arinnas mikrokosmos

12.01.2009 um 23:25 Uhr

signale

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: minus zwei
Musik: gerhard schöne


Durch den Äther pulsieren Signale.
Kein Geheimdienst der Welt kann sie störn.
Von Radarschirmen nicht zu erfassen.
Nur die Seele erzittert, nur das Herz kann sie hörn.

Es dringt lautlos durch Türen und Wände,
befiehlt Menschen, vom Tisch aufzustehn,
in den nächstbesten D-Zug zu steigen,
dem bisherigen Leben den Rücken zuzudrehn.

Das Signal lockt die Schwalben gen Süden.
Durch die Schneedecke ruft es das Grün.
Gibt dem Faultier das Zeichen zum Aufstehn.
Lässt die Heringe laichen, die Kirschbäume blühn.

Plötzlich schmeißt der Soldat die M-Pi hin,
reißt die Arme empor und brüllt: „Schluss!!!“
In der feindlichen Stellung hockt einer,
hält den Finger gekrümmt und wagt doch nicht den Schuss.

Da im Zoo heuln schon wieder die Wölfe
ihren Blues der Verzweiflung und Qual.
Und im Bauch regt sich plötzlich das Baby,
denn es hört, wie die Wölfe, genau das Signal.
Plötzlich hält einer inne beim Schlagen.
Plötzlich plaudert ein Spitzel nicht aus.
Plötzlich singt einer gegen die Angst an.
Plötzlich muss einer weinen und macht sich nichts draus.

Es gibt Menschen, die hörn die Signale,
doch verstehen sie nicht mehr den Sinn,
so als wäre der Code durcheinander,
die Antennen verdreht und die Schlüssel dahin.

Folgen Trends, statt der inneren Stimme
und ertragen die Stille nicht mehr,
machen sightseeingtours durch den Urwald,
stürzen sich ins Getümmel, kaufen Wühltische leer.

Durch den Äther pulsieren Signale,
kein Geheimdienst der Welt kann sie störn.
Von Radarschirmen nicht zu erfassen.
Nur die Seele erzittert, nur das Herz kann sie hörn.

Trifft die Antwort ein: Habe verstanden!,
ist im Sender die Freude so groß,
dass sie sich alle lachend umarmen,
manchmal zählt einer ein und dann legen sie los:


Gloria in exelsis deo! Gloria in exelsis deo!
 
[von: Gerhard Schöne, Album: Der Engel der die Träume macht, 2007]

04.01.2009 um 20:27 Uhr

risse im eis

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: null
Musik: stille

wir waren auf dem eis. da ist ein zugefrorener see im wald. dort waren alle meine mir anvertrauten kinder auf dem eis. schlitterten, kletterten auf den baum, der in der mitte herausragt, rutschten aus, fielen mit ihren kleinen körpern hart auf die eisdecke. als ein riss durch den ganzen see ging mit gewaltigem knacken als ein mädchen mit dem kopf aufprallte und ich die tränen getrocknet und die wunden versorgt hatte, da hab ich gesagt: wir gehen nachhause. keiner hörte auf mich, alle waren überall verstreut, ich rief noch einmal: wir gehen nachhause! alle quengelten, wollten nicht. ein junge fragte herausfordernd: warum denn jetzt schon? und ich sagte leise aber bestimmt: ich hab solche angst um euch.
da packten sie ohne widerspruch ihre sachen und kamen mit mir mit. sie haben es verdient, dass man ehrlich mit ihnen ist.


11.12.2008 um 23:16 Uhr

jonathan

von: arinna   Kategorie: makro

Stimmung: null
Musik: under water

ich bin so in sorge. ganz neues gefühl, eine so starke, dauerhafte sorge um jemanden zu haben. ich habe, damit es ganz für dich allein ist, dir einen neuen blog eröffnet, jonathan. mein lieber jonathan. ich bin so aus der bahn geworfen, dass ich mich selbst nicht mehr spüre. aber das ist auch gut. jetzt bist du dran. wir gehen da durch, wir werden das schaffen, wie auch immer. alles werden wir annehmen, und wenn es nicht geht, dann werden wir uns wehren. ich habe dich lieb, jonathan, ich weiß es erst jetzt, wie sehr. ich wünsche dir kraft. jonathans mikrokosmos.