der anfang
als ayaruk ans hintere fenster trat, um den blick wie jeden morgen über die wiese und die hinteren baumreihen schweifen zu lassen, sah sie den buchfink, der tot auf dem rücken lag, die füße mit den krallen standen schräg nach oben ab. sie öffnete die tür und holte den kalten vogel zu sich herein, barg ihn in ihren händen und spürte das weiche gefieder, aber auch die härte des gefrorenen körpers. dabei hatte es doch zu tauen begonnen. sie beschloss, den vogel nicht dem inneren ihrer hütte auszusetzen, in der schon in wenigen augenblicken ein feuer brennen und nach und nach wohlige wärme verbreiten würde. der schnee, der die wiese mit einer undurchdringlich harten schicht überzogen hatte, hatte zu schmelzen begonnen und die kraft des tauwetters vermochte es auch, ihre seele ein wenig in bewegung zu versetzen, wo gestern noch nichts als schmerz und starre spürbar gewesen waren.
etwas später, nachdem sie den ersten tee getrunken hatte, ließ sie wasser für ein bad ein, welches sogar eine ansehnliche hitze hervorbrachte, so dass aussicht auf ein eindringen der wärme in tiefere körperschichten bestand.
ayaruk lies die kleider von ihrem körper gleiten und stieg ins wasser. ein paar rosmarinzweige, die sie vom sommer aufbewahrt hatte, hüllten das wasser und den ganzen raum in einen herrlichen duft. die vielen pflanzen, die ayaruk in ihrem baderaum untergebracht hatte, hingen mit ihren ranken und zweigen fast bis auf die wasseroberfläche. ayaruk beugte sich zurück und ließ sich ganz unter wasser gleiten. sie öffnete die augen und sah durch die oberfläche die pflanzen. überrascht von der klarheit des grüns wollte sie den moment genießen, doch unschlüssig darüber, wann dieser moment nun sein sollte oder wann er vorbei sein würde, geriet sie in unruhe und tauchte prustend wieder auf. ihre nassen haare legten sich wie ein helm über kopf und gesicht. genießen. das bedeutete, zu wissen, wann der zeitpunkt zum genießen, zur vollen öffnung der sinne gekommen war. ayaruk hatte sich angewöhnt, der welt nicht allzu offen gegenüber zu treten. es war gefährlich aus verschiedenen gründen, und weil sie sich so lange schon so beharrlich verschlossen hatte, war ihr beinahe die fähigkeit zur öffnung verloren gegangen.nachdenklich stieg sie aus dem wasser und hüllte sich in tücher und decken. eine nasse spur hinterlassend, setzte sie sich an den einfachen holztisch und schnitt eine scheibe schweren, gesäuerten brotes herunter.

Wegen dem Verschlossensein, das ich auch gut kenne... eine Freundin hat heute ein paar Zeilen geschickt, die dazu passen, ich stelle sie bei mir rein. Sie passen ganz gut zu dem, was Du schreibst.
Lieben Gruß,
Serena
Herzensgrüße schickt Dir
Serena