Ganz, ganz vielen Dank für eure lieben Kommentare. Das hilft ganz sehr. :)
Es lichtet sich. Ich hab zwar immer noch keinen Bescheid vom Arbeitsamt, OB ich denn nun überhaupt Geld bekomme in den nächsten Monaten, aber ich konnte schon wieder ein paar Dinge erledigen.
Ich hab den Termin beim Neurologen wahrgenommen und bin jetzt erstmal vier Wochen krank geschrieben. Ich hab den Prozesskostenhilfe-Antrag abgeschickt. Ich hab ne Überweisung zum Radiologen, um ein Kopf-CT zu machen und schon den Termin dafür besorgt. Ich hab nen Termin für ein Kopf-EEG und ich hab einen Termin zum Erstgespräch bei einer Psychologin gemacht. Sie ist eine Gr*fin zu Castell. Aber ohne Faber. ;) Als ich anrief hatte ich ihren Mann dran, der auch den Termin mit mir ausmachte. Wenn er eine Gr*fin geheiratet hat, ist er dann automatisch Graf? Und wie muss ich SIE eigentlich ansprechen, Frau zu Castell? Gr*fin zu Castell? Frau Gr*fin zu Castell? Frau Dr. Gr*fin zu Castell?
Den Termin gemacht zu haben, bin ich sehr stolz, schon als ihr Mann fragte, worum es denn im Groben gehe, kam ich ins Schwimmen. Ich kriegs nicht hin, mein Problem zu artikulieren. Schon gar nicht vor Fremden. Ich hab dann einfach vorgelesen, was der Neurologe auf die Überweisung geschrieben hat.
Dieses Erstgespräch wird wieder extrem schwer für mich. Bis ich mich öffnen kann, das braucht schon viel, viel Nähe und Vertrauen. Und so lange, das wirklich alles an- und auszusprechen, hab ich noch bei keiner Therapeutin durchgehalten. Wenn es an die Substanz ging, war ich raus, hab ich mich gedrückt. Ich hoffe wirklich, die Chemie zwischen uns stimmt. Mein Arzt meinte, sie wäre etwa in meinem Alter. Im ersten Moment hatte ich das Gefühl, daß ich lieber jemand älteren hätte. Aber vielleicht ist das ja gut, bisher hatte ich nur Therapeutinnen, die wesentlich älter waren als ich.
Ein paar Baustellen weniger sind es also schon. Ich hab es genau so gemacht, wie Rabi, Sadeyes und Hedi es vorgeschlagen haben. Ich mach mir jeden Tag eine Liste mit Dingen, die ich erledigen muss/möchte. Und selbst wenn es nur ist, eine Mail zu schreiben, oder die Fensterbänke abzuwischen. Jede kleine Aufgabe ist ein Punkt auf meiner Liste und es fühlt sich gut an, jeden Tag ein paar davon durchzustreichen, auch wenn ich nicht immer alles schaffe.
Wohngeld und Betreuungszuschuss sind zwar immer noch offen, aber wirklich verloren geht es mir nicht, da ich beides in den letzten Jahren ja bereits bezogen habe. Ich müsste nur langsam bis Ende Mai die Weiterbewilligungs-Anträge stellen. Aber bis dahin sollte ich Klarheit haben, wie meine finanzielle Lage sich gestalten wird.
Das Amt hat sich in den wenigen Wochen, in denen ich nun schon dort gemeldet bin, auch nicht mit Ruhm bekleckert. Ich saß beim letzten Termin insgesamt drei Stunden dort, die Bearbeiterin hat sich meine Stellungnahme zur Kündigung durchgelesen, meinte, sie wolle es sofort bearbeiten und hat mich verabschiedet. Zwei Tage später hatte ich zwei Briefe von ihr im Kasten und wollte schon loben, ob der kurzen Bearbeitungszeit. Aber in einem stand nur, daß mein Antrag noch nicht bewilligt werden konnte, weil eine Sperrzeitprüfung läuft. (War ja jetzt nicht sooooo neu..) Und in dem anderen schreibt sie, daß ihr meine Stellungnahme nicht ausreicht und ich noch nähere Angaben machen solle. Hätte sie das nicht gleich sagen können, als ich dort war? Sie hat es doch durchgelesen, genau deswegen war ich doch dort, um zu erfahren, ob meine Unterlagen zur Bearbeitung ausreichen... Also noch eine geschrieben. Es war Freitag, halb Zwölf mittags. Um Zwölf schließen die dort ihre Bürotüren zu. Sechs Minuten vor Zwölf hatte sie meine Stellungnahme auf dem Tisch... Nun wird meine Stellungnahme wohl erstmal dem alten Arbeitgeber vorgelegt und seine Meinung eingeholt. Kann ich mir schon vorstellen, was da abgeht. Erstmal werden die sich ordentlich Zeit lassen, mit einer Reaktion und zweitens werden die natürlich alles leugnen.. Am Ende ist es eh nur eine Ermessensentscheidung der Sachbearbeiterin und für die ist man nur eine Nummer, das persönliche Schicksal das dahinter steht und daß ich mit meinem Kind dann ohne Geld dastehe, das wird völlig ausgeblendet..
Merkt man auch an dem Satz, der noch in diesem zweiten Brief stand. "Solange sie von niemandem Leistung beziehen, sind sie nicht krankenversichert, wir empfehlen ihnen ALG II zu beantragen." TOLL!! Warum sagt die mir das nicht, als ich vor ihr saß?? Ich hatte ihr noch erzählt, daß ich zum ARZT gehen will und hatte angedeutet, daß ich krank geschrieben werde! Wozu sitzen die dort, daß man sich doch alles selbst zusammenreimt? Ich war so wütend!
Ich hab mich nun die letzten Tage mit der Frage gequält, ob ich Hartz4 beantragen soll, oder nicht? Das hieße dann, sich finanziell völlig nackig zu machen. Das hieße, noch einen weiteren Arbeitsvermittler zugewiesen zu bekommen und jeden bescheidenen 1-Euro-Job machen zu müssen. Zum Glück hab ich eine "vertretbare" Wohnung, 57qm ohne Balkon für knapp 400 Euro. Sonst müsste ich auch noch umziehen. Ich hab mich vorerst dagegen entschieden und werde morgen mit der Krankenkasse die Möglichkeiten zur Weiterversicherung absprechen. Wenn die für mich nicht bezahlbar sind, werd ich in den sauren Apfel beißen müssen. Das erschreckt mich sehr...... Ich hab jetzt recherchiert, daß man nach Verlust der Arbeit erstmal vier Wochen weiterversichert ist, bevor der Versicherungsschutz ausläuft. Das hat mir auch keiner gesagt auf diesem Amt! Aber ich muss das noch genau erfragen bei der Kasse, bei den vielen Arztbesuchen, die in nächster Zeit anstehen...
Ansonsten geht es mir recht gut mit der Situation, die Gedankenkreise haben aufgehört, die Stimmung ist nicht mehr so tiefschwarz und ich war in den letzten Tagen, die ja so wunderbar sonnig waren, jeden Tag draußen und hab es sogar hinbekommen, mich auf nem Campingstuhl hinters Haus in die Sonne zu setzen und zu lesen - in nem Wohngebiet.. Das ging vorher für mich gar nicht, ich hatte das Gefühl von überall her beobachtet zu werden. Einmal haben das Katzenkind und ich unser Abendessen mit raus genommen und hinterm Haus ein Picknick gemacht. War toll!
Ehrlich gesagt, schieb ich die momentan gelassene Stimmung auf die Gute-Laune-Pillchen, die mir der Arzt verschrieben hat, die selben, die ich auch schon früher genommen habe, vor ein paar Jahren, als ich mich von meinem Mann trennte. Sie wirken stimmungsaufhellend und angstlösend (und Rabi, Alkohol darf ich damit jetzt auch nicht mehr ^^) und sie wirken offensichtlich gut. Auch, daß ich jetzt krankgeschrieben bin, hilf mir. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich in der Sonne sitze, statt Bewerbungen zu schreiben oder sowas. Ich bin krank, ich darf mich ganz offiziell ausruhen und erholen. Und ja, ich genieße es, die schönen Sommertage die es aktuell gab, waren wie Urlaub für mich. Durch die Tabletten hab ich auch die offenen Baustellen nicht mehr als so belastend empfunden und konnte viel besser mit Alltags-Anforderungen und allen Muss-Dingen umgehen. Ich hab mir keinen Stress gemacht und durch die Listen hatte ich einen sehr guten Überblick über anstehende und schon geschaffte Dinge. Das werd ich auf jeden Fall beibehalten. Für das tägliche Rausgehen muss ich mir noch was ausdenken für die Zeit, die das Wetter jetzt wieder schlechter werden soll. Balkon hab ich ja leider keinen.
Das Katzenkind freut sich über seine gelassene und geduldige Mami und daß ich ihn jetzt schon zwei Stunden früher aus dem Hort abholen kann, direkt nach der Hausaufgabenzeit. Ich freu mich auch darüber.
Was mich nicht so freut, ist, daß ich mir Dinge, die ich gerne gehabt oder getan hätte, verkneifen muss, weil ich sie mir einfach nicht leisten kann, auch wenn der Betrag, den es kostet, erstmal wenig erscheint. Das Orgelkonzert mit Bach-Kantaten letztens in unserem Dom, darauf hatte ich mich schon so gefreut, aber ich hab mir die Sieben Euro verkniffen und spar die lieber, weil ich weiß, daß ich auch bald wieder mit Friseur dran bin. Und die WGT-Karte hab ich auch noch nicht, aber die verkneif ich mir nicht, auch wenn ich ans Gesparte gehen muss. :)
Zum Glück hab ich lauter Menschen um mich, die mich auch finanziell unterstützen. Ein Friseur-Gutschein von F. zu Ostern. Kartoffelsalat und Geld für den Musikunterricht vom Katzenkind von F's Eltern. (!) Und hier und da mal ein zugesteckter Zehner zum Tanken oder Einkaufen von meinen Eltern. Wenn ich die alle nicht hätte, sähe es ganz schön mau aus.. Aber zum Glück hab ich sie ja. :)