Alex in Indien

26.09.2006 um 14:52 Uhr

Good-bye Indien

von: Mahatma

Das wahre Indien findet man eigentlich in meinen Augen nicht in einer Stadt wie Bangalore. Sondern irgendwo inmitten von Kerala. Oder ein nettes Fischerdoerfchen wie Mamallapuram. Vielleicht auch in einer Wuestensiedlung in Rajasthan. Oder inmitten des Tempels von Madurai. Zumindest fuehlte ich mich dort mehr im wahren Indien. Fuer das neue Indien aber steht Bangalore. Ob das nun gut oder schlecht ist, kann ich als Besucher natuerlich schlecht beurteilen. Ich kann ja schlecht sagen, ich finds an diesen Orten viel chilliger als in der Grossstadthektik. Das ist nun mal Teil des neuen Indiens und fuer die Menschen hier ist es ja was tolles. Nur geht es fuer vieles einfach zu schnell und darum laeuft alles etwas unkontrolliert. Das ist fuer Auslaender oft schwer nachzuvollziehen, da man automatisch mit unseren Massstaeben misst. Auch mir ging das ja oefters so.

Aber wenn man nun ehrlich ist hat das schon was hier in Bangalore. Viele auslaendische Praktikanten. Man bekommt so gut wie alles was man will (Ausser Weizenbier). Und kann eingentlich ein super normales Leben haben. Und ab und an mal wieder n bisschen am „wahren“ Indien schnuppern.

Das Leben in Indien ist zwar komplizierter, anstrengender, aber doch auch total aufregend, witzig und interessant. Solange man nicht anfaengt in einen Alltagstrott zu kommen. Wenn man anfaengt nicht mehr mit der Neugierde, Lebens- bzw. Indienfreude in den Tag zu gehen, sondern eben mit der Einstellung das gleiche Niveau wie daheim zu erwarten, dann hat man es verdammt schwer. Denn es gibt fast jeden Tag eine Ueberraschung. Ob negativ oder positiv. Selbst nach einem Jahr vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht mindestens 2-3 mal am tag eine neue Ueberraschung erlebe. Ob positiv mit einem Laecheln oder ob negativ mit einem Kopf schuetteln. Ich denke wer es schafft nicht die Abenteuerlust und das Interesse an Indien zu verlieren, der hat hier eine super Zeit.

Und alles in allem hatte ich bis auf ein paar dieser „Oh-mein-gott-wie-kann-man-nur-Tage" und Momenten eine super Zeit. Viele interessante neue Leute kennengelernt, geile Partyabende, super Reisen, meine indischen Wurzeln besucht etc. (und natuerlich auch neue Erfahrungen bei Arbeit..) das sind die Momente die haengen bleiben werden. Und ueber diese anderen Momente kann ich nun laecheln und hoffe dass ich die Geduld und die Mentaliataet der Inder nicht alles so ernst zu sehen zum Teil auch daheim behalten werde. Die negativen Eigenschaften wie vieles einfach zu akzeptieren oder die 10-min-sir-Einstellung werd ich mir wohl sicher nicht aneignen. Die Unpuenktlichkeit hatte ich ja schon davor.

Es wird wohl nicht mein letzter Besuch in Indien gewesen sein. Wenn das naechste mal vielleicht auch nicht fuer ein Jahr. Aber erstens will ich sehen was aus Bangalore in ein paar Jahren geworden ist. (Das Potential fuer eine richtige Metropole ist zweifelsohne da). Und ausserdem gibt es trotz der vielen Reisen immer noch Gegenden die ich gerne sehen will. (vor allem im Norden)

Zum Abschluss kann ich nun mit voller Ueberzeugung sagen, dass ich frueher Indien im Blut hatte, aber nach diesem Jahr trage ich Indien eindeutig auch im Herzen!

21.09.2006 um 12:54 Uhr

Madurai

von: Mahatma

Madurai hat einen der - wenn nicht sogar den – beindruckendsten Tempel in Indien. Der Minakshi-Tempel Komplex im Zentrum der Stadt ist nicht nur von Aussen einfach zum Staunen... 

       

...auch von innen einfach faszinierend, denn was sich hier abspielt laesst einen teilweise mit offenem Mund dastehen oder die Kamera dauernd im Anschlag. Man fuehlt sich als sei man so richtig tief und mittendrin im religioesen Indien.

Da wird sich vor Statuen auf den Boden geworfen, Sachen geopfert, Blumen und Kleider um Statuen gehaengt, die ganze Zeit spielt eine Musik im Hintergrund, es riecht ueberall nach den typischen indischen Raeucherstaebchen, in einer Ecke werden Kokusnuesse als Opfergabe in ein Art Brunnen geschmissen, in einer anderen Ecke lassen sich manchen von einem Elefanten segnen, Priester laufen ueberall in ihren Gewaendern herum, Menschen malen sich mit Farben an die Stirn die zuvor an den Statuen klebt, vor manchen gehen sie 10 mal in die Hocke und um anderen wird im Kreis gelaufen...man fuehlt sich zu Beginn wirklich wie in einer anderen Welt

       

Das geile ist, dass der Tempel der in mitten der Stadt heraussticht auch das Zentrum von Madurai ist. In der angrenzenden Altstadt findet man die Maerkte in denen besonders morgens ein riesen Getuemmel herrscht. Fruechte und Gemuesemarkt, sowie der fuer Madurai beruehmte Flowermarket sind begeisternd.

  

In einem gegenueber vom Haupttempel liegenden Nebentempel haben sich „touristenfreundlich“ ein Grossteil der Schneider niedergelassen, die einem in 2 Stunden jeden Wunsch massschneidern. Madurai ist beruehmt fuer die Textilindustrie und noch preiswerter als sonst in Indien so dass ich mir auch kurz ein klassisches Indienshirt hab schneidern lassen.

  

Im neueren Teil der Stadt gibt es noch ein Gandhi Mueseum, welches ganz nett ist und als Highlight sein blutbeflecktes Gewand hat, welches er bei seiner Ermordung trug.

   

Alles in allem reicht fuer Madurai ein guter Tag oder 1,5 Tage..da mein Zug allerdings erst Abends ging bin ich noch bissle durch die Gassen und Gegend gezogen und wenn man durch Indien laeuft wird es einem einfach nie langweilig...denn froehliche (K)inder gibt es ueberall...

Dienstag um 20 Uhr gings dann 10 Stunden mit dem Zug zurueck nach Hause. Und nun sitze ich hier und kann nicht glauben dass ich in einer Woche tatsaechlich wieder von zu Hause weg gehe und zwar fuer immer aber Richtung der eigentlichen Heimat...

20.09.2006 um 08:47 Uhr

Pondicherry

von: Mahatma

Bevor es nun bald in die Heimat geht stand letztes woe nochmal ein letzter Trip auf dem Program. Wir starteten zu 6 (bevor wir dann in Pondi mit Michael und Andi zu 8 waren) per Sleeperbus am Freitag abend...   

..und es wurde eine sehr witzige Fahrt unter dem Motto mit Whiskey, Rum und Bier laesst es sich selbst auf kleinstem Raum und holprigen Strassen gut schlafen...dafuer hasste uns der restliche Bus da wir doch etwas laut waren und was rein kommt muss auch irgendwie wieder raus, so dass es eine Vielzahl ungeplanter Busstops zum Blase leeren gab...

Pondicherry war franzoesische Kolonie und hat deshalb ein recht grosses Viertel entlang der Strandpromenade welches immer noch einen gewissen franzoesischen Flair hat. Man merkt aber immer wieder recht schnell dass man doch noch in Indien ist...

  

Dann gings mit unseren gemieteten Rollern weiter, und nachdem wir den ersten Reifen gewechselt haben (oder besser gesagt haben wechseln lassen)... 

  

kamen wir bei unseren sehr geilen Strandhuetten an und haben den restlichen Tag am Strand verbracht.

     

Am Abend hatten wir nach leckerem Fisch (waren schon etwas groesser als diese..)

   

dann noch das Glueck von irgendeiner Party mitzubekommen auf der wir uns dann noch bis 5 austobten.

 

Neben Strand stand am 2ten Tag ein Besuch von Auroville auf dem Program. Auroville basiert auf dem Konzept einer universellen Stadt in der Menschen aus allen Nationen in „Peace and Harmony“ leben koennen. Laut Wikipedia leben in Auroville 1813 Menschen (1407 Erwachsene und 406 Kinder), davon sind 730 indischer Abstammung. Insgesamt kommen die Bewohner von Auroville aus 35 Nationen. Noch n bisschen Seafood reingehauen und dann gings fuer den Rest „heim nach Bangalore“ und da ich Mo und Dienstag frei hatte bin ich noch weiter nach Madurai.

15.09.2006 um 12:07 Uhr

Vom Mittelalter direkt in die Zukunft

von: Mahatma

Wie wahr dieser Spruch ist, den die ZDF fuer ihre Reportage ueber Indien gewaehlt hat. Wenn man von Reisen in Doerfer wieder zurueckkommt, aber selbst in einer Stadt wie Bangalore sieht man sehr oft noch Dinge die einen eher an das Mittelalter erinnern. Ob es nun Waegen sind die von Eseln, Kuehen, Pferden oder Kamelen gezogen werden oder die Gemueselaeden auf 4 Raedern die durch die Gassen ziehen.

Vielleicht hat der ein oder andere ja die Reportage gesehen, falls net, kann man sie sich wie ich (nein ZDF gibts tatsaechlich immer noch nicht in Indien) auch im Internet anschauen:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/11/0,4070,3975563-0,00.html

Ein paar Kommentare treffen es sehr gut und spiegeln auch teilweise meine Eindruecke wieder...wie zum Beispiel der Kommentar ueber die Infrastruktur in Bangalore:

"Die Infrastruktur der 7 Millionen Metropole erstickt an ihrem eigenen Erfolg"

Besser haette ichs auch net sagen koennen..;-) Aber endlich ist es mir mal gelungen waehrend eines typischen Verkehrschaos auch mal die Kamera dabei zu haben...

Das alte Indien findet man einfach viel mehr in den Doerfern und nicht in den Metropolen wie Bangalore, Mumbai oder Delhi. Das ist zwar nun ein neuer Teil von Indien.

Aber oft heisst es die Inder sind so froehliche Menschen? So hilfreich? Immer mit einem Laecheln? So gastfreundlich? Nicht aggresiv?

All das gibt es zwar auch in einer Metropole, aber viel viel zu selten. Das ist vielleicht etwas was die Inder bei allem Stolz und aller Freude ueber den Aufbruch in die Zukunft nicht vergessen sollten. Ausserdem sollten sie nicht vergessen dass mehr als 2/3 ihrer Leute immer noch auf dem land leben und die haben bisher noch nicht viel mitbekommen von dem sogenannten Aufschwung. Wenn man manche Studenten oder besonders den einen grauhaarigen Kasper in dieser Reportage reden hoert, dann hat man den Eindruck das vergessen sie irgendwie.

Klar koennen sie es schaffen auf dem Standard von Amerika oder Europa zu sein im Jahr 2020. Aber was ist mit den anderen 2/3...? Man hat den Eindruck das sei ihnen egal und im Jahr 2020 hat man dann eine 2 Klassengesellschaft von der 1/3 in der Zukunft lebt und 2/3 immer noch im Mittelalter. Dass gerade das die Herausforderung ist scheint ihnen ueberhaupt nicht klar zu sein.

Die Tatsache dass Menschen in Lastern eingepfercht wie Tiere auf die Baustellen gefahren werden um neue Gebauede fuer Firmen zu errichten oder neue Villen fuer reiche Inder ist einfach pervers. Aber es scheint die einen wie die anderen nicht zu stoeren. Die einen haben damit wenigstens gerade genug zu essen und die anderen stoert es wenig die Menschen auszubeuten um einen noch schnelleren Wachstum zu erreichen. So schlafen diese Wanderarbeiter auch oft in armseligen Zelten direkt vor den Baustellen in den besten Wohngebieten.

 

 

Aber hey wenn man die studenten oder den professor sieht (ich zitiere.."wir haben die brainpower.".sorry also duemmer sind wir nun auch nicht unbedingt...es gibt einfach mehr Auswahl und darum koennen sich nur die Besten durchsetzen. Ich denke zwar nicht dass man sagen kann Inder sind intelligenter, aber diese Tatsache sorgt auf jeden fall dafuer dass man eine Masse gebildeter Menschen hat. Was ja auch gut ist...aber dieser eine Vorteil der riesigen Population sollte sie nicht dazu veranlassen die Augen zu verschliessen vor den vielen Nachteilen und vor der Verantwortung auch dem anderen noch viel groesseren Teil der Population zu helfen). Wenn man einige Interviews in der Reportage hoert, dann glaubt man fast dass sie sowas nicht sehen oder besser gesagt nicht sehen wollen....

Versprochen das war der letzte Eintrag ueber die wirtschaftliche Entwicklung in Indien..finds einfach spannedn und freue mich echt auf 2020 wenn ich spaetestens mal wieder in Indien vorbei schaue. Ab naechster Woche gibts fuer die letzten Tage in Indien noch n paar nette Impressionen von meinem letzten trip nach pondicherry und madurai und ein paar nette Bilder aus Bangalore. Und vielleicht auch ein kleines Indienfazit.

09.09.2006 um 12:04 Uhr

Kulinarische Highlights

von: Mahatma

Das ist ein Masala Dosa, ein beliebter Snack in Suedindien..hachduenn gebackene knusprige Rollen mit Gemuese gefuellt.

 

 

Aber nicht nur Einheimische wagen sich in die fuer manche doch abschreckenden indischen Imbissbude...

..nein auch ich und einige paar Auslaender werden darin gesichtet...(z.B. Hagen , der Masala Dosa Vernichter von Bangalore mit taeglich biz ca. 4):

Aber in Bangalore gibt es auch Fisch...und zwar bei 30 Grad mit ner extra Portion Abgasen:

Darum ist es vielleicht nachvollziehbar, dass ich Fisch in Indien nur direkt am Meer esse...

..dann lieber Bananen, die kann man schaelen...

 

oder n Saft an den beliebten Juice Junctions..

 

26.08.2006 um 11:02 Uhr

"Hitler's Cross"

von: Mahatma

So wollte doch tatsaechlich ein indischer Restaurantbesitzer sein neues Restaurant benennen....hier der Artikel dazu: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,433278,00.html

Naja das ist zwar eine Ausnahme, aber mir selbst ist auch schon in einigen Diskussionen aufgefallen dass einige Inder diesen Herren gar nicht so negativ sehen. Wie ich gehoert habe liegt das mit daran dass vor laengerer Zeit einige Schulbuecher ihn hier in eher recht positiv dargestellt haben. Diese wurden dann mittlerweile ausgestauscht, aber klar bleibt so was natuerlich haengen.

Das erklaert vielleicht auch, dass man hier an den Strassenbuchstaenden ohne Probleme das Buch "Mein Kampf" bekommen kann.

Eine andere Kuriositaet in diesem Zusammenhang ist, dass das Hakenkreuz in Indien. Denn urspruenglich war und ist das Symbol (Swastika genannt und wegen der Form auch als Hakenkreuz bezeichnet) ein religiös-rituelles Symbol, welches als Gluecksbringer gesehen wird. Das Wort wird dementsprechend in Indien für glückbringende Dinge und Symbole verwendet und die Bedeutung die es in Europa angenommen hat ist weitgehend unbekannt.

Ist zwar schon ne ganze Weile her, aber ich kann mich noch gut an meine Verwunderung erinnern als ich meine Wohnung gesuch habe und dabei auf ein paar Haeusern das Zeichen gesehen habe und dachte..was ist denn hier los? Oder als ich eine Einladung zu einer Hochzeit einer Kollegin bekommen habe und auf der Einladung das Symbol sah:

24.08.2006 um 16:20 Uhr

Zigarette gefaellig?

von: Mahatma

(Bild wurde entfernt, da ich es selbst nicht mehr sehen konnte...zu widerlich)

So sehen die Zigarettenschachteln in Singapore aus…na noch Lust auf ne Zigarette..? Also bei mir – der ja leider ein unverbesserlicher Gelegenheitsraucher ist/war (seit einer woche zumindest clean) – hat es gewirkt. Wollte mir ne schachtel in Singapore kaufen, aber danach ist mir die Lust wirklich vergangen. Hab von jemandem aus der Schweiz gehoert dass es dort auch aehnlich sei...erst war ich ziemlich geschockt und fande es total uebertrieben, aber das macht eigentlich schon Sinn. Keine ahnung ob man sich daran auch nach der Zeit gewoehnt wie an die Aufschriften bei uns, dass Rauchen toetet. Kann ich mir aber irgendwie net vorstellen. Ich hab dort jedenfall keine schachteln gekauft, erst wieder in Malaysia wo es billigere Zigaretten und vor allem ohne Bilder gab. Ziemlich dumm, aber bei mir haben die Bilder echt gewirkt. Sollte man bei uns vielleicht auch einfuehren wenn man Leute wirklich vom Rauchen webbekommen will. Wie gesagt, bei mir ist jetzt auch Schluss, bis auf vielleicht mal ab und zu, wirklich sehr selten mal ne Zigarette zu nem Bierle, aber die toetet ja auch net, sag ich mir einfach mal, oder zumindest dann nicht, wenn keine Bilder drauf sind...

 

20.08.2006 um 14:37 Uhr

Singapore - Melaka - Kuala Lumpur

von: Mahatma

Nach langer Zeit wurde es endlich mal wieder Zeit fuer einen Trip. Es war eine kleine art Kulturschock der anderen Art von Indien, welches nicht gerade fuer seine sauberkeit bekannt ist und in dem zumindest in den Staedten spucken und urinieren auf die Strasse standard ist, nach Singapore zu kommen. Hier stehen wie den meisten wahrscheinlich bekannt, heftige Strafen auf dem Programm fuer Spucken, Muell auf die Strasse werfen und urinieren. Kaugummis sind in ganz Singapore mittlerweile auch verboten und keine zu kaufen.


Dafuer ist es aber echt super sauber und ich fand das eigentlich mal wieder ziemlich angenehm und nicht wie viele andere sagen uebertrieben steril oder wie in einem Krankenhaus. Nur hat man sich natuerlich gerne gegenseitig verarscht und ist am anfang auch ziemlich unsicher..wenn einem aus Versehen mal ein Papier runterfliegt. Aber Polizei ist kaum zu sehen. Ich denke das hat sich einfach irgendwann selbst geregelt. Ok nun zu Singapore selbst..es kurz gesagt alles in allem eine sehr angenehme Stadt. Von der modernen Infrastruktur, zu den schoenen Gebaeuden, der Skyline, der riesigen Einkaufsstrasse Orchid Road und dem fantastischen Nachtleben (welches ich auch an meinen beiden Abenden dort auskosten musste wenn man endlich mal wieder nicht um 12 aus dem club geschmissen wird sondern um 5 immer noch die huette voll ist)

Hooters in Amerika ja bekannt fuer gutes Essen und grossbusigen Bedienungen in knapper Kleidung...in Singapore gabs auch nen asiatischen Hooters, also bis auf einen Punkt hat auch dort alles gestimmt...;-) (die anderne 2 waren meine Begleiter in Singapore aus Deutschland und Spanien die ich im Hostel kennengelernt hab)

Apropos Hostel, das war das Zimmer in dem wir ware...(ok n 5 Sterne hotel ist was anderes, aber dafuer lernt man viele Gleichgesinnte kennen)

Skyline von Singapore

Gateway Gebauede in Singapore...sieht besonders aus diesem Winkel recht beeindruckend aus

Chinatown in Singapore...wirklich ein Highlight, mit coolen Maerkte, Haeusern, Essenstaenden, etc.

Der Budda...(recht witzig zu beobachten ist wie die Einheimischen die ihn verehren vorbeilaufen, ihn ueberall betatschen und danach das Geld spenden)

Ein typischer Hawker, die in Singapore recht beruehmt sind und eine Ansammlung einheimischer Essensstaende ist

Sentosa Island, eine Insel nahe Singapore die nur aus einem Freizeitpark mit kuenstliche erstellten Straenden besteht. Ich fands viel zu kitschig und uebertrieben, einzig das Waterworld mit einem Tunnel in dem man Haie und anderen tiere sehen kann war lohnenswert.

Und natuerlich die Delphinshow der pinken (ok mehr ein pinker schimmer) Delphine war ganz cool

Ein Ort von vielen wo sich das Nachtleben von Singapore abspielt, Bar an Bar direkt an einem Fluss

Singapore bei Nacht

In Singapore ist neben Chinatown, India town (fuer mich logischerweise nicht sehr reizvoll) und den besonderen Gebaueden ansonsten vor allem der Zoo mit einer genialen Nachtsafari zu empfehlen. Und natuerlich Shopping, shopping, shopping...nicht umsonst sagen sie von sich selbst dass der Volkssport Einkaufen sei. Die Haupteinkaufsstrasse Orchid Road besteht aus ungefaher 2-3 km an den sich links und recht riesige Kaufhaeuser ala Breuninger tuermen.

Nach 2 Tagen mit wenig Schlaf (das ist leider der Nachteil wenn man die Stadt und das Nachtleben sehen will) ging es dann weiter nach Malaysia. Genauer gesagt war der erste Stop Melaka, eine historische Stadt in Malysia die deshalb so beruehmt ist da sie von Portugiesen, Briten sowie Hollaendern besetzt war. Aus diesem Grund gibt es dort einige Bauten zu bewundern, aber es hat auch einige nette Inseln in der Naehe was eingentlich mein Hauptgrund fuer den Stop dort war. Nach einem halben tag alte Gebauede anschaun und einem Tag auf der Insel gings dann mit dem Bus weiter nach Kuala Lumpur.

Witziges Fortbewegungsmittel in Melaka...super beschmueckte Fahradrikschas die meistens noch eine Anlage eingebaut haben und nette Musik abspielen waehrend sie einen kutschieren.

Malaysia ein Islamisches Land...aber man muss sagen wirklich sehr offene und herzliche Menschen und ich war doch super ueberrascht, denn wie ich zugeben muss hatte ich doch erstmal ein falsches Bild...konservativ, etc..aber das hat mich mal wieder eines besseren belehrt und wieder deutlich gemacht dass man einfach nicht alle Menschen ueber einen Kamm scheren kann...gerade mit den Muslimen ist das heutzutage ja so eine Sache. Darum finde ich mein Bild schon fast preisverdaechtig dass ich hier geschosse habe...;-)

Die beruehmten Petronas Twin Towers

Ein Markt in Kuala Lumpur wo man so gut wie alle Marken in gefaelschter Qualitaet bekommt, aber das zu kaum bemerkbaren Unterschieden, aber sehr bemerkbaren Preisunterschieden (vor allem nach langwierigem Handeln welches ich in Indien ja schon gut trainiert habe)

Alles in allem 6 super tage die sich absolut gewohnt haben, auch wenn ich danach erst mal ne gute portion schlaf gebraucht hab. (die mir allerdings nicht gegeoennt war, da ich ich morgens am Mittwoch ankam, und dann direkt ins geschaeft durfte...aber nein ich erwarte kein Mitleid)

08.08.2006 um 13:23 Uhr

Kriminalitaet in Bangalore

von: Mahatma

"Bangalore has beaten New Delhi and Mumbai, infamously. In its latest findings, the National Crime Records Bureau (NCRB) rates Bangalore as the fifth city recording the highest crime rate, accounting for 9.2 per cent of crimes in the country. "

Also dass fast 10% der Verbechen in Indien in Bangalore begangen worden sein sollen, das kann ich net glauben. Ich denke solche Statistiken kann man in Indien nicht als repraesentativ sehen, denn in Bangalore dass fuer Indien sehr modern ist, werden Verbrechen nun auch oeftern registriert da die Leute sich trauen den Mund aufzumachen. Ausserdem gehen in solche Statistiken auch bestimmt verkehrsverbrechen mit ein und da ist das Potential in Bangalore sicherlich groesser. Was nun aber seit kurzem fuer ein Hype in den Zeitungen gemacht wird wie unsicher Bangalore doch sei, also finde ich total uebertrieben.

Sicherlich will ich es nicht beschoenigen...in einer Stadt in der es ploetzlich von mehr und mehr reichen spriesst und viel zu viele leute leben, da steigert sich nun mal auch das Potential fuer Verbrechen. Dem muesste man dann mit einer halbwegs vernuenftigen Polizei entgegenwirken. Und hier muss man leider sagen dass die Polizei teilweise total ueberfordert ist und sich lachhaft verhaelt.

Anstatt in gefaehrlichen Gebieten abends unterwegs zu sein, gehen sie mit teilweise 20 Mann zu einem Club und schauen dass der ja puenktlich zu macht...na klar ist auch besser noch n paar miniroecke anschauen und vielleicht hat man sogar glueck und wird vom Besitzer des Clubs noch geschmiert, weil er nicht puenktlich geschlossen hat.

Der wichtigste Punkt um etwas gegen die ansteigende Kriminalitaet zu tun waere, endlich ein vernuenftiges Polizeisystem aufzubauen, dass nicht nur ueberwiegend aus unterbezahlten, ueberforderten und ungebildeten Polizisten besteht.

Ich will nicht nur ueber sie rumschimpfen, sie haben wirklich einen scheiss job da sie tagsueber oft damit beschaeftigt sind den verkehr zu regeln und sich dabei die abgase und das chaos live reinziehen duerfen. Nun ja vielleicht seh ich sie im Moment einfach auch zu negativ, da ein freund meines freundes persoenlich negativ davon betroffen ist....denn in letzter zeit finden hier vermehrt polizeikontrollen statt und arme rollerfahrer werden immer angehalten und nach fahrzeugpapieren, fuehrerschein und versicherungsnachweis gefragt...bloed wenn man (wie gesagt nicht ich, ein freund meines freundes) aus verschiedenen gruenden (laengere geschichte, sagen wir einfach dumm gelaufen...) keins davon hat.

Nun wenn man dann doch angehalten wird, gibt es 3 moeglichkeiten...entweder man bezahlt den vollen preis und muss die papiere dann am naechsten tag nachweisen (passiert glaub ich kaum) oder man stellt sich bloed und fraegt indirekt ob man die sache nicht mit ein paar rupies aus der welt schaffen kann...bloss nicht zu direkt fragen, denn die Polizisten hier wuerden sich ja nieee bestechen lassen...so kam er dann das erste mal mit 200 Rps (4 Euro) Bestechungsgeld davon.

Das letzte mal sahen sie irgendwie professioneller aus und er hat sich fuer die nur in seltenen Faellen zu empfehlenden Variante der Flucht entschieden....Please stop here on the sideway, sir....dann einen stop antaeuschen und mit vollgas weiterfahren..puhh das war ein fast zu heftiger adrenalinstoss und er war ueberrascht das sein roller doch so schnell fahren kann...aber wie gesagt, nicht empfehlenswert, er hat sich schon in einem indischen Gefaengnis wiedergesehen bei Chappati und Wasser...und das Herz raste wie sau und der roller musste nach der fahrt ueber gesteige und vorbei an zig rikschas erstmal n halben tag wieder abkuehlen...;-)

Naja aber dieses Beispiel zeigt einfach auch nur, dass sie anstatt ihrer Pflicht nachzukommen lieber Jobs wie Discos und Parties sprengen oder arme auslaendische Rollerfahrer anhalten nachkommen, denn da ist ja was zu holen. Ich denke wenn das mal in Angriff genommen wird, dann muss sich Bangalore wirklich keine zu grossen Sorgen wegen der Verbechensraten machen, die dann sicherlich nicht hoeher sind als in anderen Staedten der Welt.

02.08.2006 um 13:00 Uhr

Weiss ist in

von: Mahatma

Nun wird es mal wieder Zeit fuer ein Thema andere Laender andere Sitten...oder besser gesagt andere Schoenheitsideale und Modevorstellungen.

Weisse Haut

Waherend ins unseren Gefilden Solarium, Sonnenbaden, Braeunungscreme der Renner sind, ist hier SUN Blocker, Schirme als Schutz gegen die Sonne und der totale Oberhammer, "Weissmacher" Creme im Trend. Hier ist weisse Haut total in und in den Kaufhausregalen findet man Creme um die Haut zu erhellen. Selbst in Heiratsanzeigen wird oftmals beschrieben dass man eine helle Haut hat. (Neein, ich schau nicht nach einer in einer Zeitung angebotenen indischen Braut, aber es wurde mir erzaehlt nachdem ich mich mal aus Neugierde erkundigt hatte was das fuer komische Cremes sind).

Ein Grund dafuer ist laut indischem Kollegen, dass sehr dunkle Haut ein Ausdruck fuer eher unterklassige Menschen ist, die draussen arbeiten muessen. Mittlerweile hat sich das parallel wohl auch zu einem Modetrend gewandelt. Nicht nachvollziehbar fuer mich. Aber genauswenig nachzuvollziehen ist wohl fuer die Leute aus Indien oder anderen Laender warum sich Menschen in eine Maschine mit Lampen legen um Braeuner zu werden....so wird ein Afrikaner das gleiche verdutzte Gesicht haben wenn er ein Solarium zum ersten mal sieht wie ich nachdem ich die Cremes und Werbespots anfangs gesehen hatte.

Weisse Socken

Ich find meine weissen Sportsocken ja eigentlich recht gut. Nur wenn man Sandalen oder Flip Flops anhat zieht man ja normalerweise keine Socken an...nicht so in Indien. Was bei nuns wohl als modischer Riesenschnitzer gesehen weurde ist hier gang und gebe. Besonders die jungen leute die ansonsten recht modisch angezogen sind mit Markenjeans und Shirt haben oftmals zu ihren offenen Schuhen Socken an. Warum? Ich weiss es nicht, wahrscheinlich weil es Ihnen ansonsten in den immer recht kuehlen Kaufhauesern zu kalt ist. Aber ich finde das so unglaublich unpassend und muss selbst nach 10 Monaten immer noch schmunzeln wenn ich diese sonst ansonsten so westlich und neumodisch gekleideten - in Indien oft als die MTV Generation beschriebenen - Jungs und Maedels mit ihren Socken und Sandalen sehe.

Genauso schmunzeln muss ich wenn ich im Office einige Kollegen mit Anzugshose, schwarzen Schuhen und...genau...weissen Socken sehe. Bei uns ein weiteres fast unverzeihliches modisches Missgeschick, ist es hier doch recht haeufig zu beobachten. Aber soll ich junger Kerle aus einem fremden Land zu meinem Cheffe gehen und ihm sagen, sorry man zieht keine weissen Socken zu seinem Anzug an? Gibt es dafuer ueberhaupt eine Regel? Ich denke nicht, von daher...es ist einfach nur sehr ungewoehnlich wenn man mit ganz anderen Standards aufwaechst die hier noch gar nicht verbreitet sind.

Aber das ist ja auch das interessante und witzige wenn man in einem anderen Land ist, immer wieder auf solche kleinen und grossen Unterschiede zu stossen.

 

31.07.2006 um 11:35 Uhr

Lifetime Credit Card, Country Club membership, Personal Loans, ...

von: Mahatma

Hier bekommt man so ungefaher jeden tag mindestens einen Anruf von jemandem, meist einer weiblichen Stimme, die einem irgendwas andrehen will. Oftmals so unprofessionell dass man sich zusammenreissen muss und nicht die Hoeflichkeit verliert. Wenn ich ihr schon gesagt habe dass ich in ein paar Wochen nach Deutschland gehe, warum versucht sie dann weiterhin mir einen Kredit fuer ein Auto oder Haus aufzuschwaetzen?

Oder wenn ich sag dass ich schon eine Kreditkarte habe, warum muss sie dann ihren auswendig gelernten text weiter erzaehlen. Aber die besten sind ja noch die die man gar nicht verstehen kann wie gerade geschehen. Dann gibt sie an ne Kollegin weiter, die das ganze dann nochmal von vorne versucht...also nee, da schaff ich es net mehr und es ist schluss mit der Hoeflichkeit.

Das passiert aber nicht nur mir, meine indischen kollegen hoere ich auch oft nach 10 sekunden sagen, no thank you, I have already one...not interested, etc..nicht nur auf dem Handy, auch auf dem Office telefon rufen sie an. Manche Kollegen sind auch etwas dreister...einer hat gestern erst mal eine angeschissen dass sie nicht mal seinen Namen richtig aussprechen kann und ihm etwas verkaufen will....fast n bisschen zu hart, aber musste dann doch los lachen als ich das gehoert habe.

Naja kein Wunder das sowas im Call Center Land Indien passiert..warum nur Anrufe aus Amerika,UK oder Australien annehmen wenn man doch selbst die Leute im eigenen Land damit belaestigen kann...also stellt jede Bank und jeder Club noch n paar extra Mitarbeiter ein fuer n appel und n ei und laesst sie zufaellig irgendwelche nummern anrufen. Wie auch immer auf jeden fall sehr nervig und ich frag mich warum das bei uns (zum Glueck) nicht so ist...entweder es gibt ein Gesetz dagegen oder die Firmen haben gemerkt dass es eher das Gegenteil bewirkt. Egal was es ist, ich hoffe fuer meine Kollegen das dies bald auch hier der Fall ist.

19.07.2006 um 13:04 Uhr

Globalisierung - Fluch oder Segen?

von: Mahatma

„Eine Milliarde Menschen, wachsender Mittelstand mit höherer Kaufkraft, ausgebildete Arbeitskräfte, 7- 8 Prozent Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren in Indien..“

 

„China und Indien, die neuen Weltmaechte“

 

„Indien wird Deutschland noch zu unseren Lebzeiten überholen“

 

Weltweit hat IBM im vergangenen Jahr 14 000 Stellen vor allem in Industrieländern abgebaut. In Indien hat sich die Mitarbeiterzahl von ca. 3000 Mitarbeitern in 2003 auf ca. 43.000 Mitarbeiter in 2006 vervierzehnfacht!!

 

Dazu solche Bilder, wie heute morgen auf web.de entdeckt, von demonstrierenden Daimler Mitarbeitern in Sindelfingen...

 

Diese Fakten und auch die Stimmung die man aus der Heimat noch im Kopf hat, kombiniert mit Diskussionen mit Indern und Auslaendern hier und den eigenen Erfahrungen die man macht regen einen selbst immer wieder zum Nachdenken ueber diese ganze Thematik an. Dazu noch das empfehlenswerte Buch „The World is Flat“ welches sich mit den Folgen der Globalisierung auseinandersetzt.

 

Zu allererst sei einmal betont, dass es objektiv gesehen eine gute Sache ist and der man eigentlich nichts aussetzen darf. Es ist doch nur fair dass ein Land wie Indien nach jahrzehntelanger Kolonialherrschaft und dem Dasein als Entwicklungsland nun vor allem durch moderne Technologien am Weltmarkt teilnehmen kann. Das ist ein Fakt dass man hier nun eine riesige Chance hat den Schritt zu einem entwickelten Land machen zu koennen sollte etwas erfreuenswertes sein, da es das Leid auf der Welt zumindest hier sehr stark verringern kann.

 

Unter den Indern gibt es unterschiedliche Meinungen was die weitere Entwicklung angeht, viele strotzen hier vor Selbstvertrauen (manchmal schon Arroganz) und denken das geht alles so weiter und 2020 sind sie ne Weltmacht. Genauso gibt es aber auch einige Inder die sich sehr wohl den ganzen Problemem bewusst sind und das ganze nicht so optimistisch sehen.

 

Ich persoenlich denke nicht dass wir vor Indien Angst haben muessen!

Was im Moment abgeht, ist doch schon in aehnlicher Form passiert. So wurden viele Jobs durch Maschinen wegrationalisert oder wurde ein Grossteil der Kleidungsindustrie in anderen Laendern hergestellt. Egal was kam, wir fanden immer neue Moeglichkeiten und haben dann eben anspruchsvollere Jobs gemacht. Und genau so sieht es im Moment auch aus, auch wenn Indien und China das auf laengere Sicht gesehen aendern wollen. Aber im Moment sind es hauptsaechlich Call Center oder Programmieraufgaben die hier erledigt werden und das wird sich auch kurzfristig nicht aendern.

 

Denn das Problem liegt hier schon in der Ausbildung. Und zwar werden die Inder schon als Kinder und in der Uni in meinen Augen schon zu „Fachidioten“ getrimmt. Musik, Sport, Literatur andere Einfluesse werden bei den meisten nicht oder nur in geringem Masse zugelassen, nur die Noten und ein Job sind das entscheidende! (Ich weiss gar nicht wie oft ich hier schon in der Zeitung von Studenten gelesen hab die sich aufgrund des Druckes umgebracht haben.) Aber dadurch fehlt oftmals die Faehigkeit das Gesamtbild zu sehen und auch mal ueber den Tellerrand hinauszuschauen oder einfache soziale Skills die notwenig sind um miteinander zu arbeiten. Darum werden sich fuer uns erstmal genuegend andere Jobs ergeben, mit dieser neuen Moeglichkeiten der globalen Zusammenarbeit.

 

Muessen sich auftun! Aber dafuer muessen wir selbst sorgen und dem ganzen positiv gegenueber stehen und neue Chancen die sich zwangslaeufig dadurch ergeben werden nutzen. Denn wer denkt dass hier in Indien nach ein paar Jahren das Lohnniveau unserem Standard in Euroa annaehert und dann ist das wieder vorbei, dem kann ich nur widersprechen. Sicherlich steigen hier in Indien die Loehne von vielen Mitarbeitern exponentiell an durch den Boom. Aber das sind nur die auf einem hoeheren Level. Die einfachen Aufgaben steigen langsamer an und das auch nur bis zu einem bestimmten Grad und sie werden auf sehr sehr lange Zeit viel billiger bleiben als bei uns. Der Grund dafuer ist in der riesigen Population zu sehen. Am extremsten und einfachsten kann man das an Beispielen sehen wie Frauen Gras auf einer riesigen Flaeche rauszupfen anstatt das ein Rasenmaeher benutzt wird, Leute die in den Supermaerkten stehen und aufpassen das nichts geklaut wird anstatt einer Kamera, der Wachmann der 24 h vor der Bank steht, der Aufzugsmann der den ganzen Tag im Aufzug sitzt und das extremste Beispiel von dem ich gehoert habe...einer menschlichen Vogelscheuche die den ganzen Tag im Feld stand und Voegel vertrieben hat. Und das wird sich so schnell auch nicht aendern, da es so verdammt viele Menschen gibt und weiterhin geben wird die auch bereit sind so eine Aufgabe fuer einen geringen Lohn zu machen. So wird es auch weiterhin genuegen Menschen geben die fuer einen im Vergleich dazu fantastischen Lohn im Call Center zu arbeiten. Fuer viele dieser Menschen ist das der Aufstieg in die Mittelschicht und es gibt genuegend die diesem Aufstieg weiter entgegenstreben.

 

Im Moment ist die riesige Bevoelkerung somit ein Segen fuer Indien, aber alles in alles wird es der groesste Fluch bleiben. Ein funktionierendes Sozial- oder Krankensystem einzufuehren, die Infrastruktur zu verbessern, die Doerfer mit in den Wachstum einzubinden,etc.. das sind die Gruende warum ich mir sicher bin, dass man nicht sagen kann das Indien Deutschland noch zu unseren Lebzeiten überholen wird.

 

Eine richtige Revolution blieb bisher auch nur aus, da die armen Menschen hier ihr Leben akzeptieren da es Teil ihres Glaubens ist. Aber wer sagt dass das auf Dauer so bleibt. Ich kann die Menschen nicht verstehen, die sehen wie Ihre Mitmenschen immer reicher werden und sie weiterhin den ganzen Tag im Aufzug sitzen. Diese immer groesser werdende und oftmals schockierende Kluft muss man in den Griff bekommen, sonst bin ich mir sicher wird das - Glaube hin oder her - irgendwann eskalieren.

 

Dazu noch die Schwierigkeit in einem solchen riesigen Land eine funktionierende Demokratie zu haben. Hier braucht man nun schnelle und richtige Entscheidungen um aus dieser Chance das Beste fuer die GESAMTbevoelkerung zu machen.  Darum kann ich einem meiner Kollegen nach einer langen Diskussion eigentlich nur recht geben, dass es fuer Indien im Moment sogar besser waere einen guten Alleinherrscher (er nannte es einen „guten Hitler“ ) zu haben. Ich kenne mich zugegebenermassen nicht sonderlich gut aus in der indischen Politik, aber er meinte da sind zu viele Entscheidungsebenen, zu viele ungebildete Politiker, alles dauert zu lange und viele verfolgen nur ihre eigenen Interessen oder die ihrer Interessensgruppen.

 

Allerdings muss man sagen, dass die Inder viele ihrer Probleme erkannt haben. Sie wissen dass sie ihr Education system aendern muessen wenn sie nicht auf Dauer nur die ausfuehrenden und einfachen Aufgaben erledigen wollen sondern selbst Sachen entwickeln wollen und dadurch auch eine unabhaengige Wirtschaft haben werden.

 

''If we do not allow our students to ask why, but just keep on telling them how, then we are only going to get the transactional type of outsourcing (…)” said Nirmala Sankaran, C.E.O. of HeyMath, an Indian-based education company.

 

Das heist es wird sich aendern. Sie wollen selbst Sachen entwickeln und werden das auch tun. Auch der Praesident von Indien ist ein sehr beeindruckender Mann, der mich in einer Rede die ich mir anhoeren durfte/musste, sehr begeistert hat. Er sieht viele dieser Probleme als wichtige Punkte die Indien bewaeltigen muss. Indien wird sich aendern muessen um wirklich unabhaenging zu werden und ich glaube sie koennen das schaffen. Aber es wird sehr viel mehr Zeit dauern wie viele der Optimisten hier denken.

 

Und wir werden uns definitiv auch anpassen muessen. Allerdings gibt es keinen Grund in Panik zu verfallen. Die Auswirkungen treffen uns im Moment nur so radikal, da dieser Wechsel nicht langsam vonstatten ging wie bei anderen radikalen wirtschaftlichen Aenderungen, sondern wie eine Bombe eingeschlagen ist. Nun spielen Milliarden Inder, Chinesen, Osteuropaer und in kleinerem Masse auch Suedamerikaner mit in der globalen Wirtschaft. Und diese wollen nun auch ihr Stueck vom Kuchen. Aber wenn wir uns den neuen Gegebenheiten anpassen und uns nicht zu sehr selbst bemitleiden sollte es mittelfristig fuer uns alle eine Win-Win Situation sein. Denn zwar muessen wir den Kuchen nun mit mehr Nationen teilen, aber es ist ein sehr sehr viel groesserer Kuchen um den es sich nun handelt.

 

Alles in allem eine sehr spannende Sache und ich bin gespannt wie es in 30-40 Jahren hier in Indien aussieht. Auch bin ich sehr gespannt wie sich die Situation fuer uns in Deutschland entwickeln wird und ob wir es schaffen werden trotz der ersten negativen Auswirkungen die wir im Moment spueren die Globalisierung nicht zu sehr als Bedrohung sondern als Chance anzusehen.

06.07.2006 um 15:04 Uhr

Sind Inder primitiv?

von: Mahatma

Vor kurzem war der Prime Minister von Karnataka in Bangalore und hat sich danach erschrocken in der Times of India geaeussert: Die Bewohner von Bangalore sollten sich nicht immer ueber die nicht ausreichende Infrastruktur beschweren, sondern sollten erstmal anfangen sich zivilisiert auf der Strasse zu benehmen! Daraufhin kamen auch viele Leserbriefe die ihm zugestimmt haben. Besonders ein Spruch ist mir im Kopf haengen geblieben...:

 

„Den Reifegrad einer Gesellschaft kann man daran erkennen wie sie sich im Verkehr verhaelt. Wenn an diesem Spruch was dran ist sind wir Inder sehr primitiv!“

 

So leid es mir tut, aber mir kam genau dieser Gedanke auch schon sehr sehr oft. Welches Verhalten genau ist damit gemeint...also die Sachen ueber die ich mich schon zu anfang aufgeregt habe und weiterhin Bestand haben sind vor allem das klassische Hupen wegen nichts und wieder nichts..es geht nicht vorwaerts, also hupe ich einfach mal. Hier habe ich auch schon mal versucht einem Inder hinter mir klar zu machen dass das nichts bringt (vielleicht nicht gerade auf die netteste Art..) Nachdem es fast zu einer Handgreiflichkeit gekommen ist, hat er gemerkt dass ich ein Auslaender bin und meinte..“You have to learn the rules here..I am a local guy,..“ Es hatte keinen Sinn ihm zu erklaeren dass es nichts bringt zu hupen wenn vorne im moment nichts geht. Er denkt er hat recht.

Noch viel schlimmer ist das unglaublich egoistische Verhalten dass sich immer wieder an Kreuzungen abspielt. Es bildet sich links auf unserer Fahrbahn eine Schlange weil es im Moment nicht vorwaerts geht. So was kommt an Kreuzungen ja gewoehnlich vor. Nun gibt es aber immer viele extrem clevere Inder, die dann meinen ich benutz einfach die gegenfahrbahn...das sehen dann andere, genauso clevere Inder und machen dann das gleiche. Hauptsache ich komm gerade noch irgendwie durch und nach mir die Sinnflut. Tja nun koennen aber "ueberraschenderweise" die Leute auf der anderen Seite nicht mehr Ihre Fahrbahn benutzen und die Kreuzung ist komplett zu. Nichts geht mehr. Die Leute schauen sich verdutzt an. Es wir gehupt. Und ich wuerde am liebsten allen in den Hitnern treten.

Es geht irgendwie nicht in die Koepfe rein, dass es fuer alle viel besser ist, kurz 5 minuten zu warten und dann wieder fahren zu koennen. Das kann vielleicht einmal passieren und danach versteh ich es doch, aber hier passiert es immer und immer wieder.

 

2 Fragen gehn mir jedes mal durch den Kopf wenn ich mal wieder an so einer Krezung stehe: Waere das bei uns auch so wenn wir nicht ueberall gut funktionierende Ampeln haetten? Und warum ist das hier so?

 

Ich bin zu dem Entschluss gekommen dass es bei uns definitiv nicht so waere und der Grund warum es dann hier so ist, liegt in meinen Augen tatsaechlich mit daran dass viele Inder ungebildet sind, so dass der Spruch von oben schon sehr passend ist. Es gibt sehr viele gebildete Inder, aber es geht noch viel viel mehr ungebildete Inder. Und die sind vorwiegend auf der Strasse, die Rickschafahrer, Busfahrer, Truckfahrer,etc...aber selbst bei einigen gebildeten Indern hab ich den Eindruck sie schalten das Hirn aus wenn sie auf die Strasse gehen. Ganz so wie auch der Prime Minister meinte:

„Warum vergessen wir Inder unsere guten Sitten wenn wir das Haus verlassen?“

 

Aber auch in anderen menschenueberfuellten Plaetzen wie einer Schlange am Supermarkt oder am Busstand verhalten sich die Inder unsozial dass es kracht. Alle nach dem Motto, den letzten beissen die Hunde. Sie wissen gar nicht dass sie was falsches machen. Als es mir mal wieder zu bunt wurde hab ich jemanden zusammengeschissen als er sich bei der Waescherei ganz dreist von hinten vorgedraengelt hat...schaut er mich ganz verdutzt an mit dem Blick „was hab ich denn falsch gemacht, das macht doch jeder“ UND genau das ist das Problem, die Mehrheit machts, also machen es die, die es eigentlich besser wissen muessten auch.

 

Ich hab mich in den 9 Monaten schon relativ gut an alles gewoehnt und mir eine gewisse take it easy mentalitaet hier angeeignet und grins ueber viele Sachen nur. Aber an so manchen Tage, wenn ich auf meinem Roller sitze und mir das Chaos anschauen und vor allem auch hoeren muss, dann kann ich nicht mehr darueber lachen sondern nur den Kopf darueber schuetteln, gegen irgendwelche Fahraeder kicken die meinen sie stellen sich einfach mal in den Weg und Leute anschreien...das bringt zwar alles nix, aber hilft mir..allerdings muss ich mit dem F.. Wort ein bisschen aufpassen, denn das verstehen die meisten doch und ich muss mir ja nicht noch auf die letzten Monate eine Auseinandersetzung mit ner Meute Rickschafahrer geben...

05.07.2006 um 10:58 Uhr

Scheiss Tag

von: Mahatma

Bin muede, traurig, enttaeuscht... die korrupten Schwalbenkoenige haben wohl auch den Fussballgott bestochen.

Einziger Vorteil hier in Bangalore ist, dass mir keine grinsenden Italiener ueber den Weg laufen.

Naja trotzdem ne geile WM, geiles Team, ganz grosser Sport den wir abgeliefert haben!

03.07.2006 um 08:37 Uhr

So ein Tag so wunderschoen..

von: Mahatma

 

9:30 Aufstehen, duschen, frisch gewaschenes Trikot anziehen, Flagge einpacken, ab ins Office..

 

10:00 – 17:30  Mit Trikot am Arbeitsplatz noch mehr Fussballinteresse bei den Kollegen geweckt und ich bin alle 10 Minuten damit beschaeftigt irgendwelchen Kollegen meine Enschaetzung fuers Spiel zu geben. Anspannung steigt, Konzentration auf Arbeit nahezu unmoeglich. Nachdem fast alle Artikel im Internet uebers Spiel gelesen waren, gings auch schon los

 

18:30 Zur Einstimmung wurde im Steakhouse erstmal ein argentischen Rind verspeist

 

20:30 Anpfiff, die Terasse im Millers 46 wieder gefuellt mit nem riesen Haufen Deutschen

 

21:15 Kein hochklassiges Spiel, aber sau spannend. Endlich kann ich meine Blase leeren, nachdem man sich waehrend dem spiel ja fast nicht aufs klo traut, aber schon einige Bier den Weg ins Ziel gefunden haben

 

21:30 Ok, voller motivation in die 2te halbzeit

 

21:34 Der Schock, 1:0 fuer Argentinien...egal voller motivation weiter, „Auf gehts Deutschland schiesst ein Tor..“

 

22:00 Shit die Zeit wird knapp..es wird beschlossen die unverschaemten Penner in den hinteren Reihen die beim Tor fuer Argentinien gejubelt haben nach dem Spiel zu verpruegeln und ein Paar Rikschas in Brand zu setzen...

 

22:05 Jubel, Ekstase, Stuehle fallen um, Wilde Umarmungen, Traenen in den Augen, Hammergeil, 1:1, „es gibt doch einen Fusballgott, Fusballgott,..“

 

23:15 Jeeeeeeeeeeeeeens Lehmann, Jeeens Lehman, Finale wir kommen