Schatten sind viele

24.04.2015 um 22:03 Uhr

So trink' ich das Licht ...

von: Alcide

Mein Leben verläuft seit einigen Wochen weitgehend harmonisch. Mit der Wärme der Sonnenstrahlen sind auch die Heiterkeit und Zuversicht in meine Seele eingezogen. Die Welt erscheint endlich wieder als eine Welt der Möglichkeiten, wo ich aussuchen, entscheiden kann, was ich als Nächstes möchte. Galt es doch so lange mich zu überwinden und anzukämpfen, um die einfachsten Dinge des Alltags bewältigen zu können. Die Sehnsucht, die dem vollen Herzen entspringt ist sehr viel angenehmer zu ertragen als die Sehnsucht aus den Tiefen emotionaler Ödnis.

So halte ich den Moment fest, weil ich weiß, dass es keine Statik der Heiterkeit geben kann. Die Sonne ist immer auch Bote nahender Dämmerung. So trinke ich das Licht und sammle es gleichsam wie zur Versicherung einer Gewissheit möglichen Seins.

16.04.2015 um 20:56 Uhr

Heiterer Gleichmut

von: Alcide

Nun ist es also beschlossen: Im Juni werde ich wieder zehn Tage lang durch die Alpen wandern. Bereits am Samstag machte ich eine erste vorsichtige Probewanderung, und es war schön. Es tat gut sich der Körperlichkeit auszusetzen. Nur die Landschaft, die Sonne und ein Ich in heiterem Gleichmut. Weg von den Gedanken. Weg davon alles Wissen in mir strukturieren zu wollen, immer im Bewusstsein des Mangels, der großen Lücke des Nie-Gewussten, des Nie-Erfahrbaren. Weg davon zu leiden, weil sich die Welt meinem ethischem Empfinden nicht anpasst und nie anpassen wird. Es ist wie das Aufspüren von Wirklichkeit nach einer langen Verschüttung.

„Die Seelen der Dinge füllen meiner Seele Gefühle“, schreibt Dallago so schön. Aber eben dies zulassen können, dass die Welt dort draußen das eigene Ich erweitert, das ist die Aufgabe. Denn eigentlich beleidigt mich Außenwelt. Materieballung in Raum-Zeit, geistbeobachtet. Sorgt für Enge, Stillstand, Hemmung im Ich. Ein Ich, ein Außen. Dualität. Nun soll es sich aber weiten, verbinden, verschmelzen...

Je mehr ich ablasse von bewusster intellektueller Erweiterung, desto mehr weitet sich in mir der Raum. Ein Kraft- und Glücksempfinden steigt auf. Welch‘ Geheimnis: golden erstrahlt die Landschaft in mir und führt zu harmonischer Verinnerlichung. Verzauberung des Austauschs. Entfaltete Einfalt. Mitschwingen der Seele mit der Leiblichkeit des Universums.

06.04.2015 um 03:40 Uhr

Wie Frost auf der Seele

von: Alcide

Gedanken… hatte ich schon mal, bekommt mir nicht… Erinnerung an mentale Höhenflüge… dass es irgendwas zu erreichen gäbe jenseits des Gestrüpps aus Empirie und Begrifflichkeiten… im nächsten Moment vielleicht, nur noch ein Kunststückchen mehr, nur noch um eine Ecke herum… zerebrale Traumtänzer auf dem Hochseil der Abstraktion… so müde der Gedanken… als könnte Denken Licht bringen in das Dunkel der Existenz… Denken eignet sich nicht für das, was mir vorschwebt… ja vielleicht ist Denken sogar das größte Hindernis… das Leben verstehen, es für mich strukturieren und einordnen zu können… Leben, dieses Paket aus Entfaltung und Verkümmerung, Aufbruch und Verzagtheit… was bleibt ist die Leere, die sich ausbreitet, weil man zu stolz ist für den Sprung in den Glauben… wie Frost auf der Seele in einer Dämmerung nach einer Nacht voll sehnender Klarheit…