bitchwitch's way to paradise

23.04.2005 um 12:23 Uhr

biohazard

Stimmung: sonnig
Musik: radio eins

ok.. ich versprechs.. diesmal jammer ich nicht so furchtbar rum wie gestern.
ich versuchs zumindest. ;-)

also... ich will euch mal etwas über das viertel (oder berlinerisch den kiez) erzählen in dem ich jetzt wohne.
die alte wohnung meines liebsten lag zwar im selben bezirk (friedelhain), aber die umgebung befand sich in einer art totenstarre. zwar direkt an der spree, aber genau zwischen den coolen studentenkneipen und einkaufszentrum.
die einzige einkaufsmöglichkeit war eine plus-filiale direkt neben dem haus und ein tapferer asiatischer blumenladen (jaja die blumen-mafia). ansonsten gab es da b u c h s t ä b l i c h  nichts. null nix gar nix. nada. niente. zero.

nun sagt ihr: "och naja.... so schlimm hört sich das ja nicht an..." um es euch zu verdeutlichen: da gab es als zeichen der höheren zivilisation nicht einmal ne pommesbude, oder nen dönerladen. weit und breit nicht. (!!!!!)

hatte man so unglaubliche bedürfnisse wie z.B. soja sauce (das zeug hat sogar lidl im dauer-sortiment), unheimlich exotische erdnussbutter, oder auch  *wow* so exklusive dinge wie abschminktücher oder nagellack-entferner, musste man eine kleine weltreise mit dem bus zur nächsten shopping mall antreten. (ok der fairness halber:  ein paar straßen weiter gab es einen schlecker, der laden ist ungefähr 5 qm² groß..)

aber wo ich jetzt wohne... WOW. ich könnte hier dem konsum-rausch verfallen (wenn ich  geld hätte). ein plus direkt gegenüber (fast so schlecht wie das alte. aber wenigstens begrüßte einem hier kein verfaultes gemüse - meist haben sie sowieso nicht das gewünschte da.), kleine asia-shops, diverse  fressbuden mit herrlich fettigen arabischen gerichten, sogar eine sushi-bar  (*jubel*), 2 min. entfernt ein LIDL. 4 min. entfernt ein riesen konsumtempel mit ALDI, KAISERS, diversen drugstores und apotheken und kramläden (und natürlich: schuhgeschäften *lächz*).

aber das geilste und liebste ist mir, in direkter nachbarschaft: der bio-supermarkt. ich liebe ihn. er ist sooo toll. man kann beim einkaufen so hübsch lästern (über die produkte und die alle klischees erfüllenden käufer derselbigen), und interessiert die 10 verschiedenen sorten tofu betrachten.

nicht das ich mir da sonderlich viel leisten könnte... aber ich gehe gerne dahin. in ruhe durch die gegend schlendern und mir verschrumpelte, aber ökologisch wertvoll angebaute avocados ansehen. ein paar leckere austernpilze kaufen. angemessen die monströse maschine für bio-kaffee bewundernd (50 Cent die tasse steht dran, aber ich wage ehrlichgesagt nicht zu probieren).
ich werde nicht angerempelt oder böse in den boden gestarrt (wie z.b. bei LIDL) weil ich es wage länger als 30 sekunden vor dem regal mit der schweineteuren miso-suppe zu verharren, oder weil ich mich verträumt in den anblick von rotem naturreis und champagner-linsen vertiefe.

wo sonst knubbeln sich die unterschiedlichsten menschen friedlich an 3 kassen, während man friedlich eingequetscht ist zwischen dunkelgrünen mini-öko-gurken, biologisch wertfrei erzogenen kindern (man kann sich dann immer so hübsch freuen, das es nicht die eigenen sind :-)), diskussionen über psychoaktive kräuter, dialoge über längst gestorbene künstler, verdauungsfördernde fruchtschnitten mit  mandel-zimt-pflaume-geschmack und paketen voller "Yarrah bio - ökologische katzenkroketten"?

i love it.


22.04.2005 um 15:48 Uhr

nevermore

Stimmung: fly with the music
Musik: the alan parsons project - the raven

chaos...ja in meinem bauch.. in meinem kopf....
ich freue mich hier zu sein, erwisch mich aber dennoch manchmal dabei,
wie ich vollkommen sinnentleert eine wand anstarre und mich in meiner eigenen wohnung, in meiner wunderhübschen küche, auf meinem perfekten sofa fremd fühle. wie ein gast.
gestern bin ich in tränen ausgebrochen, weil cev seine bücher auf die fasche art und weise in mein altes regal stellte...(no comment, oder?)
wenn mein liebster in meiner nähe ist, kann ich diese unerwünschte melancholie und lähmung nahezu weg packen.
es wirkt manchmal auf mich, als ob ich mir von ihm wärme und leben borge.

und wenn ich dann allein bin, droht die welt immer ein wenig irreal zu werden, die stunden verschwimmen. selbst wenn ich über die straße gehe, ist es als ob ich in einem traum gefangen bin und durch schweres wasser wate...

ich wollte HIER hin. ich wollte zu IHM. ICH wollte neu beginnen. ich will es noch, aber es ist echt schwer anzufangen, obwohl er sich so viel mühe gibt... keine familie da, die man mal etwas anbrüllen kann, keine mom mit der man nachmittags in friedlicher eintracht im wohnzimmer den kaffee schlürft,  keine freundin zum spontanen quatschen, eis essen gehen, oder sündhaftem lästern, nie wieder hörst du an deinem schreibtisch diese spezielle art, wie die haustür ins schloss fällt, die dir verrät, dass dein vater heim kommt.
nie wieder allein durchlesene nächte.
nie wieder nachts leise ins haus schleichen und das gebäude atmen hören.

dafür...?
ich hoffe so viel mehr. *lacht*
ich hoffe es, und ärger mich über die deprimierte stimmung die ich selbst verbreite. ich hoffe ich finde endlich meine kraft wieder. göttin, ich will das glück was ich habe wieder spüren könnnen, und diesen kokon zerbrechen der mich einhüllt und mir fast den atem raubt.

tief einatmen, schreien, den ganzen gefühlsscheiß aus mir rausbrüllen - los werden, irgendwo abkippen. die unsichtbare wand zerbrechen.
meine arme ausbreiten, mich fallen lassen und wieder los fliegen.



14.04.2005 um 14:17 Uhr

good vibrations?

Stimmung: empfindungslos
Musik: das zarte gehämmer der bauarbeiter

mein tisch vibriert!
ich weiß nicht, ob ich das bei diesem baufälligen haus so toll finden soll. (ich hab die theorie, dass die wände sich inzwischen in sand verwandelt haben und nur noch von tapete gehalten werden...)
der boden vor meinem fenster wird gerade von bauarbeitern verdichtet (ich hoffe sie verdichten das gebäude und seine grundmauern nicht gleich mit).

anfang der woche haben sie - natürlich rechtzeitig zu meinem umzug - den kompletten gehweg aufgerissen. das macht das parken mit Umzugs-LKW vorm haus doch gleich viel interessanter.. und...äh... abenteuerlich...
aber angeblich, so versprach der nette bauarbeiter zumindest, ist bis heute 17.00 Uhr dann alles wieder in urzustand... wir werden sehen... derweil betrachte ich, wie ein röllchen traubenzucker über meinen noch stehenden schreibtisch vibriert.

wir versuchen grade meinen kleiderschrank aus seinen fugen zu nehmen, waten durch monströse wollmäuse, mein liebster suchte sich diesen morgen aus um grauenerregende zahnschmerzen zu bekommen und sich einer wurzelbehandlung beim zahnarzt zu unterziehen, ich werde halb hysterisch und muss noch tausend dinge erledigen.

das übliche halt. morgen früh soll es dann in einer art nacht und nebel aktion los gehen...

so long, bitchwitch

05.04.2005 um 18:34 Uhr

relocation & clockwork

Stimmung: *gäääääääääähn*
Musik: silence


so... mein umzug naht endgültig.

seit wochen packe ich cool-lässig unter den bewundernden blicken meiner freunde kisten und kästchen um meine besitztümer und schätzchen heil nach good ol`berlin zu bringen.
- nein, nein ich bin nicht aufgeregt. jaa ich freue mich sogar da hin zu ziehen. nein, keine angst, kein problem, ja meine familie wird mir fehlen, das geht aber schon. -

so. seit gestern weiß ich den genauen umzugstermin: 14./15.4
seitdem packt mich das große zittern und die traurigkeit. sie lauerte vorher ja schon in allen ecken und winkeln. aber jetzt.. so schnell.. so plötzlich. obwohl ich doch anderthalb jahre zeit hatte mich drauf vor zu bereiten.
jetzt ist es so echt.
jetzt muss ich wirklich weg.
will ja auch.
tut trotzdem weh.
und ich erwische mich dabei wie ich tieftraurig mein grässliches sofa anstarre - das ich wie die pest hasse - und dabei leise in mit totenköpfen bedruckte papiertaschentücher schluchze, weil ich auf die schnelle nix andres gefunde habe außer diesen dämlichen dingern aus berlin..

relocation ist ein gutes wort dafür. ich fühl mich, als ob meine wurzeln hier heraus gerissen und ich irgendwo anders eingetopft werde. ohne zu wissen ob ich da in der blöden fremden erde (lasst beknackte metaphern für euch sprechen - jaaaaa), genug nährstoffe, luft und liebe habe um meine wurzeln da auszubreiten, oder ob ich einfach verrecke.

ihr seht die emotionale instabilität hat mich mal wieder in ihren hübschen kleinen krallen. ich kann nur hoffen, das es sich bald legt, ich nerv mich langsam selbst. *schiefgrins*

und als ob das nicht schon genügen würde, hatte ich letztens auch noch die geniale idee mit zwei (auch umziehenden, bzw. schon umgezogenen) freundinnen unseren kram auf dem flohmarkt zu verramschen.
ich sag dazu nur eins: mit dem ruhrpott wange an wange. und das um halb sieben an einem samstag morgen... man braucht seeeeehr seeehr starke nerven und viel heißen tee.
wir kamen erst gar nicht dazu unsere sachen auszupacken. während wir zu dritt noch damit kämpften den widerspenstigen tapetentisch aufzustellen (flohmarktplätze werden größentechnisch ja in tapetentischen berechnet) überfiel uns eine horde flohmarkt-fanatiker wie die geier. es hatte was von vagabundierenden volksstämmen die über uns herein brachen. bevor wir irgendwas tun konnten, steckten sie ihre klauen in jede klappkiste, zogen, zerrten, begutachteten und geiferten um die wette. (darf ich nochmal die unzeit betonen, zu der sich dies zutrug??) meine gitarre war innerhalb einer halben minute verscherbelt, ebenso der unsägliche nähkasten den mein vater mir mal irgendwann hatte angedeihen lassen und der seitdem sein klägliches dasein zugestaubt auf meinem kleiderschrank fristete. nicht zu vergessen der nagelneue WOK (der leider nur auf gasherden benutzbar ist,da er unten rund ist.. *dumdidum* ohhh.. vergaß ich das beim verkauf zu erwähnen?? *unschuldig guck* na sowas...) fand auch innerhalb der ersten minuten einen neuen besitzer.
leicht gerupft ließ man dann nach einigen minuten von uns ab und wandte sich neuen auspackenden menschen zu. wir taumelten nur noch völlig geschafft zu unseren klappstühlen.

alles in allem war es ganz witzig. so lud zum beispiel eine ca. 70 jährige dame, beladen mit klunkern, glitzerkram, federn und tigerpumps, die eine jungfräulich-blütenweiße handtasche bei mir als zu "auffällig und glitzerig" betitelte zu interessanten spekulationen ein.

ebenso der perverse typ, der immer mit vor geilheit verzerrten gesichtszügen mehrmals an unserem stand vorbeischlich, mit seinem handy auf uns zielte und uns auf knopfdruck seines technischen spielzeugs mit dem wortlaut "DU SCHLAMPE!" beglückte. wem dem keiner dabei abging weiß ich auch nicht. später verlegte er sich dann darauf uns von seinem fahrrad aus zu observieren...

aber den flohmarkt haben wir insgesamt (und sogar mit 50 euro plus - neues bücherregal ich koooommmmmääää *flöt*) hinter uns gebracht.

was ich wohl weniger gut überlebe ist mein wecker...
schon vor monaten in irgendeine ecke meines zimmers aussortiert, weil ich ihn a) nicht benötige und er mich b) mit seinem um einen halbton versetzten "für elise" gedudel höchstens in den wahnsinn treibt aber nicht weckt und c) weil die batterie den geist aufgibt und das ding nur noch ganz leise ist.

jetzt ist der wecker aber auf 10.00 Uhr eingestellt (worden. vor unzeiten. irgendwann mal) und in letzter zeit bemerke ich folgendes phänomen:
1. zufällig bin ich immer grade in meinem zimmer wenn das ding los dudelt.
2. entgegen aller wahrscheinlichkeit und der gesetze des energie verlusts: er wird immer lauter und rödelt immer aufdringlicher vor sich hin

mein schatz und ich haben jetzt im morgendlichen wahn  theorien aufgestellt. erst dachte ich ja, das ding saugt sich aus der luft neue nährstoffe... aber neiiiin,  wir sind uns jetzt ganz sicher: er ist ein energievampir!
nachts schleicht er sich heimlich an und streckt seine fühler nach den schlafenden menschen aus, damit er sie tagsüber mit seinen schauerlichen melodien ergötzen kann.

mein liebster schlägt ja nun vor ihn zu pfählen.
habt ihr noch andere alternativen zur digital-wecker-tötung anzubieten?


ich verbleibe hochachtungsvoll,

eure bitchwitch