Die eierlegende Wollmilchsau

31.07.2011 um 11:41 Uhr

Liebling

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Ich war einfach fix und fertig in dem Moment. Es gibt diese Momente, in denen plötzlich alles zusammen kommt und dann weiß man nicht mehr, wo oben und wo unten ist. Da entlädt sich der ganze Stress und man kann nur weinen, weil einfach alles mal raus muss. So war es vorhin, nachdem ich angekackt wurde, wieso ich mich nicht darum kümmere, dass bei meiner Schwester alles gut läuft. Verantwortung + schlechtes Gewissen + Diplom im Nacken = alles zu viel + ein Mal schreien.

Ich stand auf dem Balkon und rauchte, wischte die Tränen - halb zornig, halb schlechten Gewissens - weg, als ich hinter mir ein "Whümpf" hörte. Was wollte die Maus denn jetzt? Ich machte die Terassentür auf und wollte schon sagen: "Gut, zeig mir.", da lag sie schon neben mir, dicht an meinem Bein und sah zu mir hoch. Ohren angelegt, ein leises "Whümpf", schwanzwedeln. Sie lag einfach nur neben mir, an mich gelehnt, als ich da stand und rauchte und um meine Fassung rang. Eine pelzige Begleiterin für diesen beschissenen Moment.

Ich war ihr unendlich dankbar.

 

 

30.07.2011 um 18:23 Uhr

I break together, oder: Kawaii II

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Schon wieder so eine unglaublich goldige Szene wie heute vormittag. Protagonistin: die Maus.

 

[für alle, die sie noch nicht kennen]

 

Ich sitze am Tisch, lerne ein wenig (jaja, vonwegen Lernpause, ich weiß...), hochkonzentriert, als ich neben mir ein "Whümpf" höre. Ich schaue zur Seite. Die Maus sitzt wedelnd da, Ohren angelegt, Köpfchen nach vorn gestreckt. "Whümpf!" Der Ich-brauuuuuuch-was-Blick. Der ganze Hund wackelt vom Wedeln. Herrlich. Ich könnt sie soewig anschaun.

Aber das wäre ein wenig unfair..

"Zeig mir", sage ich. 

Sie wendet den Kopf und schaut den vollen Futternapf an. "Whümpf."

Welcher Hund bitteschön fragt um Erlaubnis, damit er aus seinem (aus s e i n e m!) Futternapf fressen darf? Ich klatsch die Hände vor's Gesicht. Es passiert regelmäßig - täglich - aber jedes Mal auf's Neue ist es einfach nur unglaublich.

"Geh, ist okay. Geh hamham."

Sie schaut mich an, geht zögerlich einen Schritt nach vorn, wie um zu fragen: "Wirklich? Ich darf?"

"Jaaa, geh Hamham, Maus, ist okay. Geh."

Sie nimmt einen Brocken und rennt damit ins Wohnzimmer. Die ersten Brocken frisst sie immer auf dem Wohnzimmerteppich. Drei, vier, fünf Mal geht das Spiel - und nimmt mehrere Minuten ein - bis sie in einer letzten Minute mit vier großen Happen den Napf leer macht.

Immer.

Sie kommt zurück. "Whümpf."

Abermals aus meiner Konzentration gerissen, schaue ich sie an. "Hm?" frage ich.

"Whümpf.", sagt sie und blickt auf den Fressnapf.

"Jaaaaa, du darfst. Geh hamham, ist okay, geh einfach."

Ich lache. Sie schnappt sich das zweite Bröckchen und verschwindet damit - tamdamdaram - ins Wohnzimmer. Ich schaue an die Decke und schüttle den Kopf. Wenn ich gleich neben mir ein weiteres "Whümpf" höre, brech ich zusammen vor lachen.

 

30.07.2011 um 09:54 Uhr

Kawaii

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

"Whümpf."

Ich blicke von meinem Kaffee auf und schaue in ihre wunderschönen braunen Augen. "Hm?"

"Whümpf!" Sie wedelt, was immer zum Brüllen aussieht, wenn sie zugleich sitzt. Da wackelt der ganze Hund und es würde nur fehlen, dass sie dadurch vorwärtshüpft.

Aber den Blick kenn ich. Das ist der "Ich brauuuuch was!"-Blick. Also stehe ich auf und frage sie: "Was brauchst du? Zeig mir."

Sie kommt um den Tisch herum und bleibt neben mir, beziehungsweise vor dem Wassernapf neben mir stehen. "Geh, trink!", sag ich ihr, aber sie schaut mich nur wedelnd an, immernoch dieser Blick und ein erneutes "Whümpf!"

Ich kratze mich am Kopf. Steht sie vielleicht doch vor dem Futternapf? Na, füttern kann ich sie jetzt nicht, sie war ja noch nicht Gassi. Ich bin unschlüssig. Sie schaut mich immernoch mit diesem ganz speziellen Blick an und sagt: "Whümpf!"

"Zeig mir", sage ich nochmal - vielleicht äußert sie sich nun genauer. Und das tut sie auch. Sie geht zur Terassentür und blickt hinaus. Ich schaue sie an - schaue ihren Wassernapf an - schaue sie an, schaue die Terassentür an - und lache. 

"Du Prinzessin! Du verwöhntes Ding! Du Schleckermaul!" Ich lache, sie wedelt freudig, der Blick hat sich verändert. Hat sie etwa verstanden, dass ich verstanden habe, was sie mir sagen wollte?

"Hey, ich würd gern was trinken, aber das Wasser im Napf ist schon seit gestern Abend da drin und total abgestanden. Ih Gitt. Schüttest du es weg und gibst mir neues Wasser aus der Gieskanne [wichtig: aus der Gieskanne, Wasser aus dem Hahn ist ekelhaft]? Schau, die Gieskanne steht auf der Terasse, musst du nur kurz reinholen und neues Wasser reinschütten. Na, wie schaut's? Neues Wasser? Gieskanne? Ja?"

Prinzesschen... 

Und kaum fließt das Wasser aus der Gießkanne (aus der Gießkanne, gaaaaaaaaaaaaanz frisch!) in den Napf, schlabbert sie schon überglücklich los. 

 Eines Tages brech ich wegen dem Vieh noch zusammen...*g*

 

26.07.2011 um 19:35 Uhr

mörderische Stöckchen

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Auch das war heute ein Schatz, wenn auch keine Geschichte.

 

Wir laufen zum Bus und unterhalten uns. Eigenartig, dass ich D. erst dieses Semester kennen gelernt habe. Manche Kommilitonen lernt man wohl erst am Schluss kennen, wenn alles zusammen rückt. Wir plaudern und reden, als ich plötzlich auf ein Stöckchen trete, das prompt unter meinem Fuß wegrutscht, woraufhin ich wild mit den Armen fuchtel, um mich nicht der Länge nach hinzulegen. 

D. lacht. "Was war denn das?"

"Das war ein Mordversuch!" antworte ich entgeistert.

Sein Gesichtsausdruck wird ernst. Er rennt zurück zum Stöckchen und stampft es - wortwörtlich - in Grund und Boden, mit einer Inbrunst und Ernsthaftigkeit, dass ich laut loslachen muss.

"Das hat es davon!" Er grinst. 

Ich lache Tränen, und grinse immernoch.

 

26.07.2011 um 15:26 Uhr

Seesterne Retten

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

 Ich bin mal wieder ganz angetan von diesen wunderschönen Geschichten und entdecke auf meinem Laptop beinahe vergessene Schätze. Diesen mag ich besonder gerne...

  Seesterne retten
(Autor [mir] unbekannt]

Ein furchtbarer Sturm kam auf. Der Orkan tobte. Das Meer wurde aufgewühlt und meterhohe Wellen brachen sich ohrenbetäubend laut am Strand.
Nachdem das Unwetter langsam nachließ, klarte der Himmel wieder auf. Am Strand lagen aber unzählige von Seesternen, die von der Strömung an den Strand geworfen waren.
Ein kleiner Junge lief am Strand entlang, nahm behutsam Seestern für Seestern in die Hand und warf sie zurück ins Meer.
Da kam ein Mann vorbei. Er ging zu dem Jungen und sagte: "Du dummer Junge! Was du da machst ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du nie alle zurück ins Meer werfen! Sie werden hier vertrocknen. Was du da tust, ändert nicht das Geringste!"

Der Junge schaute den Mann einen Moment lang an. Dann ging er zu dem nächsten Seestern, hob ihn behutsam vom Boden auf und warf ihn ins Meer. Zu dem Mann sagte er:
"Für ihn wird es etwas ändern!"

 

25.07.2011 um 22:48 Uhr

Das perfekte Herz

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Noch ein Schatz kam hereingeflatter - vom lieben Neo-Frauchen. Ich war ganz sprachlos, als ich diese wunderschöne Geschichte las. Ja, einfach wunderschön. Und muss natürlich in meiner "Schatzkiste" festgehalten werden.
Danke, liebes Neo-Frauchen. Danke.

 

Das perfekte Herz.
Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines." Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.
Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken.... Genau gesagt, an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."

"Ja", sagte der alte Mann, "deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde... und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?"

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.
Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit
die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.

25.07.2011 um 18:55 Uhr

Die Geschichte von der traurigen Traurigkeit

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Sie ist so schön, gerade wieder daran gedacht - und vielleicht kennt sie ja jemand noch nicht.

 

Als die glutrote Sonne am Horizont dem Tag langsam entschwinden wollte,
ging eine kleine zerbrechlich wirkende Frau einen staubigen Feldweg entlang.
Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln
hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Fast am Ende dieses Weges,
saß eine zusammengekauerte Gestalt, die regungslos auf den trockenen,
ausgedörrten Sandboden hinunterstarrte.
Man konnte nicht viel erkennen,
das Wesen das dort im Staub des Weges saß, schien beinahe körperlos zu sein.
Es erinnerte an eine graue aber weiche Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
Als die kleine zerbrechlich wirkende Frau an diesem Wesen vorbeikam,
bückte sie sich ein wenig und fragte:
“Wer bist du?”

Zwei fast regungslose Augen blickten müde auf.
“Ich? Ich bin die Traurigkeit.” flüsterte die Stimme stockend und so leise,
dass man sie kaum zu hören vermochte.

“Ach, die Traurigkeit !” rief die kleine Frau erfreut,
als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

“Du kennst mich?” fragte die Traurigkeit vorsichtig?
“Aber ja, natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast Du mich ein Stück
meines Weges begleitet.”

“Ja, aber …”, argwöhnte die Traurigkeit, “warum flüchtest du dann nicht und nimmst reiß aus? Hast du denn keine Angst vor mir ?”

“Warum sollte ich vor dir davonlaufen ? Du weißt doch selbst nur zu gut,
dass du jeden Flüchtigen einholst. Man kann dir nicht entkommen.
Aber, was ich dich fragen möchte:
Warum siehst du so betrübt und mutlos aus ?”

“Ich … ich bin traurig”, antwortete die graue Gestalt mit klangloser Stimme.
Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr.

“Traurig bist Du also”, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf.
“Erzähl mir doch, was dich so sehr bedrückt.”

Und die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören?
Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.

“Ach, weißt du”, begann die Traurigkeit zögernd, “es ist so,
dass mich einfach niemand mag. Niemand will mich.
Dabei ist es doch nun mal meine Bestimmung
unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen.
Aber jedesmal wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück.
Sie fürchten sich vor mir und meiden mich.”

Die Traurigkeit schluckte schwer.
“Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich verstoßen wollen. Sie sagen:
Ach was, das Leben ist heiter und fangen an zu Lachen.
Aber ihr falsches erzwungenes Lachen
führt zu Magenkrämpfen. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht.
Und dann bekommen sie Herzschmerzen.
Sie sagen: Man muss sich zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen
in den Schultern und im Rücken, im ganzen Körper. Verkrampft sind sie.
Sie drücken die Tränen tief hinunter und haben Atemnot. Sie sagen:
Nur Schwächlinge weinen. Dabei sprengen
die aufgestauten Tränen fast ihre Köpfe. Manchmal können sie dadurch
nicht mal mehr Sprechen.
Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen,
damit sie nicht fühlen müssen.”

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.
“Und dabei will ich den Menschen doch nichts Böses, ich will ihnen doch nur helfen. Denn wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen und zu heilen. Weißt du, wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut, und manches Leid bricht dadurch immer wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh.

Aber nur wer mich zu sich läßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden erst wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich Ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grellen Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit und ewiger Enttäuschung zu. Ich glaube, sie haben einfach nur unbändige Angst zu weinen und mich zu spüren.
Deshalb verjagen sie mich immer wieder.”

Dann schwieg die Traurigkeit. Ihr Weinen war erst schwach,
dann stärker und schließlich ganz innig und verzweifelt
und die vielen kleinen Tränen tränkten
den staubigen, ausgedörrten Sandboden.
Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkenen Gestalt tröstend in die Arme.
Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte das zitternde Bündel. “Weine nur, kleine Traurigkeit”, flüsterte sie liebevoll, “ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst.
Du sollst nicht mehr alleine wandern. Ich werde auch dich von nun an begleiten,
damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt.”

Die Traurigkeit hörte zu weinen auf.
Sie sah zu ihrer neuen Gefährtin auf und betrachtete sie erstaunt:
“Aber … aber, wer bist du eigentlich ?”
“Ich …”, sagte die kleine und zerbrechlich wirkende Frau und lächelte dabei
wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen, ” … bin die Hoffnung!

[Inge Wuthe]

 

24.07.2011 um 23:28 Uhr

So lernt man seine Nachbarn kennen

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Ich sah mir gerade eine Serie auf DVD an, als ich bemerkte, dass das Internet nicht mehr geht. Ich wollte gerade aufstehen und meine Mitbewohnerin fragen, ob sie es vielleicht ausgemacht hat (nachts ist der Router immer aus - man muss ja nichts unnötig Strm saugen lassen), da stand sie schon in meinem Zimmer: "Der Strom geht nicht!"
"Wie? Ich hab hier doch Strom. Licht brennt."
"Ja, aber Flur und Bad geht nix. Internet und Telefon sind deswegen aus."

Herrlich irritiert ging ich in den Flur und schaute in den Sicherungskasten. Alle Sicherungen waren drin. Wir sahen uns ratlos an. "Vielleicht ist es bei den Nachbarn ähnlich?" fragte sie und öffnete die Wohnungstür, als gerade auch die Tür der Nachbarn aufging.

"Geht bei euch der Strom auch nicht?"
"In zwei Zimmern geht er."
"Bei uns ist es ähnlich."
Stimmen aus dem dritten Stock. "Wisst ihr, was los ist? Habt ihr auch Probleme mit dem Strom?"
"Ja, aber nur teilweise."
"Ist bei uns auch so,"

Überall im Treppenhaus wimmelte es, verunsicherte, belustigte oder genervte Personen standen rum und man beriet sich, was man denn tun sollte. Die Hausverwaltung war nicht erreichbar, die Nummer vom Hausmeister hatte keiner. Ja, was tun wir denn jetzt? Die Stadtwerke, natürlich!

Handy sei dank konnten wir doch telefonieren und riefen den dortigen Notfalldienst an. Der meinte, es habe bereits jemand angerufen und jemand sei auf dem Weg. Wir atmeten auf, die Nachricht bereitete sich im Haus, alle schienen erleichtert. Manch einer lachte, andere grummelten, wieder andere zuckten nur mit den Schultern und fuhren wohl mit dem fort, was sie vor der Unterbrechung getan hatten.

"Moment, geht die Klingel?" Ich rannte zur Haustür hinunter und stellte fest, dass die Klingel auch vom partiellen Stromausfall betroffen war.
"Na super, und wenn er ins Haus muss? Klingen kann er ja nicht!" Meine Mitbewohnerin war tendenziell genervt.
"Ich geh runter und rauch dort. Wenn er rein muss, kann ich ihn ja reinlassen. Magst du mitkommen?"

Unten standen wir dann und stellten fest, dass auch andere Wohnungen betroffen waren. Bald standen wir zu viert auf der Straße und warteten auf den Retter. Nur eine halbe Stunde lang. Während dessen nahm man wirklich jede Gefühlsschwankung von wütend über genervt bis gelassen oder belustigt wahr. Ich gehörte zur letzten Sorte. Ich lachte und beruhigte grinsend die der ersten und zweiten Kategorie: "So lernt man zumindest  seine Nachbarn kennen."

 

28.06.2011 um 23:01 Uhr

for the record..

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Ich würde gerne einfach "Danke" sagen, und "Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute, dass es Ihnen gut geht, immer gut gehen wird, dass Sie glücklich sind"... Ohne das Angebot, dass ich Ihnen nochmal schreiben dürfte. Ich bin Ihnen für so viel dankbar, unter anderem dafür, dass Sie nun beinahe genau sieben Jahre da waren - konstant - wie Sie es am Anfang vor sieben Jahren versprochen hatten. Und ich würde mir unglaublich wünschen, dass Sie "gerngeschehn" sagen, ich Ihnen "zuwinken" und dann weitermachen kann, in dem Wissen, dass meine Freude darüber, dass Sie so lange da waren, bei Ihnen angekommen ist. Ich weiß nicht, warum mir das so wichtig ist, aber irgendwie ist es das. Ich würde gerne das Gefühl, das in mir ist, beschreiben, aber jedes Wort scheint so nichtssagend, jedes "danke" und "alles Gute" oder "ich wünsche Ihnen..." beinahe leer. Ich kann es nicht in Worte packen...
Wenn ich vor Ihnen stünde, würde ich einfach nur lächeln.

 

13.06.2011 um 21:57 Uhr

Aus dem Herzen gespielt

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Mein Bruder sitzt nebenan, improvisiert am Klavier. Wie gut er darin ist, ich kann das gar nicht und bewundere immer wieder, wie er intuitiv Melodien erschafft. Und gerade spielt er etwas, als hätte er meine Stimmung gespürt. Trifft diese Töne, malt ein Bild. Schwermut, Melancholie, Traurigkeit. In den dunkelsten Farben, so wunderschön.

"Schreibst du noch was?", fragte er eben.
"Nur, damit du weiter spielst", antwortete ich.
"Ach so. Ich wollte nur kurz die Zeit totschlagen, bis du fertig bist."
"Und ich schinde noch etwas Zeit, damit ich dir noch ein wenig zuhören kann."

Er lacht und spielt weiter. Ich dehne diesen Moment aus, genieße ihn noch ein klein wenig.  Bittersüß und wunderbar. Manchmal hat man das Gefühl, an einem radikalen Wendepunkt zu stehen. Als wäre schon bald alles vollkommen anders und dies sind die letzten Momente dieser "Zeit". So fühlt es sich gerade an. Wie in einem Film, wenn die Hauptfigur die letzten Vorbereitungen trifft, um sich auf die Reise zu machen, alles zurücklassend.

Eigenartig sind wir heute. Nur einen kleinen Moment noch... *lach* nun die schwere Melodie schneller, sie wirkt beinahe fröhlich in diesem Staccato.  Ich atme tief durch.

"Bruder, ich bin fertig."

 

 

06.06.2011 um 23:00 Uhr

zu dir

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

"Komm nach Hause - zu dir", sagte ich ihm erst am Wochenende. Und dabei hatte ich nichtmal gemerkt, wie sehr ich die Worte doch eigentlich zu mir gesagt hatte.

Es fühlt sich gerade an, als hätte ich in mir meinen Pol gefunden, mein... Ja, wie nennt man das? Das Innerste, losgelöst von Konventionen, Normen und Erwartungen. Das Ehrlichste, das ich vermutlich in mir trage. Ich spüre es so deutlich und es ist, als käme ich nach Hause.

 

02.06.2011 um 23:27 Uhr

Chamäleon

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Wie sehr die Dinge sich ändern. Denke ich zehn Jahr zurück, fallen mir so viele Unterschiede auf (und in weiteren zehn Jahren werde ich über meine heutigen Gedanken schmunzeln, ich weiß. Ich junges Küken, ich...). Unter anderem auch Unangenehme. Ich erinnere mich genau, wie ich damals dachte, dass ich nie so starrköpfig und blind wie die Erwachsenen werden wollte. Sie waren so von sich überzeugt, von ihren Meinungen, konnten sich auf nichts Neues einlassen, hörten gar nicht mehr richtig zu, weil sie sowieso ihre Meinung hatten... Heute ertappe ich mich immer wieder selbst dabei, dass ich in Gedanken "ungelenkiger" bin als früher. Meinungen fahren sich nach zehn Jahren eben doch fest, man hört nicht mehr genau zu, ist so sehr mit sich beschäftigt... Wie froh ich bin, dass ich mich immer wieder an den Augenblick erinnere, in dem ich mir das geschworene habe: immer darauf aufzupassen, dass ich nicht ganz so grausig werde wie die Erwachsenen, die ich damals vor Augen hatte.

Und doch mag ich meine Gedanken heute mehr als vor zehn Jahren. Alles ist reicher und vielfältiger geworden. Eigenartig... eigentlich ein Widerspruch, aber irgendwie auch nicht. Meine Gedankenschatztruhe wird immer voller und voller. Wer dachte als 14jähriger Teenie nicht, dass er doch schon alles weiß, erlebt und gefühlt hat. Ich erinnere mich, dass ich einmal richtig wütend war, als ein Lehrer sagte: "Kommt Zeit, kommt Rat - du wirst sehen." Ich war so wütend und hatte das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Aber heute weiß ich, was er meinte. Wobei ich eher sagen würde: Kommt Alter, kommt Gelassenheit (zumindest bei mir).

Und dann gibt es die Dinge, die sich gar nicht ändern. Seit ich denken kann, saß ich gerne auf der Fensterbank und sah hinaus auf die Welt. Heute hab ich mir versprochen, dass ich einmal eine Wohnung mit kleinem Erker haben werde, in dem ein kleines Bücherregal mit meinen Lieblingsbüchern stehen wird. Bis dahin sitze ich auf meiner Fensterbank, höre von Passanten (die mich zufällig im zweiten Stock entdecken), dass ich bitte nicht runterfallen soll und lasse die Gedanken fliegen..

  Wir sehen uns wieder in zehn Jahren...

 

22.05.2011 um 22:59 Uhr

Und dann...

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

...gibt es kein Richtig und kein Falsch mehr. Es gibt nur noch ein "es ist" und die tausend Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Wie amüsant es anmutet, einen Plan zu haben und diesen auch genau so umsetzen zu wollen. Ich muss lachen. Und kann nicht ausdrücken, was da gerade in mir wächst. Ich denke nur immer wieder: "Wenn das eine Geschichte, ein Buch wäre, dann wäre ich als Leser ja so froh, dass nichts nach Plan und HeileWelt läuft, sondern alles chaotisch und immer wieder anders."

Und zum ersten Mal, glaube ich, meine ich es wirklich ernst, wenn ich sage: Gott sei dank läuft nicht immer alles super und wie am Schnürchen! Denn ich glaube, die mannigfachen Türen, die dann zufielen, würden mir wirklich wirklich fehlen.

 

Wollen wir wirklich ein perfektes, durchweg glückliches Leben?

 

[Alles unter der Prämisse, dass es nicht um das Überleben, sondern um das Leben geht.]

22.05.2011 um 21:17 Uhr

Zwischenstopp

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

"Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Welt."
(Fight Club)

 

Ich bin immernoch... ja wie? Irgendwie - am Nullpunkt? Vielleicht. Hätte ich nicht im Zug "Fight Club" angeschaut, wäre ich nie stehen geblieben, hätte ich dem Geigenspieler vielleicht nie gesagt, wie schön ich sein Spiel finde. Vielleicht, wäre ich nicht emotional so am "Nullpunkt" gewesen, hätt ich das nie getan.

Und dann wäre ich nicht zwei Stunden mit den Obdachlosen und Punks am Bahnhof gesessen. Hätte nicht den Geburtstagskuchen meines Bruders ("Als Wegzehrung, ame.", sagte meine Mutter noch) verschenkt, hätte ich keinen Wein angeboten und nie meine Zigaretten mit ihnen geteilt. Sie erinnern mich an das, was ich als Jugendliche dachte, als ich noch mit Springern, zerrissenen Hosen und Nietenarmbändern rumgelaufen bin. Wie konnte ich mich je von diesem Teil in mir entfernen?
Es war so frei bei ihnen. Die feinen, kaum sichtbaren Narben am Unterarm (die Oberarme waren bedeckt) sind aufgefallen, und die Reaktionen waren so "selbstverständlich". Ich war unter ihnen trotzdem "normal". Ich sah in Augen und sie sahen mich. Mich. Nicht die Studentin, nicht die Tochter, nicht die Freundin, nicht die Feindin - sondern m i c h . Ganz selbstverständlich und leicht.
Der Geigenspieler fing wieder an zu spielen, ein Mädchen, das auch spontan zu der Gruppe gestoßen ist, zog mich hoch und wir tanzten. Am Bahnhof. leute gingen vorbei, die Punks klatschten und wir lachten und tanzten. 

Und dann kommt man wieder zurück in die "kalte" Welt. Als ich im Bus saß fühlte ich mich so unglaublich unwohl. Menschen, die sich nicht ansahen, die so taten, als gäbe es den Anderen nicht. Kalt. Fremd. Dabei gäbe es so viele Geschichten, die man erzählen könnte, so viele Begegnungen - die wir uns einfach so verwehren.

 

12.05.2011 um 23:38 Uhr

so glücklich

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

 "ame, du siehst... richtig glücklich aus!" So wurde ich heute von einer Kommilitonin begrüßt. Ich musste lachen und sagte, dass ich auch sehr glücklich sei.

Ach, schön war das heute... Und das halte ich nun bis in meine Träume fest.

 

 

11.05.2011 um 22:31 Uhr

Märchen

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

"...man solle ein Märchen schreiben, das die eigene Kindheit wiederspiegelt..."
(Jorge Bucay - Liebe mit offenen Augen)

 

Wie sähe dieses Märchen wohl aus?

 

14.04.2011 um 13:17 Uhr

Plötzlich...

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

...lag da dieses "ich mag dich" auf meiner Zunge. Ich musste es schnell schlucken, und damit die Freude nicht mit lautem Lachen aus mir herausbrach, presste ich die Hand auf den Mund. Zurück blieb ein Glucksen, das ich - verlegen grinsend - als Husten tarnte. 

 

18.02.2011 um 17:32 Uhr

Wo ist mein kleiner lila Hut!? Ah, da..

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Mit Mom am PC sitzen, lustige Mails gemeinsam durchlesen und lachen. Das hier fand ich so wunderbar, dass ich es hier fix aufheben möchte (natürlich darf sich auch jeder Mann angsprochen fühlen ;) ).

Urheber des Textes ist mir unbekannt, sollte ich ein Copyright verletzen, tut es mir sehr leid. Auf Wunsch des Urhebers entferne ich den Text natürlich sofort, bzw. erwähne ihn als Urheber.

 

 

Eine Frau schaut in ihren Spiegel.

Sie ist 3 jährig:
Sie schaut sich an und sieht eine Königin.

Sie ist 8:
Sie schaut sich an und sieht Aschenbrödel oder Dornröschen.

Sie ist 15:
Sie schaut sich an, sieht Aschenbrödel, Dornröschen, eine « Cheerleader », eine Schauspielerin, oder, wenn es einer ihrer schlechten Tage ist, sieht sich dick, hässlich, voller Pickel und sagt « Mama, so kann ich nicht in die Schule gehen ».

Sie ist 20:
Sie schaut sich im Spiegel an und sieht sich zu dick/zu dünn, zu klein/zu gross, mit zu gradem/zu krausem Haar aber beschliesst, trotzdem los zu gehen!

Sie ist 30:
Sie schaut sich im Spiegel an und sieht sich zu dick/zu dünn, zu klein/zu gross, mit zu gradem/zu krausem Haar aber beschliesst, dass sie keine Zeit hat, es zu richten und sie geht trotzdem los! 

Mit 40:
Sie schaut sich im Spiegel an und sieht sich zu dick/zu dünn, zu klein/zu gross, mit zu gradem/zu krausem Haar aber sagt sich, dass sie mindestens sauber ist und geht trotzdem los!

Sie ist 50:
Sie schaut in den Spiegel und denkt « Das bin ich! », lächelt und geht dahin wo sie will

Mit 60:
Sie sieht sich im Spiegel an, denkt daran, dass manche gar nicht mehr in den Spiegel schauen können, lächelt und zieht los um die Welt zu erobern!

Mit 70:
Sie sieht sich im Spiegel und sieht Erfahrung, Gewandtheit, sie lächelt und zieht los um das Leben zu geniessen!

Mit 80:
Sie schaut gar nicht mehr in den Spiegel, setzt ihren kleinen lila Hut auf und zieht los, nur um die Freude zu haben, die Welt zu sehen!

 

24.01.2011 um 23:29 Uhr

Erkenntnuss

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Dies ist das einzige Leben, das ich habe.

Wenn ich nicht in diesem meine Träume erfülle - wann dann?

 

 

19.01.2011 um 19:22 Uhr

das Herz geht auf

von: ameamagao   Kategorie: Schätze

Mein Nachhilfekind ist einfach toll. Was ging mir heute das Herz auf, ich kann es gar nicht beschreiben!

Und der Tag fing auch schon gut an: ein ganz ganz kurzer Abstecher zum Supermarkt, der auf dem Weg zur Bushaltestelle liegt. Er sollte in eben jenem Moment öffnen, als ich dort war - es warteten bereits ein Mädel und ein Herr. Wir wurden reingelassen, sie schnappte sich sofort Toast, Marmelade, Kaffee,... Ich: "Ah, Frühstück?" Sie lachte. "Jaaa, und das brauch ich dringend! Und du, auch Frühstück?" - "Nein, nur jede Menge Kaffee zum Mitnehmen für die Uni." Sie lachte, als sie die vier Kaffee in meinem Arm bemerkte. "Du hast einen langen Tag vor dir, hm?" - "Jaa, so kann man das sagen.", grinste ich. "Ich muss nur lernen, immerhin aber daheim." - "Na, auch nicht viel besser." - "Nee." Wir grinsten beide, wünschten uns nochmal einen erfolgreichen Tag und ich huschte schnell zur Haltestelle. Was war das für ein freundlicher, offener und herzlicher Tagesanfang :).

Nach einem viel zu langen Tag lehne ich mich nun zurück und atme breit grinsend tief durch. Schaue noch die zweite Halbzeit des Handball-WM-Spiels und geh bald zu Bett.  Heute soll mich nichts mehr aus der Ruhe bringen, sondern mein Herz so weit bleiben :).