Aufgeregt war ich eigentlich gar nicht, nein, wir 'unterhielten' uns noch bis zur letzten Minute, in der ich los musste, via Mail-Chat. Ich hatte mich schick in Schale geworfen, mit enger Jeans, Lack-High-Heels, engem Shirt und einem extravaganten Jäckchen. Natürlich komplett in schwarz. Schwarzer Ledertrench drüber, fertig. (rrrrrrrr) ;-)
Mein Navi meldete nach diversen Baustellen, zehn Minuten Verspätung. Mist, mein großes Manko, ich schaffe es irgendwie nie, pünktlich zu sein. Aber gut, so würde er wenigstens schon da sein. Ich schickte eine Sorry-sms voraus. Nicht, daß er dachte, ich würde ihn versetzen. Eine Lady, ein Wort. ;-)
Als ich ankam, konnte ich so ziemlich das gesamte Lokal überblicken, kein Frank. Vorsichtig fragte ich die Kellnerin, die mich fragend anblickte, nach einem reservierten Zweiertisch und kam ziemlich ins Schleudern, als die Fragezeichen in ihrem Gesicht größer wurden, Zweiertisch hätte sie nicht. Ich stotterte rum, daß da eigentlich schon jemand auf mich warten müsste.. "Ach, der Herr M.!" rief sie erleichtert. Ich wars noch nicht wirklich, denn irgendwie hatten wir verpasst, uns über unsere Familiennamen aufzuklären und ich hatte keine Ahnung ob Frank und 'Herr M.' ein und dieselbe Person sind. Sie führte mich um eine Ecke zu einem etwas versteckt stehenden Tisch und F. war schon aufgestanden, um mir entgegen zu gehen. Wir umarmten uns zur Begrüßung, alles andere wäre komisch gewesen, so lange, wie wir uns jetzt schon virtuell kennen und mögen. Formvollendet nahm er mir den Mantel ab, rückte meinen Stuhl zurecht und entschuldigte sich, daß er sich schon mal ein Bier bestellt hätte. Wow, dachte ich, da darf man sich ja richtig als Frau fühlen und hatte Gelegenheit, ihn mir ein bißchen näher zu betrachten. An die zwei Meter groß (1,95 wie er mir später verriet) kurze Haare, grau meliert (er ist 39), schwarzes Hemd, schwarze Jeans, schwarzes Jackett und was mir auffiel, er war schlanker, als er auf den Bildern wirkte. ;-)
Wir hatten uns gleich viel zu erzählen und entdecken tausend kleine Gemeinsamkeiten, aber auch genauso viele kleine Unterschiede. Er hat einen beeindruckenden Lebenslauf, der mich ein wenig einschüchterte. Aber alles in allem fand ich ihn sehr sympathisch, er hat ein offenes Lächeln, das man gerne anschaut und eine Stimme, die mich, kaum das er den ersten Satz zu ende gesprochen hatte, umhaute. :-)
Als wir dann, nachdem die Kellnerin das zweite Mal nachgefragt hatte, endlich dazu kamen, einen Blick in die Speisekarte zu werfen, meinte er nur, "Und damit wir uns nicht falsch verstehen, du bist natürlich eingeladen." Oookeeey, da sag ich natürlich nicht Nein. Hab mich sehr darüber gefreut. Er hat auch im Gespräch gesagt, daß er jemand ist, der klare Ansagen liebt und macht, auf die man sich dann auch hundertprozentig verlassen kann und daß er jemand ist, der ehrlich ist, "bis das Blut kommt.". Genau so hab ich ihn auch eingeschätzt, er hat eine sehr klare Art sich auszudrücken, er eiert nicht rum, oder macht aus einem Satz drei und widerspricht sich auch nicht in seinen Aussagen. Ich fand es sehr angenehm, mit ihm zu reden, wir haben viel gelacht, aber uns auch viel über uns selbst erzählt. Er hat sich zum Schluß selbst gewundert, wie ehrlich er gewesen sei. Im Gespräch hat er mir immer mal wieder die Hand auf den Arm oder auch meine Hand gelegt. Seine Hände sind groß, sehr groß, richtige Pranken.. :-) Aber es war nie unangenehm und wirkte nie aufdringlich. Irgendwann fand ich es richtig aufregend, seinen Blicken zu begegnen, die ganz offen bewundernd waren. Ich hatte wohl doch bezaubert. :-) Das Essen war superlecker und wir kosteten jeweils beim anderen. Er hatte Pasta mit Tofu und ich Spaghetti mit Miesmuscheln. Hmm... Ich schenkte ihm meine Vorspeisenoliven und er mir die Honigmelone von seinem Antipastiteller.
Ein Freund rief an und fragte ihn, ob er (oder besser wir, denn der Freund wusste, daß er mit mir essen war) noch mit auf eine Depeche Mode-Party kommen wollten. Wir beschlossen, noch auszutrinken und dann zusammen mit meinem Auto dorthin zu fahren. Ich fands toll, denn ich fühlte mich so wohl, daß ich noch keine Lust hatte, den Abend schon zu beenden (es war mittlerweile fast Mitternacht.)
Er bezahlte mit 'ner goldenen Kreditkarte (:-o) und als ich von der Toilette zurückkam, meinte er, "Schau mal, du hast da noch was vergessen." Ich schaute den leeren Tisch an wie ein Auto und verstand nicht, was er meinte. "Schau mal weiter links." Da stand ein wunderschöner Strauß mit zehn langstieligen weißen Rosen auf der Fensterbank. Ich konnte wieder nur rumstottern, "Ist der für mich." Er lachte und bejahte. Ich muss so verblüfft ausgesehen haben, daß sogar die Leute am Nachbartisch, die die Szene mitbekommen hatten, lachten. Er meinte, daß er meinen Gesichtsausdruck herrlich gefunden habe und sich über meine Überraschung sehr gefreut habe. Wow.. Rosen.. Auch noch weiße.. Ich liebe weiße Blumen und ganz besonders weiße Rosen..
ff...