gerechtigkeit und leid
Stimmung: minus zwei
Musik: stille
Stimmung: minus zwei
Musik: stille
Musik: stille
ich kann nicht schlafen. obwohl ich so, so müde bin. den ganzen tag schon, die ganze woche schon. auch die wochen davor. ich kann nicht dagegen anschlafen. habe tagsüber verzweifelt auf die nächste möglichkeit zu schlafen gewartet. schlimme kopfschmerzen gehabt. bin einen weg entlanggegangen. konnte gar nicht meine füße spüren. habe die treppe angeschaut und nicht gewusst, wie ich diesen berg bezwingen sollte. jetzt liege ich im bett und etwas ist -anders, mir ist schwindelig und ein wenig schlecht und ich fühle mich seltsam berührt, den tränen nahe. sehr, sehr müde aber vom schlaf weit entfernt. ich spüre mein kissen unter dem kopf, sehe mein haar neben mir liegen und irgendwie ist es auch seltsam feierlich, ein gefühl etwa wie in der weihenacht, so still und friedlich. ich habe keine angst. ich stehe auf und gehe leicht schwankend zur tür. mein kater sitzt dort, komt zu mir, miaut. ich streiche ihm über den kopf. schaue auf den wecker, 1:11 uhr. sekunden später auf die küchenuhr. auch 1:11 uhr. ich schalte den computer an, auch dort, noch immer: 1:11 uhr. ich höre ein rufen, ein miauen, aber anders als sonst. ich höre caspar freundlich rufen, fast gurren, zärtlich, wie eine taube. ich sorge mich sofort. seine werte waren niedrig heute. ich gehe zu ihm. finde ihn nicht gleich. gehe zum bett. schaue durch den vorhang, sehe seine silhouette. er steht im bett, auf der decke, und ruft mich. nie zuvor hat er das getan. ich schaue ihn an. er steht jetzt an der bettkante. ich denke, er wird zu mir kommen, da ich noch immer an der tür stehe. ihn anschaue. er schaut am vorhang vorbei und ruft weiter nach mir. ruft mich ins bett. ich bin seltsam berührt, gehe zu ihm, halte seinen kopf, den er zärtlich in meiner hand verbirgt.
ich sagte ihm, ich käme gleich.
seltsam, das alles, ich fühle mich seltsam. wie nicht zu dieser welt gehörig, und - als wäre die zeit stehengeblieben.
Stimmung: minus drei
Musik: stille
verlassen. ich hinterlasse eine spur von zerbrochenem. keine chance. keine technik. ich kann nichts in den händen halten, nichts sicher festhalten- sehe meine unfähigkeit und lasse fallen, immer und immer wieder. manchmal möchte ich etwas umklammern, es verzweifelt vorm fallen schützen, aber es geht ja nicht. es entgleitet plötzlich und unerwartet meinem griff und zersplittert auf dem boden.
die scherben zusammenzufügen, risse zu kitten, liegt nicht in meiner macht. ist nicht einmal denkbar. warum also nicht gleich werfen, schleudern, zerstören. zerschmettern, bevor eine beziehung heranwächst. bevor sich zarte gefühle regen. gegen wände schmettern, alles fallenlassen, nie wieder etwas anfassen, anschauen, spüren, halten wollen. zerstören, bevor es mich zerstört. ich hasse es!
Musik: stille
„Zu den verschiedenen Gefühlen, die dem Menschen im Leben anhaften, gehört besonders das eigentliche Daseinsgefühl, das Lebensgefühl, die Freude am Leben überhaupt, am Drinnenstecken im physischen Körper. Darum ist es eine Hauptentbehrung, keinen physischen Körper mehr zu haben. Wir werden nun dadurch das furchtbare Schicksal und die entsetzlichen Qualen jener Unglücklichen verstehen, welche durch Selbstmord aus dem Leben scheiden. Beim natürlichen Tod ist die Trennung der drei Körper verhältnismäßig eine leichte. Selbst bei Schlagfluß oder sonst einer schnellen natürlichen Todesart ist in Wirklichkeit schon längst die Trennung dieser höheren Glieder voneinander vorbereitet worden; sie trennen sich leicht, und die Entbehrung des physischen Leibes ist dann nur eine sehr geringe. Aber bei einer so gewaltsamen plötzlichen Trennung vom Körper wie bei einem Selbstmörder, wo noch alles gesund ist und noch fest zusammenhält, da tritt unmittelbar nach dem Tode eine starke Entbehrung des physischen Körpers aus, die furchtbare Leiden verursacht. Es ist ein furchtbares Schicksal. Der Selbstmörder fühlt sich wie ausgehöhlt und beginnt nun ein grausiges Suchen nach dem so plötzlich entzogenen physischen Körper. Nichts läßt sich damit vergleichen."
(R. Steiner, GA 95, Vor dem Tore der Theosophie, S.
32.)
„Wenn der Mensch Selbstmord begeht, hat er sein Ich mit dem physischen
Körper identifiziert. Daher entsteht nachher um so heftiger die
Gier nach
dem physischen Körper. Er kommt sich dann vor wie ein
ausgehöhlter Baum, wie
einer, der sein Ich verloren hat. Er hat dann einen fortwährenden
Durst nach
sich selbst."
(R. Steiner, GA 93a, Grundelemente der Esoterik, S. 95/96.)
Stimmung: minus zwei
Musik: stille
ununterbrochen denke ich an dich. gefühle steigen auf. ich verstehe das nicht. ich habe mir mein schweigen selbst auferlegt. die verbindung gekappt. aber es wird nicht besser. vielleicht ein winziges bisschen. so ist es wenigstens vorhersehbar. ein wenig mehr kontrollierbar. aber mein schmerz ist es nicht. er ist da- egal ob du da bist, oder nicht. ich fühle mich wie in einem käfig. die totale verunsicherung. warum bin ich denn bloß hier. was tu ich auf dieser erde. als mensch. als verschlossener mensch. mit euch, mit dir. mein körper ist gefängnis, kerker. darinnen eine welt, die ich nicht organisieren kann. ruhe kehrt nicht ein. das außen wirft in mir wellen auf. meine gedanken werfen in mir wellen auf. gefühle erst recht. und dann noch die sinnesreize, licht, schatten, geräusche. manchmal verzückung, selten. eher ein stürmisches meer innen. in mir. manchmal nur kreise. wie von versunkenen steinen, die ihr in mich hineinwerft. in meinen see. in mein meer. ich kann das nicht handhaben, nicht kontrollieren. und ich selbst verstärke die steinwürfe noch, folge den ringen, den wellen nach, bis ich sturmgepeitscht innehalten muss, weil ich, seekrank und völlig durchnässt, nicht mehr weitermachen kann. mein meer nicht beruhigen kann. was kann ich denn überhaupt kontrollieren, handhaben, verstehen. ich brauche eine insel. ich weiß nur: ich will zu dir.
Musik: stille
ja, und das ist mein hummelkäfer, der morgens immer auf der brombeerblüte hockt, bevor die ameisen kommen und ihn wegschicken. leider weiß ich nicht, was das für ein insekt ist...
Musik: stille
jetzt, wo ich etwas besser fotografieren kann als früher, trau ich mich, noch mal ein foto von meinem geliebten caspar einzustellen, welches ich eben gerade gemacht habe... hier tobt er trotz katastrophaler blutzuckerwerte auf der wiese herum: