen, es ist die Sehnsucht nach Überschreitung, nach Transzendenz, es ist das Dort… in diesem Dort liegen unsere Sehnsüchte, unsere Träume und Wünsche… Der russische Dichter Wassilij Shukowskij (1783-1852) drückt dieses Dort in einem Lied so aus:

„Irgendwo …
Gibt es ein besseres Land,
Dort ist der Frühling immer jung;
Dort blüht in einem paradiesischen Tal
Für uns wie eine Rose ein anderes Leben.“

Es gibt Menschen, die brauchen kein Dort, weil sie ganz Hier sind. Meine Veranlagung treibt mich jedoch immer in ein Dort, und im Idealfall wirkt es harmonisch auf das Hier zurück, gibt Inspiration, und macht so das Hier erst erträglich.