buchfinder

24.03.2010 um 07:28 Uhr

Neues Buch und Ostergewinnspiel

von: buchfinder   Kategorie: Bücher   Stichwörter: Gewinnen, ist, geil

Stimmung: gut
Musik: Klassik

Mitte März ist ein diesmal kleines Buch auf den Markt gekommen:

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und es ist jetzt schon abzusehen, dass es gut läuft.       

Deshalb aben wir auch dieses Buch ins Ostergewinnspiel einbezogen.

Textshop spielt hier u.a. mit http://bit.ly/cC2DWB . Wer noch? Also nichts wie ran an den Speck!

Also Freunde, ich würde mich freuen, wenn viele von euch dabei sein werden, denn:
Schnell das Gewinnspiel mitmachen. Zu gewinnen sind: 6 Tenner Bücher und ein Lasse-Larsson-T-Shirt! Schon mitgespielt??? Also ran,schnelli, schnelli, denn umsonst lesen ist geiler als billig lesen!

29.04.2009 um 07:17 Uhr

Sexuelle Gewalt an Frauen und Kindern ...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: nachdenklich ...
Musik: Klassikradio ...

Insel der tausend Puppen


Es sollte ein weiteres profitables Geschäft werden, das Dobroslav Nicolić bei seinem Besuch der Insel Usedom auf seiner Yacht Morningstar mit dem Ukrainer Semjon Konstantinowitsch Formanow abwickelt.

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Doch bei einem Essen im Restaurant „Zum Smutje“ wird Nicolić von einer Frau erkannt,
die er 29 Jahre zuvor – zusammen mit deren deutschem Freund – vergewaltigt hat.

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Theres Wilding, nunmehr erfolgreiche Geschäftsfrau in der Autozu-lieferbranche, hat während der ganzen Zeit ihres Lebens auf den Zeitpunkt der Rache gewartet. Als sie das Schiff sieht, mit dem der Mann wieder in ihr Leben tritt, weiß sie, dass sie nicht allein agieren kann. Zu viele Menschen befinden sich an Bord.

Sie engagiert einen im vorzeitigen Ruhestand befindlichen Oberst, der „gewisse Aufträge“ annimmt und abwickelt.

Chevalier Oberst Armand Beauvais holt fünf Spezialisten zusammen, die Nicolić liquidieren sollen. Und er wird gut von Theres Wilding bezahlt.

Nur kurze Zeit später wird bei einem Zwischenstopp der Morningstar im Hafen des kleinen Ortes Lassan Nicolić von einer jungen Frau erkannt, die – erst 15jährig – ebenfalls von ihm auf brutalste Weise vergewaltigt wurde. Das lag nun acht Jahre zurück.

Zur selben Zeit werden im angrenzenden Polen in Gryfino und Świnoujście zwei Säuglinge entführt. Kriminalhauptkommissar Lasse Larsson erfährt davon bei einem routinemäßigen Zusammentreffen der deutschen mit der polnischen Kontaktgruppe zur Bekämpfung „Organisierter Kriminalität“, die erst ein Jahr zuvor – im Jahr 2002 –gegründet wurde.


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Eine polnische Spezialtruppe entert auf dem Stettiner Haff einen Schubverband.



Auf deutscher Seite ermittelt Lasse Larsson und sein Team.





 
Hier Trailer ansehen >Insel der tausend Puppen

 

Bestellungen über Amazon oder bei Ihrem Buchhändler

12.04.2009 um 20:00 Uhr

Pressenotiz & neues Buch ...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: super
Musik: Klassikradio ...

Zum siebzigsten Geburtstag des Schriftstellers George Tenner

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Hier läuft ein Trailer zum neuen Buch:

www.george-tenner.de


„Ich habe noch eine Menge vor und stecke voller Ideen“, sagt George Tenner anlässlich seines runden Geburtstags im April. „Mehr soziale Gerechtigkeit anzumahnen, ist mein Anliegen, aber die Welt werden wir Autoren wohl kaum verbessern. Leider. Es wäre schön, bis zum letzten Atemzug arbeiten zu können.“

Wie unbequem der in der Nähe von Dresden geborene Autor sein kann, bekamen 1964 bereits die Funktionäre des DDR-Regimes zu spüren, als er den ersten Versuch unternahm, das Land illegal zu verlassen. Weder seine Inhaftierung noch die Praktiken des Staatssicherheitsdienstes hielten ihn davon ab, es zwei Jahre später ein weiteres Mal zu wagen. Es klappt mit einem Schlauchboot über die Ostsee. Ein langer Atem zahlt sich eben aus.

Sein Mittel in der sozial- wie auch regimekritischen Auseinandersetzung ist die Sprache. Schon während seiner 25jährigen Tätigkeit als Journalist recherchiert er eingehend über die verschiedenen Geheimdienste in Ost und West und veröffentlicht 1982 „Der Wüstenwolf“ – ein Roman über den Sechstagekrieg in Israel und die Berührungspunkte, die das Ministerium für Staatssicherheit mit dem israelischen Geheimdienst Mossad hatte. Das Politmagazin report/München zeigt Jahre später: Er hatte ins Schwarze getroffen.

Im selben Jahr geschrieben, aber erst 23 Jahre später veröffentlicht, widmet sich sein Thriller „Das Peterplatzkomplott“ den Hintergründen des Attentats auf Johannes Paul II und zeigt die Verbindungen des sowjetischen KGBs zum Anschlag auf. Nach „Der Schrei des Pelikans“ (2005), einem weiteren Thriller über internationalen Terrorismus, wendet er sich dem Krimi-Genre zu und schafft eine Reihe um Hauptkommissar Lasse Larsson und sein Team.

Seine Stärke, das journalistische Ermitteln ernst zu nehmen, findet auch dort ihren Widerhall. Ganz gleich, ob seine Regionalkrimis auf Usedom spielen oder in Dresden angesiedelt sind, sie zeichnen sich neben viel Lokalkolorit auch durch Insiderkenntnisse und eine fundierte Recherche aus. In „Jagd auf den Inselmörder“ (2007), „Der Drachen des Todes“ oder „Insel der tausend Puppen“ (erscheint im Mai 2009) legt er Wert auf präzise Handlung wie auch psychologisch differenzierte Figurenzeichnung und präsentiert weitläufige kriminelle Verstrickungen von Personen und Verbrechensorganisationen.
Oftmals deckt er hinter den gutbürgerlichen Fassaden Manipulation, Korruption und Intrigen auf.
So entwirft er in seinem Dresden-Krimi „Das Lächeln der Mona Lisa“ (2008) ein Netz aus kriminellen Machenschaften im Künstlermilieu der Elbmetropole.

Mittlerweile lebt Tenner zurückgezogen am Rande Berlins und arbeitet ausschließlich als Romanautor. Unbeeindruckt von seinem siebzigsten Geburtstag plant er für dieses Jahr neben dem dritten Insel-Krimi zwei weitere Bücher. Seine vielschichtigen Erinnerungen an seine Zeit auf dem Fiachland und Usedom, wo er die Bekanntschaft einer Riege von illustren Persönlichkeiten machte, erhalten Einzug in den Erzählband „Das Haus am Hohen Ufer“. In „Single, unvermittelbar …“ schreibt er zur Abwechslung nicht von Mord und Todschlag, sondern von der Liebe und der Vergänglichkeit des Seins. Sein unstetes Leben hält sicher noch Stoff für die eine oder andere Geschichte bereit wie der politische Alltag der Bundesrepublik.

Getreu dem Motto „Flache Krimis können für manche Leute unterhaltend sein, aber nicht für
mich“ wird George Tenner bei der Criminale 2009 im Mai am Bodensee sich und dem Publikum einmal mehr beweisen, wie unterhaltend das Werk eines politischen Schriftstellers sein kann.

06.06.2008 um 07:49 Uhr

Und nun ist es da...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: super, denn: Erfolg macht sexy!
Musik: Klassik-Radio, was denn sonst!

Und nun ist es da...

...das zweite Buch in diesem Jahr.


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Dazu schreibt der Verlag:

Finanzmanipulationen und Spielsucht, Rache und Machtspiele, Liebe, Angst, Hass und Leidenschaft, Korruption, Intrigen und natürlich Mord, das sind die Ingredienzien, die George Tenner seinen Krimis beigibt.

Weitläufig sind die kriminellen Verstrickungen von Personen und Organisationen, die in seinem neuen Usedom-Krimi dargestellt sind. Präzise ist die Handlung aufgebaut, raffiniert die Dialogfiihrung und meisterhaft die psychologische Konturierung seiner Figuren.

Lasse Larsson, der Erste Kriminalhauptkommissar von Heringsdorf, steht vor einer kaum lösbaren Aufgabe, zumal bald klar wird, dass asiatische Verbrecherorganisationen in den neuen Fall verstrickt sind, über deren Vorgehen man selbst beim BKA kaum etwas weiß.

01.05.2008 um 09:28 Uhr

Ich weiß, das Weblog ist vernachlässigt,

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: obergut...
Musik: Klassik-Radio

Ich weiß, das Weblog ist vernachlässigt,

aber bei einer Arbeitszeit von 60-70 Wochenstunden muss man Prioritäten setzen, will man sich nicht verzetteln.

Doch möchte ich heute einen kleinen Einblick in Dinge geben, die sich entwickelt haben:

Da ist die neue Lasse Larsson-Fanpage, zu erreichen über www.lasse-larsson.de , die zwei weibliche Berliner Fans vom Usedomer Ermittler Lasse Larsson ins Leben gerufen haben.


 
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• Hier kann man sich Bücher mit persönlicher Widmung bestellen!

• Vielleicht an den Unfragen teilnehmen ...

• Oder die Highlights der Lasse-Larsson-Fanpage ansehen!
• Die Rezensionen lesen ...

• Und natürlich kann man Clubmitglied werden ...

• Im Gästebuch einen Gruß hinterlassen ...

• Oder im Forum nachlesen, wie die Diskussionen um die Bücher laufen...

• In jedem Fall kann sich über wichtige Termine informieren.

• Im ersten Interview mit mir stellt Dagmar Hartmann eine Frage zu einem brisanten Thema unserer Zeit:

„Was halten Sie von der derzeitigen politischen Lage Deutschlands?“

Auf meiner Internetrepräsentanz gibt es auch eine Neuigkeit – es gibt 4 Trailer zu den Büchern und 2 Filme über Recherchenarbeit und Entstehungsgeschichte der Bücher.

Vielleicht schaut ihr mal rein?


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Und Ende Mai gibt es einen neuen Usedom-Mordfall für Lasse Larsson zu klären.


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Na ja, nun verstehen die Blogger vielleicht, dass ich selten nur noch hier zu Gast sein kann.

George Tenner alias Buchfinder

01.04.2008 um 08:13 Uhr

Beständige Veränderung ist das Leben…

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: obergut...
Musik: Klassik-Radio


Am 11. April wird bei Dresdenbuch im Quartier QF, direkt an der Frauenkirche, mein neues Buch Das Lächeln der Mona Lisa aus der Taufe gehoben werden.
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Drei Bilder meines Vaters und die zunehmende Kriminalität im internationalen Kunsthandel brachten mich auf die Idee, diesen Dresden-Roman zu schreiben.


 
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Handlung:

Mitte des Jahres 1994 findet die Haushälterin Roswitha Färber, die nach dem Ableben der Frau des Kunstmalers Helmut Müller-Karsten für Ordnung gesorgt hat, diesen tot auf dem Boden in dessen Wohnzimmer im Dresdner Künstlerhaus in Loschwitz.

Aufgrund der Feststellung des Notarztes ‚Ungeklärter Todesfall’ sowie der aufgefundenen Unordnung im Haushalt des bekannten Künstlers – Bilder liegen auf der Erde verstreut. Druckplatten zur Herstellung Lithographien sind zerstört, die Wände sind mit roter Farbe beschmiert; ein wahres Fest der Verwüstung muss hier stattgefunden haben – wird eine Obduktion der Leiche durchgeführt.

Die Rechtsmedizin muss einen natürlichen Tod des Malers bescheinigen – Entkräftung. Mindestens drei Tage hatte der alte Mann, der sich bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zuzog, ohne Nahrung gelegen, bevor sein Leben langsam und qualvoll verlöscht war.

Der Stiefsohn, Thomas Vester, gerät in Verdacht, den Einbruch vorgetäuscht und den sterbenden Mann nicht versorgt zu haben. Allein er bringt Zeugen bei, die ihm ein Alibi geben. Man kann Vester nichts nachweisen und muss ihn laufen lassen.

Barneby Kern, Leiter der Mordkommission Dresden muss den Fall an das Einbruchsdezernat abgeben.

Zwei Monate später wird in die bekannte Galerie Falconetti`s eingebrochen.
Neben allen bekannten Dresdner Malern stellt der Galerist auch die Bilder von Müller-Karsten aus.


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Speziell die Frauenbildnisse, die der Maler in allen Größen und in jeder Lebenslage malt – vom kleinsten Schnipsel Papier, auf das er in der Straßenbahn mit einem Kugelschreiber das Konterfei eines Mädchens abbildet, bis hin zum Ölbild – sind Frauen seine bevorzugten Objekte. Und genau diese Frauengestalten – von der Mondänen bis zur Lasziven – sind begehrte Sammlerobjekte. Und alle Lithografien tragen einen Namen, so z.B. „Mädchen zwischen Krügen“, „Königin von Saba“, „Das Lächeln der Mona Lisa“ und andere mehr.

Doch die Bestandsaufnahme der Galerie lässt keinen Fehlbestand feststellen; lediglich eine Lithografie – das 4. von 25 Exemplaren – mit dem Titel Das Lächeln der Mona Lisa ist mutwillig beschädigt und damit unbrauchbar gemacht worden.

Die Frage ist: „Wer bricht in eine Galerie ein, um eine relativ preiswerte Lithografie zu zerstören, obwohl sich hunderte Bilder in den Räumen befinden, die alle einen weitaus größeren Wert darstellen?“

Die Ermittlungen durch das Einbruchsdezernat laufen schleppend.

Zu Silvester 1994 werden ein Mann und dessen Geliebte, die den sinnigen Namen Marlene Dietrich trägt, ermordet; der Mann überrascht in seiner Villa auf dem Weißen Hirsch einen Einbrecher dabei, wie der eines seiner Bilder stehlen will – es ist eine weitere Lithografie, das auf der Rückseite eine mit Bleistift manifestierte Titelung trägt: Das Lächeln der Mona Lisa.
Es ist das 3. von 25 Exemplaren.

Doch nun übernimmt Barneby Kern mit seiner Ermittlungsgruppe endgültig die Aufklärungen.

 

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13.10.2007 um 10:16 Uhr

Langsam werde ich mir unheimlich...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut
Musik: No, Goot der Gerachte,was werd ich schon hören? Klassik-Radio, was sonst!

Langsam werde ich mir unheimlich...

bei Ciao gefunden!

Spannender Urlaubskrimi

Erfahrungsbericht von Paukenfrosch über Jagd auf den Inselmörder / Tenner, George
11. Oktober 2007

Produktbewertung des Autors:

Niveau: sehr anspruchsvoll
Unterhaltungswert: sehr hoch
Spannung: sehr spannend
Aufmachung: schön

Pro: sehr interessant und vielseitig
Kontra: nichts


Kompletter Erfahrungsbericht
Ich lese unheimlich viel. Da Bücher auch Geld kosten, bin ich für jedes geborgte Buch dankbar. Folgendes Buch hat mir DagSonja ausgeliehen:

"Jagd auf den Inselmörder"
von
George Tenner

* * * * *

Informationen zum Autor
---------------------------------
George Tenner wurde am 23. April 1939 nahe Dresden geboren. 1964 wollte er die DDR illegal verlassen und wurde daraufhin inhaftiert. Er machte Bekanntschaft mit der StaSi und ihren Praktiken. 1966 gelang ihm sein erneuter Fluchtversuch.
George Tenner recherchiert seitdem über die deutschen Geheimdienste. Er war als freier Journalist tätig und veröffentlichte bisher nebst "Jagd nach dem Inselmörder" folgende Bücher:

Wüstenwolf
Ausgeflippt
Das Petersplatzkomplott
Der Schrei des Pelikans
Das Spiel der Nymphen

Seit 2002 ist George Tenner freischaffender Schriftsteller und lebt in Bernau bei Berlin und zeitweise auch auf Usedom.

* * * * *

Allgemeine Informationen zum BuchKlappentext

Als Ilsa Buschmann im Juni 2002, wie an jedem Morgen nach der Ermordung ihrer Enkelin, am Auffindungsort der Leiche sitzt, wird wieder ein Toter an Land gespült. Bei der Betrachtung der Toten stellt sie fest, daß er die gleiche grausame Kennzeichnung trägt wie ihre Enkelin Lena - beide Ohren sind abgeschnitten. Und beide Leichen waren so gesichert, daß ein Abtreiben auf die offene See unmöglich war. Obwohl die Ermittlung nach dem Mörder des Mädchens bisher ergebnislos verlaufen ist, faßt die alte Frau jetzt Hoffnung, daß die Suche nach der menschlichen Bestie wieder aufgenommen wird.
Hauptkommissar Lasse Larsson, der sich, erbschaftsbedingt und nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin, aus Berlin nach Anklam in Mecklenburg-Vorpommern versetzen ließ, übernimmt die Ermittlung im Fall der männlichen Wasserleiche. Schnell stößt er auf eine Verbindung zu dem zwei Jahre zuvor ermordeten Mädchen. Doch die Ermittlungen gestalten sich als schwieriger, als er sich das vorgestellt hatte. Kam der Täter aus der Region? War es der Mann mit dem Schifferklavier? Larsson stößt auf die Beziehungen einiger Verdächtiger zur rechten Szene. Und da ist noch etwas, das ihn irritiert: Es fällt der Name Ilsa Buschmann ...

* * * * *

Meinung

"Jagd auf den Inselmörder" ist ein Kriminalroman, der mich aus sehr verschiedenen Gründen von Anfang an gefesselt hat. Er ist so unheimlich vielseitig, greift enorm viele Thematiken auf und regt nicht nur kriminalistisch zum Nachdenken an. Doch nun mal der Reihe nach…
Gleich zu Beginn des Romans wird die Leiche eines ehemaligen Majors des Ministeriums für Staatssicherheit mit abgeschnittenen Ohren an der Seebrücke in Heringsdorf entdeckt. Verantwortlich für diesen Fall ist das Team um Kriminalhauptkommissar Lasse Larsson, der aus beruflichen und privaten Gründen von Berlin hierher an die Küste gekommen ist. Wie der Klappentext bereits verrät, gab es vor zwei Jahren einen ähnlich gelagerten Mordfall. Dieser wird in Zusammenhang mit dem aktuellen Mord wieder aufgegriffen und erneut untersucht.
Und so begleitet der Leser das ganze Buch hindurch Lasse Larsson und sein Team bei der sehr interessant beschriebenen Ermittlungsarbeit, die allerdings ohne Action vonstatten geht. Action braucht dieser Roman auch nicht, denn die akribische Arbeit des Ermittlungsteams ist äußerst interessant beschrieben. So wird jedes recherchierte Detail ausgewertet und zusammengefügt, bis sich letztendlich ein logisches Gesamtbild ergibt.
Auch wenn man jetzt vielleicht vermuten könnte, der Roman sei stupide und anspruchslos, nein, das ist er ganz und gar nicht, denn die eingeflochtenen Randgeschichten sind es, die den Leser immer wieder erneut fesseln. So baut George Tenner immer wieder aktuell politische Thematiken ein, erwähnt aber auch geschichtliche Ereignisse deutsch-deutscher Geschichte, die zu diesem Roman ganz einfach dazugehören. Er berichtet von StaSi-Methoden, von satanistischen Verbänden zu DDR-Zeiten und von neonazistischen Gruppierungen der Gegenwart. Brisante Themen, die er nicht einfach so im Raum stehen lässt; man merkt, dass er hier kritisiert und Stellung bezieht, was auch kein Wunder ist, schaut man sich seinen Lebenslauf an. Manche Passagen fand ich sehr interessant und aufschlussreich, bei anderen Textstellen fragte ich mich jedoch, wie viel selbst Erlebtes George Tenner hierbei noch aufgearbeitet hat. Ich bin in der DDR groß geworden und lese und verstehe den Roman sicherlich ganz anders, als jemand aus den alten Bundesländern. Zum Nachdenken jedoch regt dieser Roman alle mal an.
Der Personenkreis in diesem Roman ist relativ groß. Relativ deswegen, weil er von der Zahl der wichtigen Personen her eigentlich hätte überschaubar sein können. Aber es werden hier drei Generationen beleuchtet und außerdem gibt es hier viele Stiefkinder und Halbgeschwister, die das Sortieren der Personen sehr schwer machen. Es empfiehlt sich unbedingt, beim Lesen diagrammartige Notizen zu machen, damit man irgendwann überhaupt noch weiß, wer wann mit wem. Als Beispiel nehmen wir mal Lasse Larsson, dessen Vater aus der DDR über Dänemark in die BRD flüchtete und dort mit seiner Frau Lasse zeugte. Als er aber floh, ließ er sowohl seine Freundin als auch deren Freundin schwanger zurück.
Als Lasse nun in diesem Mordfall in Heringsdorf ermittelt, erfährt er, dass er zwei Halbgeschwister von zwei verschiedenen Frauen hat. Seine Halbschwester arbeitet in einem Bordell. Sein Halbbruder, der von der StaSi in Terrorabwehr ausgebildet wurde, dann in der Fremdenlegion war und derzeit als Sicherheitsbeauftragter der Satanisten unterwegs ist, ist zugleich einer der gesuchten Mörder.
Oh ja, das ist alles ziemlich heftig und sehr kompakt. Fast schon zu viel, um noch glaubwürdig zu erscheinen. Teilweise scheint es so, dass der Roman ein verkappter Krimi ist, der eigentlich weniger unterhalten soll, als dass er eigentlich eine politische Abrechnung darstellt. Immer wieder treten nämlich verbitterte Personen auf, die nicht ein einziges gutes Haar an der DDR lassen.
Dennoch ist ein guter und lesenswerter Krimi, da es noch ein weiteres Mordopfer gibt und letztendlich die Täter dingfest gemacht werden.
Als sehr angenehm fand ich auch die landschaftlichen Beschreibungen in diesem Roman. Es geht nicht allein um die Insel Usedom mit den Orten Heringsdorf und Ahlbeck, die Reise geht auch nach Anklam, Greifswald und Swinemünde. Alles Orte, die ich von Urlauben her sehr gut kenne. Auf der Flucht des einen Mörders geht die Reise auch nach Berlin und ins Umland. Hier werden Orte wie Bernau, Börnicke und Löhme genannt, mir ebenfalls sehr gut bekannt. Ein paar mal geht es kurz nach Thüringen, erwähnt werden aber auch noch weitere Küstenorte wie Flensburg und Kappeln. Ja, das machte mir beim Lesen zusätzlich Laune, da ich, die eigentlich geografisch nicht so bewandert ist, hier auch ohne Atlas ganz genau wusste, wo sich das Geschehen gerade abspielte. Da hab ich erstmal gemerkt, wo ich in Deutschland schon überall war.
300 Seiten, die nebst Prolog und Epilog in 26 Kapitel eingeteilt sind, haben mich in den letzten zwei Tagen ungemein gefesselt und lassen mich nachdenklich zurück. Ich finde es beeindruckend, wie kompakt dieser Roman ist, wie vielseitig und vielschichtig. Er ist unheimlich anspruchsvoll und nicht nur einfach mal so ein spannender Krimi, der der laxen Unterhaltung dient. George Tenner ist ein Schreibtalent. Er ist wortgewandt und ein Künstler des Satzbaus. Trotz dieses Anspruchs ist der Schreibstil sehr flüssig, was das Lesen trotz Informationsfülle zum Vergnügen macht.

Somit komme ich nicht umhin, diesen Usedom-Krimi mit 5 Sternen zu empfehlen…

09.10.2007 um 10:20 Uhr

Außer Haus...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut
Musik: Klassik-Radio, was sonst?

Außer Haus...

am 09. Oktober Vorbereitung zur


buchmesse

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Am Mittwoch kurz nach Mitternacht aufstehen - 4.22 ab Ostbahnhof Berlin, kurz vor 9.00 Uhr in Frankfurt - rumlatschen und Treffen mit möglichen Vertragspartnern absolvieren, 16.13 Abfahrt nach Berlin.

Am Donnerstag flachliegen wegen totaler Überanstrengung - hoffentlich überlebe ich das!

Gruß an alle Freunde und Leser...

Buchfinder

22.08.2007 um 07:52 Uhr

Weniger ist oft mehr...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: Superrrrr! Wie immer, wenn sich Erfolg einstellt!
Musik: Klassikradio - was sonst???

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20.08.2007 um 09:33 Uhr

Man nehme, so man hat...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut
Musik: Klassikradio - was sonst???

Man nehme, so man hat...

...dieser Spruch trifft natürlich nicht nur für die Küche zu.

Schreibt man ein Buch und will es veröffentlichen, braucht man natürlich auch eine Menge Zutaten: Zum Beispiel einen interessanten Stoff, den man handwerklich ansprechend verarbeitet.

In der nächsten Woche hoffe ich, die Erstschrift des neuen Dresdenromans zu beenden.

Und wenn man dann schließlich fertig ist, kommt die leidige Verpackung. Sie ist es, die mitentscheidet, ob ein Interessent das Buch in die Hand nimmt.

Man nehme - so jedenfalls habe ich das für diese Coverstudie gemacht - zwei Dresden Aquarelle aus dem Jahr 1943: die Frauenkirche in sepiabraun als Hauptträger, die Gesamtansicht der Zuckerseite mit der katholischen Hofkirche und im Hintergrund die Semperoper und setze das Bild, das die Handlung trägt, mit in das Cover ...

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Wie würde Euch das Cover gefallen - es ist nur eine Studie und ich weiß nicht einmal, ob der Verlag da mitzieht.

08.07.2007 um 09:34 Uhr

Interessante Rezension...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: superrrrr!
Musik: Mozarts Klarinettenkonzert

Jagd auf den Inselmörder, George Tenner


„Als Ilsa Buschmann im Juni 2002, wie an jedem Morgen nach der Ermordung ihrer Enkelin, am Auffindungsort der Leiche sitzt, wird wieder ein Toter an Land gespült. Bei der Betrachtung der Toten stellt sie fest, dass er die gleiche grausame Kennzeichnung trägt wie ihre Enkelin Lena - beide Ohren sind abgeschnitten.“ ist im Klappentext von George Tenner´s Kriminalroman „Jagd auf den Inselmörder“ zu lesen.


Am vorletzten Sonntag im Juni 2007 stellte der Autor zusammen mit seinem Verleger Michael Schardt im Bansiner Hans-Werner-Richter-Haus den Krimi erstmals vor. Die Handlung ist auf der Insel Usedom angesiedelt.
Der Berliner Autor, der bereits mehrere packende Romane („Das Petersplatz-Komplott“ „Der Schrei des Pelikans“) geschrieben hat, versteht es den Leser geschickt immer tiefer in die Handlung eintauchen zu lassen, so dass man schon bald glaubt zusammen mit Hauptkommissar Lasse Larsson auf der Insel zu ermitteln.

Tenner, der 1939 bei Dresden geboren wurde, 1964 erfolglos versucht hatte die DDR illegal zu verlassen, es 1966 mit einem Schlauchboot von Ahrenshoop aus über die Ostsee doch noch schaffte, beschäftigte sich intensiv mit der Arbeit der Geheimdienste in Ost und West und fand so den Stoff für bisherige Romane. Die geschickte Mischung zwischen gut recherchierten Fakten, Spekulation und Fiktion ziehen den Leser tief in die Handlung hinein. Ob die „Jagd auf den Inselmörder“ ähnliche Verstrickungen zu Tage bringt? Der Autor machte bei seiner Lesung am vergangenen Sonntag Lust auf die Antwort zu dieser und vielen anderen spannenden Fragen.

Tenner kennt die Insel genau, er hat über Jahre recherchiert und beobachtet, kennt die Kriminalisten auf der Insel, war in der Greifswalder Gerichtsmedizin.


Die Lesung in Bansin war ein voller Erfolg. Noch nie sah das Hans-Werner-Richter-Haus so viele Gäste wie an diesem Abend, über sechzig Krimibegeisterte waren gekommen, einige mussten wegen Überfüllung sogar draußen bleiben. Knisternde Stille, als der Autor begann aus seinem Buch zu lesen: Ein Morgen an der Heringsdorfer Seebrücke, Dunst über der See, Möwen auf den Buhnen neben der Brücke, der Mann mit dem Akkordeon und eine Leiche im Wasser. Tenner gab noch etwas über Lasse Larsson, den Kriminalhaupt-
kommissar zum Besten und präsentierte schließlich noch eine zweite Leiche.

Am Ende der kurzweiligen Stunde Beifall und Schlangestehen für eine Widmung im ersten Usedom-Krimi.

Bei dem Untertitel des Buches „Lasse Larssons erster Fall“ war es dann auch kein Geheimnis, als Tenner eine Fortsetzung ankündigte. Für´s Erste aber kann sie beginnen, die Jagd auf den Inselmörder.

Fazit: „Jagd auf den Inselmörder“ ein spannender Krimi, den man gelesen haben sollte für 12,80 €

Verlag: Schardt
1. Auflage, Juni 2007
• ISBN-10: 3898413292
• ISBN-13: 978-3898413299


Wer es nachlesen will: http://www.insel-usedom.net/buchrezension.htm

14.06.2007 um 10:22 Uhr

Einladung...

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: superrrrr!
Musik: Klassikradio - was sonst???

Cover-klein zur Premierenlesung am 24. Juni in Bansin auf Usedom.

Pressemitteilung

„Jagd auf den Inselmörder“
von George Tenner
Fulminanter Usedom-Krimi wird vorgestellt



24.6.: Premiere-Lesung um 20 Uhr im Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin

Jetzt hat auch Usedom seinen ersten Krimi – und was für einen. 320 Seiten stark, spannend von der ersten bis zur letzten Seite, angesiedelt auf der Insel, aber ausstrahlend ins angrenzende Polen, nach Schweden, Italien und Frankreich. „Jagd auf den Inselmörder“ heißt das umfangreiche Werk, und geschrieben hat es George Tenner, seines Zeichens namhafter Berliner Buchautor und Wahl-Usedomer.

Ein Literaturwissenschaftler aus Osnabrück, Lehrbeauf-
tragter für deutsche Krimis an mehreren Unis, war begeistert. „Mit diesem Buch katapultiert sich George Tenner in die erste Riege der deutschen Krimiautoren“, lautet sein Urteil.
Und ein Bonbon gibt es obendrauf. In „Lasse Larssons erstem Fall“, so der Untertitel, hat der bekannte Kriminologe Prof. Dr. Thomas Feltes ein ebenso fachliches wie lobendes Nachwort beigegeben.
Worum geht es? Ilsa Buschmann entdeckt eines Morgens eine angespülte männliche Leiche, der die Ohren abgeschnitten worden sind. Das erinnert sie an ihre ermordete Enkelin, die die gleichen Zeichen einer kultischen Tötung trug. Lasse Larsson, der neue, aus Berlin versetzte Kommissar und sein Team nehmen die komplizierten Ermittlungen im Rotlichtmilieu und im Dunstkreis von Sekten, Fremdenlegionären und Neonazis auf. Erst nach und nach werden unerwartete Zusammenhänge sichtbar – und ein weiterer Mord geschieht.

Zusammen mit seinem Verleger Michael Schardt reist der Krimiautor George Tenner (Jg. 1939) an, um das Buch zu präsentieren.

Am 24.6. stellt sich der Romancier um 20 Uhr in Bansin seinem Publikum im Hans-Werner-Richter-Haus. Alle Freunde der Insel, Krimiliebhaber, Buchhändler und Besucher sind herzlich zu dieser Lesung mit Signierstunde eingeladen. Der Eintritt ist frei, Wein und Schnittchen gibt es gratis dazu.
Jagd auf den Inselmörder. Usedom-Krimi. Lasse Larssons erster Fall. Oldenburg: Schardt Verlag 2007, ISBN 978-3-89841-329-9, 320 Seiten, 12,80 €.

14.03.2007 um 11:00 Uhr

Der Fluch des Eunuchen I.Kapitel/8.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: Gut, da Klassikradio mich unterhält!
Musik: Filmmusik - Vom Winde verweht.

I. Kapitel/8.Abschnitt


Edirne im Sommer 1444

„Lass diese Floskeln. Wir sind allein, und du brauchst dich ihrer nicht zu bedienen."
„Ich gebe zu, es wäre mir lieber, Eure Hoheit würde die Macht nicht aus der Hand geben. Aber ich achte den Wunsch der Majestät, sich in ruhigere Gefilde zu begeben und zu beobachten, was für einen Großherrn sein Sohn noch zu Lebzeiten seines Vaters abgibt."
„Ich weiß in ihm einen gut aussehenden zwölfjährigen Jüngling von kräftigem Körperbau." Der Sultan schaute Çandarlı Halil eindringlich an, ehe er fortfuhr: „Sein Benehmen, und da werdet ihr mir zustimmen müssen, ist trotz seiner Jugend würdevoll und kühl zurückhaltend."
„Wie könnte ich der Majestät da widersprechen?", stimmte Çandarlı Halil wider besseren Wissens zu und dachte an das unmögliche Benehmen Mehmets, wenn er, was Muslimen streng verboten war, dem Wein zugesprochen hatte.
„Akşemseddin hat seine Verstandeskraft geschult. Ist er auch ein Mann aus dem fernen Göynük - als geachteter Derwisch und Kurator des Konventes des Byramide-Ordens ist er von seltener Bildung. Und diese Bildung lässt er meinem Mehmet angedeihen."
„Es war die weise Entscheidung meines erhabenen Padischahs, seinen Sohn von einem solch überragenden Wissenschaftler erziehen zu lassen.", antwortete Çandarlı Halil. „Seine Energie und seine Entschlossenheit verschaffen ihm Achtung. Und seid gewiss, Majestät, niemand, der ihn kennt, kann sich der Hoffnung hingeben, dieser gebieterische junge Mann werde sich jemals von den Aufgaben ablenken lassen, deren Durchführung er sich vorgenommen hat."
„Ihr spielt auf die Eroberung Konstantiniyes an." Der Sultan gab das Tempo vor. Er ließ die Pferde nun antraben.
„Ich gebe nur zu bedenken, Majestät, dass schon Euer würdevoller Vater, Sultan Mehmed I. - Celebi, ein Mann eines dauerhaften Friedensschlusses war, so wie Ihr den Frieden höher schätzt als den Krieg. Sein Regierungsantritt war von Friedenswillen gekennzeichnet. Die Oberhoheit der Osmanen über die islamischen und christlichen Fürsten in Anatolien und auf dem Balkan aber war niemals in Frage gestellt. Der Friedensvertrag mit den Venezianern brachte Vorteile beim Handel, und das Land pflegte gute Beziehungen zum byzantinischen Kaiser."
„Da hast du recht, mein Großwesir.", sagte der Sultan. „Das Reich braucht Frieden!"
Sie trabten eine Weile schweigend nebeneinander her.
Der Sultan dachte daran, dass Mehmet ein schwer zu kontrollierender Heißsporn war. Zwar war er für sein Alter aufgeweckt, und es stand durchaus zu erwarten, dass er sich zu einem erfolgreicher Herrscher entwickelte. Aber auch wenn er sich zurückzöge, würde er ihn durch die Männer seines Vertrauens zu lenken versuchen.
Çandarlı Halil wiederum dachte daran, wie schwer es ein Großwesir doch habe, einen Padischah dahin zu bringen, wo er für das Reich am Nützlichsten war - bei der Durchsetzung landespolitischer Aufgaben, die nicht von der Ulema beeinflusst waren. Nicht, dass er nicht dem einen Gott - Allah - zugetan war, aber er verfügte über die Gabe zu trennen, zwischen dem Dienst an Allah und der Notwendigkeit staatlicher Ordnung. Er wusste nicht, ob sein Urgroßvater Çandarlı Kara Halil Hayreddin Pascha, der aus Çandar, einem Dorf nahe Ankara kam, und der der fünfte Großwesir des Reiches überhaupt war, diese Trennung vorgenommen hatte. Auch seinem Vater, der an neunter Stelle in der Großwesirfolge stand, war diese Trennung sicher noch fremd gewesen. Von seinem Vorgänger Koca Mehmed Nizamüddin Pascha wusste er, dass dieser nicht zwischen dem osmanischen Staat und dem Dienst an Allah unterschieden hatte. Für ihn war der osmanische Staat gleichzusetzen mit dem Padischah, dem Kalifen - chalifa rasul Allah‚ ‚Nachfolger des Gesandten Gottes' - Stellvertreter Allahs auf Erden.
Çandarlı Halil fragte sich, ob die Trennung, so wie er sie vornahm, bigott sei. Die Antwort erschreckte ihn, und er hätte sich, wäre er allein gewesen, gen Mekka geneigt, um Erleuchtung im Gebet zu finden. Auf dem Rücken des Pferdes aber und in Begleitung der Majestät war es unmöglich, diesem Drang nachzugeben.

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12.03.2007 um 10:00 Uhr

Der Fluch des Eunuchen I.Kapitel/7.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: Gut, da Klassikradio mich unterhält!

I. Kapitel/7.Abschnitt


Edirne im Sommer 1444


Da bei der Geschwindigkeit eine Unterhaltung unmöglich war, dachte die kaiserliche Majestät einen Augenblick an das Haus der Glückseligkeit allgemein und an die Worte Bilâls insbesondere. Das Paradies allerdings lag unter den Füßen der valide sultan, der Sultaninmutter. Es war also beileibe nicht so einfach, den streng überwachten Beischlaf-Terminplan der zu überlisten. Spontanität war nahezu ausgeschlossen, und es bedurfte schon einer ausgefeilten Konspiration mit dem Kislar Ağa, außerhalb dieses Planes die eine oder andere Konkubine zu beglücken. Am liebsten aber beobachtete der Sultan seine Herzensdamen hinter vergitterten Gucklöchern. Denn sobald er auftauchte, war jeder unbefangene Liebreiz dahin - die silberbeschlagenen Nagelschuhe, die der Sultan bei Betreten seines Harems tragen musste, alarmierten die Dienerinnen, auf dass sie rechtzeitig in ihren Unterkünften verschwinden, und die Herzensdamen, auf dass sie sich penetrant in den Vordergrund schieben konnten.
Kurz vor der Einmündung der Tunça in die Maritza zügelte der Sultan sein Pferd. Die Tiere schäumten bereits. Bei dieser Hitze war das kein Wunder.
„Die Maritza führt noch genug Wasser für die Schiffe", hob der Sultan an. „Wir hätten die Lagerhallen auf dieser Seite des Flusses bauen sollen. Die Tunça hingegen ist jetzt zu flach, sodass wir das Getreide auf Ochsenkarren laden müssen, um es in die Speicher zu bringen."
„Gewiss, mein Padischah. Die Lagerhallen reichen ohnehin nicht mehr aus. Edirne wächst zu schnell. Bauen wir auf dieser Seite neue Hallen."
Die beiden Männer waren nun abgestiegen. Sie führten die Pferde ein wenig, um sie zu beruhigen. Als ihr Atem nicht mehr ganz so stoßhaft ging, liefen sie hinunter zum Fluss und ließen sie saufen.
„Du hast Recht damit, dass die Stute ebenbürtig zu Bayaad
ist.", sagte der Sultan.
„Es wäre mir eine besondere Freude, wenn Eure kaiserliche Majestät das Pferd als Zeichen meiner Hochachtung als Geschenk annehmen würde." Çandarlı Halil deutete eine Verbeugung an. Er war sich im Klaren, dass die Feststellung der Ebenbürtigkeit der beiden Rösser einen ausführlicheren Dank vorausgenommen hatte.
Nichts anderes hatte Murat erwartet. Längst hatte er die periodischen Darreichungen seines Großwesirs fest in seine Berechnungen eingezogen.
„Und den Sattel?" fragte er.
„Den habe ich diesem Pferd extra anmessen lassen. Für die besondere Ausgefallenheit wurden rote Rubine und blaue Saphire aus den Minen des fernen Myanmar verarbeitet. Ich hoffe, auch der Reitsitz findet die Zustimmung meines Padischahs."
Sie führten die Pferde wieder über die Uferböschung hinauf auf den ausgetretenen staubigen Weg, den sie gekommen waren, und saßen auf. Die Pferde waren jetzt ruhiger geworden, und sie ritten im Schritt eine Zeit nebeneinander.
„Du hältst nichts von meiner Entscheidung, Mehmet auf den Thron zu setzen", stellte Murat übergangslos fest.
Çandarlı Halil kannte seinen Sultan zu genau, um zu widersprechen. Es hätte auch nichts genützt, war sich die Majestät allemal treu geblieben, die Meinung des Padischahs und Kalifen durchzusetzen.
„Nie könnte ich so vermessen sein", hörte sich der Großwesir sagen, „mich der erhabenen Weisheit meines Padischahs zu verschließen."

 

08.03.2007 um 07:15 Uhr

Der Fluch des Eunuchen, I.Kapitel/6.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut, da Kassik-Radio mich unterhält...

I. Kapitel/6.Abschnitt


Edirne im Sommer 1444

An einem mit Goldfäden verzierten Führstrick hielt einer der Stallsklaven Çandarlı Halils die unruhig tänzelnde Stute. Bayaad almaas hatte ihren Kopf aufgeworfen und witterte die Umgebung. Die aufgestülpten Nüstern zeugten von der wachen Aufgeregtheit. Der kleine, zierliche Körper, der kurze Rücken und die kräftigen, trockenen Beine erweckten augenblicklich das Vertrauen des Padischahs in die Ausdauer des Tieres. Der Hals der Stute war rehartig geformt. Der feine, kleine Gazellenkopf verjüngte sich zu den Nüstern hin. Araber gelten als die schönsten und edelsten Pferde, denn mit ihren Hechtköpfen und den großen, geformten Nüstern sind sie der Stolz jedes arabischen Mannes. Kaiserliche Majestäten waren da nicht ausgenommen.
Ein Stück weiter tobte Zamzamah - Wirbel aus Feuer -, der schwarze Hengst Çandarlı Halils. In seiner Aufregung, die der weiße Diamant unzweifelhaft bei ihm auslöste, hatte er seinen Schlauch ausgefahren und stieß ein wildes Schnauben aus. Es benötigte zweier Stallbediensteter ihn zu halten, als er aufstieg und mit den Vorderhänden nach den Männern trat, um loszukommen.
Çandarlı Halil redete beruhigend auf ihn ein. Die Worte seines Herrn schienen den schwarzen Teufel zu beruhigen. Er spitzte die Ohren und stieg nicht mehr. Çandarlı Halil trat an ihn heran und klopfte ihm beruhigend den Hals.
„Es wäre mir zu aufwändig, ein solch unbändiges Pferd in einer Schlacht zu reiten", gab der Sultan zu bedenken. „Ein Prachtstück ist er aber allemal!"
Dann fiel sein Blick auf den Sattel, der Bayaad almaas aufgelegt war. Er selbst besaß mehrere sehr unterschiedliche Sättel. Die Reitsitze für den Krieg unterschieden sich von denen, die er zur Repräsentation benutzte. Einen so reich mit gehämmerten Goldplatinen und Edelsteinen besetzten Sattel hatte aber selbst sein Stall nicht aufzubieten.
„Was für einen wundervollen Sitz hast du da auflegen lassen?", fragte der Sultan, wohl wissend, dass die Geschenke seines Großwesirs immer etwas Besonders darstellten. Und so war es auch dieses Mal. Çandarlı Halil hatte vom besten Sattler Edirnes einen Sattel auf Maß anfertigen lassen. Nichts, auch nicht der leiseste Druck, sollte diesem edlen Tier im Weg sein, beste Leistungen zu erbringen, um dem Sultan zu zeigen, dass es seinen Namen nicht zu Unrecht trug.
„Es ist mehr als recht, meinem Padischah nur vom Besten zu geben, was der Markt hergibt." Çandarlı Halil legte die Hand aufs Herz und verbeugte sich artig.
Was für eine Ratte, dachte Bilâl misstrauisch, der den Redewendungen des Großwesirs aufmerksam gefolgt war. Ihm war diese Art der Anbiederung zu viel des Guten.
Neben dem Hengst des Großwesirs standen einige der Eunuchen der persönlichen Wache des Herrschers und schauten interessiert auf das Schauspiel, das ihnen die beiden feurigen Rösser boten.
Der Akağa Taylan kam auf sie zu und befahl sechs Männern, vorsorglich ihre Pferde zu satteln. Falls der Padischah, und damit rechnete der Akağa, der seinen Herrn durchaus kannte, spontan einen Ausritt anordnete.
„Habt ihr nicht Lust, mein Padischah, diesen Sattel auszuprobieren?", fuhr der Großwesir fort.
„Den Sattel?", Murat lachte schallend auf. „Die Stute will ich ausprobieren!"
Als er aufsaß, kamen, wie von Akağa Taylan angeordnet, die Soldaten der Hohen Pforte auf ihren Pferden. Auch Çandarlı Halil bestieg nun seinen schwarzen Hengst.
Am Ausgangstor machten die Kapikulu den Weg frei, um die Kavalkade durchzulassen. Doch der Sultan hob die Hand und der Trupp hielt an. Er winkte den Ağa zu sich heran und befahl der Truppe, zu den Ställen zurückzukehren.
Dann nickte er Çandarlı Halil zu, und die beiden passierten die Sicherungskette des Palastes. Bis zum Konak des Großwesirs, der nur wenige Steinwürfe vom Palast des Sultans entfernt war und an Prächtigkeit der kaiserlichen Unterkunft in nichts nachstand, ritten sie im Schritt. Doch dann erhöhte die kaiserliche Majestät den Schenkeldruck um eine Kleinigkeit, und Bayaad almaas zog sofort gewaltig an. Der Hengst Çandarlı Halils fühlte sich herausgefordert, und so preschten die beiden Pferde, eine dicke Staubwolke hinter sich herziehend, nach Osten in Richtung der Flüsse Tunça und Maritza.

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02.03.2007 um 08:52 Uhr

Der Fluch des Eunuchen I. Kapitel/5.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: Super - Wochenende!!!
Musik: Bach: Schafe können sicher weiden...

I. Kapitel/5.Abschnitt


Edirne im Sommer 1444

Bilâl verbeugte sich ehrfurchtsvoll. „Wenn Eure Majestät das wünscht, wird es geschehen."
„Nur eines noch", wandte Çandarlı Halil ein. „Mein erhabener Padischah sollte erwägen, auf den Thron zurückzukehren, wenn Gefahr im Verzug ist und die Generalität sich überfordert zeigt."


So ein schlauer Fuchs, dachte Bilâl. Er nötigt den Sultan, ohne seinen Kopf in die Schlinge zu stecken.
Murat erkannte die Bedenken seines Großwesirs als nicht unbegründet wenn auch nahezu unmöglich. Und so dachte er, es sei weise, sich für den Fall einer drohenden militärischen Niederlage oder des Abfallens eines Landes, das sich bereits zu Allah bekannt hatte, ein Rückkehrrecht offen zu halten. Träte diese Situation ein, brauchte er dann bei einer erneuten Regierungsübernahme einen Gesichtsverlust nicht zu fürchten.
„Wie könnte ich je einem solchen Ruf widerstehen?", fragte der Sultan salbungsvoll. „Aber die Bedenken sind unbegründet." Er nahm noch einen letzten tiefen Zug aus seinem Nargileh, gab dem obersten Tabakbewahrer die Wasserpfeife und deutete fordernd auf seine Tasse, woraufhin der oberste Kaffeekoch bemüht war, dem Padischah unverzüglich das erwünschte schwarze Gold zu präsentieren.
„Ihr sagtet, die Stute, wie nennt Ihr sie gleich, stehe zur Besichtigung bereit?", begann der Sultan seine Rede.
„Bayaad almaas - Weißer Diamant, mein erhabener Padishah!" Çandarlı Halil wusste nun das Gespräch um die Thronfolge beendet.
„Bayaad almaas - ein schöner Name für ein Pferd. Bleibt zu hoffen, dass der Name nicht mehr verspricht, als das Ross zu halten vermag", sagte der Sultan.
„Ich kann es gleich bringen lassen und Eure Majestät können sich davon überzeugen, dass es sich um ein Juwel handelt." Çandarlı Halil winkte den Akağa Taylan zu sich heran und befahl ihm, in sein Haus zu schicken. Seine Dienerschaft solle Bayaad almaas und seinen Hengst bringen. Er beugte sich etwas vor und flüsterte: „Gesattelt. Man weiß Bescheid!"
Der Eunuch Taylan verschwand so leise und unspektakulär, wie er gekommen war.
Der Kislar Ağa Bilâl, der schon eine ganze Zeit geschwiegen hatte, versuchte, sich nun in Erinnerung zu bringen. Er verstand die Abneigung der kaiserlichen Majestät gegen die fortwährenden Kriege allzu gut. Ihm kamen ähnliche Gedanken wie dem Großwesir zuvor. Die erfolglose Belagerung der Festung Belgrad und der Krieg in Kleinasien hatten eine Vielzahl Menschenleben gefordert. Die Armeen des Sultans waren geschwächt. Die abendländischen Staaten jetzt weiter zu provozieren, hieße, sie zu einem neuen Krieg herauszufordern. In der augenblicklichen Lage könnte es den Bestand der okzidentalen Ländereien des osmanischen Reiches kosten. Und in seinem Bestreben, dem Großwesir in dessen Unterstützung des kaiserlichen Wunsches nach Frieden in nichts nachzustehen, sagte er:
„Wenn mein erlauchter Padischah sich mit einem Proberitt ein wenig die Zeit vertreiben würde, könnte Eure Majestät - in Erwartung der bevorstehenden Nacht - jene der Frauen bestimmen, die er im ehrwürdigen Haus der Glückseligkeit zu treffen wünscht. Ich könnte die Vorbereitungen veranlassen."
Die Rede Bilâls wurde jäh unterbrochen, als der Akağa Taylan die Ankunft der Pferde meldete.
„Später, mein Bilâl", sagte der Sultan. „Jetzt erwarten mich weit wichtigere Dinge, als die Entscheidung für eine unterhaltsame Vergnügung, die zu bestimmen ich auch kurzfristig in der Lage bin."
Der Sultan stand auf und ging, im Gefolge Çandarlı Halil, Bilâl, den Akağa Taylan und zwei andere weiße Eunuchen, die zum Schutz des Herrschers abgestellt waren, hinaus auf den weiträumigen Innenhof des Palastes. Was er sah, ließ ihn für einen Augenblick in Verzückung geraten.
„Bei Allah", rief der Sultan, „welch wundervolles Ross!"

23.02.2007 um 09:31 Uhr

Leseprobe: Der Fluch des Eunuchen I. Kapitel/4.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut, da Kassik-Radio mich unterhält...

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I. Kapitel/4.Abschnitt

Edirne im Sommer 1444


„Niemals könnte ich so vermessen sein, das zu glauben“, versicherte Çandarlı Halil. „Die Vorliebe für die Schnelligkeit, die Ausdauer und die Härte arabischer Pferde sowie die Passion Eurer kaiserlichen Majestät für weiße Pferde haben mich bei meiner Suche geleitet.“

Mehmet2


Murat II. schaute seinen Großwesir an. Er dachte, dass es ein schlauer Schachzug des Mannes war, dem er vertraute, ihm einen solchen Gefallen zu tun. Pferde waren nicht nur seine Liebhaberei. Ein schnelles Pferd zu besitzen, entschied im Kampf oft über Leben und Tod. Und seiner Stute hatte er mehr als einmal sein Leben zu verdanken. Wie sehr er das Pferd schätzte, drückte der Padischah damit aus, dass er es Bayaad dheheb – Weißes Gold genannt hatte.
„Ein Pferd?“, wandte Bilâl fragend und mit einer Spur des Verständnisses nachsichtig lächelnd ein. Er war der einzige Bartlose unter den drei-en, was er bei genauer Betrachtung durchaus nicht als Mangel empfand. Eher war das die Ursache seiner Stärke über die Triebe, deren seine beiden Gegenüber oftmals vergeblich ver-suchten Herr zu werden. Diese männliche Un-vollständigkeit hatte ihm eine für seine Verhält-nisse unvorstellbare Machtfülle und Reichtum beschert. Galt er doch als einer der weisen Ratgeber des Padischahs, als einer der wenigen Vertrauten und als überaus vermögend.
„Ein prachtvolles Pferd ist mehr als ein Palast voller Gold!“, sagte er in dem Bewusstsein, so-wohl seiner Majestät als auch Çandarlı Halil Pascha zu schmeicheln.
„Es hat auch schon einen Namen, der meinen erhabenen Padischah an Bayaad dheheb erin-nern wird.“, sagte der Großwesir. „Bayaad almaas – Weißer Diamant!“
Wohl wissend, das Interesse des Sultans endgültig geweckt zu haben, versuchte er es noch zu steigern: „Das Ross ist bereits hier in Edirne. Es steht in meinen Stallungen. Wann immer mein erhabener Gebieter diesen weißen Traum zu sehen wünscht, kann es hergebracht werden.“
Çandarlı Halil sah, wie der Sultan mit sich rang, seinem Wunsch nach Besichtigung des Pferdes augenblicklich nachzugeben. In Erinnerung an einen Lieblingsplatz seines Padischahs, fuhr er aufreizend fort: „Eure kaiserliche Majestät könnten gleich einen Proberitt hinüber zur Maritza machen, um zu sehen, wie hoch der Wasserstand der Tunça ist und ob die Schiffe mit dem Getreide nun endlich anlanden und entladen werden können.“
Klar, ja überdeutlich sah der Sultan sich damit konfrontiert, dass die Herren der Hohen Pforte abwehrend auf seinen Wunsch, sich ins Privatleben nach Magnesia zurückzuziehen und Mehmet auf den Thron zu setzen, reagierten. Freilich würde er das so nicht durchgehen las-sen.
Ohne auf den Vorschlag seines Großwesirs einzugehen, erwiderte der Sultan daher: „Man soll nicht vergessen, dass ein Wort eines Sul-tans gilt. Ich bin der Vertreter Allahs auf Erden. Wie Würmer werde ich diejenigen zertreten, die sich meinen Wünschen widersetzen.“
„Mein Padischah, erlauchte Majestät“, hob Çan-darlı Halil an. Er wusste, wie weit er seinem weltlichen Herrn und Kalifen widersprechen konnte, ohne in Ungnade zu fallen. Deshalb wählte er seine Worte mit Vorsicht und immer darauf bedacht, das Licht der Sonne über dem Herrscher scheinen zu lassen. Sein Wider-spruch musste aussehen wie eine Zustimmung und dem Sultan eine Hintertür offen lassen, durch die er würde auf den Thron zurückkehren können. Es war ein Drahtseilakt. Aber die Çan-darlıs waren es gewohnt, ihre Stellung durch die Gewandtheit ihrer Zunge zu sichern.
Als die kaiserliche Majestät ihn herausfordernd anschaute, begriff Çandarlı Halil Pascha, dass er mit seinen Gedanken zu weit abgeschweift war.
„Nie könnte ich so vermessen sein“, erklärte er unterwürfig, „mich der erhabenen Weisheit meines Padischahs zu verschließen. Es ist mehr als wahr, dass Ihr an der Spitze des Heeres schon genug Feldzüge im Kampf für den Glauben unternommen habt. Mein Padischah möge jedoch bedenken, wie jung sein Sohn Mehmet ist. Heißblütig, ja. Aber verfügt er über die nötige Erfahrung, einen Krieg zu führen, siegreich zu sein, wie Eure Majestät“, schmei-chelte der Großwesir trotz der Erinnerung an die gerade erlebte Niederlage vor Belgrad. Die Belagerung der Stadt musste ohne militäri-schen Erfolg abgebrochen werden. Die Kara-manen nutzten diese für die Osmanen un-günstige Entwicklung an der europäischen Front, um sich der osmanischen Hegemonie in Kleinasien zu entledigen. Also musste ein Teil der Armee eingesetzt werden, um den Kara-manen eine Niederlage beizubringen. Bei der politischen und militärischen Gesamtkonstel-lation aber kam der Sultan nicht umhin, in diesen Tagen den besagten Friedensvertrag in Szegedin abzuschließen.
„Für die Erfahrung ist mein Großwesir da. Ihm obliegt es, meinen Sohn richtig zu lenken!“, entgegnete der Sultan, um dann den Bilâl fordernd anzuschauen: „Und für den Ausgleich seiner Seele wird mein Kislar Ağa sorgen!“

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22.02.2007 um 17:03 Uhr

Der Fluch des Eunuchen I. Kapitel/ 3.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut
Musik: Filmmusik von Nino Rota

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I. Kapitel/3.Abschnitt


Edirne im Sommer 1444

Nun nickte er fast unmerklich dem Ulema Saladdin Yilmaz zu, der nun seinerseits mit einem Gebet den osmanischen Streitkräften Lob zollte.
„Bismi-llahir-rahmani-rahim la-ilaha-il-allah ilahahn wahida  wa nahnu lahu muslimun" begann der Ulema, „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Es gibt keinen Gott außer Allah, dem Einzigen, und wir ergeben uns Ihm!"
Nachdem er die Eingangsformeln verkündet hatte, fuhr er fort: „Und ER verleiht seinen Streitkräften Würde, Ruhm und Ehre, und ER vernichtet die feindlichen Streitkräfte allein. So ist das gesamte Königreich sein und sein ist aller Lob. ER macht lebendig und tötet, und ER tötet und macht lebendig. ER ist lebendig, ohne jemals zu sterben. In seiner Hand ist alles Gute, und ER hat die Macht über alle Dinge - Biadhihil-chair wa huwa ala kulli schay-in kadir!"
Als der Mufti seine Rede beendet hatte, klatschte der Padischah einmal in die Hände, und sofort eilten die weißen Eunuchen zum Tisch.
Der für die Dienste innerhalb des Großherrlichen Hauses zuständige Leiter, der Akağa Taylan, ein weißer, überaus groß gewachsener Eunuch unbestimmten Alters, überwachte aufmerksam die Arbeit seiner Mitarbeiter, die nun bestrebt waren, sowohl das Kaffeegeschirr als auch die Schalen mit dem übriggebliebenen Obst abzuräumen.
„Ihr habt recht getan, mein Saladdin!" sagte der Sultan zu Ulema Saladdin Yilmaz. „Das siegreiche Heer im Namen des HERRN zu loben, ist uns Verpflichtung." Er drehte sich um, suchte die Augen Akağa Taylans und bedeutete ihm, dass die weißen Eunuchen den Raum zu verlassen hätten.
„Wie Ihr wisst, habe ich vor einiger Zeit prachtvolle Beschneidungsfeiern für meine Söhne veranstaltet", sagte der Padischah, als er mit den Männern der Hohen Pforte allein war. „Ich hatte andere Pläne, aber nun ist Alaeddin, mein Ältester, heimgegangen zu Allah. Er wird eingehen in den Garten des Paradieses. Siebenundsiebzig Jungfrauen werden ihn in den Kitab der Unvergänglichkeit begleiten."
Ein ehrfurchtsvoll leises Gemurmel der Wesire bezeugte die Trauer über den Tod des jungen Mannes und zugleich das Verständnis für seine Unsterblichkeit in dem Garten des Paradieses Allahs.
„Ich habe ja wirklich schon genug Feldzüge im Kampf für den Glauben unternommen. Gerade erst bin ich vom Balkan zurückgekehrt, wo unsere Truppen weiter kämpfen", fuhr der Padischah fort. „Jetzt ist es an einem anderen, die große Aufgabe fortzusetzen. Es ist an der Zeit, meinen Sohn Mehmet auf den Thron zu setzen, denn ich will noch zu meinen Lebzeiten sehen, was für einen Großherrn mein Sohn abgibt."
Obwohl der Sultan erwartet hatte, dass es Einwendungen geben würde, ärgerte ihn die Bestürzung, die er mit dieser schicksalhaften Bestimmung auslöste.
„Außer Çandarlı Halil und Bilâl dürfen sich jetzt alle zurückziehen!", sagte der Padischah ärgerlich, und mit einer missmutigen Handbewegung entließ er die übrigen Würdenträger.
Wie aus dem Nichts tauchte der Akağa Taylan mit dem Trupp seiner weißen Eunuchen wieder auf, die sich eifrig darum bemühten, die Ordnung auf dem Tisch wiederherzustellen. Hinter dem würdevollen Akağa kam der oberste Tabakbewahrer mit dem kaiserlichen Nargileh, in dem ein kleines Stück glühender Holzkohle versenkt war, bereit, seiner Majestät den erforderlichen Anschub für den unerlässlichen Rauch zu gewähren. Und auch der oberste Kaffeekoch wartete wieder, um auf dem vorbereiteten, nun sehr heißen Holzkohlenbecken den Kaffee für den Kalifen zuzubereiten. Çandarlı Halil Pascha war sich einer überlieferten Sitte bewusst: Geschenke erhalten das Wohlwollen des Mächtigen. So hatte es Çandarlı Kara Halil Hayreddin Pascha, sein Urgroßvater gehalten, der hatte es seinem Sohn, Çandarlı Ali Pascha, gelehrt und der wiederum seinem Vater, Çandarlı I. Ibrahim Pascha, der seinerseits diese Erkenntnis an ihn selbst weitergegeben hatte, noch bevor er im Jahre 1439 das Amt des Großwesirs übernahm. Die Çandarlıs waren eine Großwesir-Dynastie, und er würde dafür sorgen, dass es so bliebe.
„Nachdem die geliebte Stute meines Padischahs vor kurzer Zeit durch einen Pfeil getötet wurde, habe ich nach einem gleichwertigen Pferd suchen lassen und bin fündig geworden", hob Çandarlı Halil an.
„Ihr wisst, dass es ausgeschlossen ist, ein solches Pferd zu ersetzen!", wehrte der Sultan ab.


 

21.02.2007 um 07:19 Uhr

Leseprobe: Der Fluch des Eunuchen I. Kapitel/2.Abschnitt

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: saumäßig gut
Musik: Filmmusik: Jenseits von Afrika

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I. Kapitel/2.Abschnitt


Edirne im Sommer 1444


Obwohl als Letzter gekommen, begann Çandarlı Halil, nachdem ihm der Sultan mit einem Kopfnicken das Wort erteilt hatte, seine Rede: „Mein Padischah, Eure Majestät kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Darf ich daran erinnern, dass im Vorjahr der Ungar Johann Hunyadi ein Kreuzfahrerheer gegen uns Osmanen führte, das wir bei Niš zurückwerfen konnten und bei Jalovac vernichtend geschlagen haben? In diesem Jahr nun konnten wir in Szeged Frieden mit den Ungarn schließen. Freilich nicht zu unseren Ungunsten. Die Grenzen des politischen Machteinflusses der Osmanen blieben erhalten, und die Walachei wurde Ungarn tributpflichtig, was uns ebenfalls zugute kommt."
Seine Majestät, Murat II., gab dem Kaffeekoch das Zeichen, mit der Arbeit zu beginnen, und die weißen Eunuchen, die bereitstanden, die Herrschaften zu bedienen, versuchten, so geräuschlos wie möglich, die Tassen auf den Tisch zu bringen, um den Redefluss der hohen Gesellschaft nicht zu stören.
„Wir wollen nicht um den heißen Brei herumreden" hob der Sultan an. „Wir haben an unserem Hof eine Schlange genährt: Georg Kastriota, der einst als Geisel zu uns kam, eine einem Prinzen angemessene Ausbildung von uns erhielt und zu Allah, dem allerhöchsten HERRN, bekehrt wurde. Mit seinem Einsatz an der Front hat er uns so lange getäuscht, bis ihm im Vorjahr die Flucht gelang! Danach erklärte er sich als Christ und proklamierte die Unabhängigkeit Albaniens."
Das Gemurmel der erlauchten Gesellschaft ließ auf ihren Unmut schließen. Es war Verrat. Und den galt es zu rächen.
„Skanderbeg, so lässt er sich nun nennen, kämpft nicht ohne Erfolg gegen unsere Truppen, mein Padischah", wandte Çandarlı Halil ein.
„Mit den Ungarn und dem Papst im Rücken, der dieses Begehren gewiss unterstützt, scheint er mutig genug. Aber er sollte es aus höchst eigener Erfahrung wissen - wir lassen uns niemals von den Ungläubigen, diesen räudigen Hunden, besiegen!"
„Niemals, mein Padischah", beeilte sich Çandarlı Halil zu zustimmen. „Befehlen Eure allerhöchste Majestät meine ehrliche und ganz aufrichtige Meinung?"
„Ich befahl es bereits, als ich ihn zum Großwesir machte", sagte der Sultan launig. „Seine Meinung will ich hören, seine ungeschminkte Meinung, jetzt und immerdar!"
Çandarlı Halil schaute Zustimmung heischend in die Runde.
„Seit Eure erhabene Majestät den Befehl erteilte, den Ausbau des Militärwesens zu beschleunigen, haben die osmanischen Armeen an nahezu allen Fronten bedeutende Erfolge errungen." Er schaute zu dem für den Feldzugsdienst der Armeen zuständigen Ağa und sagte: „Semih Ağa, erläutere der erhabenen Majestät mit wenigen Worten die Entwicklung der Stärke unserer Truppen."
„Eure kaiserliche Majestät, die Eingliederung der Azep, der irregulären Fußtruppe, in unsere osmanische Armee und die Bildung der tapferen Janitscharentruppe haben diese triumphalen Siege möglich gemacht."
Murat II. machte eine ungeduldige Handbewegung.
„Mein Padischah", begann der Semih Ağa von neuem, „wir haben das System der Pencik weitgehend außer Kraft gesetzt. Grundsätzlich nur jeden fünften Knaben aus den eroberten Gebieten zu unserer Armee zu holen, wie es das Gesetz der Knabenlese ‚Devşirme' bestimmt, hätte zu erheblichen Engpässen geführt. Und es kann bei Allah, gelobt sei sein Name, jedem dieser Kinder nur gut tun, das Leben für den „einen Gott" einzusetzen." Er unterstrich seine Worte mit der Schahada: „La ilaha il-lal-lahu- Muhammad-ur- Rasul-ul-lah - Es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist sein Prophet!"
„Es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist sein Prophet!", sagte der Sultan ungeduldig. „Und nun fahrt fort!"
Während der Semih Ağa über die Truppenstärken und den gerade geführten Krieg sprach, dachte Murat daran, dass er diese ständigen Feldzüge zutiefst hasste. Hielten sie ihn doch von seinem Harem fern. Und sich mit einer seiner Frauen zu vergnügen, war allemal angenehmer als das ständige Gemetzel im Kampf. Er sehnte sich nach Ruhe. Aber überall, wo er auftauchte, war das Serail. Ob hier am Hof von Edirne oder auf irgendeinem Schlachtfeld. Im Augenblick genoss er die Stille, die der Palast ihm vor einer zudringlichen Außenwelt bot. Wozu hatte er eigentlich einen so klugen Großwesir wie Çandarlı Halil, wenn er die meisten Entscheidungen selbst treffen musste? Wesir bedeutete Lastenträger, weil er die Last zu tragen hatte, die sein Sultan ihm aufbürdete. Aber hier schien es eine verkehrte Welt zu sein. Er, Murat II., war der Kaiser, gleichermaßen Kalif und der evidente Schatten Allahs auf Erden. Er musste für alles und jedes zeichnen und bei dem großen Gott, das wollte er nun ändern. Der Großwesir ist mein Schatten, dachte er, so wie ich Allahs Schatten bin. Und so wie ich Allahs Willen auf Erden gehorsam durchzusetzen habe, hat Çandarlı Halil meinen Wünschen Gestalt zu geben.
Im Unterbewusstsein hatte er verstanden, was der Semih ağa vorgetragen hatte.

 

21.02.2007 um 07:01 Uhr

Zur Leseprobe: Erklärung der im Text verwendeten Begriffe

von: buchfinder   Kategorie: Bücher

Stimmung: gut

Erklärung der im Text verwendeten Begriffe, damit es Sinn macht, zu lesen und den Inhalt zu verstehen. 

ağa

Titel für Würdenträger außerhalb des juristisch-theologischen Bereiches, etwa für Offiziere, Palasteunuchen etc

akağa

weißer Eunuch

akinci

'Stürmer', Angehöriger einer irregulären leichten Reitertruppe

Alkisch

Segensruf

Allah

arab. Bezeichnung für Gott (wörtl.: DER GOTT)

arz

feierliche Audienz beim Sultan

azep

(anfang irreguläre) Fußtruppe

Bostanci

Gärtner, Angehöriger der Leibgarde des Sultans -

Chasineder

Schatzmeister des Herams

devşirme

Knabenlese

Efendi

[türk.] Efendi, Herr; urspr. ein Ehrentitel, dann allg. Anrede; a Bey.

Emir

War urspünglich ein osmanischer Heerführer, bezeichnet heute einen Stammesführer und Fürsten.

Eunuchen

durch Kastration zeugungsunfähig gemachte Männer; bei den schwarzen EU. Sind nicht nur die Hoden, sondern auch der Penis entfernt worden.

gazi

-türk. ›Kämpfer im heiligen Krieg‹] Gazi, türk. Ehrentitel, verliehen an Sultane und Feldherren

Großwesir

1. Titel des türk. Minister-Präs. (bis 1922);

Hadsch

[arab.], Pilgerreise nach a Mekka, die jeder Muslim, der danach den Ehrentitel Haddschi führt, wenigstens einmal machen soll (a Islam).

Harem

[arab. harim ›verboten‹] der, die den Fremden verschlossenen Frauengemächer im islam. Haus; Gesamtheit der darin lebenden Frauen und Kinder; die Ehefrauen eines Muslim.

harem ağasi

schwarzer Eunuch

haseki sultan

Zu sog. Favoritinnen (haseki sultan) avancierten diejenigen Sultansfrauen, die ihm einen Sohn geboren hatten

Hodscha

Hodscha [pers.], (geistiger) Lehrer in der osman. Türkei.

Hohe Pforte

Bezeichnung für die osmanische Staatsspitze

Hohe Pforte

bis 1924 Residenz des Sultans in Konstantinopel; i. w. S. die Regierung des Osmanischen Reiches.

Imam

Hat mehrere Bedeutungen: 1. Führer, Vorbild 2. Vorbeter 3. Herrscher von Sanaa (Jemen) 4. Ehrentitel für bedeutende Theologen und Rechtsgelehrte

Janitscharen

[türk., yeni tscheri ›neues Heer‹], 1329 aus christlichen Kriegsgefangenen gebildete, durch christl. ›Kindertribute‹, später auch durch Türken aufgefüllte Elitearmee der türk. Sultane

Janitscharenaga

siehe ağa

kadın

bezeichnet die bis zu vier Gattinnen des Sultans

kadınlar saltanatı

Aufgrund ihres Einflusses auf die Staatsangelegenheiten erhielt die damalige Ära des 17. Jh. in der osmanischen Geschichtsschreibung den Namen "Weiberherrschaft" (kadınlar saltanatı).

Kaftan

[pers.-arab.-türk.], langer Überrock vorderasiat. Völker, vorn offen; als Kleidung orth. Juden eng geschnitten, vorn geknöpft.

Kalif

[arab. chalifa rasul Allah ›Nachfolger des Gesandten Gottes‹], Titel der Nachfolger a Mohammeds, die K. besaßen indessen weniger relig. Autorität als weltl. Mach

Kämmerer

1. früher: ein Hofbeamter; 2. BR Dtld.: der Leiter der öffentlichen Finanzverwaltung einer Stadtgemeinde (Stadtkämmerer).

kapikulu

Pfortenunmittelbare Truppen

Khan

Alter türkischer Herrschertitel, gleichbedeutend mit "Sultan".

Kiaja

Ortsvorsteher

Kislar ağa

das Oberhaupt der schwarzen Verschnittenen, denen er selbst angehört, führt die Oberaufsicht über die Odalisken und spielte ehedem eine sehr bedeutende Rolle auch in Staatsangelegenheiten,

Koran

[arab. ›Lesung‹] der die hl. Schrift des Islam als Sammlung der dem Propheten

Kurator

[lat.], 1. Vormund, Pfleger; 2. staatl. Beauftragter in der Verwaltung von Universitäten

Minarett

Turm einer islam. a Moschee (seit 8. Jh.; urspr. Leuchtturm), meist rund und schlank, auch viereckig oder spiralförmig, seltener pyramidenartig; vom M. aus ruft (heute meist mittels einer Lautsprecheranlage) der a Muezzin zum Gebet.

Muezzin

im Islam der Moscheediener, der tägl. fünfmal vom a Minarett aus (heute oft nur noch über Lautsprecher) die Gläubigen zum Gebet aufruft.

Mufti

islam. Rechtsgelehrter, der das Recht offiziell auslegt und Rechtsgutachten erst., M. von Istanbul den Titel Großmufti oder Sheik ul-Islam. Er war Kabinettsmitglied und dem Großwesir im Rang gleichgestellt.

Muslim

Bekenner des Islam

Nargileh

türkisch-pers. für a Wasserpfeife.

Odaliske

[türk.-frz.], weiße Haremssklavin.

Padischah

[pers. ›Schutzherr‹], pers. Fürstentitel, v. a. von osman. Sultanen

Pascha

[türk.], im Osman. Reich und z. T. in seinen Nachfolgestaaten Titel der obersten Beamten und Offiziere; in der Türkei 1934, in Ägypten 1953 abgeschafft.

Pencik

Fünftel

Petschaft

das Handstempel zum Siegeln

Sandschak

[türk. ›Fahne‹], bei den Türken urspr. Fahne als Symbol der Souveränität, dann der Belehnung; schließlich Bez. für die Lehnsgebiete (später die Verwaltungsbezirke). Für einige Gebiete als Name schlechthin üblich.

Schahada

das islamische Glaubensbekenntnis: ›Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Allahs

Scheich

Bedeutet auf Arabisch "Ältester, Oberhaupt eines Stammesverbandes". Seit dem 13. Jahrhundert ist Scheich auch ein Titel des geistlichen und weltlichen Oberhaupts einer religiösen Bruderschaft.

Serail

›Großes Haus‹, ›Palast‹], allgemein: Palast und Regierungssitz des türk. Sultans; i. e. S. der Schloßbezirk des ehem. Konstantinopel

Sherif/Sharif

Titel der Nachkommen des Propheten

sipahi

Reitertruppe -Elite der Armee

Smyrna

griech. Name der heute türk. Stadt Izmir an der Westküste Kleinasiens.

Sultan

[arab. ›Herrschaft‹], Titel islamischer Herrscher, insbes. seit dem 11. Jh. bei Seldschuken und Osmanen.

timar

Pflege/Verpflegung

Ulema

der, islamischer Rechts- und Religionsgelehrter.

valide sultan

Sultansmutter

Wesir

Wesir [arab. ›Stütze‹, ›Träger‹], Bez. für Minister islamischer Staaten

yeni çeri

neue Truppe