bitchwitch's way to paradise

30.09.2005 um 13:20 Uhr

fraise....

Stimmung: erdbeersüß

ich widme mich mal wieder etwas eurer literarischen bildung....
heute mal auf dem französischen sektor.

fraise.. erdbeermund, geschrieben von François Villon (1431-1464). einem wunderbaren französischen dichter, balladenschreiber und draufgänger, der zwischendurch beinahe am galgen endete, ein durchaus bewegtes leben führte und schon zu seiner zeit zu einigen kontroversen einlud.

einige seiner gedichte und balladen sind uns erhalten geblieben. die (wie mir scheint) recht guten deutschen übersetzungen von Paul Zech kann man in dem buch "Die lasterhaften Balladen und Lieder des François Villon" nachlesen.
wer sich die zeit nimmt und genau hin sieht, wird feststellen dass sich gruppen wie in extremo, subway to sally  usw. an ganzen texten, oder auch nur fragmenten für ihre lieder bedient haben.

erdbeermund ist hierbei mein absoluter favorit... in letzter zeit schiebt sich bei mir immer wieder das bild der (magnum?)werbung vor mein inneres auge, wenn ich an das lied denke. eine große fleischig-rote eerdbeerzunge die sich wollüstig über die lippen leckt. ein wenig abstoßend vielleicht, aber sie schmeckt doch so verboten-sündig süß?

an dieser sehnsüchtig-bitteren ballade - für ein unbekannt süßes (und sicherlich nicht unschuldiges) mädchen verfasst, welches seit (haltet euch das mal vor augen, ihr lest hier über den honeypot einer seit einem halben jahrtausend zu staub zerfallenen) über 500 jahren nicht mehr existiert - haben sich einige "künstler" vergriffen.
die mir bekanntesten sind klaus kinski, subway to sally und dann noch die unsägliche version von in extremo. bei letzterer stellen sich mir immernoch negativ-schaudernd die nackenhaare auf...

lehn euch zurück, lest mit offenen augen, lasst euch inspirieren.. und genießt.....


Eine verliebte Ballade für ein Mädchen namens Yssabeau


Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Das will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart,
für mich so tief im Haar verwahrt...
Ich such ihn schon die lange Nacht
Im Wintertal, im Aschengrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Beerenkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei,
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
...ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

18.09.2005 um 21:09 Uhr

turtles

Stimmung: moll

wer schon länger bei mir mitliest ist, vielleicht schon einmal auf sie gestoßen: kleine, hinterhältige, verfressene und manchmal ziemilch viel dreck verursachende monster, für die man auch schon mal stundenlang mit dem auto durch einen schnee-wizzard irrt, um sie wegen einer todbringenden krankheit (die sich später als harmlose erkältung entpuppt und mit homöopathischen bädern kuriert wird) zur einzigen reptilien-tierärztin weit und breit zu kommen....
genau, ich rede von den zwei dicken biestern in meinem aquarium, von the 2 kings of dung, den killern aus der tiefe.. meinen chinese striped neck turtles...

nur... leider  sind die seit heute nicht mehr zu zweit...
cev hat heute ins aquarium geguckt und fand janeway ziemlich steif und ziemlich tot im wasser treibend. als er in die küche kam und möglichst schonend versuchte mir die nachricht beizubringen hab ich irgendwie nur dauernd gefragt: wie tot? tot? warum ist die tot? (hatte doch auch wirklich keine erlaubnis dazu!) hä? tot? wie kann die tot sein? die kann nicht tot sein!
cev: schatz, sie ist steif wie ein brett! glaub mir sie ist tot...

irgendwie hat mein gehirn da kurz auf durchzug gestellt. ich mein.. ok.. schildkröte.. ist wahrscheinlich keine große sache.. aber ich hab die viecher seit über 7 jahren. janeway hat dauernd krankheiten gehabt. ich hab hundertmal gedacht sie kratzt ab. hab albträume gehabt die mich als schildkrötenmörderin entlarvten, hab regelrechte panik davor gehabt, eines tages morgens ans aquarium zu gehen und sie dann tot aufzufinden.
mit dem bauch nach oben. so richtig klassisch.

es war dann aber irgendwann so, dass man, gerade weil diese kröte jeglichen krankheiten immer wieder trotzte und dem tod immer wieder von der schippe krabbelte, dachte das ihr schon nix passieren wird. merkwürdig, dass wir grade in letzter zeit den eindruck hatten sie wäre vitaler wie seit jahren nicht mehr.

eigenartiges gefühl, dass ein lebewesen, was vorgestern abend noch aus meiner hand gurkenscheiben knabberte, jetzt nur noch ein totes stück fleisch im panzer ist.
beerdigt in einem schwarzen müllsack.
vielleicht stell ich mich ja an, aber das aquarium wirkt jetzt viel zu leer, und ich muss doch schlucken.

17.09.2005 um 14:24 Uhr

cherubim

warum auch immer.. ich möchte euch heute mal an einem meiner lieblingstexte teilhaben lassen. schreckt nicht  vor dem namen des autors zurück, wie ihr seht, hat er mehr zu bieten als Herrn Keuner, Mutter Courage und den guten Menschen von Sezuan. steckt die erinnerungen an erzwungene gedichtinterpretationen und loblieder des deutschlehrers mal nen moment weg.:



Über die Verführung von Engeln


Engel verführt man gar nicht oder schnell.
Verzieh ihn einfach in den Hauseingang
Steck ihm die Zunge in den Mund und lang
Ihm untern Rock, bis er sich naß macht, stell
Ihn das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
Und fick ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen
Dann halt ihn fest und laß ihn zweimal kommen
Sonst hat er dir am Ende einen Schock.

Ermahn ihn, daß er gut den Hintern schwenkt
Heiß ihn dir ruhig an die Hoden fassen
Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen
Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt —

Doch schau ihm nicht beim Ficken ins Gesicht
Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht.

Bertolt Brecht

05.09.2005 um 14:48 Uhr

*screeech*


*frustrierten urschrei über sich und die welt los lässt*

*sich in kaffee ertränken geht*

02.09.2005 um 11:42 Uhr

snail napping II

Stimmung: hungrig
Musik: stille

meine güte... meine schnecken scheinen auch ja wirklich zu beschäftigen udn dauerhafte faszination auszulösen (erinnert mich jetzt irgendwie an das thema "nach-innen-öffnende-öffentliche-toiletten" und die anschließende diskussion).

is schon irgendwie ziemlich interessant, an was eure kleien äuglein hängen bleiben... nicht an den ergüssen über mein grauenhaftes herzleid, depressionen, oder vielschichtigen  familienhorror .... nein-- schnecken. (!! ich mein... schnecken??!? denkt da mal drüber nach... was will und DAS sagen?)
ich gebe zu, ich bin ziemlich amüsiert, und danke auch für die ganzen tollen tips.

ich komme zu dem schluss, dass ein übergreifendes thema die nation beschäftigt: schnecken! (ha! DAS sollten sich die politiker mal ins wahlprogram schreiben. genug schleim is bei denen ja eh shcon vorhanden...)

deswegen hier die neuesten schnecken-neuigkeiten aus meinem 3 qm² garten, nuuuuur für euch, meine geliebte, geschätzte und (bisher) mit äußerstem wohlwollen betrachtete blogigo-mitleserschaft (wie war das mit dem schleim? *glitsch*)

also: die schnecken-population und die daraus resultierenden fraßschäden haben sich drastisch reduziert und ich musse mich mit der aufgabe beschäftien halbtote schnecken möglichst unauffällig in den nachbargarten zu transportieren, oder in den abfluss zu schubbsen. *hüstel*
viele kleine schnecken sahen also ds licht am ende des tunnels und krochen und schleimten sich rasch in den für schnecken reservierten teil des hades.

als schneckenhort wurde der wurzelbereich dreier bartnelken ausgemacht, die ich unter ekel-schaudern mit erde zuschaufelte.

ahja, und eins noch: von wegen schneckenkorn kann nicht schimmeln! pah! ich trete den gegenbeweis an! ich mein was soll diese flaumige weiße zeug darauf sonst sein? spontaner haarwuchs?!?

und noch ein kleines bonmots: vorgestern verirrte sich eine monströse grüne grille in meine wohnung. (die grashüpfer meiner kindheit, die ich immer mit händen gefangen habe waren irgendwie...--mh....- niedlicher?) ich saß mit I. auf der terrasse, schläfrig schlürften wir kaffee und erholten uns von der vorangegangenen nacht, in der wir bis halb vier quatschend draußen gesessen hatten (die nachbarn wedern uns gehasst haben. der bescheuerte bewegungmelder ging an, sobald ich auf der bank auch nur den großen zeh bewegte. sehr unschön wenn man in kerzenschein seine alkoholika zu sich nehmen will und plötzlich von gleißendem licht geblendet wird. *grrrml*).
die grille hatte uns in dieser nacht mit ihrem, im höheren frequenzbereich angesiedeltem, gezirpe schon verrückt gemacht. (stellt euch vor, ihr sitzt alleine da.. und etwas zirpendes kriecht von stunde zu stunde näher heran...)

ich trank also meinen kaffee...und blickte leicht dösig auf die scheibe der tür, dann hindurch und dann auf den großen drachenbaum dahinter... dann blickte ich mit leicht glasigem blick auf ein blatt und registrierte sanft dass da ein monströses grünes vieh drauf hckt. IN der wohnung. in MY castle! insekten! der regelmäßige abendliche kampf mit mutanten-schneidern die wir mit sämtlichen fassbaren dingen bewerfen reicht mir ja eigentlich schon.

todesmutig wollt I. das viech mit zwei verschlusskappen von sprühdosen einfangen...stand dann aber irgendwie doch recht verzagt davor, hüpfte leicht auf und ab und gab laute à la: "ichkanndasnichichkanndasnichieeeeeehh" von sich.

tapfer nahm ich ihr die kappen ab und stellte mich in augenhöhe vor der pflanze auf - ich fühlte mich wie bei high noon in einem billigen western. schlafartig konnte ich die panik der cowboys nachfühlen, wenn sie allein auf der breiten, verstaubten hauptstraße ihrem gegner gegenüber stehen (ein mentaler wüstenstrohballen rollt an dieser stelle einsam durchs bild) und sich dem unvermeidlichen stellen müssen.

ok..ok.... vielleicht quietschen coqboys nicht ganz so angeekelt wie ich, wenn sie ihren gegner kalt machen, oder mit dem lasso einfangen.
mein spezielles grünäugiges monster ließ sich jedenfalls recht simpel einfangen und - wie gehabt - im nachbargarten aussetzen.

so..und jetzt mag ich bitte etwas kopftätscheln von euch haben und hören wie tapfer ich war, als ich mich der grünen gefahr stellte. *grinst*

blessd be, eure bitchwitch.