Stimmung: zwei
Musik: sankt martin
ist er nicht wunderwunderschön. ich sah ihn, noch lebend, er saß unter einer kiefer und flog nicht weg, als ich mich vorsichtig näherte. unsicher, was nun zu tun sei, lief ich hinein und wälzte meine vogelbücher. ob man ihn gesund pflegen konnte? ich konnte auf die schnelle und aus der erinnerung nicht herausfinden, was das für ein vogel war. ich fand den hinweis, man solle den vogel erstmal einen halben tag in ruhe lassen und schauen, ob er sich erholt, oder ob eltern kommen und ihn füttern. ihn nicht gleich aus der natur ins haus holen, was auch seinen tod bedeuten könnte. aber das war kein vogelbaby, trotz seiner zerbrechlichen winzigkeit. zum tierarzt bringen? aber als ich wieder hinauslief, um nach ihm zu schauen, war er schon -tot. das schnitt mir irgendwie ins herz. er war so winzig und dabei so wunderwunderschön. er war einfach vornübergekippt. als ich ihn in den händen barg, spürte ich sein gewicht kaum, er wog nicht mehr als eine feder. nun konnte ich ihn in ruhe betrachten- ein wintergoldhähnchen. der kleinste vogel europas. so leicht! vier bis sieben gramm wiegen die. mein totes wintergoldhähnchen wog fast nichts. ich konnte mich nur schwer von ihm trennen. nie habe ich den tod eines vogels so bedauert. nie zuvor fand ich einen vogel so schön, so vollkommen. leb wohl kann man wohl nicht sagen. er ist jetzt in der erde, im blumengrab und wird dort -vergehen.
Ganz lieben Gruß,
Serena
shadowfax