arinnas mikrokosmos

28.04.2009 um 20:06 Uhr

regenströmen

von: arinna   Kategorie: mikro

zögernd. mich windend. die buchstaben wählend, laute formend. den mund nicht mehr öffnen können. keinen rat mehr wissen. mich in spiralen stürzen. das kind in den armen, die tränen mühsam zurückhaltend. sehen, wie es nach luft schnappt. in panik gerät. nicht verstehend. so unfähig, so machtlos sein. angst. mich an die wand gedrängt fühlen. niemand, niemand da sonst. in der ecke sitzend, dann wütend in die pedale tretend. weglaufen. alle verantwortung hinter mir lassen. abbrechen. meine spur verwischen. nicht mehr da sein. ich weiß nicht mehr- wie- kann nicht mehr. keine erleichterung im traum. kein selbstwert mehr. ein scheiterhaufen voller asche. kalte glut. brennender schmerz- leuchtendes schweigen. gebrandmarkt sein. das kind sein, es nicht sein. vertrauen missbrauchen. nicht mehr stehen können. nicht zu dir, nicht zu mir stehen können. scheitern. liegend in der ackerfurche. regen strömt, spült mich weg- den schmerz nicht.

27.04.2009 um 22:16 Uhr

pusteblume für seren_a

von: arinna   Kategorie: makro

Musik: stille

pusteblume

 

27.04.2009 um 21:39 Uhr

niemand, für-

von: arinna   Kategorie: mikro

Stimmung: minus drei
Musik: stille

zum heulen. zum heulen. oh tiefe wunde. niemand da. niemand, für den es sich lohnen würde. alle weg. fort. allein. nicht all-ein. nie- gewesen. verzweiflung! es geht so nicht. hört das denn nie auf. alles zerbricht. und die lust auf kämpfen ist nicht-

 

26.04.2009 um 23:11 Uhr

im herzen des tals

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: null
Musik: stille

das braunellenweibchen hatte den lastwagen kommen gehört und gesehen, wie er mit bedrohlichem tuckern stehen blieb.

...

jetzt grub sich das große schwarze ding vor ihnen in den boden und schleuderte schlammbrocken und gras durch die zweige. ein heftiger ruck, das untier sprang vorwärts, erfasste den zweig, auf dem das nest stand, und riss ihn mit sich.

...

der sockel des nestes löste sich auf, und die gepolsterte mulde  wurde mitsamt den eiern auf den boden geschleudert. zwei eier wurden von den hinterrädern des lastwagens zermalmt, das dritte zerbrach, als es auf dem boden aufschlug, und das vierte landete unbeschädigt in einem grasbüschel.

...

der dichte regen hatte den gallertigen inhalt der zerbrochenen eier schon aufgelöst, und während sie das grausige werk der zerstörung betrachteten, fühlten die beiden vögel den kalten hauch des todes. verstört flogen sie auf, kehrten aber gleich wieder zurück.

...

der regen spülte das noch unversehrte eidotter an den straßenrand, wo das wasser jetzt schnell dahinschoss. als es von der strömung erfasst wurde, drehte es sich im kreis, und man sah das netz der blutgefäße, die von dem dunklen fleck ausgingen, an dem sich der embryo entwickelt hatte. die braunelle flog ein paar meter weiter, legte den kopf schief und sah zu, wie es an ihr vorbei auf den kanal zutrieb, durch den das wasser unterirdisch zum fluss geleitet wurde. als es verschwand, flog sie, von hilflosem zorn überwältigt, verzweifelt piepsend in die abenddämmerung hinaus.

...

erschöpft und halb blind in der zunehmenden dunkelheit kehrte sie schließlich zur hecke zurück. sie zwängte sich noch einmal durch die zweige, um die bruchstücke der eierschalen zu betrachten. am rande ihres gesichtsfeldes erblickte sie etwas, das wie ein größeres stück schale aussah und in einem grasbüschel steckte. sie glitt hinunter und fand das unversehrte ei. hoch über ihrem kopf sammelte sich am ende eines blattes das regenwasser und tropfte genau auf das ei, das auszukühlen begann. die blutzufuhr zum embryo hatte beinahe aufgehört, aber das weibchen spürte, dass noch leben in dem ei war.

...

verzweifelt hüpfte sie schließlich zu dem ei hin und legte sich schützend darüber, so als könnte sie hier auf dem boden weiterbrüten. doch es fühlte sich unter ihr kalt an, und sie schoss in die höhe, als wäre sie mit dem tod in berührung gekommen.

...

stunden später hörten sie, wie etwas raschelnd am fuß der hecke entlangschlich. trotz des scheußlichen wetters hatte der duft von zerbrochenen eiern, den der wind ihm zugetragen hatte, den igel aus seiner höhle am ufer gelockt. er war hungrig aus dem winterschlaf erwacht, und der geruch hatte seinen hunger verschärft.

...

er trippelte durch das schnellfließende wasser am straßenrand, blieb witternd stehen, um sich davon zu überzeugen, dass alles in ordnung war, und näherte seine nase vorsichtig dem ei. dann sperrte er das maul weit auf, seine spitzen vorderzähne schlugen sich in die schale, und noch ehe ihr inhalt ausfließen konnte, schleckte und saugte er sie aus, wobei der schmerz in seinem magen nachließ. als er in seine höhle zurückkehrte, war ihm bereits wärmer, und er fühlte sich gestärkt. das leben war gut zu ihm gewesen.

aus: im herzen des tals, von nigel hinton 

25.04.2009 um 21:26 Uhr

sag mir, wo die blumen sind

von: arinna   Kategorie: makro   Stichwörter: fotowettbewerb, ackerblumen, wiesenblumen, gefährdete, pflanzen

Musik: little dragon - twice

pusteblume

Gesucht wird das Foto, das die Schönheit, oder aber auch die Gefährdung unserer heimischen Wiesen- und Ackerblumen am besten darstellt.
Einsendeschluss ist der 1. September 2009.
 

25.04.2009 um 17:16 Uhr

retour

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: minus zwei
Musik: stille

heute im postkasten: zwei briefe, die ich selbst verschickt hatte, zwei briefe, die seit monaten überfällig waren- die ich mit meiner letzten kraft, so kam es mir vor, verfasst habe. bei denen es ewig gedauert hat, bis ich die nötigen unterlagen dafür zusammen hatte. kaum erleichterung, als sie dann endlich mit der richtigen adresse und einer passenden briefmarke bei der post waren. und heute: wieder da. retour an den absender. beide. ist es, weil ich die adresse neben das vorhandene sichtfenster geschrieben habe und nicht auf dem brief selbst hatte? kann denn die postmaschine nicht die schrift erkennen? sucht sie denn nur nach sichtfenstern im umschlag, und- steht da nix drin- kommen die briefe zurück? ich verstehe das nicht.

und es raubt mir alle hoffnung, dass ich überhaupt noch etwas auf die reihe kriegen kann. ich kann nicht einmal mehr briefe verschicken. nun, es ist wenigstens ein geschehnis, was außerhalb meines kopfes stattgefunden hat und welches ich versuchen kann, zu beschreiben...

was solls. 

19.04.2009 um 23:16 Uhr

menschen mit augen

von: arinna   Kategorie: mikro

Stimmung: minus drei
Musik: stille

ich laufe, stolper. davon, davon. ihr dürft mich nicht anfassen. hört ihr. alle. keiner. darf. mich. anfassen. ich- ein tier. ertrinkend. brennende scham. angst, schmerzen. gefangen. alle schwellen überschritten. wo war das system. wo. warum funktioniert es nicht, funktioniere ich nicht. kein instinkt. alles falsch. falsch. falsch. falsch. laute welt. gefährliche welt. gefährliche- menschen. menschen mit augen, menschen mit ohren, menschen, die fühlen, die denken. wissen. sie wollen. wollen nicht. und alles in mir schreit, schreit sich stumm. ich will weg. will hinaus. fort. fort. brich die zelte ab. such eine höhle. ich- ein tier. brauche eine dunkle- höhle. ein- nest. ich will allein sein. allein. allein. geh weg. komm nicht zurück. bleib weg von mir- bin ein- bin ein tier. 

19.04.2009 um 01:18 Uhr

omnipermeabel

von: arinna   Kategorie: mikro

Stimmung: minus drei
Musik: little dragon - twice

auf dem rücken liegend. die augen weit offen. tropfen. blinzeln. wie hypnotisiert den klängen folgend. treiben. der leib wie wund. ihr dürft nicht- dürft mich nicht anfassen. ich - löse mich auf. verbrenne von innen heraus. brenne aus. die tropfen. zählen. hülle, die nicht ist. seifenblase, in schillernden farben. gaukeln, vorgaukeln. ich bin kein - schmetterling. der regenwurm, der sich im wasser krümmt. stirbt. brennender schmerz. schwere gerüche, die von den pflanzen ausgehen. mein kopf, der ins gewitter fällt. dann der punkt. ein schnitt in der zeit. die faser zerreißt. omnipermeabel. alles strömt ein. mein ich strömt aus. das fass läuft über. das land der tränen, des schmerzes. wozu. ich selbst muss doch tröster werden. zerrinnen, zerrinnen. der atem, der nicht- zu viel. zu viel.        

16.04.2009 um 22:43 Uhr

little dragon

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: minus drei
Musik: little dragon - twice

little dragon - twice 

Twice I turn my back on you
I fell flat on my face but didn't loose
Tell me where would I go
Tell me what led you on I’d love to know

Was it the blue night
Gone fragile
Was it both men
In wonder steady gone under
Was it the light ways
So frightening
Was it two wills
One mirror holding us dearer now

Thought I had an answer once
But your random ways swept me along
Colossal signs so I got lost
With so many lovers singing soft

Was it the blue night
Gone fragile
Was it both men
In wonder steady gone under
Was it the light ways
So frightening
Was it two wills
One mirror holding us dearer now

 

little dragon

13.04.2009 um 12:44 Uhr

nicht bereit

von: arinna   Kategorie: mikro

Stimmung: minus drei
Musik: stille

der atem stockt - für einen moment. jetzt flach und gepresst. nässe an den händen, starre. der körper wird stumm, ein druck auf alle glieder, der sturz in die tiefe. bitterkeit im mund, enge in der kehle. ostern fällt in sich zusammen, kehrt sich um, die zeit bleibt stehen, stockt, stottert, läuft rückwärts. karfreitag. schmerz. angst. schlucken fällt schwer. übelkeit. warum. dunkelheit. gewitter, angst und angst und angst. nein. nein- es ist nicht ok, nein. eben noch war, -war so etwas wie erwachen. jetzt wieder: sterben. hilfe! wie kann ich, wo kann ich... helfen... ich bin nicht bereit.

13.04.2009 um 00:21 Uhr

die worte. das brot. der wein.

von: arinna   Kategorie: mikro

Stimmung: null
Musik: stille

fallen. kopfüber in die wärme der milch. die süße. der friede. kleiner werden und -stürzen in die form, die halt gibt für stunden. die hand der mutter. gehen. folgen. kein ende. verloren in der zeit. kein blick in die augen, ein schauen nach innen, das hören des anschwellens der knospen, das aufplatzen der blüten. farben im mundwinkel- schlamm auf der brüchigen stirn. die angst vorm alleinsein. das dunkel der nacht. wärme auf dem glatten körper, die knochen unter der haut. das fell meiner katze, der atem auf meiner brust. schmiegsam das köpfchen. die stimmen der eltern, ameisen in der wiese. die wärme des feuers. die worte. das brot. der wein.

12.04.2009 um 23:40 Uhr

o stern und blume

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus eins
Musik: stille

o stern und blume,            

geist und kleid           

lieb, leid und zeit          

und ewigkeit          

 

primel

 

clemens brentano

11.04.2009 um 23:26 Uhr

was ist das II

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus zwei
Musik: stille

gleiches pflänzchen, andere perspektive.

pflänzchen

11.04.2009 um 14:46 Uhr

ranunkel

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus zwei
Musik: stille

schaut doch nur! und sowas wächst hier in meinem verwilderten garten... und ich glaube, ich habe einen spontanen lernschritt mit dem fotoapparat gemacht.

ranunkel

 

 

10.04.2009 um 22:41 Uhr

was ist das.

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus zwei
Musik: stille

wer weiß es, was das für ein pflänzchen ist...?        

was es ist

10.04.2009 um 19:40 Uhr

triptychon

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus drei
Musik: bärenbude

hab heute gemalt und gemalt. wichtig ist nicht das ergebnis, sondern der vorgang des malens an sich...

 

ostern triptychon                  

kreuz

 

flamme

 

ostern

09.04.2009 um 22:14 Uhr

wildkräutersalat

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus drei
Musik: stille

 und- und außerdem, als ich da vorhin in der wiese lag, da hab ich blumen gepflückt. gänseblümchen. da waren sooo viele. und löwenzahn. und brennnesseln. und deswegen tut jetzt auch mein zeigefinger weh. und sauerampfer. und zitronenmelisse. so vieles ist schon da! wildkräuter! und das sah so aus:

wildkraeuter

 und dann hab ich noch buchweizen geröstet und alles in eine schüssel getan und salat draus gemacht und hab es aufgegessen... und die brennnesseln haben total gebrannt im mund. brennt jetzt noch. war sehr abenteuerlich. also ein sehr abenteuerliches geschmackserlebnis. schmecken ja sehr kräftig, diese wildkräuter. bitter. und brennend und nach erde. und sauer. und herb. und blumig, und klebrig, und irgendwie toll.nach frühling und nach erde.

09.04.2009 um 21:46 Uhr

primel

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus drei
Musik: stille

und mein primelchen...

 

primel

 

so zart, fast wie ein schmetterlingsflügel.

09.04.2009 um 21:33 Uhr

tulpe

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: plus zwei
Musik: stille

da war ich heute im garten und total enttäuscht von der ausbeute der bilder. und dann irgendwann merkte ich, dass ich die bilder in 18% der gesamtgröße anschaue. und dann hab ich mal auf 100% geklickt und wie mit einer lupe nach interessanten bildausschnitten gesucht, und plötzlich verwandelten sich die bilder, wurden tiefer und reichhaltiger. und da hab ich doch den einen oder anderen ausschnitt gefunden, der mich erfreut. naja. ich übe noch...

 

tulpe 

08.04.2009 um 10:10 Uhr

es geht nicht

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: minus eins
Musik: stille

es geht nicht. heute kriege ich den kater nicht gespritzt. er wehrt sich mit händen und füßen, die dritte spritze ist hinüber, verbogen. und es muss ihm sehr weh getan haben. knurren und fauchen, schmerz. mensch. was ist denn heute anders. manchmal geht es, manchmal schlechter, aber heute- so schlimm war es noch nie. er zappelt, macht einen satz, bevor ich das insulin in ihn hineinspritzen konnte, schon fünf einstiche ohne erfolg. warum. was mache ich falsch. was soll ich nur tun. er braucht doch das insulin. jetzt sitzt er hier, mit peitschendem schwanz und ich mit zerkratzten, brennenden armen. mein armer schwarzer kater. ich werde ein weilchen warten...