Living and Dying at school

20.03.2007 um 20:50 Uhr

Da bin ich leider schon wieder

von: BluBa

Da bin ich wieder. Denk nicht, dass ich freiwillig hier bin. Nach wie vor werde ich dazu gezwungen mit dir zu reden. Ich will überhaupt nicht mit dir reden. Reden muss ich. Meine Therapeutin (die Sabine) sagt, es wäre für mich leichter mit jemandem zu reden den ich nicht kenne, als mit jemandem der mir nahe steht. Eigentlich quatsch. Bis auf die Tatsache, dass mich die Menschen um mich herum mit Verachtung strafen, habe ich zu jenen, die mich kennen ebenso viel Distanz, wie zu dir. Aber du bist wenigstens ruhig und redest nicht über mich. Das finde ich sehr nett von dir. Du hasst mich nicht. Noch nicht.

 

Ich sitze hier in der riesigen Küche und trinke mit meinem Leben Cappuchino, starre meine Tasse an und rede mit dir. Meine Finger umklammern die Tasse, manchmal sind sie nervös in meinem Schoss verschränkt, manchmal umklammern sie die Tischplatte. Das nervöse Ticken der Uhr hallt von den Wänden wider, erinnert mich daran dass mein Leben stetig dem Ende zugeht. Der Freiheit entgegen. Der Ruhe. Dem Nirwana. Ich finde diesen Begriff so lustig. Nirwana. Aber es ist an sich ein schönes Wort. Aber wir sind nicht hier um über Worte zu philosophieren.

 

Über mich soll ich reden. MICH. Ein Thema, dass keins ist. Ich will dich nicht enttäuschen aber über mich gibt es definitiv nichts zu sagen. Ausser, dass ich mein Leben so in die Scheisse geritten habe, dass es garnicht mehr schlimmer geht. Warum? Tja es gibt nie einen Grund. Jeder lebt so gut er kann und versucht seinen „Lebensstandard zu verbessern“, wie mein Vater sagen würde. Er ist der Erfolg in Person by the way. Es gibt nichts, was mein Vater nicht schafft. Er beschäftigt eine riesige Kanzlei. Das ist schon ein eigener Wolkenkratzer. Habe mich da noch nie zurecht gefunden. Jeder Flur gleich. Jede Bürotür. Bis auf die des Chefs. Und der ganze Laden gehört ihm. Vorher seinem Vater. Ein Familienunternehmen, das ordentlich was abwirft. Tolle Sache, denkst du jetz sicher. Extra-Taschengeld. Shopping bis zum umfallen. Sicher das kann lustig sein, ein netter Zeitvertreib. Aber spätestens wenn du merkst, dass dein Vater dir lieber nochmal einen Hunni in die Hand drückt statt mit dir zu reden und du für eine ernsthafte Frage einen Termin vereinbaren musst bist du wirklich allein. Mein Vater kennt bestenfalls meinen Namen und ist sich der Tatsache bewusst eine Tochter zu haben. Und das ist nicht allein bei mir so. Meiner Mutter geht’s nicht anders. Aber sie schert sich nicht drum. Sie hat Geld zum trösten, den Friseur zum reden und die Autos zum abreagieren. Und wenn eine Feier ansteht, sieht sie meinen Vater ja auch mal. So ist das ja nicht.

 

Mich hat mein Leben auch nie gestört. Mit meinen Freundinnen, die ebenso gut betuchte Eltern hatten wie ich, war ich oft shoppen. Mit Loosern die kein Geld hatten und in Hochhäusern wohnten gaben wir uns doch nicht ab. Wir machten uns höchstens lustig. Als Superhirn hatte ich ja auch ständig nichts zu tun, weil ich meine Aufgaben schon fast im Schlaf erledigte. Schule war nun wirklich etwas Langweiliges. Aber ich hatte meine Freunde, keine Probleme, Sonnenschein jeden Tag. Meine kleine heile Welt.

 

Irgendwann war sie meinem Vater offenbar nicht mehr heil genug. Er wollte mir die besten Möglichkeiten bieten. Er meldete mich also im „Elite-Gymnasium“ am Stadtrand an. Da gingen nicht nur die Reichen hin die klug waren , sondern auch die Loser die was drauf hatten, wie ich dann schaudernd feststellen musste. Mein Vater hatte natürlich keine Zeit mich zur Schule zu begleiten. Er hatte zu arbeiten. Nunja ich war ja auch nicht schüchtern. Es sollte ein wunderschöner Sommertag werden. Klar hatte ich für so was Wetter keinen Blick.

Ich war ja nicht irgendwer, der sich Wetter unterwirft. Ich zog immer an was mir in den kram passte. Konnte auch ein Minirock im Winter sein.

06.03.2007 um 11:41 Uhr

Der Anfang vom Ende

von: BluBa

Ich weiss auch nicht was ich hier mache. Ich soll euch mein "Leben" erzählen. Sagt meine Therapeutin. "Ich bin sicher, das wird ihnen helfen, über ihre Probleme hinweg zu kommen." Welche Probleme? Ich weiss nicht, wovon die Alte redet. Keine Ahnung was die alle von mir wollen...Probleme, Blödsinn! Als wäre ich ein Psycho...Seid sicher ich bin KEIN Psycho....ich war einfach nur verliebt....

Verliebt....ein grosses Wort. Eigentlich mag ich nie mehr über mein Leben und  verliebt-sein  nachdenken. Ich mag überhaupt nie mehr nachdenken. Nachdenken tut weh. Ich habe auch Angst vor dem allein sein. Weil die Gedanken dann immer von selbst kommen. Greifen nach mir und ziehen mich tiefer und tiefer in einen Strudel. Aus Selbstvorwürfen, Angst, Zweifeln....und dem Tod. Das ist der Grund, warum ich auf meiner Couch liege und rede. Reden schützt mich vor dem Nachdenken. Ich habe gelernt zu reden ohne mir zuzuhören. Das Problem ist wenn ich rede ohne dass jemand da ist, halten mich Leute für verrückt. Und wenn sie dann auch noch zuhören, bekommen sie Angst. Angst vor mir. Ich versteh das nicht. Warum haben Leute Angst vor mir? Bin ich ein Monster? Weil ich geliebt habe?

Ich könnte niemandem weh tun. Ich bin so kaputt, innerlich zerstört. Schon seit einem halben Jahr verwest meine Seele. Ich muss mich beeilen denn wenn sie komplett verwest ist, bin ich tot. Auf der sicheren Seite. So stelle ich mir das vor!  Ein guter Gedanke!

Früher war ich anders. In meiner Schule gibt es die Loser, die Schicki-Mickis, und die Normalen...normalerweise ist  ein harter Kampf in meiner Schule auch nur einen Tag zu überleben. Es gibt dort nur eine Sache die einfach ist. In die Loser-Gruppe abzurutschen. Das ist das Ende. Ich hab noch keinen gesehen, der sich von diesem Sturz erholt hat. Unmöglich! Es ist so wie es überall ist. Du musst höllisch aufpassen nichts zu machen, was dich aus deiner Gruppe reichst.  In die Schicki-Micki Gruppe rein zu kommen ist auch nicht machbar. Du musst Glück haben und rein geboren werden. Geld haben. Gut aussehen. Ein Genie sein. Und die anderen fertig machen. Besonders die Loser.Das sind die armen Schweine. Die normalen sind die, die am wenigsten Probleme haben. Die müssten schon richtig scheisse bauen um Loser  zu werden. Aber die Schicki Mickis können beim kleinsten Fehler abrutschen. Jeder beobachtet jeden mit Argusaugen. Du brauchst dir nicht einzubilden das auch nur der kleinste Fehler verborgen bleibt. Du bekommst keine zweite Chance.

Für heute kann ich nur sagen: Ich war in jeder Gruppe „zu Gast“. Also weisst du sicher wie ich angefangen habe...Mein Leben war ein Sturz vom Gipfel. Dann wurde ich von einem kleinen Vorsprung aufgefangen (für kurze Zeit) und dann vollständig abgestürzt, noch tiefer als tief.