bitchwitch's way to paradise

26.01.2005 um 16:40 Uhr

focus! focus! focus!

Stimmung: eiskalte füße
Musik: rob dougan


mir wurde heute zugetragen, dass ich schon bei google zu finden bin.. wow… je suis ernsthaft begeistert. ihr glaubt das nicht? dann googelt mal mit dem begriff "bitchwitch" die erste seite führt auf mein blog.. die anderen seiten ....ähem..... *hust* nunja..führen woanders hin...

heute morgen war ich mal wieder beim arzt.. wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, verbindet mich mit manchen ärzte ein gaaaanz besonderes band... heute war ich beim diabetologen. blutabnahme (immer wieder ein klasse effekt, wenn ich plötzlich kreidebleich werde und die arzthelferinnen mich hektisch fragen ob ich nicht vielleicht doch lieber liegen will...?) und untersuchung vom arzt. "gehen sie doch schon mal da in das behandlungszimmer und entkleiden sie sich bis auf die unterwäsche - der doctor kommt dann gleich" - ähä.. "gleich" ist im arzthelferinnen-jargon gleich bedeutend mit "30-60 minuten". da stehe ich also in einem empfindlich kühlen raum, mit eiskaltem marmorfußboden. das sanfte rauschen der klimaanlage bedeutet mir, das die- oder derjenige, die in dieser praxis fürs thermostat verantwortlich ist scheinbar unter hitzewallungen leidet...erfahrungsgemäß behalte ich also zumindest den pulli an. schon nach unglaublichen 20 minuten erscheint der arzt und ich entblätterte mich endgültig. (wahrscheinlich wäre ich nackt schon im ersten stadium einer lungenentzündung gewesen.)

meine erfahrungswerte schützen mich allerdings nicht vor einer wohlmeinenden arzthelferin, die die türe weit aufreißend, in den raum galoppiert und so der gesammelten rezeption, so wie ca. 10 der sich dort kummulierenden patienten den anblick meines göttlichen leibs in schwarzer spitze gönnt.
man kann sich vorstellen - meine begeisterung war beispiellos.

der arzt war wider erwarten allerdings sehr charmant und freundlich. nachdem ich mich wieder mit textilien bedecken durfte setzte er sich allerdings auf die krankenliege und starrte sinnierend vor sich hin..... unsichere blicke der arzthelferin begleiteten ihn.
ich zog derweil brav meine kniestrümpfchen, und kniehohen lederstiefelchen an, da plötzlich sagte er etwas: "JAAAAAaaaa!" - zusammenzucken von arzthelferin und mir - vorsichtig hebe ich den blick und sehe in das erwartungsvoll glühende gesicht meines arztes.
"---äh.. wie?" entfährt es mir nicht sonderlich eloquent.
"wie führt man veränderung wirklich herbei??!"
ein kurzer, sehr verwirrter moment des schweigens - "bitte?"
"wie führt man dauerhaft eine veränderung herbei?"
"ich..äh..." -gedanken schießen mir wirr durch den kopf .... göttin was WILL der denn jetzt von mir?? *ieeeek* ich will doch nur nach hause.... ich fühl mich wie in der uni.. oh gott.... gleich fängt er wieder mit meinem studium an... warum hab ich ihm nicht einfach letztens erzählt ich wäre kampfringerin.. oder ... oder...kanalreinigerin... irgendwas harmloses!!!! oh. der guckt immer noch so.. *argh*... ok. tschakka.. sei stark!-
vorsichtig formuliere ich eine antwort: "durch disziplin....?"
"haha.. nein.. nicht wie thomas von aquin meinte mut und stärke, sondern focus!"
"äh.. ahh...so.." -gequälter blicktausch mit sich sichtlich deplaziert fühlender arzthelferin, sie scheint wie ein in die ecke getriebendes tier nach einem fluchtweg zu suchen-
"focus! focus! focus!"
- ich nicke als antwort eifrig und tue so als ob ich verstehe .... dann kommt auch schon das was ich befürchtet hatte:
"sie mit ihrem germanistikstudium haben da ja eine intellektuellere sichtweise, dann wird sie das sicherlich interessieren! diese theorie ist auf 6 stufen basiert! wie veränderung wirklich geschieht! der erste schritt ist ein konflikt!!"
- konflikt.. ok.. ich schnappe förmlich nach der vokabel um zu enkommen.. ich rücke mich auf dem stuhl zurecht und versuche ungemein intellektuell und interessiert auszusehen. ob das anmeiner brille liegt? freundlich lächle ich: "konflikt..ähja.. hatte ich ja jetzt auch schon..."
er nickt- "sehen sie! sie wollen ja veränderung! sie sind ja engagiert! sosnt wären sie ja nicht hier! ich hab da.. ahja" - ein leuchten breitet sich auf seinem antlitz aus, als er einen hyper-modernen palm pad aus seiner brusttasche zupft. die arzthelferin strahlt inzwischen extreme hektik aus, obwohl sie ruhig da steht.- "haben sie auch so ein ding?"
ha! jetzt kann ich auch mal angeben, huldvoll lächelnd erwiedere ich: "ja." - vorsichthalber erwähne ich nicht, das meiner uralt ist und als ein ungenutztes geschenk meines exfreundes in irgendeiner ecke meines zimmers in ungnade gefallen vor sich hin gammelt. doch die augen des netten arztes glänzen schon euphorisch:
"ja.. dann können wir ja.. also jetzt.. ich mein...per infrarot.....?"
leider musste ich ihn jetzt an dieser stelle doch enttäuschen und versuche mich aus der affaire zu ziehen indem ich vorschlage, dass er mir einfach das .txt-file zumailt..
aber: "nein... nein.... ich kann doch. eventuell..*grübelnder blick*... vielleicht jaaa!" - die arzthelferin springt panisch auf, als er aus der tür rennt. während er nun in der vollen praxis verkündet er suche jetzt einen drucker, mit infrarot-schnittstelle, um mir das besagte dokument auszudrucken, höre ich noch leise ihr verzagtes: "aber herr doctor.. sie haben doch jetzt noch eine untersuchung! und die terminpatienten....!!!" verklingen, bevor mich die blicke der drei anderen arzthelferinnen, die mich sofort als grund für die philosophischen sprünge ihres chefs ausmachen, fast dolchartig an die wand heften.
ich lächle tapfer, versuche einen möglichst unschuldigen eindruck zu erwecken und halte mich- inzwischen allerdings vollkommen bekleidet - schutzsuchend am tresen der anmeldung fest, während der doc hinter dem tresen herumwuselt und jeden drucker auf infrarot-schnittstellen-palm-kompatibilität untersucht (erwähnte ich eigentlich schon, das der mann ein leichter computer freak ist? nein? nicht? sollte jetzt aber klar sein ;-)).

geschickte (und wahrscheinlich seitens der verzweifelten arzthelferinnen langjährig erprobte) ablenkungsmanöver mit karteikarten und wiiichtigen dokumenten die er sich uuunbedingt sofort ansehen muss werden erfolgreich gestartet.. der chef muss von den druckern ablassen.... kommt aber noch dazu einen hilferuf abzusetzen, bevor ihn die geschulten arzthelferinnen und terminplankoordinatorinnen ins nächste arztzimmer bugsieren. das letzte was ich von ihm höre ist ein: "natascha.. ja? sie denken dran für sie die sachen auszudrucken, ja? sie kümmern sich da drum? nataschaaaa...??"

die damen hinterm tresen und ich tauschen einen langen, verständnisvollen blick. uns allen ist klar, dass wenn es nach uns geht, dieses sagenhafte dokument für so unglaublich intellektuell gebildete menschen wie mich *hust* ruhig noch einige zeit selig im innern des computers schlummern kann.....

bitchwitch