Schatten sind viele

26.08.2015 um 22:44 Uhr

Das Schweigen weint, weint stummes Licht ...

von: Alcide

“Das Schweigen weint, weint stummes Licht und stille Sonnenstrahlen, und jede Träne ist ein goldner Pfeil.”

“Der Himmel ist herabgeglitten und hüllt Agathen in sein blaues Kleid, wir aber schweben über den Gewässern, und mit uns schweben Berge, Bäume, Gräser, es schwebt die Stille und die Starrheit, es schweben Sterne, schwebt die Klarheit, kristallnen Fittichs tragen uns die Jahre, als wären’s Engel, in das Unsichtbare und haltend schwebend uns in aller Welten Mitten.”

(Aus: Herrmann Broch: Die Verzauberung)

21.08.2015 um 21:48 Uhr

Triumph der Realität

von: Alcide

„… und es blüht / Rings abendlich der Geist in dieser Stille…“

Lese ein paar Zeilen Hölderlin, und der Verlust wird spürbar. An manchen Tagen erscheint mir mein Leben so inhaltlos und seelenleer…   wie unter eine graue Decke gebreitet… eine Dürre bemächtigt sich meiner… bin Gefangener der Tagesnotwendigkeiten… Triumph der Realität über die Mächte der Verklärung… das Aufbegehren erloschen… kaum mehr Sehnsucht nach Stunden harmonischen Einklangs… wenn das Innen das Außen liebevoll umarmt… und Licht und Klang die Seele groß und weit machen…

09.08.2015 um 23:03 Uhr

Aus jeder Pore meiner Sprache...

von: Alcide

Das Schreiben im Blog stagniert. Wieso war es früher so viel leichter? Warum kostet es mich heute so viel Überwindung Gedanken aus mir heraustreten zu lassen?

Ich denke mein Fehler besteht darin, dass ich heute nur mehr schreiben möchte, wenn mir etwas sicher scheint. (Und wie viel ist das schon?). So oft schwanke ich in meinem Urteil. Bin mir unsicher.

Früher war gerade diese Unsicherheit der Ausgangspunkt des Schreibens. Ja, der Reiz des Schreibens bestand gerade darin, andere an diesem Prozess einer Urteilsfindung teilhaben zu lassen. Schreiben war gerade das Präsentieren dieser Unsicherheit, des Unfertigen. Es war nicht selten Offenlegung meines Scheiterns.

Es ist dieser Mangel an Mut zur subjektiven Perspektive, der mich am Schreiben hindert. Mein Ich sitzt in der Falle eines Objektivierungswahns, der das subjektive Erleben im Schreibprozess nicht gelten lassen mag. Konkret: wie über ein Buch schreiben oder wie ein Urteil über einen Film abgeben, wenn es mir objektiv gar nicht möglich scheint. Ja, ich vielleicht nicht mal gewillt bin. Dafür gibt es Feuilleton, und Leute, die das so viel besser können. Nein, das ist nicht meine Vorstellung vom Medium Blog. Und dennoch möchte ich so schreiben können. Klar, abgeschlossen, fertig, um es in Stein zu hauen.

Es muss also darum gehen meiner natürlichen Veranlagung wieder Geltung zu verschaffen. Und die besteht nicht im Finden und Präsentieren von Antworten. Denn aus jeder Pore meiner Sprache tropft mir die Subjektivität in die Zeilen. Es war ein Fehler dies als einen Mangel zu betrachten. Deshalb: diesen Wahn zum Objektiven in die Mottenkiste. Neubesinnung auf das Unvollkommene. Ein Zepter und eine Krone für mein (subjektives) Nicht-Wissen.