arinnas mikrokosmos

13.01.2009 um 13:00 Uhr

der anfang

von: arinna   Kategorie: ayaruk

als ayaruk ans hintere fenster trat, um den blick wie jeden morgen über die wiese und die hinteren baumreihen schweifen zu lassen, sah sie den buchfink, der tot auf dem rücken lag, die füße mit den krallen standen schräg nach oben ab. sie öffnete die tür und holte den kalten vogel zu sich herein, barg ihn in ihren händen und spürte das weiche gefieder, aber auch die härte des gefrorenen körpers. dabei hatte es doch zu tauen begonnen. sie beschloss, den vogel nicht dem inneren ihrer hütte auszusetzen, in der schon in wenigen augenblicken ein feuer brennen und nach und nach wohlige wärme verbreiten würde. der schnee, der die wiese mit einer undurchdringlich harten schicht überzogen hatte, hatte zu schmelzen begonnen und die kraft des tauwetters vermochte es auch, ihre seele ein wenig in bewegung zu versetzen, wo gestern noch nichts als schmerz und starre spürbar gewesen waren.

etwas später, nachdem sie den ersten tee getrunken hatte, ließ sie wasser für ein bad ein, welches sogar eine ansehnliche hitze hervorbrachte, so dass aussicht auf ein eindringen der wärme in tiefere körperschichten bestand.

ayaruk lies die kleider von ihrem körper gleiten und stieg ins wasser. ein paar rosmarinzweige, die sie vom sommer aufbewahrt hatte, hüllten das wasser und den ganzen raum in einen herrlichen duft. die vielen pflanzen, die ayaruk in ihrem baderaum untergebracht hatte, hingen mit ihren ranken und zweigen fast bis auf die wasseroberfläche. ayaruk beugte sich zurück und ließ sich ganz unter wasser gleiten. sie öffnete die augen und sah durch die oberfläche die pflanzen. überrascht von der klarheit des grüns wollte sie den moment genießen, doch unschlüssig darüber, wann dieser moment nun sein sollte oder wann er vorbei sein würde, geriet sie in unruhe und tauchte prustend wieder auf. ihre nassen haare legten sich wie ein helm über kopf und gesicht. genießen. das bedeutete, zu wissen, wann der zeitpunkt zum genießen, zur vollen öffnung der sinne gekommen war. ayaruk hatte sich angewöhnt, der welt nicht allzu offen gegenüber zu treten. es war gefährlich aus verschiedenen gründen, und weil sie sich so lange schon so beharrlich verschlossen hatte, war ihr beinahe die fähigkeit zur öffnung verloren gegangen.nachdenklich stieg sie aus dem wasser und hüllte sich in tücher und decken. eine nasse spur hinterlassend, setzte sie sich an den einfachen holztisch und schnitt eine scheibe schweren, gesäuerten brotes herunter.     

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSeren_a schreibt am 13.01.2009 um 13:27 Uhr:Du schreibst sehr schön...
    Wegen dem Verschlossensein, das ich auch gut kenne... eine Freundin hat heute ein paar Zeilen geschickt, die dazu passen, ich stelle sie bei mir rein. Sie passen ganz gut zu dem, was Du schreibst.
    Lieben Gruß,
    Serena
  2. zitierenarinna schreibt am 14.01.2009 um 00:30 Uhr:ja, das hab ich gelesen. *staun* ist das so?
  3. zitierenSeren_a schreibt am 14.01.2009 um 00:40 Uhr:Dass wir mit viel Kraft unser Herz zuhalten, das von Natur aus offen ist? Ich glaube schon... manchmal weiß ich es bei mir sicher und bin mir bewusst, dass ich das tue.
  4. zitierenarinna schreibt am 18.01.2009 um 23:30 Uhr:jetzt ist mein herz offen, und es ist unbeschreiblich schmerzhaft. ich wusste es. ich kann das nicht. lieber den schmerz der krampfenden feder, als diese bodenlose angst, die mich ganz durchströmt.
  5. zitierenSeren_a schreibt am 19.01.2009 um 00:10 Uhr:Ist es wirklich ganz offen... ? und wenn ja... spürst Du es...? Oder kann es vielleicht sein, dass Gedanken der Angst aus alten Erfahrungen sich darüberlegen und Dich gar nicht spüren lassen, was IST, jetzt ist, wenn das Herz offen ist...? Ich frage mich das selbst, denn ich kenne gut, was Du beschreibst... Ich kenne von kleinen Augenblicken - wie Du sicher auch, das habe ich schon einige Male bei Dir herausgelesen - den großen Frieden, der irgendwie irgendwo hinter allem zu finden ist, dahinter, darüber... darinnen... wo auch immer. Unbeschreiblich ist das. Habe das gespürt und weiß, dass das das Wahre ist und nicht all die Schreckgespenste, die uns Gedanken vorgaukeln... Und Deinem Buchfinken ist nichts geschehen, er ist sicher in Gott. Und Jonathan... und Du... und ich... und alle, um die ich je geweint habe...
    Herzensgrüße schickt Dir
    Serena

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