Schatten sind viele

04.01.2018 um 00:57 Uhr

Das Gewicht der Dinge

von: Alcide

„Worunter wir leiden, ist das Gewicht der Dinge in der Leere.“

(Raoul Vaneigem)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLyriost schreibt am 21.01.2018 um 18:33 Uhr:Oder wir wiegen die Dinge in der scheinbaren Fülle und befinden sie für zu leicht.
  2. zitierenAlcide schreibt am 22.01.2018 um 17:47 Uhr:Wenn wir die Dinge als leicht befinden oder empfinden, dann leiden wir ja nicht unter ihnen. Wo nichts lastet, dort kein Gewicht. Wo kein Gewicht, dort keine Schwere. Wo keine Schwere, dort kein Leiden.
  3. zitierenLyriost schreibt am 23.01.2018 um 06:31 Uhr:Man kann auch an als unangemessen empfundener Leichtigkeit oder auch Seichtigkeit leiden, lieber Alcide. Meinst du nicht?
  4. zitierenAlcide schreibt am 23.01.2018 um 15:38 Uhr:Alles theoretisch... Leiden ist immer praktisch, und eine Frage des Sich-Nicht-Entziehen-Könnens... Ich persönlich konnte mich von Situationen von unangemessen(?) empfundener Leichtigkeit oder Seichtigkeit immer abwenden, meinen Blick auf erfreulichere, mir angemessenere Daseinsbereiche lenken.
  5. zitierenLyriost schreibt am 23.01.2018 um 21:32 Uhr:Verstehe. Der Bergwanderer.

    Da fällt mir ein: "Der Wanderer im Gebirge zu sich selber. – Es gibt sichere Anzeichen dafür, daß du vorwärts und höher hinauf gekommen bist: es ist jetzt freier und aussichtsreicher um dich als vordem, die Luft weht dich kühler, aber auch milder an – du hast ja die Torheit verlernt, Milde und Wärme zu verwechseln –, dein Gang ist lebhafter und fester geworden, Mut und Besonnenheit sind zusammen gewachsen: – aus allen diesen Gründen wird dein Weg jetzt einsamer sein dürfen und jedenfalls gefährlicher sein als dein früherer, wenn auch gewiß nicht in dem Maße, als die glauben, welche dich Wanderer vom dunstigen Tale aus auf dem Gebirge schreiten sehen. Friedrich Nietzsche.
  6. zitierenAlcide schreibt am 25.01.2018 um 18:58 Uhr:"Mut und Besonnenheit sind zusammengewachsen"... das gefällt mir, ja...

    Aber eigentlich ist mir der Nietzsche als Wanderer nie so richtig nahe gekommen... sehe ihn vor meinem inneren Auge nie mit Rucksack über die Felsen bei Sils-Maria huschen... Mir kommt es immer vor, als seien seine Ergüsse über die einsamen Gebirge und kargen Landschaften immer nur Metaphern für seine intellektuelle Situation... seine Einsamkeit schmeckt mir immer nach "ich werde nicht anerkannt, wo ich doch so viel besser bin als ihr"... Na ja, vielleicht die Dionysos-Dithyramben, die sind schon stark:

    "[...]
    Tag meines Lebens!
    gen Abend gehts!
    Schon glüht dein Auge
    halbgebrochen,
    schon quillt deines Thaus
    Thränengeträufel,
    schon läuft still über weiße Meere,
    deine Liebe Purpur,
    deine letzte zögernde Seligkeit ...

    [...]

    Siebente Einsamkeit!
    Nie empfand ich
    näher mir süße Sicherheit,
    wärmer der Sonne Blick.
    Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
    Silber, leicht, ein Fisch
    schwimmt nun mein Nachen hinaus ..."

    Richtig schöne Bergwanderer-Impressionen habe ich bei Carl Dallago entdeckt, z.B.

    "Der Kranz der Berge verglüht in den Abend das getrunkene Licht. Und außerhalb der Hügelung spähen blauverschattet Tal und Dörfer herauf."
    "Und draußen liegt die Sonne noch wie ein schwärmerischer Kuss auf den schimmernden Weidewiesen."
    "Der Schritt von Hirt und Herde tritt lautlos und andächtig durch der Talung weiten Dom, darin der Abend schon die Schatten auf den Boden breitet gleich Wünschen, die ihr Begehren eingestellt. Alles Sehnen ist leicht geworden und flattert luftig den Höhen zu, die fern überall aus blauen Dunstschleiern aufragen und wo versinkende Abendfluten noch lichte Almengipfel sonnengolddurchwirkt verbrämen. Alles ist weitum Lied und Friede. Und oben spannt sich die unendliche Wölbung aus wie ein verdichteter Hauch Gottes." (Aus: Carl Dallago: Das Buch der Unsicherheiten. 1911)

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