manchmal möchte ich nur wissen, ob er sich auch nur ein einziges wort glaubt. ob er sich sie selber glaubt oder es sich wenigsten im stillen und alleine eingesteht, wenn er die wahrheit so himmelschreiend selbstgerecht verdreht hat, dass sie ihn in seiner lieblingsrolle auftreten lassen muss: die des tragischen helden. warum liebt er sich nur so sehr in dieser paraderolle des ohnmächtig und vor allem unverschuldet leidenden?
ich vermute, weil das volk grundsätzlich erstmal einen täter sucht, wenn es ein opfer sieht. da er ja deutlich in aller öffentlichkeit zweiteres rauskehrt, kann er nicht ersteres sein. wer sieht auch nur einen funken täter im so offensichtlich niedergeschlagenen melancholiker, der mit hängendem köpfchen schwarze vöglein knipst, während sein iPod traurige hinterhofpoesie der independentszene in seinen gehörgang träufelt. und genau die portion mitleid der blinden hühner, denen er diese körner
hinstreut, braucht er, um noch weiter in seinem selbstmitleid zu baden.
die misere ist aber selbstgekocht. die hat er selbst gekocht. nur sind feigheit, wankelmut, vertrauensmissbrauch, beschuldigungen, drohungen, die verweigerung selbstverantwortung für geschehenes zu übernehmen, die volle schuld aber stets in anderen zuzuschanzen einfach ganz miese köche. und diese immer wieder rasende ungeduld gepaart mit rachsüchtigem jähzorn das herdfeuer, auf dem alles verbrennen muss.
vielleicht hätte er mal rechtzeitig auf seine gattin hören und sich hilfe holen sollen. oder vielleicht hätte ICH lieber auf seine gattin hören und mich eher fragen sollen, ob sie nicht schlichtweg recht hat, wenn sie, die es doch besser wissen musste als ich, sagte, er sei auf beängstigende weise nicht mehr er selber.
jetzt ist es wohl zu spät. für beide varianten. soweit ich weiß, spricht sie auch mit keinem von uns beiden ein wort. recht hat sie, täte ich auch nicht an ihrer stelle. an meiner allerdings auch nicht.
und wir wissen ja alle, wie unrühmlich oft ich versagt habe, mich daran zu halten.