Bald Geburtstag und von meinem silbernen und tannengrünen Siegellack nur noch Restchen übrig. Ein Siegel gehört für mich zum Brief, wie die Briefmarke. Überhaupt ist Briefe schreiben für mich eine Kunstform, bei der der Wahl des Papiers, ja sogar der Marke, eine ebenso große Bedeutung zukommt, wie der Wahl der Worte. Einen Brief zu schreiben und zu gestalten ist für mich ein ebenso großes Vergnügen, wie einen Brief zu lesen. Ich genieße es, das Schreiben richtig zu zelebrieren und mir ein passendes Umfeld und Stimmung zu schaffen. Ich zünde Kerzen an und Räucherwerk, suche mir passende Musik und lege mir alles auf dem Tisch bereit, das Tintenfass in der Farbe, die zum Briefbogen passt, das Gläschen mit den verschiedenen Federn (meistens wähle ich aber eine nicht zu breite Bandzugfeder), edles Papier, eine Auswahl an schönen Marken und die Bändchen und den Siegellack zum Versiegeln. Ich bevorzuge es, das Siegel nicht hinten auf den geschlossenen Umschlag zu setzen, zu leicht bricht es oder wird beschädigt durch die vielen Scanstationen und Hände, durch die es bei der Beförderung geht. Ich falte den Brief zu einem Streifen, etwas schmaler, als der Umschlag ist und lege nahe am Rand ein schmales Satinbändchen in der passenden Farbe darum. Auf das verknotete Bändchen kommt das Siegel, der Brief kann also nur dann gelesen werden, wenn das Bändchen zerschnitten wird. Ich finde das hat so einen Hauch von Historie, von Geheimnis und von Verschwörung. (Ich liebte den Film "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" schon als Kind.) ;-)
Und ich liebe Siegellack, die glatte, glänzende Oberfläche, die satten Farben, den Geruch und auch das Geräusch, das helle Klackern, das entsteht, wenn zwei Lackstäbchen aufeinander treffen. Aber wie gesagt, bald hab ich Geburtstag... :-D