arinnas mikrokosmos

28.01.2009 um 18:23 Uhr

ayaruk

von: arinna   Kategorie: ayaruk

ayaruk irrte draußen ziellos umher und versuchte, sich zu konzentrieren. sie atmete mehrmals tief durch, aber als ob sie sie einatmete, wurde ihre unruhe davon nur immer größer. als sie an der alten buche vorbeikam, schlug ihr das herz bis zum hals, die hände zitterten und eine welle von panik machte sich in ihr breit. nein, stöhnte sie, nicht schon wieder, nicht jetzt. dann ließ sie sich vornüber fallen und lag nun auf der kalten erde. ein lichtblitz zuckte durch ihr bewusstsein. ein scheinwerfer, hinter einer kurve plötzlich auftauchend, sie blendend, das quietschen von reifen, ein schrei, dann krachen und dann diese stille, diese totenstille, die sie danach umgab. nacht. dunkle nacht. ayaruk wimmerte. irgendwann rollte sie sich auf die seite und wartete, bis sie wieder ruhiger wurde, bis die erinnerungen von ihr abließen, ihr bewusstsein freigaben. es war immer noch sehr kalt. die sonne begann bereits hinter den hügeln unterzugehen und tauchte den ort in ein rötliches licht. ayaruk versuchte, aufzustehen. sie lehnte sich an den stamm der dicken buche, wartete noch eine weile und sah zu, wie die dämmerung über die hügel kroch und schließlich von ihr besitz ergriff. als es vollends dunkel geworden war, stand sie auf und ging langsam zurück zur hütte. das feuer war erloschen- es war klamm und kalt. auf der fensterbank stand der vorteig. ayaruk nahm die schüssel, ging hinaus und schüttete die masse in die büsche hinter dem holzschuppen. sie ging wieder hinein. erschöpft ließ sie sich auf einen stuhl fallen und legte den kopf auf den tisch.  

17.01.2009 um 11:39 Uhr

ayaruk

von: arinna   Kategorie: ayaruk

ayaruks stirn war immer noch mit gedanken verhangen. sie setzte sich direkt vor das feuer und starrte in die flammen. ihr gesicht brannte. wann. wann würde es endlich vorbei sein. nach einiger zeit riss sie sich gewaltsam los und begann, alles zusammenzusuchen, was sie zum brotbacken benötigte. sie mahlte das getreide in der mühle; weizen, buchweizen und etwas roggen. sie suchte nach dem salzfass und dem honig. sie ließ das warme frische mehl durch ihre hände rieseln und atmete den süßlichen duft ein. sie füllte einen krug mit etwas wasser und stellte ihn zum anwärmen neben das feuer. dann mischte sie honig, salz, etwas mehl und lauwarmes wasser zu einem vorteig, den sie mit einem tuch abdeckte und auf das fensterbrett in die mittagssonne stellte. sie schaute hinaus. ein rotkehlchen saß auf dem zaubernußstrauch und schien sie anzublicken. als sie aufseufzte, flog es davon. ayaruk nahm wieder ihre wolljacke und ihre mütze und lief hinaus. sie konnte es nie lange an einem ort aushalten. war sie in ihrer hütte, trieb es sie ins freie, war sie in der natur, kam sie sich ungeschützt und verloren vor. dann suchte sie wieder den schutz ihrer behausung. so ging es tagein tagaus. wann würde sie endlich ruhig werden?  

15.01.2009 um 01:04 Uhr

ayaruk

von: arinna   Kategorie: ayaruk

ayaruk hockte lange auf dem stein, bis sie schließlich langsam wieder aus ihrer gedankenwelt auftauchte. sie bemerkte jetzt erst die kälte, die sie durchdrang. sie bewegte sich vorsichtig, bis sie ihre glieder wieder einigermaßen spürte. dann machte sie sich auf den heimweg. mikun war längst zurück zur hütte gelaufen und saß nun wartend auf dem schmalen fensterbrett neben der tür ihrer hütte. ayaruk nahm sich einen arm voll holz, trat ein und legte einige scheite auf das fast erloschene feuer. mikun sprang auf den stuhl und begann sich umständlich zu putzen. ayaruk zitterte nun vor kälte. sie holte die rostrote wolldecke aus ihrem bett und hüllte sich darin ein. ihre füße waren wie eis und fühlten sich wie vom körper abgetrennt an. es würde lange dauern, bis sie sich einigermaßen aufgewärmt haben würde.

14.01.2009 um 09:09 Uhr

ayaruk

von: arinna   Kategorie: ayaruk

ayaruk ging über die wiese hinter dem haus und den hang hinauf. sie hatte kein besonderes ziel, sie wollte einfach draußen sein, nach den vögeln sehen, schauen, ob sie andere tiere zu gesicht bekam.der schnee klebte schwer an ihren schuhen und der boden begann schlüpfrig zu werden. als sie gerade ein paar schritte gegangen war, hörte sie einen eichelhäher schimpfen. sie blickte zurück zur hütte. mikun? rief sie. mikun! da bewegte sich etwas am rande der ersten baumreihe, und ein schwarzer kater schob sich durch sträucher und blickte sie an. mikun, komm! der kleine kater folgte ihr langsam den hang hinauf. ayaruk kannte das, mikun auch. er liebte kleine spaziergänge mit ihr und sein revier war groß. hin und wieder verschwand er in den niedrigen büschen, um die freiwerdenden gerüche aufzunehmen, dann wieder stolzierte er vorsichtig hinter ihr her. er mochte keine nassen pfoten. als sie beim kleinen see angekommen waren, setzte ayaruk sich trotz der feuchten kälte auf ihren lieblingsstein. es war eher schon fast ein fels, moosbewachsen, der ihr eine gute übersicht über das wasser ermöglichte. dann versank sie tief in gedanken.

14.01.2009 um 00:29 Uhr

ayaruk

von: arinna   Kategorie: ayaruk

ayaruk bestrich die scheibe mit butter und holte ein glas mit einem mus aus macadamianüssen aus dem schrank. der seltsam weich-erdige geschmack glitt sanft über ihre zunge. ihre immer noch nassen haare hingen ihr ins gesicht und kitzelten sie an der nase. nachdem sie die brotkrümel vom tisch gefegt hatte, holte sie doch den toten buchfinken herein und legte ihn zu den schälchen mit den samen. würde ihr schwarzer kater mikun ihn finden? nun, er war noch draußen. also setzte sie sich zum buchfinken und betrachtete sein herrliches gefieder. er wog nicht viel in ihrer hand. ayaruk legte ihn auf die samen, stürzte zwei gläser wasser hinunter und wusch sich die rauhen hände. dann zog sie sich an, nahm die schwere wolljacke und die grüngeringelte walkmütze und ging hinaus in den schmelzenden schnee. es roch nach feuchtigkeit und erde. sie rief nach mikun, doch mikun war weit und breit nicht zu sehen.

13.01.2009 um 13:00 Uhr

der anfang

von: arinna   Kategorie: ayaruk

als ayaruk ans hintere fenster trat, um den blick wie jeden morgen über die wiese und die hinteren baumreihen schweifen zu lassen, sah sie den buchfink, der tot auf dem rücken lag, die füße mit den krallen standen schräg nach oben ab. sie öffnete die tür und holte den kalten vogel zu sich herein, barg ihn in ihren händen und spürte das weiche gefieder, aber auch die härte des gefrorenen körpers. dabei hatte es doch zu tauen begonnen. sie beschloss, den vogel nicht dem inneren ihrer hütte auszusetzen, in der schon in wenigen augenblicken ein feuer brennen und nach und nach wohlige wärme verbreiten würde. der schnee, der die wiese mit einer undurchdringlich harten schicht überzogen hatte, hatte zu schmelzen begonnen und die kraft des tauwetters vermochte es auch, ihre seele ein wenig in bewegung zu versetzen, wo gestern noch nichts als schmerz und starre spürbar gewesen waren.

etwas später, nachdem sie den ersten tee getrunken hatte, ließ sie wasser für ein bad ein, welches sogar eine ansehnliche hitze hervorbrachte, so dass aussicht auf ein eindringen der wärme in tiefere körperschichten bestand.

ayaruk lies die kleider von ihrem körper gleiten und stieg ins wasser. ein paar rosmarinzweige, die sie vom sommer aufbewahrt hatte, hüllten das wasser und den ganzen raum in einen herrlichen duft. die vielen pflanzen, die ayaruk in ihrem baderaum untergebracht hatte, hingen mit ihren ranken und zweigen fast bis auf die wasseroberfläche. ayaruk beugte sich zurück und ließ sich ganz unter wasser gleiten. sie öffnete die augen und sah durch die oberfläche die pflanzen. überrascht von der klarheit des grüns wollte sie den moment genießen, doch unschlüssig darüber, wann dieser moment nun sein sollte oder wann er vorbei sein würde, geriet sie in unruhe und tauchte prustend wieder auf. ihre nassen haare legten sich wie ein helm über kopf und gesicht. genießen. das bedeutete, zu wissen, wann der zeitpunkt zum genießen, zur vollen öffnung der sinne gekommen war. ayaruk hatte sich angewöhnt, der welt nicht allzu offen gegenüber zu treten. es war gefährlich aus verschiedenen gründen, und weil sie sich so lange schon so beharrlich verschlossen hatte, war ihr beinahe die fähigkeit zur öffnung verloren gegangen.nachdenklich stieg sie aus dem wasser und hüllte sich in tücher und decken. eine nasse spur hinterlassend, setzte sie sich an den einfachen holztisch und schnitt eine scheibe schweren, gesäuerten brotes herunter.    Â