Schatten sind viele

07.09.2014 um 06:22 Uhr

Das Tragische meines Welterlebens

von: Alcide

Das Tragische des Welterlebens… Beklemmung des Sich-in-Welt-Befindens… erhabene Angst… Vergeudung des Kostbaren… provisorisches Fleisch um Skelett im bemessenen Dasein… alles Kostbare verwandelt sich in Erinnerung… und Erinnerungen schmelzen dahin… bleibt das Melodische der Augenblicke… doch wie die Überwältigung bleibend machen… heilend für unsere Seele… das Placebo eines schmeichelnden Universums… die Ungeheuerlichkeit geglückten Seins… für viele die Basis, der Ausgangspunkt ihres Befindens… für mich nur immer Ziel und fernes Ideal auf das ich mich hin orientiere… dort wo andere ansetzen, dort kann ich mich nicht einfinden… weil sich Normalität, weil sich Funktionieren nicht vertragen mit meiner seelischen Disposition… sich identisch fühlen ist das Ziel… muss mein Funktionieren in dieser Welt, mit dieser Welt und ihren Menschen, immer erst mühsam herstellen, muss es mühsam wieder aufbauen, wenn es beschädigt und enttäuscht wurde… doch Identität mit mir heißt Reibung an gesellschaftlicher Norm… die Qual der täglichen kleinen Mühen… bürokratische Netzwerke, die meine Seele hassen, wo sie doch einstmals geschaffen wurden um aufzufangen… höhnisches Zeitalter… verdrehte Menschlichkeit… mythisches Konstrukt… das Leben, eine beständige Veräußerung bis nichts mehr bleibt… Erosion des Sinns… geduldet der Frohsinn eines digitalen Vergnügungspöbels… denen fällt das Handeln leicht… für sie ist Welt das Plateau, auf dem sie ihre Träume, ihre Realisierungsneurosen verorten… dort kann ich nicht hin… kann nicht in die Sphäre des Handelns… verdurste in der Sphäre des Duldens und Ertragens…

Es ist spät geworden… eine Nacht wohlig-wüsten Vergessens und Hingabe an Alkohol und Musik liegen hinter mir… auch dies immer wieder… De Beauvoir zitierte einen Ausspruch von Charles-Ferdinand Ramuz: “Die Dinge, die ich liebe, lieben sich untereinander nicht.” Disziplinierung neben Ausschweifung. Aushalten neben Sich-Gehen-Lassen… Es wird hell draußen und ich werde meine Trainingshose anlegen und laufen und schwitzen, mich lebendig fühlen im Apollinischen… harmonisch ist das nicht… nur ein weiterer Versuch hin auf das ferne Ziel des harmonischen Ausgleichs… die Überwindung des Aut-Aut, des Entweder-Oders…