Stimmung: minus drei
Musik: cantate domino - monteverdi
verdammt noch mal! es kann doch nicht sein, dass es mir nicht möglich ist, glücklich zu sein, oder wenigstens zufrieden. warum, warum, warum habe ich mir eine technik angewöhnt, die es mir absolut unmöglich macht, normal zu funktionieren. normal zu fühlen, normal zu denken, normal zu handeln. es läuft immer nach dem selben schema ab, wie etwas, ähnlich einer kettenreaktion: schritt für schritt, unausweichlich, und sich dann totläuft, wie fallende dominosteine, die rasend schnell kippen und kippen und kippen und am ende daliegen und von jemandem in mühevoller kleinarbeit und hingabe wieder aufgebaut werden müssen, nur um dann erneut zu fallen und zu fallen. aber nein, es ist eigentlich anders. fallende dominosteine sind ja noch ganz schön, und es fällt immer nur stein für stein. das bild ist falsch, ganz falsch. ich glaube, in mir läuft ganz was anderes ab, als fallende dominosteine. eher eine explosion, oder nein, nein. eine implosion. oder es ist wie eine schachmattsituation, ich setze mich jedesmal selber schachmatt. wenn ich es wenigstens beschreiben könnte! wenn es nicht jedesmal in sprachlosigkeit enden würde, schmerzhaft, wie in den träumen, in denen man reden möchte, den mund öffnet, verzweifelt schreit, schreit, schreit. aber es kommt kein ton. die leute gehen achtlos vorbei. auf sich aufmerksam machen will: hilfe! hilfe, ich brauche hilfe. aber ich scheine unsichtbar zu sein, oder: mein mund ist mit steinen voll, so dass ich nicht artikulieren kann, oder auch mit meinen eigenen zähnen, die mir ausfallen, und an denen ich beinahe ersticke. oder glassplitter. ich versteh das nicht. ich beobachte mich selbst, kommentiere synchron zur tat mein verhalten und begreife es trotzdem nie. das kleinkind im erwachsenenkörper. was zum teufel willst du denn, du enfant terrible, wohin treibst du mich, warum setzt du mich solchen situationen aus. warum habe ich ständig das gefühl, in eine röhre zu laufen, zu fallen, die sich trichterartig verengt und mich am ende einklemmt, bewegungsunfähig und mich dann doch nicht freigibt, nicht durchs nadelöhr gehen lässt. es ist wie ein trauma, ein traum, ein traum vom trauma. keine verantwortung übernehmen können. bald kann ich das nicht mehr auseinanderhalten. diese träume sind zu echt, zu heftig, zu farbig. ragen zu sehr, zu lange, ins tagesbewusstsein hinein. ich kann das nicht bearbeiten. mir fehlt dazu ein programm, oder was auch immer, bin nicht kompatibel. abbruch, immer abbruch. systemabsturz. möchten sie das programm zum beenden zwingen, oder wollen sie ihm etwas zeit zum selbständigen beenden geben? nein. natürlich nicht. es hat ja keinen sinn. ein dauerhafter fehler im system. mal ehrlich, wo soll das noch hinführen. ich möchte mich nicht mehr zumuten. verneinung. scham. und gleichzeitig der ruf, der schrei, das krächzen nach hilfe, nach verständnis, nur: da gibt es nichts, nichts zu verstehen. die muss verrückt sein. die vergleiche, das verstellen, das funktionieren, das nicht-funktionieren. ich werde noch duchrdrehen. bald gibt es nichts mehr, was ich noch machen kann. was ich noch schaffen kann. aber eine erkenntnis bleibt und bleibt: niemand kann mir helfen, außer ich selbst. nur- wie.