Poison Ivy

14.03.2010 um 22:28 Uhr

Abschied im Schnee

von: lady_bright   Kategorie: Mr. Big

Als ich am Morgen die Augen aufschlug, war das schöne Gefühl vom Abend verschwunden. Es machte mir Bauchschmerzen, ihm gleich begegnen zu müssen und ich wünschte, wir hätten diesen Abschied bereits hinter uns. Ich wünschte, ich hätte ihn gehen lassen gestern, so wie es vernünftig gewesen wäre. Aber Vernunft – und besonders in so einer Situation – war noch nie meine Stärke. Ich muss nur an die erste Trennung von K. zurückdenken. Tagelang ist er noch geblieben und wir haben Ausflüge zusammen unternommen. Vernünftig wäre gewesen, ihn vor die Tür zu setzen, aber trotzdem bereue ich keine Sekunde davon, es hat es schwerer und doch auf eine Art auch leichter gemacht. Ich konnte die Liebe spüren, die er noch für mich hatte, es war gut zu wissen, daß er nicht ging, weil er mich nicht mehr ertragen konnte, sondern weil er sich selbst und die Situation, die das alles in ihm auslöste, nicht mehr ertragen konnte. Ich glaube, genauso war es gestern bei uns gewesen, bei mir. Ich wollte ihm zeigen, daß zu einem ganz großen Teil ich selbst es war, die mit der Situation nicht umgehen konnte und daß ich noch ganz viel gute Gefühle für ihn hatte. Aber er ist anders als ich, so anders, ich weiß nicht, ob ich ihm damit 'geholfen' habe.

Der Wecker klingelte und kurz darauf hörte ich ihn schon rumoren. Dann kam er herein, um das Bettzeug zurück aufs Bett zu werfen. Er legte sich neben mich, schmiegte seinen Kopf an meine Schulter und seufzte tief. Nur nicht liegen bleiben, dachte ich, es nicht nochmal 'drauf ankommen' lassen und schwang die Beine aus dem Bett, "Komm, frühstücken.."

Irgendwann kamen wir auf meine Geburtstagsparty nächsten Freitag zu sprechen und daß ich nun ja alleine den Kartoffelsalat für dreißig Personen machen müsse. "Da willst du mich also nicht dabeihaben." stellte er fest. Ich hatte nicht gedacht, daß er mit dem Gedanken spielte, doch mitzufeiern und sagte, "Doch, ich hätte dich sogar sehr gern dabei, aber ich weiß nicht, ob es gut wäre. Würde sich das nicht zu schlimm für dich anfühlen?"

"Dann würden wir da also nicht als Paar hingehen, dann ist das jetzt wirklich die Trennung?" Jetzt wusste ich es, ich hatte ihm ganz und gar nicht geholfen, sondern ihn noch mehr verwirrt, Hoffnungen geweckt und ihm noch mehr weh getan. Ich schüttelte nur den Kopf, es tat mir so unwahrscheinlich leid. Und er hatte schon wieder diesen Blick. "Nicht, um zuzuschauen, wie du mit anderen rumknutschst!", sagte er unvermittelt. "Denkst du das wirklich von mir??",

"Was soll ich denn dann dort? Du bist nicht mehr meine Freundin, die Beziehung ist beendet." Schweigend und mit gesenktem Kopf aß er weiter. Ich brachte nichts runter, gerade so, daß ich meinen Kaffee drin behielt. "Magst du nicht mit mir reden?" Ich konnte das Schweigen nicht ertragen. Er hob den Blick und sah mich an, schüttelte kurz den Kopf, "Worüber denn?", "Vielleicht, worüber du gerade nachdenkst." Es war idiotisch, was sollte er schon denken, aber er war so weit weg in seinem Schweigen, so in sich gekehrt und ich fühlte mich an diesem Frühstückstisch plötzlich ganz schrecklich allein. Ich streckte meine Hand aus, um seine zu streicheln, doch er zuckte ganz leicht zurück und so ließ ich es. Es tat weh, aber das hatte ich mir ja auch redlich verdient...

"Daß wir eine schöne Zeit zusammen hatten, darüber denke ich nach, und daß ich das schönste Silvester meines Lebens hatte und daß das jetzt alles vorbei ist!" Und wie weh es tat..

"Und daß ich es geliebt hab, mit dem Katzenkind rodeln zu gehen. So. Jetzt weißt du es." Zu weh, um noch länger die Fassung zu bewahren..

"Fährst du mich?", er sah auf die Uhr. Zu Fuß würde er seinen Zug nicht mehr schaffen. Dann war er da, der Moment, in dem er nun gehen würde. Es war schlimm. Schlimm, ihm seine CD's heraus zu suchen und seine Handschuhe, die er mir zwar geschenkt hatte, die aber viel zu groß waren. Schlimm, daß er nochmal ins Wohnzimmer schaute und schlimm, daß seine Stimme schon wieder so brüchig war, als er sagte, "Ich werd das alles ganz schön vermissen." Auch mir schnürte es den Hals zu.

Die kurze Fahrt im Auto verlief beinahe schweigend. Ich fragte, "Meldest du dich die Woche nochmal?" Er zuckte nur die Schultern, "Ich weiß grad überhaupt nichts mehr." Als ich auf dem Parkplatz vorm Bahnhof hielt, begann es zu schneien. "Sogar der Himmel weint.", meinte er. So was von ihm zu hören.. Aber mein Lächeln war ein Schmerzvolles.

Dann standen wir uns da gegenüber, die Flocken wirbelten um uns herum. Er sah mich an, schon wieder Tränen, "Danke für die schöne Zeit......", er ging nach einer kurzen Umarmung. "Vielleicht ändern sich deine Gefühle für mich ja nochmal.", sagte er schon im Gehen. "Meld dich", rief ich ihm hinterher, dann setzte ich mich ins Auto, legte die Hand an den Zündschlüssel und konnte ihn nicht rumdrehen. Ich sah ihn im Rückspiegel, wie er auf dem Bahnsteig entlang ging. Er sah "mich" an, wendete im Gehen kaum den Blick vom Auto, bis das Gebäude seinen Blick versperrte. Dann fuhr auch ich los. Mich erwarteten noch etliche Aufgaben, schließlich würden am Nachmittag Gäste kommen.

Gäste, Smalltalk, Spiele mit dem Katzenkind, Gastgeberpflichten. Ich wusste nicht, wie ich sie wahrnehmen sollte. Wie ein Zombie bewegte ich mich durch die Reihen im Supermarkt, starrte auf die Auslagen, ohne sie wirklich zu sehen und wusste weder richtig wo ich war, noch was ich hier wollte. Die Rabenmutter holte mich dann mit ein paar ganz lieben sms wieder aus meiner Lethargie und irgendwie überlebte ich diesen ersten Tag. Danke an alle, die mit aufmunternden Nachrichten geholfen haben! :)

Abends versuchte ich alles in Worte zu fassen, das Handy neben mir. Alle zwei Sekunden hatte ich tagsüber drauf geschaut. Im selben Rhythmus schaute ich nun nach, ob er online war. Er wars nicht. Aber ich wusste zumindest, daß er nicht allein war, er hatte einem Freund versprochen, ihm beim Umzug zu helfen. Für Ablenkung war also auch bei ihm gesorgt. Nicht eine Sekunde konnte ich meine Gedanken von ihm lösen, den ganzen Tag nicht. Ich sehnte mich so nach ihm. Morgens kämpfte ich die ganze Zeit mit dem Impuls, ihn anrufen zu wollen. Ich hätte ihn am liebsten zurück geholt. Hatte ich die größte Dummheit meines Lebens gemacht?

Ich hatte Schwierigkeiten damit, schlafen zu gehen, dachte, daß ich sowieso nicht schlafen könne und zuviel Wein hatte ich auch schon wieder getrunken. Als ich mich dann doch im Dunkeln ins Bett legte, war da auf einmal sein Duft. Das T-Shirt, daß er mir gestern zugeschoben hatte, lag noch auf dem Kissen.. Ich schlief sofort.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Rabenmutter schreibt am 14.03.2010 um 22:57 Uhr:Ich hoffe, dass du auch heute gut einschlafen kannst. Und dass er es noch versteht, irgendwann... Gute Nacht!
  2. Aquarius schreibt am 15.03.2010 um 00:06 Uhr:Selten habe ich Einträge gelesen, die mich so sehr berührt haben, wie diesen und der davorgehende. Soviel Emotion! Und doch ist es, das Geschriebene, vermutlich nur ein schwächliches Spiegelbild dessen, was du wirklich empfindest. Such nicht nach Fehlern, weder bei dir, noch bei ihm. Es gibt kein "falsch", oder "richtig". Denn es ist, was es ist! Und justament ist es eben so, auch wen es sehr schmerzlich ist. Die einzige Frage, die du dir stellen musst ist: Liebst du ihn? Und wenn du über die Antwort länger als 2 Sekunden nachdenken musst, hast du sie dir eigentlich auch schon selbst gegeben. Hart vielleicht, aber ehrlich. Und alles andere hätte auch keinen Bestand: Du warst ehrlich und das ist das Wichtigste. Darauf kommt es an.
    Vielleicht habt ihr noch eine Chance, wer weiß das schon? Aber: meine bisherige Lebenserfahrung hat mir gezeigt, dass die zweite Chance eigentlich nichts anderes ist, wie eine Trennung auf Zeit. Trotz alledem: Stell dir diese eine und ganz entscheidende Frage und handle dann konsequent nach der Antwort!
  3. Anna_Kurz schreibt am 15.03.2010 um 11:13 Uhr:Mein Vater sagte immer: "Mach aus Deinem Herzen keine Mördergrube."
    Ich glaube wirklich, Du hast Dich grade frei gemacht, so wie ich es auch schon einige Male im Leben tat. Alte Gefühle kamen hoch und ich musste mir doch tatsächlich ein paar Tränen aus den Augen wischen.
    Und ich stimme dem Herrn Aquarius zu!
    Sicherlich hattet Ihr wunderschöne Momente zusammen und beide den Wunsch, dass es "DAS" ist. Aber so war es für Dich ja nicht wirklich. Zu viele Dinge die Dich gestört haben. Ich bin sicher, dass dies eine wichtige Erfahrung war, die Du machen musstet um bald dem Menschen begegnen zu können, der zu Dir gehört!

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