après - Danach

26.10.2012 um 22:41 Uhr

Momentaufnahme XIII - Geburtstag

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

And with words unspoken
A silent devotion.

 

Das Café, sich immer mehr füllend. Eine neue Kellnerin, etwas schüchtern und eifrig bemüht, alles richtig zu machen. Der Chef, den Fernseher verfluchend. F. und A., fachsimpelnd, dann sich wieder gegenseitig durch den Kakao ziehend. D., verzweifelt die Speisekarte studierend. M., immer wieder sein Handy zückend. Der Chef, mit ratlosem Blick und einem Glas in der Hand. C., mit bedeutungsvollem Gesichtsausdruck sich kurz an unseren Tisch setzend. "Ich habe zwei Fragen an euch!" Lärmendes Volk ringsum. Lachen. Genervtes Aufstöhnen über den Fernseher. Dann wieder Jubel. M., sich zu mir herüberbeugend. Ein leises Lächeln. Ein Blick. Einen Augenblick lang nur wir zwei.
Dann: "Wie war es eigentlich auf der Buchmesse?"

29.08.2012 um 18:21 Uhr

Momentaufnahme XII - Foto

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

A lot of hope in a one man tent
There's no room for innocence.

 

Dröhnende Bässe. Der DJ, die Menge anheizend. Die Leute, schwitzend, tanzend, mitsingend. Wir mittendrin. MH, ihre Kamera zückend, gestikulierend. M. an meiner Seite, leicht zu mir gewandt. Seine Hand an meiner Schulter. Meine Hand an seiner Hüfte. Nichts Neues, eigentlich. Der ständige Körperkontakt beim Tanzen. Neckende Stupser, in gespieltem Mitleid gestreichelte Wangen. Alles ganz normal. Und jetzt, nur dieser Hauch einer Berührung und mein Atem scheint stillzustehen. Die ganze Welt scheint für diese wenigen Sekunden stillzustehen. Der Blitz löst aus.

15.06.2012 um 00:21 Uhr

Momentaufnahme XI - Tanzschule

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

And full of life
and full of love.

 

Alle Gäste auf der Tanzfläche. Enge. Die Musik aus, das Licht an. Der Barkeeper, grinsend an das Regal gelehnt, beoabachtend. J., voller Begeisterung eine neue Figur erklärend. MH, schüchtern und sich etwas zierend. Ihr niedliches, verlegenes Lächeln. A.'s ermunternde Worte. Hier und da Lachen und Rufe der Verständnislosigkeit im Raum. J., geduldig ein weiteres Mal erklärend, zeigend. M., meine beiden Hände auf halber Höhe haltend, sanft mit den Daumen über meine Finger streichend, strahlend. Wir, die neue Figur tanzend. J.'s prüfender Blick. Ein anerkenndes Nicken. Ich, bei einer Drehung mit meinem Arm gefährlich nah an M.'s Gesicht. Sein ansteckendes Lachen. "Lachst du immer noch, wenn ich dich tatsächlich treffe?", frage ich. "Du triffst mich nicht. Ich küsse dann einfach deinen Ellenbogen", antwortet er und strahlt noch mehr. Nebenan A.'s vielsagendes Grinsen.

28.12.2011 um 19:23 Uhr

Momentaufnahme X - Hochzeit

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

Are you really living
or do you seek loving?
Are you happy being
or do you search for meaning?

 

Der Hochzeitsplaner, die Regeln irgendeines Spiels erklärend. Die Gäste, lachend, voller Begeisterung mitfiebernd. Im Hintergrund leise Musik. Klirrende Gläser. Der mit weißen Rosen dekorierte Kerzenleuchter. Bedienungen, Getränke auffüllend. Das Brautpaar, sich verliebte Blicke zuwerfend. Mir gegenüber an der Tafel ein ähnlich glückliches Pärchen. Neben mir C., mit der ich seit über einem Jahr kein Wort mehr gewechselt hatte und davor auch nicht viel mehr. C., sich mir plötzlich zuwendend, um Konversation bemüht: "Hast du eigentlich grad einen Freund?" "Nein. Mich will keiner. Ich werd mir selber einen basteln müssen." "Ja, so geht's mir auch." Einstimmiges Seufzen. Kleines trauriges Lächeln. Plötzliches Verständnis.
 
 

 

09.12.2011 um 21:36 Uhr

Momentaufnahme IX - Café

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

I'm living in an age
That screams my name at night
But when I get to the doorway
There's no one in sight.

 

Sonntag, früher Abend. Nur wenig los. A. und ich, brütend und grübelnd über meiner Präsentation, jeweils eine Tasse Kaffee vor uns. Mein Hund, friedlich zu unseren Füßen liegend, aufmerksam das Geschehen beobachtend. Eine Unbekannte setzt sich an den Nebentisch, nickt uns zu, grüßt. Der Hund sofort an ihrer Seite, will gestreichelt werden. Ich rufe ihn erfolglos zurück. Die Unbekannte, laut auflachend, ebenso von ihm begeistert, wie er von ihr. Man kommt ins Gespräch. Sie nicht von hier, nur für ein Bewerbungsgespräch in der Stadt. Auf Anhieb große Sympathie. Merkwürdig, wie das manchmal so ist. Lockere, entspannte Atmosphäre. C., ihr das Essen bringend, setzt sich für ein paar Minuten dazu. Vier völlig verschiedene Menschen, durch Zufall in diesem Moment hier gemeinsam am Tisch sitzend, durch Zufall für kurze Zeit miteinander verbunden.  C. spielt gedankenverloren mit dem Hund. Der wedelt, schleckt seine Hand ab. Ein leises Lächeln. Eine seltsame Art von Vertrautheit. Geborgenheit. Ein kurzer Blick auf das, was sein könnte. Was ich mir wünsche.  Aber nicht ist.

 

30.10.2011 um 00:19 Uhr

Momentaufnahme VIII - Theater

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

We didn't start the fire,
No, we didn't light it,
But we tried to fight it.

 

 

Der Tag nach der letzten Vorstellung. Aufräumen. K., die schweren schwarzen Vorhänge zur Seite ziehend, sämtliche Fenster öffnend. N., Stühle stapelnd. E. und ich auf dem Boden knieend, energisch das Theaterblut von den alten Dielen schrubbend. Erfolglos. J. bringt Bürste und Spülmittel, versucht sich ebenfalls.  Frau S. kommt mit Getränken und Brezeln, fängt an, die weißen T-Shirts einzusammeln.   T., auf der verzweifelten Suche nach seiner Kamera. Herr A. und Herr K. im Gespräch, sich gegenseitig beglückwünschend. Y. lässt im Hintergrund Musik laufen. K., stur Verse aus dem Stück aufsagend. J. frustriert die Bürste wegschmeißend. Herr K. hält eine kleine Rede. E überreicht ihm feierlich unser Abschiedsgeschenk. Ein Fotoalbum mit Bildern von den Proben, von den Aufführungen, persönliche Worte von uns. Er, sichtlich gerührt, irgendeinen dummen Witz reißend, um sich das nicht anmerken zu lassen. Ich, etwas wehmütig. Es ist auch mein letztes Jahr hier, mein letzter Tag mit diesen mir so ans Herz gewachsenen Menschen. Plötzlich wird mir auch ein Geschenk in die Hand gedrückt. Lächelnde Gesichter um mich herum. Umarmungen. Herr A. mit unvermeidlichen, pathetischen Worten. Ich, mit dem Tränen kämpfend, wissend, wie sehr ich das alles hier vermissen werde. T. hat seine Kamera gefunden. N. und Herr K. tragen die schwarze Kiste hinaus. Die Tür fällt ins Schloss.

 

21.08.2011 um 23:42 Uhr

Momentaufnahme VII - Café

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

I travelled north by north-west
and found no love, found no love.
South by south-west,
found no love, found no love.
South, back to north

and still no love, so back to source.



Sommerabend. Spät. Die Hitze des Tages ist der Kühle der Nacht gewichen. Wir unter dem Sternenhimmel, die Gläser fast leer. Windlichter. Am Nachbartisch beste Freundinnen, kichernd das Wochenende planend. An einem anderen Tisch ein Hundebesitzer. Der Hund schnüffelt lustlos, legt sich wieder auf die Seite. In der Ecke der Chef mit einigen Bekannten. C. deshalb leicht gestresst, eilt von Tisch zu Tisch, sieht überall nach dem Rechten. Motorradfahrer auf der Straße. Wir, philosophierend, diskutierend. Vielleicht ein bisschen zu viel Alkohol. Vielleicht ein bisschen zu laut. Ich friere, wickle mich in meinen dünnen Schal. Plötzlich eine Decke um meine Schultern gelegt, C.‘s Hände vielleicht einen Moment zu lange auf den meinen, mein Kopf vielleicht etwas zu sehr an ihn gelehnt, A.‘s Grinsen vielleicht ein wenig zu vielsagend, als dass irgendetwas davon von Bedeutung sein könnte. Was bleibt, ist Verwirrung.

 

 

26.07.2011 um 23:42 Uhr

Momentaufnahme VI - Café

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

I wonder
How can we fit in a place we don't know?
Life has no master, no plan.
Hey stranger.


 

Der Raum gedrängt voll. Das Personal huscht zwischen den Tischen umher. Flaschen klirren, Milch wird aufgeschäumt, aus der Küche ein Klingeln. Lärm. Ernste Gespräche, lockeres Geplauder, Lachen, zusammengesteckte Köpfe in selbstvergessener Zweisamkeit oder verschwörerischem Getuschel. A. fachsimpelt mit einem Unbekannten am Nebentisch. D. lehnt sich zurück, beobachtet aus müden Augen. Ich tippe sie leicht an. Sie lächelt. C. setzt sich für ein paar Minuten dazu, erzählt etwas. Und dann dieser Moment, in dem du jemandem in die Augen schaust und plötzlich den Blick abwenden musst, weil du das Gefühl hast, es trifft dich wie ein Blitzschlag.

 

10.07.2011 um 16:12 Uhr

Momentaufnahme V - Regen

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

Es klingelt, ich mache die Tür auf. Draußen steht F., neben ihm der Hund, beide pitschnass, als hätte jemand jeweils einen Eimer Wasser über ihnen ausgeleert. Wir schauen uns an. Stille. Der Hund schüttelt sich. Mundwinkel zucken. Eine Szene wie aus einem Film. Wer wird zuerst anfangen zu lachen?

22.05.2011 um 17:54 Uhr

Momentaufnahme IV - RW

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

Ai, las! Ai, las! Tan cuidava saber
d'amor, d'amor, e tan petit en sai!
Ach weh! So viel glaubte ich über Liebe
zu wissen und so wenig weiß ich über sie!

 

Ich, sitzend auf den Stufen vor dem Parkplatz, wartend. Herrliches Wetter, strahlender Sonnenschein, ich bin fast zu warm angezogen. Viele Leute unterwegs, übliches Samstagsmittagsgewusel zwischen Innenstadt und Supermarkt. Gerade Herrn K. und Frau K. in den Urlaub verabschiedet. Die Aussicht auf einige entspannte Tage im Geschäft. Gut gelaunt und lachend auseinander gegangen. Die neugierige M., die sich dann doch irgendwann trollt. Ich wechsle in den Schatten vor der JVA. Ein unbestimmtes Gefühl irgendwo zwischen unbändiger Vorfreude und wahnsinniger Nervosität. Werden wir uns verstehen? Weiche Kniee, zittrige, verschwitzte Hände, nicht nur wegen den Temperaturen. Hinter dem Parkplatz sehe ich A. vorbeifahren. Die falsche Richtung. Ob er es sich in letzter Sekunde anders überlegt hat? Ich sitze und warte. Eine Gruppe Obdachloser gegenüber. Eine Frau mit zwei kleinen Kindern auf dem Weg zum Spielplatz. Eine alte Dame mit Einkaufswägelchen. Und plötzlich mittendrin A., auf mich zukommend. Dieser eine Moment, festgehalten auf alle Ewigkeit und jedes mal aufs Neue heraufbeschworen, wenn ich bei schönem Wetter dort entlanglaufe.

 

01.05.2011 um 16:44 Uhr

Momentaufnahme III - Balkon

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

Ein frühsommerlicher Nachmittag. Ich sitze auf dem Balkon, Kinderlachen, Vogelzwitschern, gedämpfte Musik. Fliederduft. Die Kleine unserer Nachbarn und ihr älterer Cousin liefern sich ein Wettrennen vor dem Haus. Als er merkt, dass er so viel schneller ist als sie, wird er betont langsam, lässt sich von ihr einholen. Sie erreichen nebeneinander das Ziel. F., vertieft in sein Buch. K. zappt gelangweilt durchs Programm. Der Hund liegt neben meinen Füßen in der Sonne, spitzt hin und wieder die Ohren. Draußen kinderwagenschiebende Eltern, rauchende Jugendliche im Schlabberlook, ein altes Ehepaar Arm in Arm. In den Wimpern meiner halbgeschlossenen Lider verfangen sich Sonnenstrahlen, legen ein schimmerndes Kleid über die Welt. Die Wärme auf meinen Armen. Entspannt. Ich atme tief ein, möchte den Moment auskosten. In Gedanken bin ich an einem anderen Tag, in einer anderen Stadt. Bittersüße Erinnerungen. Sich nie erfüllende Träumereien. Ein wehmütiges Lächeln auf meinen Lippen. F. reicht mir eine Tasse Tee. A. witzelt herum, macht anzügliche Bemerkungen und versteht wie immer gar nichts. Ich grinse pflichtschuldigst und antworte irgendetwas Belangloses. Die Stimmung kippt.

15.04.2011 um 22:53 Uhr

Momentaufnahme II - Hochschule

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

Lonely spell to conjure you
but conjure hell is all I do

 

Freistunde, wir sitzen draußen. Die Sonne scheint, geradezu hochsommerliche Temperaturen. T-Shirts, Sonnenbrillen, Sommerschuhe. Ich balanciere den Laptop auf meinen Knieen, surfe sinnlos durchs Netz. N. wirft Jacke und Schuhe hinter die Bank, schließt die Augen und genießt einfach nur die Sonne. NK schläft. M. begutachtet ihren Sonnenbrand und reicht Sonnencreme herum. P. und C. lästern über den schwäbischen Dialekt. S. hält empört dagegen. Drei Stockwerke höher brüllt F. irgendetwas aus dem Fenster. J. springt auf und rennt hinein. Ein paar Studenten machen es sich vor uns mit Campingdecke und Kühlbox gemütlich. Eine Gruppe lachender Dozenten vor dem Gebäude. Im Kopierraum steht man dicht gedrängt. NK holt sich ein Eis aus der Cafeteria. Eine leichte Brise und der subtile Duft sich öffnender Knospen. Eine Mail von S.: Er freue sich darauf, etwas Zeit mit mir zu verbringen. Anstatt mich auch zu freuen, fühle ich mich, als würde ich dich betrügen. Was für wirre Gedanken so ein Hirn doch produzieren kann. M. berichtet nonchalant über die diversen Kerle, die was von ihr wollen und jene, von denen sie etwas will. Ich frage mich, warum ich das nicht auch so locker sehen kann und schreibe eine Antwortmail. N. öffnet die Augen und schaut mich nachdenklich an. J. kommt händeringend und fluchend wieder zurück, verliert unterwegs einige Blätter Papier. N. grinst mich an, schließt die Augen und wendet ihr Gesicht wieder der Sonne zu.

 

02.04.2011 um 21:12 Uhr

Momentaufnahme I - Büro

von: apres   Kategorie: Momentaufnahmen

Nothing ever really changes
Nothing's ever really gone or really here

 

Durch das offene Fenster weht die erste laue Frühlingsluft und wirbelt in regelmäßigen Abständen die Papiere durcheinander. M. führt Selbstgespräche und bewundert ihren neuen Bildschirm. U. und K. überlegen, wie sie einen säumigen Mandanten zur Zahlung der offenen Rechnungen bewegen können.  Mir zu Füßen liegt der Mann von Chefin2 unter dem Tisch, zieht an Kabeln, flucht und zetert. M. und ich grinsen uns über die Tische hinweg an. Im Flur herrscht allgemeine Aufbruchstimmung. Mir fällt ein, dass der Biomüll noch geleert werden muss. Als ich aufstehe, kommt Azubi1 herein und bittet mich, den Biomüll zu leeren, sie würde heute gerne früher gehen. Nach einem kurzen Blick auf den Flur schließt sie die Tür und beschwert sich im Flüsterton über CQ, die die Papiercontainer schon wieder nicht geleert hat. Ich solle ja nicht auf die Idee kommen, das jetzt noch zu machen. Die sollen jetzt stehen, bis sie überquellen. Ich gehe in die Küche. Im Flur beratschlagen sich D. und CQ vor dem streikenden Kopierer. K. schleppt einen Stapel Aktenordner die Treppe hinunter. Ein Telefon klingelt. Chefin3 schreit von irgendwo, sie wäre nicht da. C., eigentlich schon halb zur Türe raus, geht ans Telefon und meint, die Chefin wäre in einer Besprechung. M. macht sich einen Cappucino und blättert desinteressiert in einem herumliegenden Werbemagazin. D. gießt die Blumen. U. schreibt schließlich eine E-Mail: "Wenn Sie bis Montag nicht die nächste Rate überwiesen haben, weigere ich mich, ihre Buchhaltung fortzuführen!" Ich leere den Biomüll. M. schließt das Fenster.